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Gewalt in der Geburtshilfe, das alltägliche Verbrechen

Von | 18. November 2015 – 23:09 19 Kommentare 22.877 AufrufeDrucken

Täglich widerfährt Frauen unter der Geburt psychische und körperliche Gewalt. Am 25. November, Roses Revolution Day, sind Frauen aufgerufen, diese Gewalt anzuklagen.

Rose schüchternGewalt unter der Geburt – ein Tabu

Gebärenden wird viel zu oft während der Geburt durch das geburtshilfliche Personal  Gewalt angetan. Die Öffentlichkeit ist nahezu völlig ahnungslos. Das Thema wurde bislang totgeschwiegen und scheint eines der letzten tatsächlichen Tabu-Themen in unserer westlich-zivilisierten Gesellschaft zu sein. Doch obwohl die Medien in den vergangenen Jahren das Thema fast vollständig ausgeblendet haben, haben sich in den sozialen Netzwerken Tausende von betroffenen Frauen zusammengefunden.

Frauen beginnen die Gewalt anzuprangern

Vor drei Jahren begannen Betroffene, sich zu vernetzen und auszutauschen. Die internationale Nichtregierungsorganisation Human Rights in Childbirth (HRIC) wurde 2012 gegründet und Dr. Katharina Hartmann brachte 2013 von der HRIC-Konferenz in Belgien die Idee des Roses Revolution Day mit nach Deutschland.

Am 25.11., dem Roses Revolution Day, dem Tag gegen Gewalt in der Geburtshilfe, sind betroffene Frauen dazu aufgerufen, eine rosafarbene Rose vor die Tür zu legen, hinter der ihnen Gewalt angetan wurde. Dieses Jahr legen Frauen zum dritten Mal in Deutschland Rosen vor Kreißsaaltüren nieder – oft zusammen mit einem Bericht über die Gewalt, die ihnen widerfahren ist. Die Mütter fotografieren dies und posten die Bilder in den sozialen Netzwerken, wo sie organisiert sind und sich gegenseitig über die erlebten Gewalttaten austauschen.

Was bedeutet „Gewalt unter der Geburt“?

Da diese Verbrechen absolut tabuisiert sind, ist es für die meisten Menschen schwierig, sich vorzustellen, inwiefern eine Gebärende Opfer von Gewalt werden kann. Wir haben ein sehr positiv besetztes Bild von der Geburt eines Menschen. Es ist das Wunder des Lebens – doch für viele Frauen ist es auch das Trauma ihres Lebens. Dies gedanklich zusammen zu bringen ist nicht einfach.

Die Gewalt hat viele Facetten

Die Frauen sollten unterstützt und respektvoll sowie wertschätzend behandelt werden in einer so anstrengenden und auch schmerzhaften Phase ihres Lebens. Stattdessen werden oft ihre Rechte mit Füßen getreten. Gewalt unter der Geburt umfasst psychische als auch körperliche Übergriffe. Sie beginnt beimviele Rosen

  • nicht ernst nehmen,
  • auslachen,
  • beleidigen,
  • unter Druck setzen,
  • ignorieren,
  • allein lassen,
  • dem Missachten der Rechte der Gebärenden
  • und reicht bis hin zu
  • verweigerten Schmerzmitteln,
  • dem nicht genehmigten Verabreichen von Medikamenten,
  • unnötig vielen und brutalen vaginalen Untersuchungen,
  • unnötigen und nicht genehmigten Damm- und Kaiserschnitten
  • und weiteren Eingriffen in die Rechte und die Körper der Gebärenden.

Auch die Hebammen leiden unter der Gewalt

Dabei sind nicht nur die Gebärenden selbst von der Gewalt traumatisiert. In den sozialen Netzwerken und in meinem Buch „Gewalt unter der Geburt“ äußern sich auch viele Hebammen und berichten, was sie selbst erleben und mitansehen mussten. Wie oft sie ihre Ausbildung bereits abbrechen wollten, weil sie die tägliche Gewalt nicht mehr ertrugen. Die (werdenden) Hebammen fühlen sich zum Teil als Mittäterinnen oder zur Mittäterschaft genötigt. Aber sie sind auch oft selbst traumatisierte Zeuginnen und somit Mitopfer. Als besonders belastend erleben sie die Tatsache, dass sie meist zusehen müssen und nicht helfen können – eine Form der Traumatisierung, die auch die Väter häufig betrifft.

Geburtskultur befindet sich im Wandel

Die Geburtshilfe wird seit Jahren immer medizinisch-technischer. „Normale“ interventionsfreie Geburten finden quasi kaum noch statt. Lediglich 6 % der Geburten verlaufen noch ohne äußere Eingriffe, ohne Operationen, Medikamente oder mechanische Entbindungshilfen.

Angeblich immer mehr „Risikoschwangerschaften“

Rose im HerbstSchwangerschaft und Geburt werden zunehmend pathologisiert. Dies zeigt sich auch daran, dass 1990 noch 34% der Schwangerschaften als Risikoschwangerschaft eingestuft wurden, während es im Jahr 2013 bereits 76,3 % waren. Die Risikoschwangerschaft ist also inzwischen der Standard geworden. Das liegt sicher zum Teil daran, dass die Erstgebärenden älter werden und mit künstlichen reproduktiven Maßnahmen sehr „kostbare“ Kinder empfangen werden.  Entsprechend rechtfertigt man in den Kliniken auch die Zunahme der Interventionen, wie die medikamentöse Einleitung der Wehen, den Dammschnitt, den Kaiserschnitt und viele weitere Eingriffe.

Mehrwert der Eingriffe bleibt fraglich

Gleichzeitig lässt sich jedoch seit 1988 keine weitere Verringerung der Säuglingssterblichkeit, der Müttersterblichkeit oder eine Verbesserung der Vital-Werte der Neugeborenen verzeichnen. Der Mehrwert dieser zunehmenden Interventionen und Operationen bleibt also höchst fraglich.

In der Geburtshilfe wird kräftig gespart

Geburtshilfliche Abteilungen „lohnen“ sich für Kliniken kaum. Mit „normalen“ Geburten ohne zusätzliche Eingriffe machen sie oft sogar ein Verlustgeschäft.

Gezielte finanzielle Anreize für operative Eingriffe

Die Krankenkassen entlohnen die allermeisten Eingriffe jedoch gesondert. Es werden also gezielt finanzielle Anreize gesetzt, zu operieren, zu schneiden, zu nähen und zu betäuben.

Personaleinsparung

Zudem sparen die Kliniken Personal ein, versuchen durch das künstliche Beschleunigen von Geburten eine bestmögliche bzw. lohnende Auslastung der Räumlichkeiten und des Personals zu erreichen und nehmen viele ihrer Aufgaben nicht mehr wahr – schlicht weil das Personal (insbesondere Hebammen) fehlt.

Keine Zeit für Gespräche

Für sensible Gespräche, die Aufklärung über Eingriffe, das Einholen der Einwilligung der Gebärenden, einen respektvollen und achtsamen Umgang mit Schwangeren, Müttern und Kindern scheint keine Zeit mehr zu sein, und so bleiben diese Aufgaben viel zu oft auf der Strecke.

Ähnlicher Ablauf der Gewalt

RosengruppeHiermit ist ein optimaler Nährboden für die Gewalt geschaffen. Und so laufen die meisten Fälle, in denen es zu einem gewaltsamen Umgang mit der Gebärenden kommt, auch ähnlich ab:

  • der Klinik dauert die Geburt zu lange,
  • die Geburt soll durch Eingriffe beschleunigt werden,
  • die Wünsche der Gebärenden werden ignoriert,
  • sie wird nicht aufgeklärt,
  • sie wird nicht um Erlaubnis gefragt,
  • die Eingriffe werden gegen den Willen der Frau durchgeführt.

Da sich die meisten Schwangeren nicht so einfach in das Krankenhausprotokoll pressen lassen, kommt es zudem oft zu psychischer Gewalt. Die Frauen werden durch Drohungen und Beleidigungen unter Druck gesetzt und gefügig gemacht.

Die Opfer leiden oft noch lange unter den Folgen

Die Auswirkungen dieser Gewaltform sind nicht unerheblich.

Gestörte Sozialbeziehungen

Sie betreffen die Mütter, ihre Kinder, die Väter und das geburtshilfliche Personal. Sie belasten die Mutter/Kind-Bindung, die Vater/Kind-Beziehung und die Paarbeziehung.

Psychische Folgen

Häufige psychische Folgen bei den Müttern sind Angstzustände, Schlafstörungen, posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen und Wochenbettdepressionen, Bindungsstörungen, der Abschluss der Familienplanung oder ein Wunschkaiserschnitt beim nächsten Kind.

Körperliche Folgen bei der Mutter

Körperlich leiden sie je nach Geburtsverlauf und Gewalttat unter Hämatomen, Wunden, Nahtproblemen oder übermäßigen Blutungen. Wird der Kristeller-Handgriff (Druck durch das Personal von außen auf den Bauch) durchgeführt, der in vielen Kliniken in England und Frankreich bereits verboten ist, können auch Uterus-, Leber- oder Milzrupturen oder Rippenfrakturen auftreten.

Folgen für das Neugeborene

Die Neugeborenen sind ebenfalls häufig psychisch beeinträchtigt und reagieren u.a. mit unstillbarem Schreien, Koliken, Stillproblemen oder auch Bindungsstörungen. Auch mit körperlichen Verletzungen macht sich die Gewalt unter der Geburt bei den Säuglingen bemerkbar. So können Wunden, das KISS-Syndrom, ein Schlüsselbeinbruch, Schädigungen des zentralen Nervensystems oder eine geburtstraumatische Armlähmung und ähnliches auftreten.

Gesundheitspolitik muss umdenken

Das Widersprüchliche an der Finanzpolitik im Gesundheitswesen ist, dass den Kliniken ausreichend Gelder vorenthalten werden – diese werden dann jedoch gezahlt, wenn es zu Interventionen kommt. Vorhanden scheinen die finanziellen Mittel also zu sein. Weshalb aber müssen Frauen dafür aufgeschnitten werden, damit diese Gelder auch in den Kliniken ankommen?

Aufstockung und Umverteilung der Gelder

Die Finanzierung der Geburtshilfe muss einerseits aufgestockt werden.

Andererseits muss die Vergütung aller geburtshilflichen Aktivitäten jedoch auch umverteilt werden. Es darf sich für eine Klinik nicht „rechnen“, die Damm- und Kaiserschnittrate absichtlich und medizinisch unbegründet hochzuschrauben. Es muss ein Abrechnungssystem installiert werden, das sich an den realen Kosten und Ausgaben, die bei den jeweiligen Maßnahmen den Kliniken entstehen, orientiert.

Mehr Hebammen und Qualitätschecks

Zudem benötigen wir für einen angemessenen, respekt- und würdevollen Umgang mit den Gebärenden eine Eins-zu-Eins-Betreuung durch Hebammen.

Auch das Einführen von Qualitätschecks und –siegeln könnte den Schwangeren mehr Überblick und Durchblick bei der Wahl der Klinik verschaffen und würde somit automatisch dazu führen, dass sich die Kliniken an Qualitätsstandards halten.

Forderungen für eine frauenfreundliche Geburtshilfe

RosenbeetDie Standards, die dabei zu erfüllen wären, wurden bereits vor 20 Jahren, beispielsweise in der Charta der Rechte der Wöchnerin, vom Europäischen Parlament beschrieben. Und ebenfalls vor 20 Jahren hat die Coalition for Improving Maternity Services Kriterien für eine mütterfreundliche Geburtshilfe benannt. Die Welt-Gesundheitsorganisation (WHO) hat eine Erklärung abgegeben zur  „Vermeidung und Beseitigung von Geringschätzung und Misshandlung bei Geburten in geburtshilflichen Einrichtungen“ , die Sie hier herunterladen können.

Coalition for Improving Maternity Services fordert Standards für eine mütterfreundliche Geburtshilfe

  • die freie Wahl des Geburtsortes, der Gebärposition, des Geburtsablaufs,
  • die Möglichkeit ohne wehenbeschleunigende oder wehenverzögernde Maßnahmen zu gebären,
  • eine individuelle und angemessene medizinische Behandlung,
  • das ausführliche Informieren der Gebärenden,
  • das Animieren der Gebärenden zu Bewegung und aufrechten Gebärhaltungen,
  • das Verzichten auf Routinemaßnahmen (wie z.B. Schamrasur, Einlauf, Ess- und Trinkverbote etc.) und
  • die Einschränkung von bestimmten Eingriffen (z.B. Geburtseinleitungen bei unter 10%, Dammschnittrate mit dem Ziel bei 5% zu liegen, Kaiserschnittrate von 10% oder darunter).

Die Aufstockung der finanziellen Mittel für die Geburtshilfe darf jedoch keinesfalls mit der Beschneidung der Rechte der Gebärenden oder der Hebammen einhergehen, so wie es derzeit versucht wird.

Darüber hinaus muss das geburtshilfliche Personal bereits in der Ausbildung, aber auch später in Weiterbildungen sensibilisiert und aufgeklärt werden über die körperliche und psychische Gewalt unter der Geburt und über die Rechte der Gebärenden.

Thema enttabuisieren

RosenknospeWichtig ist jedoch auch, dass das Thema enttabuisiert wird. Das Abschaffen der Gewalt unter der Geburt wird nur möglich, wenn die Öffentlichkeit darüber informiert ist. Hier können Sie einen Flyer herunterladen, mit dem Sie Ihre Freundinnen auf den 25.11. hinweisen können.

Daher ist es auch ein bedeutender Schritt, wenn Betroffene wieder am 25.11. eine rosafarbene Rose vor der Tür niederlegen hinter der ihnen Gewalt angetan wurde – ein würdevoller Akt, der eine Gewaltform ins Bewusstsein holt, die uns mit Sprachlosigkeit erfüllt.

Über die Autorin

C. MundlosChristina Mundlos hat bis 2009 Soziologie und Germanistik mit dem Schwerpunkt Geschlechterforschung an der Universität Kassel studiert. Von 2009-2014 war sie Mitarbeiterin im Gleichstellungsbüro der Leibniz Universität Hannover – zuletzt als Leiterin des Familienservicebüros. Zudem ist sie seit 2009 als freie Autorin tätig. Zuletzt erschienen von ihr „Mütterterror – Angst, Neid und Aggressionen unter Müttern“ (2013), „Gewalt unter der Geburt – Der alltägliche Skandal“ (2015) und „Wenn Mutter sein nicht glücklich macht – Das Phänomen Regretting Motherhood“ (2015).

Christina Mundlos ist 33, lebt in Hannover und hat zwei Kinder (4 und 8 Jahre)

Kontakt

www.christina-mundlos.de

E-mail: christina.mundlos@gmx.de

Stellungnahme der Redaktion

Mundlos gewaltAls ich zunächst von dem Buch „Gewalt unter der Geburt“ hörte, dachte ich (wie sicher auch Sie, wenn Sie zunächst die Überschrift des Artikel lesen): „Was soll das denn jetzt wieder für eine Panikmache sein!“. Ich hatte Ihnen schon einige inspirierende Artikel vermittelt, wie frau das Glückserlebnis der Geburt steigern kann: bspw. durch Yoga und Flowbirthing und Hypnobirthing.

In weiteren Artikeln hatte ich Sie darauf hingewiesen, wie Sie eine gesunde Umwelt für Ihr Baby gestalten können:

und wie Sie durch Ihren Lebensstil in der Schwangerschaft dafür Sorge tragen können, dass Ihr Baby im Mutterleib mit allen wichtigen Schutzstoffen versorgt wird und gut ausgereift und fit ins eigene Leben starten kann:

Monatelang haben wir uns in diesem Magazin dafür stark gemacht, dass die Kaiserschnittrate reduziert werden muss. Wir haben an Petitionen teilgenommen, die die Ausbildung und den Verdienst von Hebammen verbessern sollen. Und jetzt soll plötzlich Gewalt unter der Geburt alltäglich und ein Tabuthema sein? Ich muss zugeben, als ehemalige Geburtshelferin, die ihre schönsten Momente im Kreißsaal erlebt hatte, war ich schockiert und konnte es nicht glauben.

Aber dann las ich das Buch „Gewalt unter der Geburt“ und wurde eines Besseren belehrt. Die Erlebnisse der Frauen, die darin berichten, egal ob als Betroffene oder Hebamme, gehen unter die Haut. Mir wurde plötzlich deutlich, dass in unserem Medizinsystem auch in der Geburtshilfe Vieles falsch läuft.

Aus eigenem Erleben weiß ich ja, wie man als Geburtshelfer oft unter Druck steht, wenn nicht genügend Personal da ist, um jede Frau rund um die Uhr zu betreuen, dass man schon mal kurz angebunden reagiert, wenn dieselbe Frage zum x-ten Mal beantwortet werden muss, dass meistens gleichzeitig in mehreren Kreißsälen plötzlich die Herztöne schlecht werden usw. Und trotzdem müssen wir uns darüber im Klaren sein, in was für einem verletzlichen und außergewöhnlichen Zustand sich eine Gebärende befindet.

In diesem Buch wird deutlich gemacht, was für weitreichende Folgen die Technisierung unserer Klinikgeburtshilfe und unserer Sparmaßnahmen für Frauen, ihre Babys und ihre ganzen Familien hat. Chancen für eine Veränderung sehe ich nur, wenn endlich die Geburt als ein natürlicher Vorgang angesehen wird. Eine Geburt, die durchaus auch zu Hause und in Anwesenheit einer erfahrenen Hebamme geschehen kann. Holland geht uns da mit einem sehr guten Beispiel voraus. Da es immer weniger Ausbildungsstellen für Hebammen gibt, könnten erfahrene Doulas regelmäßig unter ärztlicher Begleitung eingesetzt werden.

Dieses Buch ist allen zu empfehlen: Frauen, Hebammen, Ärzten und nicht zuletzt sozialen und politischen Entscheidungsträgern, damit dieser alltägliche Skandal von psychischer und manchmal auch körperlicher Gewalt enden kann.

Haben Sie auch Gewalt unter der Geburt erfahren? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar. Oder besser noch: haben sie eine beglückende und gut umsorgte Geburt erfahren, dann berichten Sie doch auch mal davon!

19 Kommentare »

  • Silvia sagt:

    Ich gebar am 26.06.1979 Mitternacht meine Tochter. Schon im Krankenwagen begannen die Presswehen. Ich wurde für die Geburt im Krankenhaus noch mindestens 30 Minuten vorbereitet und dann endlich auf eine Liege gebracht.Ein großer Saal und aller fünf Meter eine Pergamenttrennwand. Eine Ärztin kam zu mir, untersuchte mich und verhöhnte mich, weil ich einer Fruchtblasenspiegelung nicht zugestimmt hatte. Sie lies mich allein. In dem Moment ging die Presswehen los und ich war allein. Ehe die Hebamme und die Ärztin vor Ort waren, war ich gerissen. Ich wurde genäht. Leide so schlecht, dass ich nach 2 Stunden immer noch stark blutete. Man entschied sich die Naht noch mal aufzuschneiden und erneut zu nähen. Leide ohne Narkose. Ich habe noch nie solche Schmerzen erlebt, aufgeschnitten zu werden und wieder zugenäht. Ich habe heute noch Alpträume und mental den Bezug zu meinem damaligen Mann ( die Ehe ging nach dem 2. Kind kaputt)und zu meiner Tochter nicht verkraftet. Beide wissen nicht, was passiert ist.Ich fühl mich heute noch so unverstanden. Als mein Sohn 4 Jahre später geboren wurde, habe ich mich gegen ein Nähen entschieden. „Es ist nicht aller Tage Abend“

    • Prof. Dr. Ingrid Gerhard sagt:

      Liebe Silvia,
      Es tut mir sehr leid, was Ihnen passiert ist. Vielleicht kann Ihnen der Emotinoscode helfen, mit dieser schrecklichen Geschichte fertig zu werden. Ich hoffe sehr, dass sich in den Krankenhäusern in den letzten 35 Jahren wirklich etwas geändert hat. Und sollte heute eine von Ihnen noch so schreckliche Geburtserfahrungen machen, dann trauen Sie sich bitte, gehen Sie an die Öffentlichkeit, informieren Sie die Familie und holen Sie sich rasch Hilfe.

  • Mariel sagt:

    Hallo, ich bin soeben auf diese Seite gestoßen und möchte gerne meine steinzeitmäßige Entbindung in einer Klinik beschreiben, aber weiß nicht, ob ich dieser Seite vertrauen kann.

  • Huzzl sagt:

    Hallo an alle Schwangeren, Mütter und zukünftig werdenden Mütter,

    Ich habe die Beiträge überflogen. Ich finde es toll und bewundernswert, dass die Geburten doch letztendlich für Mutter&Kind gut gelaufen sind- auch wenn es anfangs oder währenddessen nicht so aussah oder leicht war.
    Allerdings erhoffe ich mir etwas mehr Respekt & mehr Einfühlungsvermögen von manchen Ärzten den werdenden Mütter gegenüber – ich denke, die meisten Frauen können sich auf ihre weibliche Intuition verlassen, da 9 Monate eine lange Zeit sind und die Verbindung von Mutter & Kind noch nie so stark ist wie in dieser Zeit. Ich selbst wäre heute nicht hier, wenn meine Mutter nicht nach ihrem Gefühl gehandelt hätte – als mich die ärztl. Aufsicht schon längst „abgeschrieben“ hat.
    Ich wünsche allen Müttern mit ihren Babys, den helfenden Hebammen und Ärzten alles Gute!
    MFG Huzzl

  • Eva sagt:

    Heuer im Juli, während der großen Hitzewelle kam meine zweite Tochter zur Welt. Meine erste Tochter ist neuen Jahre alt. Die Schwangerschaft verlief wunderbar. Als Bauerstochter wusste ich von meiner Mutter, dass Schwangere nicht wie Kranke behandelt werden müssen. Dieses ganze „Geht das noch?“ nervte mich manchmal. Ich bin der Meinung, das mir mein Körper sagt was geht und was nicht, so war ich körperlich aktiv bis zum letzten Tag. Außerdem wurde mir gesagt, dass die zweite Geburt wie eine erste ist, wenn mehr als 7 Jahre dazwischen liegen. Die erste Geburt dauerte 10 Stunden, verlief normal und abgesehen von einem Dammschnitt und dem anschließenden extrem schmerzhaftem Nähen komplikationslos.
    Vor der Geburt habe ich auch mit meiner Tante gesprochen, deren Kinder in den 80ern zur Welt kamen, beim dritten Kind hatte sie schon ihre Taktik entwickelt: Sie fuhr so spät ins Krankenhaus, dass der Geburtsverlauf nicht mehr gestört werden konnte und niemand mehr sie aus ihrem Gleichgewicht bringen konnte.
    Als die Wehen begannen machte ich mir daher keinen Stress, ich ging davon aus noch Stunden Zeit zu haben, also rief ich meinen Freund an, wir fuhren ins Krankenhaus, ich hatte starke Wehen. Als wir im Kreissaal ankamen war der Muttermund 9 cm geöffnet. 45 min später war meine Tochter auf der Welt.
    Ich hatte eine sehr nette Hebamme, die mich wenig störte und alle waren sehr freundlich. Da ich dennoch die Krankenhausroutine nicht besonders mag, ging ich am nächsten Tag nach Hause. Sehr geholfen in der Zeit der Vorbereitung haben mir die Bücher von Magret Madjesky das Buch „Alleingeburt“(Sarah Schmid) und Osteopathie.
    Bei uns in Österreich hat sich doch einiges zum Positiven verändert, gegenüber der Generation unserer Mütter. Es bleibt aber sicher noch viel zu tun.
    Ich denke wenn die Mutter gut versorgt ist kann gebären ein unglaublich schönes Erlebnis sein.
    LG Eva

    • Prof. Dr. Ingrid Gerhard sagt:

      Liebe Eva,
      vielen Dank für den ermutigenden Bericht. Auch vielen Dank für die Büchertipps: die Zeit vor der Geburt ist wirklich sehr wichtig, um sich von überall her Informationen zu holen, um dann selber am besten zu wissen, was gut für einen ist. Alles Liebe für Sie und Ihre Familie!

  • Lumi sagt:

    Ich habe heuer mein erstes Kind zur Welt gebracht, bzw es wurde per Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Die ganze Schwangerschaft über lief alles bestens und mein Gynäkologe meinte mein Kleiner entwickelt sich genau nach Theorie. Von Anfang an habe ich mir eine natürliche Geburt gewünscht und umso mehr ich las, umso stärker wurde mein Wunsch. Ich habe schon mit dem Gedanken an eine Hausgeburt gespielt, aber nachdem bei einem Infoabend vom Krankenhaus alles so schön geredet wurde und die Ärztin und die Hebamme meinten Ihnen sind natürliche Geburten ohne jegliche unnötige Eingriffe wichtig, habe ich mich aus Kostengründen dazu entschieden im KH zu gebären.
    Alles schön und gut, bis dann die erste Hürde kam. In der 36.Woche (oder war es doch schon die 37.?) war mein Baby noch immer in Steisslage. Im KH hiess es das ist automatisch ein Kaiserschnitt, der für mich nur in (echten begründeten!!) Notfällen in Frage kam. Laut denen und meinem Gynäkologen hatte ich die Wahl eine äußere Wendung zu versuchen oder mir einen Termin für den Kaiserschnitt geben zu lassen. Damit hatte ich nicht gerechnet, da für mich die Steisslage kein Grund war nicht natürlich gebären zu können. Jetzt war es zu spät mir eine Hebamme zu suchen, und ein Krankehaus zu finden indem das noch erlaubt ist war in so kurzer Zeit (von Freitag auf Montag mußte ich mich entscheiden) unmöglich. Mein Gefühl sagte mir, lass das Baby wie es ist, aber die Angst, gegenüber den Ärzten machtlos zu sein lähmt e mich. Mein Mann bestätigte mir, dass egal was, er hinter mir steht. So entschied ich mich für die äußere Wendung, die auch gut ging. So verging die Zeit und Tag für Tag wurden die „Übungswehen“ immer bemerkbarer und öfter. Ein paar Wochen später war es dann soweit. An einem Mittwoch morgen wachte ich wie immer zum x.ten Mal auf, um auf die Toilette zu gehen. Da platzte dann meine Fruchtblase. ich war aufgeregt und leicht nervös, da mein Mann außerhalb der Stadt arbeitete und ich hoffte, dass das Baby es nicht all zu eilig hat. Aber ich freute mich. Endlich war es soweit und in ein paar Stunden würde ich meinen Sohn in den Armen halten. Ich kam sitzend mit dem Krankenwagen ins Kh, wo ich nach ca. 15 min Wartezeit von einer Krankenschwester oder Hebamme (?) etwas gereizt empfangen wurde. Wieso ich denn nicht liegend transportiert wurde. Da kann ich dann ja auch selber gehen. Trotzdem hat sie mich dann sitzen lassen, und so ins Empfangs zimmer gebracht. Dort wurde ich von einer Hebamme untersucht und die meinte ganz optimistisch, dass der Kopf schon gut drinnen ist, und ich auf ca. 1cm und laut ctg ist alles bestens. Gut, dann kamen auch noch Ärzte hinzu und es hieß ich brauche eine Leitung, damit mein Flüssigkeit shaushalt wieder aufgefüllt wird. Es war sehr heiß, also hatte ich nichts daran auszusetzen, da ich sie danach ja wieder rausbekommen würde. Dem war leider nicht so, da sie meinten es ist sicher er. Nur für den Fall, dass was passieren sollte. So kam ich dann auf die Station und da hiess es dann erstmals, das ich nach 18 Stunden dad erste Mal ein Antibiotikum bekommen würde und nach 24 Stunden eine Einleitung. Das war mir ziemlich egal, da ich ganz optimistisch war, dass es nicht so weit kommen würde. Wie ahnungslos ich doch war. Leider nahm ich die ersten Wehen nicht so stark war (anscheinend ist meine Schmerz schwelle relativ hoch) und auf deren Frage wie stark und oft sie schon kommen, sagte ich, dass es mehr wie sehr schwache Regelschmerzen sind. So ging es Stunden weiter und ich fühlte mich gut. Das war anscheinend ein Zeichen für, die Ärzte dass es nicht weiter geht. Bei einem Ctg tagsüber wurde ich wieder an die 18 Und die 24 Std erinnert. Der Gedanke gefiel mir nicht, da schon ein paar Stunden vergangenen waren und laut dem Krankenhauspersonal ging bei mir nichts wirklich weiter. Ich hatte so viel gelesen von „Einleitung – unnötig viele Untersuchungen – Schmerzmittel – Geburtsstillstand – Kaiserschnitt“, so dass ich leicht nervös wurde. Die Stunden vergingen und am Abend kam das nächst e Ctg und die nächste gynäkologische Untersuchung. Nur 1.5-2 cm, unregelmäßig e Wehen. Mit der Leitung im Arm und dem vielen Personal fühlte ich mich wie eine Patientin und nicht eine werdende Mutter. Die Stundem vergingen und ich bekam das erte Mal das Antibiotikum, 8 std später sollte das nächste folgen. Sicherheitsmaßnahmen, da geplatzt e Fruchtblase. Nach 24 std konnte ich die Einleitung, um ein paar Stunden verschieben, aber dann hiess es es ist ja was natürliches was auch det Körper produziert und ich muss den Wehen helfen. Es war Donnerstag Vormittag und nun hatte ich die Aufgabe aufzupassen, dass der Hormonfaden nicht rausrutscht, sonst bekomme ich ein anderes. Die Wehen wurden schrittweise stärker, aber ich fühlte mich nicht mehr wohl in meiner Haut. Der Gedanke an das Antibiotikum, dass mir alle acht Stunden verabreicht wurde, die Untersuchungen und die Einleitung gaben mir ein unangenehmes Gefühl und die ständige Frage, wieso es denn so lange dauert machten mich angespannt und müde. Ich wollte nicht zu viele Untersuchungen und versuchte es zu vermeiden das Personal zu oft zu fragen, wie ich die „echten“ Wehen erkenne und ob sie denn schon da sind. Das führt e nämlich zu keiner Antwort, sondern nur zu einer erneuten Untersuchung, die ich nicht wollte. Ich hatte mittlerweile schon relativ starke Wehen, aber jetzt ging es mit der Eröffnung nur mehr sehr schwer weiter. Freitags zu mittag wurde dann entschieden, dass ich in den Kreissaal kann, da ich auf 3-4 cm bin. Mein Mann und ich freuten uns beide und hofften, dass so die ganzen Medikamente und Untersuchungen endlich ein Ende nehmen. Es tat gut zusammen zum Kreissaal zu gehen und dort alleine zu sein. Die erste Hebamme kam und machte einen ganz netten und fröhlichen Eindruck. Wir fühlten uns wohl mit ihr. Meine Leitung wurde gewechselt, weil sie juckte und weh tat und ich wurde ans ctg angeschlossen. Die Herztöne des Babys waren ausgezeichnet, und die Wehen stark. Als sie mich dann fragte mit was für einer Position ich anfangen will, damit sie es aufschreiben kann merkte ich, dass ich die ganze Zeit über daran festhängen werde. Sie bestätigte mir das und meinte sie müssen das leider so machen. Kurz darauf kam dann auch schon der Arzt und meinte ich komme an den Wehentropf, um den Wehen voran zu helfen. Ich wollte nicht und sagte ihm, dass der Arzt davor gemeint hatte ich könnte noch warten. Nach einer Stunde bekam ich das wehenfördernde Mittel trotzdem. weil es so sein muss, da es zu langsam voran geht. Nach vielen stunden, gesteigertem Wehenmittel und etlichen Untersuchungen (während den wehen) durch verschiedene Ärzte, hatte eine Ärztin die glorreiche Idee den Kopf des Babys zurück zu schieben, da das die wehen fördert. Ich konnte nicht rechtzeitig reagieren. Mein Mann auch nicht. Es war schon viel zu lange und wir beide viel zu müde, um schnell und richtig zu handeln. Mittlerweile war bei den Hebammen schon Schichtwechsel und die Dame hat versucht uns so gut es ging zu helfen. Um es nicht ewig weiter zu erzählen: schlussendlich kam die letzte Ärztin z Entschluss, dass ich bei 9cm einen geschwollen Muttermund habe (kein wunder?!) Und ich einen Kaiserschnitt machen muss, da es zum Geburtsstillstand gekommen ist und alles weitere ist unter eigener Verantwortung. Mein Herz brach in dem Moment. Ich konnte nicht mehr. Nicht wegen der Schmerzen, sondern weil ich einsehen musste, dass ich machtlos war. Nach einer kurzen Besprechung mit meinem Mann willigte ich ein. Zumindest konnte ich meinen Sohn sofort sehen, bevor er meinem Mann übergeben wurde und nachdem ich fertig war konnte ich ihn sofort stillen. Jetzt gehts mir gut, aber wenn ich daran denke unser nächstes Kind wieder im KH zu gebären wird mir ganz flau im Magen. Und ich frage mich wie es sein kann dass unter all den Frauen die ich kennen gelernt habe keine da war die keine Einleitung gebraucht hat. Die Medizin ist schon so fortgeschritten, aber leider wird dadurch auf das Natürliche vergessen. Manchmal ist weniger mehr. Besonders, wenn es um die Geburt geht. Ich wünschte, dass sich bis zu meinem nächsten Kind was ändert, aber ich befürchte, dass das nicht passieren wird.

    Alles Gute allen Frauen da draussen und genauso deren Männern, die dadurch auch einiges miterleben!

    • Prof. Dr. Ingrid Gerhard sagt:

      Liebe Lumi,
      danke für den ausführlichen Bericht! Sie haben recht, das ist Klinikalltag! So war es schon vor 45 Jahren, als ich mein erstes Kind bekam, und so wird es weiter bleiben, wenn wir Ärzte, Hebammen und Frauen nicht mehr Vertrauen in die weibliche Kraft und natürliche Geburt bekommen. Ich hoffe, dass die Erfahrungen so vieler Frauen nicht ungehört bleiben werden. Alles Liebe!

      • Lumi sagt:

        Liebe Dr. Gerhard,

        gerne! Wenn mehr Frauen darüber sprechen würden was ihnen passiert ist und das nicht als „normal“ ansehen würden, dann ja. Vielleicht wird es irgendwann eine Änderung geben. Jetzt verstehe ich wieso mir so viele geraten haben „gehe in eine private Klinik“ oder „mach doch gleich einen Kaiserschnitt“. Ich hoffe trotzdem noch, dass ich die Chance habe eine natürliche Geburt zu erleben und wenn es mir aus legalen Gründen daheim nicht mehr möglich ist, dann hoffe ich, dass ich mental so stark sein werde, dass mich der Ablauf im Krankenhaus nicht mehr so beeinflusst und dass ich bis dahin weiss wozu ich „Nein!“ sagen kann, ohne dass mir dann gesagt wird, dass es unter meine eigene VErantwortung fällt.

        Ich muss sagen es hat gut getan, dass jemandem zu „sagen“, der mir fremd ist.

        Ihnen auch alles Liebe!

        • Prof. Dr. Ingrid Gerhard sagt:

          Liebe Lumi,
          ja, Sie schaffen das! Herzliche Grüße!

        • Barbara sagt:

          Liebe Lumi,
          was meinen sie mit: „…und wenn es mir aus legalen Gründen daheim nicht mehr möglich ist, … „?
          Eine Hausgeburt nach Schnittentbindung ist auf jeden Fall legal, sie können sich eine Hausgeburtshebamme suchen, die das anbietet.Häufig sind diese Geburten sogar sehr leicht.
          Liebe Grüße
          Barbara GfG-Doula® Geburtsbegleiterin aus München

          • Lumi sagt:

            Hallo Barbara!

            Soweit ich das mitbekommen habe (Internet) und laut einer Hebamme, ist es hier in Österreich, oder zumindest in der Steiermark, so gut wie unmöglich eine Hebamme zu finden, die nach einem Kaiserschnitt eine Hausgeburt macht. Anscheinend ist das zu riskant für die Hebammen, im Falle dass doch etwas passieren sollte.

            Lg, Lumi

          • Prof. Dr. Ingrid Gerhard sagt:

            Sie haben Recht, liebe Lumi,
            ich glaube, auch in Deutschland wird bei so einer Situation keine Hebamme eine Hausgeburt wagen, was ich gut verstehen kann, denn es kann wirklich viel dabei passieren.

  • kathi sagt:

    Es ist schon 4,5 Jahre her. Doch als ich auf diesen Artikel gestoßen bin, wurde mir noch mal klar was alles gelaufen ist.
    Danke, das das schweigen aufhört.
    Ich kann nicht alles wieder geben, erzähle jedoch was am meisten weh tat.
    Als ich mein baby auf den arm bzw. Auf die Brust bekam, hat mir meine beleg und „vertrauenns“ Hebamme die Hand am bett mit einem LederGürtel festgebunden….
    Und mich unter hellen halogen Lampen abgepackt. Wo andauern personal umherlief. Ich versuchte krampfhaft mit der noch freien Hand ein Schutz mit dem bettlaken vor dem grellen Licht für mein Neugeborenes zu machen.
    Es war schrecklich!

    • Prof. Dr. Ingrid Gerhard sagt:

      Liebe Kathi,
      das klingt ja wirklich schrecklich und tut mir wahnsinnig leid! Für die Hebamme war es sicher „nur“ Routine. Vielleicht liest sie das hier und begreift, wie unachtsam sie war. Alles Gute für Sie!

  • Kim sagt:

    vor 19 Jahren bin ich schwanger gewesen, da haben wir noch in Berlin gelebt, im Stadtbezirk Tiergarten/Moabit. Im Haus gab es 2 Arztpraxen, einen Internisten und einen Gynäkologen. Mein Mann und ich hatten uns gerade kennengelernt, ich hatte nicht verhütet und hatte immer wieder Probleme mit dem Unterleib, so hatte ich immer einen sehr unregelmäßigen Menstruationszyklus und hatte mit meinem Umzug von Ostfriesland nach Berlin 1 Jahr keine Menstruation. Das Kennenlernen mit meinem Mann bescherte mir wieder einen Zyklus, vorerst, denn dann blieb sie wieder aus. Da ich, kurze Zeit vorher, arbeitslos wurde, zog ich zu meinem Mann und bekam große Schmerzen und bin dann zum Gynäkologen, die Praxis war näher an unserer Wohnung. Er stellte fest, dass ich schwanger war. Erst war ich „schockiert“, denn ich wollte schon Kinder, doch erst mit 35, da war ich 32. Es bestand der Verdacht auf eine Eileiterschwangerschaft, so kam ich in eine Klinik, in der er Belegbetten hatte. Sehr oft wurde zur Kontrolle Unterschall gemacht. Nach 1 Woche Beobachtung in der Klinik stellte sich heraus, dass es keine Eileiterschwangerschaft war. Meine Gebärmutter ist stark abgeknickt und das Aufrichten, bedingt durch die Schwangerschaft, war sehr schmerzhaft.

    Bei dem Gynäkologen fühlte ich mich unwohl, generell fühle ich mich bei GynäkologenInnen unwohl, so empfahl mir eine Freundin, sie hatte 3 Kinder, ins Geburtshaus nach Berlin/Charlottenburg zu gehen. Anfangs habe ich gezögert, da ich Angst vor Geburten hatte, ausgelöst durch die vielen Western, die ich als Kind wegen der Pferde geschaut habe, wo sich die Frauen bei der Geburt die „Seele aus dem Leib schreien“.

    Ich habe mir einen Termin geben lassen und ich war begeistert. Die Hebammen waren sehr nett und rieten mir, zu einer pränatalen Ultraschalldiagnostik, da die Ärzte die neuesten Geräte haben und einige Gynäkologen teils schon veraltete Geräte hätten und die Bilder nicht eindeutig lesen können, außerdem war es da noch nicht sicher, welche Auswirkung Ultraschall auf das Ungeborene hat. Die Hebammen können außerdem alles, bei den Voruntersuchungen machen, was auch der Arzt kann, Größe und Lage ertasten. Bei der pränatalen Ultraschalldiagnostik stellte der Arzt eine linksseitige Lippen-Kiefer-Gaumenspalte fest, wie sich später herausstellte, hatte er sie ziemlich genau vermessen und er gab mir die Kontaktdaten einer Chirurgin, was wirklich unser aller größtes Glück war, denn sie ist eine hervorragende Ärztin, die uns, immer noch begleitet.
    Ich nahm den Kontakt auf und sie besuchte mich noch in der Woche, gab mir alle Telefonnummern, ich erzählte ihr vom Geburtshaus und sie meinte, sie habe die Hebammen mal geschult, was in solch einem Fall zu unternehmen sei und empfahl mir sogar die Geburt im Geburtshaus denn da bleibt das Kind bei mir.

    Anfangs war ich noch verunsichert und die Hebammen meinten, ich könnte auch die Untersuchungen abwechselnd vornehmen lassen, das überließen sie mir, doch wäre es ein Vertrauensbeweis und ich lerne nach und nach alle Hebammen kennen, da nie feststeht, welche dann, wenn ich gebäre, Dienst hat. So wechselte ich ab und hatte den unmittelbaren Vergleich und freute mich immer mehr auf die Untersuchung im Geburtshaus. Beim Arzt war es so, dass ich die Verantwortung über meine Schwangerschaft mit meiner Jacke an der Garderobe abhing, mich mit gespreizten Beinen auf diesen Stuhl setzte und dachte, „so, hier bin ich, dann mach mal“. Im Geburtshaus spielte sich die Untersuchung auf der Liege ab, alles war warm und gemütlich, roch lecker nach Aromaölen, und ich dachte „gut, ich bin bereit, WIR können anfangen. Ich spürte, wie ich Vertrauen in mir/mich bekam, gefühlsmäßig über mich hinauswuchs und entschied, nachdem mir versichert wurde, dass die Spalte keinen Einfluss auf die Geburt hat, mich gänzlich in die Hände der Hebammen zu begeben. Sie waren erfreut, der Gynäkologe hat mich als unverantwortlich beschimpft, so nach dem Motto „Zurück zur Steinzeit“. Mich hat angewidert, das Schwangere wie Kranke und Unmündige behandelt werden. Die Schwangerschaftsvorbereitung haben wir auch im Geburtshaus besucht. Die Hebammen haben mich so klasse gestärkt und vorbereitet, dass ich, die immer Angst vor Geburten hatte, über mich hinausgewachsen bin und, während ich in den Wehen lag, mich zur Hausgeburt entschied, die Chirurgin, begeistert von der Idee, fragte, ob sie bei der Geburt mit dabei sein darf. Mein Mann rief sie an, die Geburt empfand ich eher als witzig, da wir uns über die Geburtsstellung noch nicht einig waren und diverse Stellungen ausprobieren mussten. Letztendlich ging alles gut, zwar nicht schmerzfrei, doch dank der Empfehlung, denn Damm stets mit Öl zu massieren, riss der nicht, nur eine Scharmlippe war eingerissen, die hatte ich auch nicht massiert.

    Ach ja, der Frauenarzt meinte nur, dass die Frauen, die letztendlich dann doch in die Klinik eingeliefert werden, weil es Komplikationen gibt, seien am Ende,“ Ich dachte nur, dass das klar ist, nach Stunden in den Wehen. Sieht keine Frau noch frisch aus, außerdem sortieren die Hebammen aus, da sie ja kein Risiko eingehen wollen und wird in den Voruntersuchungen etwas festgestellt, empfehlen sie auch, in die Klinik zu gehen. Alle aus der Geburtsvorbereitung sind im Geburtshaus niedergekommen, bis auf mich, unser Sohn ist zu Hause auf die Welt gekommen und war in Tiergarten das 1. Kind und hatte die „Nummer“:01/1996

    • Prof. Dr. Ingrid Gerhard sagt:

      Liebe Kim,
      vielen Dank für den persönlichen Bericht, der sicher für viele Frauen eine Motivation sein wird, sich auch mit Geburtshaus und Hausgeburt zu beschäftigen. Sie beschreiben sehr anschaulich, wie Sie während der Schwangerschaft zunehmend Kraft und Vertrauen zu sich und den Hebammen gefunden haben. Und auch die Tatsache, dass Sie ein Kind mit Spaltmissbildung erwarteten, hat Sie nicht untergekriegt. Bewundernswert, wie Sie alles richtig gemacht haben! Alles Gute für Sie und Ihre Familie!

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