Depressive Verstimmungen können unterschiedliche Ursachen haben, am häufigsten Mangelerscheinungen und Hormonstörungen.

Viele Gesichter der Depressivität © *Dr. Hilly Kessler

Diese Frage sollten Sie sich zuerst stellen, wenn Sie bemerken, dass sich eine düstere trübe Stimmung breitmacht: Gibt es Auslöser oder Zustände, die auf das Gemüt schlagen? Gesundheit und Wohlbefinden sind das Ergebnis von aktivierenden und hemmenden Vorgängen, die nur ein Ziel haben: Balance. Dies gilt für die Balance des Blutzuckerspiegels oder des Blutdrucks genauso wie für das Gleichgewicht der Emotionen.

Das ausgeglichene Gemüt ist der Idealzustand der emotionalen Großwetterlage. Stimmungsschwankungen und das Wechselbad der Gefühle sind zunächst normale Anpassungsreaktionen auf Belastungen jeglicher Art. Problematisch wird es, wenn extreme Emotionen wie Depression oder Manie häufiger auftreten oder zum Dauerzustand werden.

Die echte Depression ist der dunkle Extrempol im Kontinuum der Gefühle. Die Manie ist der überbelichtete grelle Extremzustand einer abgehobenen Stimmungslage. Beide Zustände können – wenn sie lange anhalten und schwer ausgeprägt sind – lebensgefährlich sein.

Es gibt viele Ursachen und Auslöser für das Symptom und die Krankheit Depression. Wer erstmals in die graue depressive Welt gerät, sollte zunächst nach dem suchen, was ihm fehlen könnte oder im Körper in Schieflage geraten ist: ein Nährstoff, ein Hormon oder ein Vitamin. Am häufigsten wird man Störungen der Hormonbalance oder Mangelzustände entdecken, die leicht – und oft sehr erfolgreich – zu behandeln sind.

Nur schlecht drauf oder echt depressiv?

Kein Grund zur Panik. Bei jeder Belastung, Störung, Verletzung oder Krankheit kann es vorübergehend zum Stimmungseinbruch kommen. Das ist normal. Ihr Körper wird bemüht sein, das gesunde ausgeglichene Gemüt wiederherzustellen. Echte Depressionen halten hingegen hartnäckig an oder treten immer wieder auf. Das ist ein Alarmzeichen. Ihr Körper ist so stark und andauernd „anderweitig beschäftigt“, dass für die Balance der Glückshormone keine Reserven mehr verfügbar sind.

Depressive Verstimmung ist zunächst ein Symptom, das ganz unterschiedliche Ursachen haben kann. Werden solche Ursachen, z. B. Vitamin D-Mangel, erkannt und beseitigt, verschwindet die Depression in vielen Fällen. Die echte Depression gilt als psychische Erkrankung. Bleiben alle Gegenmaßnahmen ohne Auswirkung auf den depressiven Zustand, wird man von einer echten Depression ausgehen.

Depressive Verstimmungen hat fast jeder Mensch erlebt. Vergleichsweise wenige Menschen sind von einer echten Depression betroffen. Der Hauptunterschied beider psychischer Störungen bezieht sich auf das Gefühlsempfinden insgesamt. Bei depressiver Verstimmung sind durchaus noch Gefühle wie tränenreiche Trauer oder Schuld möglich. Eine echte Depression ist die Abwesenheit jeder Gefühlsempfindung – für jeden Betroffenen eine unerträgliche Hölle.

Wenn Sie wissen wollen, womit Sie es zu tun haben, machen Sie den Selbsttest.

Reaktionen auf Stress und Trauma

Jede Art Stress im Körper verschiebt die Gefühlslage in Richtung Depression. Manchmal merken Sie es, manchmal nicht. Körperliche und psychische Verletzungen (Trauma) können abheilen. Sie hinterlassen aber bleibende Spuren oder Narben, mit denen Betroffene zurechtkommen müssen. Je nachdem wie stark die Traumatisierung ist, kann auch eine Depression unterschiedlich ausgeprägt sein und länger anhalten. Dauerstress ist die Seuche des 21. Jahrhunderts, meint die WHO. Er macht körperlich krank und zerrüttet die Psyche. Dauerstress verbraucht Vitalstoffreserven, gefährdet die Hormonbalance und bereitet den Weg für chronische Beschwerden und Erkrankungen, die wiederum Stress erzeugen – ein Teufelskreis.

  • Wenn Sie sich nach einer Erkältung erschöpft und deprimiert fühlen, ist dies eine natürliche Reaktion des Körpers, die mit der Genesung verschwinden wird.
  • Wenn Sie einen Herzinfarkt erlitten haben, müssen Sie mit einem schwer ausgeprägten depressiven Zustand rechnen. Kliniken versuchen heute vermehrt, das Risiko Depression bei der Therapie des Herzinfarkts zu berücksichtigen.
  • Wenn sich Ihr Lebenspartner von Ihnen getrennt hat,
  • wenn Sie in einer beruflichen Krise stecken,
  • Ihren Arbeitsplatz oder Angehörige verloren haben,
  • wenn Sie unter Gewalt, Flucht oder Vertreibung leiden,
  • wenn Sie beruflichen und privaten Dauerstress zulassen oder
  • exzessiv Freizeitdrogen konsumieren,

müssen Sie mit depressiven Verstimmungen rechnen. Werden solche Stresszustände ignoriert, kann sich eine gefährliche echte Depression entwickeln.

Ein Grund für depressive Zustände ist die enge Vernetzung von Immunsystem und Nervensystem. Nach jedem Trauma hat die Genesung Vorrang – die Neujustierung der Balancesysteme – was zu Abstrichen bei den Glückshormonen führt. Das ist naturgegeben.

Natürliche Seelentröster

»Natürliche« Antidepressiva sind alle Mittel, die nichts mit chemischen Antidepressiva zu tun haben.

Johanniskraut

Hierzu gehören:

  • Hormone,
  • Vitamine,
  • Mineralstoffe,
  • körpereigene Stoffe,
  • Heilkräuter,
  • Schlafkuren,
  • Entspannungstraining,
  • Psychotherapie und
  • kreative Aktivitäten.

Es ist ein überraschend reichhaltiges Angebot, das einzeln oder kombiniert sehr wirksam ist.

Natürliche Antidepressiva wirken meist ganzheitlich und können verlorengegangene Balancen wiederherstellen. Sie haben zudem keine Nebenwirkungen wie chemische Antidepressiva.

Die häufigsten Mangelzustände, die depressive Verstimmung verursachen, sind Vitamin D-, Eisen-, Vitamin B12– Mangel und Schilddrüsenstörungen. All diese Zustände lassen sich leicht erkennen und erfolgreich behandeln – wenn man daran denkt und diese Möglichkeit nicht als belanglos oder unwichtig abtut.

Besonders dramatisch ist es für Frauen, die eine Hormonpille zur Verhütung benutzen oder eine Hormonspirale (die angeblich nur in der Gebärmutter wirkt). Denn diese künstlichen Hormone sind Mikronährstoffräuber. Außerdem können die synthetischen Gestagene nicht alle Stoffwechselfunktionen von natürlichem Progesteron ersetzen. Unausgeglichenheit, verminderte Stress-Resistenz, Ängste und Niedergeschlagenheit bis hin zur Depression können die Folgen sein.

Ärzte wissen in der Regel wenig bis nichts darüber und verschreiben ihren Patienten beim kleinsten Anflug von Depressivität „reflexartig“ Antidepressiva – auf jeden Fall viel zu häufig! Und es trifft bevorzugt Frauen. Wer das zulässt, tappt völlig ahnungslos in die „Antidepressivafalle“, wo er jahrelang bleiben kann.

Da sich Ärzte nur für „Kranke“ zuständig fühlen, müssen Sie selbst aktiv werden: Zunächst lassen Sie Ihre Werte kontrollieren (Vitamin D, B12, Eisen, Schilddrüse). Bei den Ergebnissen müssen Sie berücksichtigen, dass die vom Labor vorgegebenen Normbereiche eigentlich Normbereiche nur von Kranken sind. Denn welcher Gesunde sollte sich die Werte bestimmen lassen? Bei der Interpretation der Werte sollten sich Ihre immer im oberen Drittel befinden! Wurden Mangelzustände identifiziert, beseitigen Sie sie falls nötig durch Nahrungsergänzung. Es ist tatsächlich sehr einfach und sehr preiswert – und sehr oft sehr erfolgreich. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn Sie sich von einem Arzt für Naturheilkunde begleiten lassen könnten.

Da natürliche Antidepressiva überwiegend körpereigene oder körperähnliche Stoffe sind, sind echte Nebenwirkungen kaum zu befürchten. Es gibt bei manchen Mitteln bestimmte Vorgaben für die Dosierung und Anwendung, die Sie beachten sollten. Eine Ausnahme ist der Naturstoff Lithium, der unter ärztlicher Kontrolle als Stimmungsstabilisierer zur Behandlung der bipolaren (manisch-depressiven) Erkrankung eingesetzt wird. Gesunde Ernährung, körperliche Bewegung, Psychotherapie, ergänzt durch homöopathische Mittel, Schlafentzug und Kunsttherapie sind sehr sichere Empfehlungen. Es gibt tatsächlich Studien, die die antidepressive Wirkung von Mittelmeerkost nachweisen.

In der Tabelle finden Sie alle geeigneten sanften Seelentröster, deren Anwendungsgebiete sowie Einschätzungen ihrer Wirksamkeit.

Manche Menschen, die urplötzlich oder jahrelang mit Depression zu kämpfen hatten, können es kaum glauben, wenn sie beispielsweise durch Vitamin D, Vitamin B12 oder Eisen innerhalb kurzer Zeit von ihrer Seelenpein »wie durch ein Wunder« befreit werden.

Depressionen überwinden

Jede antidepressive Option hat ihre Indikation, Berechtigung und bei richtiger Diagnose auch ihre Erfolgswahrscheinlichkeit. Antidepressiva, alternative Mittel und Psychotherapie können einzeln oder kombiniert dazu beitragen, dass belastende oder gar lebensgefährliche depressive Zustände überwunden werden. Zunächst muss klar sein, ob eine depressive Verstimmung oder eine echte Depression vorliegt. Mangelzustände jeder Art sollten ausgeschlossen oder beseitigt sein.

Alternative Mittel sind die „First-Line-Therapie“ bei depressiven Zuständen und Verstimmungen: Beseitigung von Mangelzuständen, Behandlung von Drüsenstörungen, Förderung der Genesung, Stärkung des Immunsystems, Bewegungstraining oder künstlerische Aktivität.

Psychotherapie kann bei jeder Stimmungsstörung wirksam und empfehlenswert sein. Sie ist gleichfalls eine bedarfsabhängige und temporäre Maßnahme, vor allem in Krisensituationen – Psychotherapie erwies sich in Studien als genauso wirksam wie Antidepressiva!

Erst dann, wenn weiterhin eine (zunehmend stärkere) Depression bemerkbar ist, können ärztlich verordnete Antidepressiva hilfreich sein – um die Gemütslage zu stabilisieren oder Suizid vorzubeugen. Antidepressiva sollten möglichst nur eine begrenzte Zeit benutzt werden.

Achtung

Frauen haben ein besonders hohes Risiko, vom Arzt „reflexartig“ ein Antidepressivum verordnet zu bekommen – sobald die Worte „Angst“, „Depression“, „gedrückte Stimmung“ oder „Trübsinn“ fallen. Sie sollten wissen, dass Antidepressiva in den meisten Fällen nicht nötig beziehungsweise sogar gefährlich sind. Das Prämenstruelle Syndrom ist immer eine Mangelerscheinung. Psychische Störungen bei Einnahme der Antibabypille oder bei Hormonspirale sind kein Fall für den Psychiater! Antidepressiva können im Akutfall und bei wiederkehrenden depressiven Phasen eingesetzt werden. Sie können auch Leben retten. Sie sind aber keine nachhaltige Lösung für eine psychische Störung oder ein Heilmittel für eine psychische Erkrankung.

Mit sanften natürlichen Antidepressiva steht Ihnen ein reichhaltiges Instrumentarium zur Verfügung, mit dem Sie in vielen Fällen einen Weg aus dem dunklen Tal der Depression finden können.

Über den Autor

Dr. med. Eberhard J. Wormer studierte Germanistik, Geschichte, Sozialwissenschaften und Medizin. Nach der Approbation und Promotion arbeitete er als Arzt und in medizinischen Verlagen. Dr. Wormer lebt in München und ist heute als Journalist, Buchautor und Herausgeber tätig. Bevorzugte Arbeitsgebiete sind Ratgeber und Handbücher, Lexika sowie fachbezogene Publikationen zu den Themen Medizin, Gesundheit, Naturwissenschaft, Medizingeschichte und Biografien.

Er veröffentlichte bereits zahlreiche Gesundheitsratgeber für ein Millionenpublikum; inhaltliche Schwerpunkte legt er dabei unter anderem auf Herz-Kreislauf, Psyche, Ernährung, Naturheilkunde, gesunde Bewegung, Vitamine und Mineralstoffe.

In diesem Webmagazin erschienen von ihm die folgenden Artikel:

2015 Krebsschutz durch Vitamin D
2017 Eisenüberfülle: die tickende Zeitbombe
2017 Strophantin, Naturkraft für das schwache Frauenherz

Kontakt

Dr. med. Eberhard J. Wormer
Leonrodstr. 32
80636 München
Tel +49-(0)89-129 52 52
Fax +49-(0)89-123 49 67
eberhard.wormer@mnet-online.de
https://de.wikipedia.org/wiki/Eberhard_J._Wormer

*Frau Dr. Hilly Kessler ist Frauenärztin in Luxemburg und international bekannte Künstlerin. Ihre Frauenportraits machen betroffen und nachdenklich. Für dieses Webmagazin hat Frau Dr. Kessler mir ihre Bilder zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

www.hillykessler.com

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