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Frauenherzen ticken anders – Schutz vor Herzinfarkt

Von | 2. Juli 2012 – 12:31 20.307 AufrufeDrucken

Wenn man Zeitschriften liest, meint man, Frauen wären am meisten durch Brustkrebs gefährdet, den es unter allen Umständen zu verhindern gilt. Die meisten Frauen sterben aber nicht etwa an Krebserkrankungen, sondern seit ca. 10 Jahren zunehmend häufiger an Herzinfarkt und Schlaganfall. In den vergangenen 10 Jahren verlief der Herzinfarkt bei etwa 20-30 Tausend Frauen in Deutschland tödlich.

Bis zu den Wechseljahren erleiden Frauen seltener Herzinfarkte als Männer. Man nimmt an, dass die weiblichen Hormone sie davor schützen. Nach den Wechseljahren ist ihr Risiko für diese Erkrankung dann ebenso hoch wie bei den Männern. Was aber deutlich schwerer wiegt, ist, dass Frauen nur halb so oft den ersten Herzinfarkt überleben wie Männer! Auch wird bei ihnen der Herzinfarkt seltener entdeckt.

Eine Veranlagung für Herzinfarkt spielt eine ganz untergeordnete Rolle, vielmehr beinhaltet der Lebensstil gleich eine ganze Reihe von Risikofaktoren. Und wenn bei Ihnen mehrere Risikofaktoren vorliegen, addieren sie sich nicht nur, sondern sie verstärken sich gegenseitig.

Risikofaktoren

  • Rauchen
  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • übermäßiger chronischer Stress
  • Depressionen
  • Ängste.

Symptome

  • Der typische Herzschmerz im Brustkorb, der in den Arm oder den Rücken ausstrahlt, wird auch von Laien rasch erkannt. Bei Frauen äußert sich der Herzinfarkt aber meistens ganz anders:
  • Kurzatmigkeit
  • Übelkeit
  • Schmerzen im Oberbauch oder gar
  • Erbrechen

können die Anzeichen sein. Man nimmt an, dass diese andere Symptomatik als bei den Männern die Ursache für die häufige Fehleinschätzung sein kann.

So verhindern Sie den Herzinfarkt

Hormonersatz wird diskutiert

© Evgeny Rannev - Fotolia.com

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Die Annahme, dass eine östrogenhaltige Hormonersatztherapie Frauen nach den Wechseljahren vor Herz-Kreislauferkrankungen schützen könnte, veranlasste die Ärzte über viele Jahrzehnte, jeder Frau in den Wechseljahren Hormone zu empfehlen. Es stellte sich jedoch vor einigen Jahren heraus, dass unter einer Hormontherapie das Risiko, an einer Herzerkrankung zu versterben, zunahm (neben anderen Risiken, wie Gallensteinen, Thrombosen etc.).

Heute wird den Frauen bei uns in Deutschland zur Prophylaxe von Herzinfarkt keine Hormontherapie mehr empfohlen. Dies könnte sich unter Umständen wieder ändern, denn die „Kalifornische Lehrerinnenstudie“ ergab, dass das Risiko für einen Herzinfarkt bei den Frauen unter Hormontherapie nur halb so groß war wie ohne. Dieser Effekt kann eventuell schon mit extrem niedrigen Hormondosen erreicht werden. In den USA ist deshalb schon ein sehr niedrig dosiertes Hormonpflaster zugelassen, von dem man sich günstige Auswirkungen auf Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Demenz verspricht.

Außerdem scheinen es besonders die Gestagene zu sein, die im Gegensatz zu dem natürlichen Progesteron die Herz-Kreislaufrisiken erhöhen. Die Verabreichung von Bioidentischen Hormonen, also natürlichem Estradiol in Kombination mit natürlichem Progesteron, könnte u.U. wieder einen nutzen bringen.

Allerdings zeigen weitere neue Studien, dass man mit der Östrogentherapie bereits vor den Wechseljahren beginnen müsste, um das Sterberisiko für Herzinfarkt wirksam reduzieren zu können. Dabei muss man sich im Klaren darüber sein, dass frühestens nach 20 Jahren der Effekt messbar wäre. Und ob da in der Zwischenzeit nicht die Nebenwirkungen überwiegen?

Jedenfalls deutet eine aktuelle Studie aus Frankreich darauf hin, dass das Risiko für einen Herzinfarkt und Schlaganfall von der Höhe des Östrogenspiegels im Blut abhängt. Von 6.000 Frauen über 65 Jahren wurden die Hormonkonzentrationen vor und 4 Jahre nach der ersten Untersuchung gemessen. In diesen 4 Jahren verstarben 150 Frauen an Herz-Kreislauferkrankungen. Je höher die Östrogenwerte zu Beginn der Beobachtung lagen, desto höher war das Sterberisiko, auch wenn man das sowieso erhöhte Risiko durch Diabetes und Übergewicht mit berücksichtigte.

Stillen schützt vor Herzinfarkt

© detailblick – Fotolia.com

Wenn Sie jung genug sind und sich schon mit der Vorbeugung von Herzinfarkt beschäftigen wollen, habe ich eine gute Nachricht. Frauen, die mindestens 2 Jahre gestillt haben, können damit ihr Risiko für einen späteren Herzinfarkt um 20-30% reduzieren im Vergleich zu Frauen, die ihre Kinder mit Fläschchen fütterten.

Diese Schlussfolgerung stammt aus der amerikanischen Krankenschwestern-Studie (NHS), in der fast 90.000 Frauen seit 1976 alle 2 Jahre detailliert befragt wurden.

Man nimmt an, dass durch das Stillen die Fettreserven schneller abgebaut werden und der Stressspiegel niedriger wird. Auszuschließen ist aber auch nicht, dass gesundheitsbewusste Frauen einfach länger stillen.

So viel zu den Studien, die Sie sicher eher verunsichern als optimistisch stimmen. Deshalb nehmen Sie Ihre Gesundheit lieber selber in die Hand.

Verbesserung des Lebensstils

Meiner Meinung nach haben Sie ausgesprochen gute Möglichkeiten, durch eine Optimierung Ihres Lebensstils Ihr Risiko für einen Herzinfarkt zu senken. Eine große deutsche Studie bestätigte: wer nie geraucht hat, nicht stark übergewichtig war, sich gesund ernährte und sich mindestens dreieinhalb Stunden pro Woche bewegte, senkte sein Herzinfarktrisiko um 81%! Welches Medikament kann das schon?

Rauchen

Geben Sie endgültig das Rauchen auf. Schon ein Jahr nach der letzten Zigarette sinkt das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich.

Bewegung

Bewegen Sie sich mindestens dreimal in der Woche für ca. eine Stunde. Das kann Walken, Schwimmen, Joggen sein. Wenn Sie Trampolin springen oder das Osflow-Gerät benutzen wollen, brauchen Sie sogar weniger Zeit! Wichtig ist, dass Sie Ihren Kreislauf und Ihr Herz trainieren. Werden die Muskeln aktiviert, so produzieren sie ebenfalls Schutzstoffe. Wenn Sie einen Sport intensiver betreiben, können Sie Ihr Sterberisiko noch weiter verringern. Die Gefäße bleiben elastisch, der Blutdruck stabilisiert sich im normalen Bereich, die guten Blutfette steigen an und die schlechten fallen, die Zuckerkrankheit tritt seltener auf.

Ernährung

Überprüfen Sie Ihre Ernährung. Die sogen. Mittelmeerdiät und basische Kost beugen allen Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs vor. Also den Konsum von tierischen Fetten und einfachen Zuckern einschränken, statt dessen viel Obst und Gemüse essen. Verschiedene Artikel in diesem Webmagazin geben Ihnen Hinweise darauf, wie Sie sich mit kleinen Tricks gesünder ernähren können.  Oder welche gesundheitlichen Vorteile die vegetarische Kost bietet.

Studien haben wiederholt gezeigt, dass mit zunehmendem Obst-, Salat-, Gemüse- und Vollkornkonsum das Risiko eines koronaren Herztodes sank. Sehen Sie zu, dass Sie genügend Omega-3-Fettsäuren essen. Die finden sich bspw. in Leinöl und Nüssen. Auch mit Fischöl können Sie ergänzen, für Vegetarier gibt es die pflanzliche Alternative als Perillaöl.

Aber achten Sie darauf, was Ihnen wirklich bekommt. Es hat keinen Sinn, sich gesund nach Vorschrift zu ernähren und sich dann schlecht zu fühlen. Essen und Trinken soll Ihnen Energie spenden und Sie nicht schwächen. Und dazu gehört eine gute Leber-, Darm- und Verdauungsfunktion.

In letzter Zeit wird Schokolade propagiert, um sich vor einem Herzinfarkt zu schützen. Aber bedenken Sie, dass Sie für ein Stückchen Schokolade von 40 kcal 10 Minuten zusätzliche Bewegung einplanen müssen, sonst werden Sie in 10 Jahren 15 kg zu viel mit sich herumtragen, und das erhöht wieder Ihr Herzinfarktrisiko.

Normalgewicht

Streben Sie Normalgewicht an. Schon eine leichte Gewichtabnahme senkt den Blutdruck besser als alle Medikamente und reduziert damit einen wichtigen Herzinfarkt-Risikofaktor. Besonders die Fettablagerungen am Bauch sind gefährlich. Offenbar produziert dieses Fettgewebe Substanzen, die entzündliche Reaktionen an den Gefäßen fördern, so dass Arterienverkalkung, hoher Blutdruck und Zuckerkrankheit drohen und damit das Risiko für einen Herzinfarkt ansteigt.

Stressabbbau

Bauen Sie Stress ab, und werden Sie gelassener. Es gibt viele Methoden, um Entspannung zu üben, bspw. Yoga, Achtsamkeitsmeditation und Autogenes Training.

Gefühle

Intensivieren Sie Ihre sozialen Beziehungen, und arbeiten Sie an Ihrem Selbstbewusstsein. Ihr Herz ist ein Kommunikationsorgan, es ist nicht nur im Volksmund verbunden mit Liebe, Verzeihen und Gefühlen. Öffnen Sie Ihr Herz für andere Menschen und die schönen Dinge, die Sie jeden Tag erleben dürfen.

Visualisieren

Anstatt Angst vor einem Herzinfarkt zu haben, visualisieren Sie täglich ein gesundes, kraftvolles Herz, und danken Sie ihm dafür, dass es so zuverlässig für Sie arbeitet. Bedenken Sie: nicht der Körper beherrscht Ihre Gedanken, sondern Ihre Gedanken beherrschen Ihren Körper!

Musik

Hören Sie häufiger klassische Musik. Studien haben gezeigt, dass dies den Herzrhythmus normalisiert und die Herzkraft erhält. Auch Singen nimmt Druck von Ihrem Herzen, die Lungen weiten sich, und sauerstoffreiches Blut ernährt Ihren Herzmuskel. Wenn Sie dann noch gemeinsam mit anderen im Chor singen, öffnet sich auch Ihr Herz für Ihre Mitmenschen.

Lachen

Und vergessen Sie nicht, viel zu lachen, denn „Lachen ist die beste Medizin“, nicht nur um gesund zu werden, sondern auch zum Gesundbleiben.

Dieser Artikel beruht auf Fragen, die mir Leserinnen des Magazins Pinkpumps OPEN gestellt hatten. Die verkürzte Form können Sie im Heft 6/2012 nachlesen. Leider ist dieses Magazin eingestellt worden.

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