Home » Erkrankungen, Naturheilverfahren

Eisenüberfülle: tickende Zeitbombe!

Von | 25. März 2017 – 01:55 395 AufrufeDrucken

Überfüllte Eisenspeicher sind an der Entstehung zahlreicher Krankheiten beteiligt.

Eisen ©drpixel-fotolia

Die Körperchemie ist, was Eisen betrifft, mit raffinierten Mechanismen ausgestattet, um sowohl Eisenmangel als auch Eisenüberladung zu verhindern. Beide Zustände sind mit Beschwerden und Erkrankungen verbunden. Das oberste Prinzip des Eisenstoffwechsels ist die Aufrechterhaltung der Balance von Eisen im Körper.

Zu viel Eisen kann im Körper zum Problem werden, wenn es sich in Organen wie der Leber ansammelt und toxische Wirkungen auslöst. Eine Eisenüberladung entwickelt sich dann, wenn eine Störung an irgendeiner Stelle des komplexen Eisenstoffwechsels auftritt – wenn beispielsweise die »Eisentransport-Bremse« (das Hormon Hepcidin) versagt.

Heute weiß man, dass zu viel Eisen im Körper eine ursächliche Rolle für genetisch bedingte Erkrankungen, Infektionen und Entzündungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und neurodegenerative Erkrankungen (z. B. Demenz) spielen kann. Das liegt daran, dass die Körperchemie unter normalen Bedingungen potentiell schädliche Wirkungen des reaktionsfreudigen Elements Eisen unter Kontrolle hat. Freies Eisen fördert die Produktion hochreaktiver Sauerstoffspezies, oxidative Stressreaktionen, die Lipid-Peroxidation, Erbgutschäden an der DNA und blockiert die DNA-Reparatur. Diese Eigenschaften wirken krankmachend.

Mit Nahrungsmitteln und Eisentabletten ist eine unerwünschte Eisenüberladung praktisch nicht möglich, wenn der Eisenstoffwechsel gut funktioniert und die Eisenbalance im Körper stabil ist. Bewusst eisenreiche Ernährung und Eisentabletten sind nur dann sinnvoll, wenn Eisenmangel herrscht.

Ursache von Eisenüberfülle

Am häufigsten kommt es zur Eisenüberladung, wenn zu viel Eisen aus Darmzellen ins Blut aufgenommen wird. Das ist in der Regel bei erblichen Eisenspeicherkrankheiten (Hämochromatosen) der Fall, die mit Störungen des Eisenstoffwechsels verbunden sind. Das überschüssige Eisen in Form von Ferritin oder Hämosiderin wird dann in Organgeweben gespeichert, vorzugsweise in Leberzellen, und kann dort Schaden anrichten.

Hämochromatose (gr. haima = Blut, chroma = Farbe) ist eine Erkrankung, die durch Eisenüberladung im Körper entsteht und Organschäden verursacht (auch Eisenspeicherkrankheit oder Hämosiderose genannt). Derzeit unterscheidet man fünf Typen erblicher Hämochromatosen bei Jugendlichen und Erwachsenen.

Die Eisenbalance im menschlichen Körper. © Eberhard J Wormer

Häufigkeit von Eisenüberfülle

Eisenüberfülle ist deutlich seltener als Eisenmangel. In Deutschland leben etwa 200 000 Menschen mit Hämochromatose (Schätzung 2009). Da Frauen mit den Regelblutungen und bei Schwangerschaften Blut verlieren, erkranken Männer mit Genmutation bis zu zehnmal häufiger an Eisenüberladung. Abhängig von der Leberbelastung (Alkoholkonsum, Lebererkrankungen) – in der Leber sammelt sich das meiste überschüssige Eisen an – treten erste Symptome meist im Alter von 40 bis 60 Jahren auf.

Symptome und Diagnose der Eisenüberladung

Bei Hämochromatose ist die Eisenaufnahme ins Blut abnorm hoch. Hat sich eine Eisenmenge von etwa 20 Gramm angesammelt, kommt es meistens zu Symptomen. Durch Eisen geschädigte Gewebe verwandeln sich in funktionslose Narbengewebe. Das betrifft etwa die

  • Leber (Zirrhose),
  • die Bauchspeicheldrüse (Diabetes),
  • die Schilddrüse (Hypo-/Hyperthyreose),
  • die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse; Fehlentwicklung der Sexualorgane),
  • den Herzmuskel (Herzrhythmusstörungen/-schwäche) und
  • Gelenke (Arthrose).
  • Vor allem Herzrhythmusstörungen machen frühzeitig auf eine Eisenüberladung aufmerksam.

Die Diagnose lässt sich durch eine Blutuntersuchung klären. Ferritinwerte bei Hämochromatose liegen meist über 1000 µg/l und die Transferrinsättigung beträgt mehr als 60 Prozent.

Beste Therapie der Eisenüberladung: Aderlass!

Der menschliche Organismus kann zu viel Eisen nicht aktiv ausscheiden. Nur durch Blutverluste verringert sich die Eisenmenge im Körper – weshalb Aderlass als Therapie von Eisenüberladung in Frage kommt. Der Aderlass ist weltweit eine der ältesten bekannten medizinischen Therapien. Heutige Ärzte mögen ihn aber überhaupt nicht – leider. Der moderne Aderlass ist die venöse Blutentnahme mit einer Kanüle (50 bis 500 Milliliter). Sehr zu empfehlen ist der Aderlass bei Zuständen, die mit »dickem« Blut verbunden sind. Bei Eisenüberladung und Hämochromatose ist der Aderlass in jedem Fall das Mittel der ersten Wahl.

Abgesehen von persönlichen Abneigungen gegenüber dem Aderlass bei Ärzten und Patienten, gibt es keinen vernünftigen Grund diese wirksame und gut verträgliche Therapie der Hämochromatose nicht durchzuführen. Alternativen wie Auswaschung roter Blutkörperchen (Apherese) oder Medikamente (Magensäurehemmer, Chelatbildner) sind teuer, aufwendig, nicht so wirksam und risikobelastet.

Ernährungstipp: Hämochromatose-Patienten können darauf achten, weniger eisenhaltige Nahrungsmittel zu konsumieren. Schwarzen Tee und Milch sollte man mit den Mahlzeiten trinken, um die Eisenaufnahme zu verringern. Gleiches gilt für Vitamin C-haltige Getränke, da Vitamin C die Eisenaufnahme fördert. Um die Leber zu schonen wird empfohlen, auf alkoholhaltige Getränke zu verzichten.

Prognose bei Eisenüberladung

Diagnose frühzeitig

Wird die Hämochromatose frühzeitig erkannt und regelmäßig mit Aderlässen behandelt, ist die Verlaufsprognose ausgezeichnet. Mit ungünstigen Auswirkungen auf die Lebenserwartung und Lebensqualität ist nicht zu rechnen.

Diagnose bei fortgeschrittenem Stadium

Anders sieht es aus, wenn die Eisenüberladung fortgeschritten ist und Organe bereits geschädigt sind. Je länger die Hämochromatose vorherrscht, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit für Organkomplikationen mit bleibenden Schäden – zumindest kann man den Krankheitsverlauf noch durch die Aderlasstherapie verlangsamen.

Zu wenig und zu viel Eisen sind gleichermaßen gesundheitsschädlich. Im höheren Lebensalter sind die Eisenspeicher bei Männern und bei Frauen nach den Wechseljahren zunehmend gut gefüllt. Die Forschung vermutet, dass überfüllte Eisenspeicher zur Entstehung zahlreicher organischer Erkrankungen beitragen (Rheuma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Demenz).

Über den Autor

Dr. med. Eberhard J. Wormer studierte Germanistik, Geschichte, Sozialwissenschaften und Medizin. Nach der Approbation und Promotion arbeitete er als Arzt und in medizinischen Verlagen. Dr. Wormer lebt in München und ist heute als Journalist, Buchautor und Herausgeber tätig.

Bevorzugte Arbeitsgebiete sind Ratgeber und Handbücher, Lexika sowie fachbezogene Publikationen zu den Themen Medizin, Gesundheit, Naturwissenschaft, Medizingeschichte und Biografien. Er veröffentlichte bereits zahlreiche Gesundheitsratgeber für ein Millionenpublikum. In diesem Webmagazin hat er für Sie bereits 2015 einen wichtigen Artikel geschreiben, in dem er Ihnen empfiehlt, wie Sie sich mit Vitamin D vor Krebs schützen können.

Kontakt

Dr. Eberhard Wormer
Leonrodstr. 32
80636 München
Tel +49-(0)89-129 52 52
Fax +49-(0)89-123 49 67
email: eberhard.wormer@mnet-online.de
https://de.wikipedia.org/wiki/Eberhard_J._Wormer

Buchempfehlung der Redaktion

Eisen. Das Lebenselement. Wie ein Mangel und eine Überfülle unsere Gesundheit bedrohen.

Der menschliche Eisenstoffwechsel ist eine komplizierte Sache und die wenigsten Mediziner kennen sich auf diesem Gebiet aus. Nach wie vor ignoriert die Ärzteschaft mehrheitlich das Gesundheitsproblem des Eisenmangels und verordnet munter gefährliche und risikoreiche Medikamente – statt den Eisenmangel zu beheben und das Leiden zu beenden. Die Lösung des Problems könnte so einfach sein: Eisengaben beseitigen in vielen Fällen erfolgreich den Mangel und die Beschwerden! Wie das funktioniert, hatte ich Ihnen schon in einem früheren Artikel in diesem Webmagazin vorgestellt.

Der Autor erzählt in diesem Buch die faszinierende und spannende Geschichte des Eisens im menschlichen Körper. Darüber hinaus werden die neuesten Erkenntnisse zur Eisenbiologie verständlich aufbereitet. Sie erfahren, wie Sie Ihren Eisenstatus bestimmen und selbst feststellen können, ob Sie von Eisenmangel betroffen sind. Sie finden auch Informationen darüber, wie Eisenmangel behandelt wird – von der Homöopathie bis zur Eiseninfusion. Niemand sollte heute an den Beschwerden des Eisenmangels leiden müssen!

Das Buch spannt den weiten Bogen zwischen Eisenmangel und Eisenüberfülle. Das Beispiel Eisen zeigt, wie wichtig es für die Gesundheit und die Vorbeugung von Krankheiten ist, auf die Balance von lebenswichtigen Vitalstoffen zu achten.

Haben Sie Fragen oder Anregungen zum Eisenproblem, dann schreiben Sie doch einen Kommentar!

Kommentar schreiben

Hier können Sie Ihren Kommentar hinzufügen. Sie können diese Kommentare auch mittels RSS abonnieren

Seien Sie nett. Halten Sie es sauber. Bleiben Sie beim Thema. Kein Spam.

Um Ihren eigenen Gravatar einzurichten, registrieren Sie sich bitte bei Gravatar.