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Über Mich

Ingrid Gerhard

Ingrid Gerhard

Mein Name ist Ingrid Gerhard. Ich bin Frauenärztin, zusätzlich spezialisiert auf Naturheilkunde und Umweltmedizin, Universitätsprofessorin, seit 2002 als freie Dozentin und Autorin tätig.

Nach meinem Medizinstudium in Göttingen und Freiburg arbeitete ich 2 Jahre auf verschiedenen Abteilungen eines städtischen Krankenhauses im Ruhrgebiet. Ab 1972 gehörte ich 30 Jahre der Univ. Frauenklinik in Heidelberg an.

Nach der Facharztausbildung wurde ich dort 1982 als bundesweit zweite Frau in Frauenheilkunde habilitiert. Neben der praktischen Arbeit mit den Patientinnen habe ich immer mit Hilfe vieler Doktoranden Forschung betrieben, um Gründe für Therapieerfolge und leider auch -versagen zu erkennen.

1993 gründete ich mit Hilfe zahlreicher Sponsoren, in erster Linie der Carl und Veronica Carstens Stiftung, die Ambulanz für Naturheilkunde an der Univ. Frauenklinik, deren Leiterin ich bis zu meinem Ausscheiden 2002 war. Pro Jahr suchten uns etwa drei Tausend Patientinnen zur Beratung und ganzheitlichen Behandlung auf.

Dieser in Europa oder sogar weltweit einmalige Erfahrungsschatz floss in zwei Lehrbücher für Ärzte und Therapeuten ein, in denen zum ersten Mal schulmedizinische und naturheilkundliche Methoden in der Geburtshilfe und Frauenheilkunde gleichberechtigt nebeneinander abgehandelt werden: die Geburtshilfe integrativ und die Gynäkologie integrativ.

Wegen des großen Interesses von Frauen, die ihre Gesundheit selber in die Hand nehmen und ihren Körper verstehen wollen, entschloss ich mich, daraus ein für Laien gut verständliches Handbuch (das Frauen-Gesundheitsbuch) zu verfassen. Darin werden neben Anleitungen zur Gesundheitsvorsorge auch typische Frauen- und allgemeine Erkrankungen erklärt, aufgezeigt, wann ein Arzt zugezogen werden muss und was man selber behandeln kann.

Inzwischen habe ich auch den Wünschen meiner Leserinnen Rechnung getragen, die mehr über die Vorbeugung und Heilung mit Pflanzen wissen wollen. Zusammen mit der Heilpraktikerin und Gründerin einer Heilpflanzenschule, Natascha von Ganski, habe ich „Die neue Pflanzenheilkunde für Frauen“ herausgegeben. Darin werden die 50 wichtigsten Heilpflanzen beschreiben und genau erklärt, in welcher Form sie anzuwenden sind. Denn gegen fast alle häufigen Frauenbeschwerden ist auch ein Kraut gewachsen!

Neben meiner Arbeit an der Klinik gründete ich 1993 mit gleichgesinnten FrauenärztInnen die Arbeitsgemeinschaft für Naturheilverfahren, Akupunktur und Umweltmedizin (NATUM) in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), der größten frauenärztlichen Fachgesellschaft.

Außerdem war ich Gründungsmitglied der Interdisziplinären Gesellschaft für Umweltmedizin (IGUMED), deren Ziel es war und ist, Vertreter vieler Berufsgruppen zusammenzufassen, um die komplexen Zusammenhänge zwischen Umweltfaktoren und Erkrankungen zu bearbeiten.

Als Kuratoriumsmitglied der Werner-und-Elisabeth-Kollath-Stiftung und der Edenstiftung konnte ich einen Schwerpunkt in der Ernährungsmedizin setzen. Schließlich beteiligte ich mich auch an der Gründung der Deutschen Gesellschaft für Energetische und Informationsmedizin (DGEIM).

Warum ich Ärztin geworden bin

meine Kleinfamilie

meine Kleinfamilie

Von meiner Mutter wurden mein Bruder und ich sehr liberal, aber auch mit viel Verantwortungsbewusstsein erzogen. Sie kümmerte sich in ihrer wenigen Freizeit immer um kranke, arme und alte Menschen, wobei wir sie oft begleiteten und Anteil nahmen. Meine Großmutter war Krankenschwester und erzählte spannende Geschichten aus ihrer Arbeit in Krankenhäusern und Lazaretten. Ich verschlang die damals bei Schulkindern sehr beliebten Bücher von Albert Schweizer. So stand für mich immer fest, mal Medizin zu studieren oder zumindest in die Krankenpflege zu gehen. Dank meiner guten Schulleistungen (ich war immer ein sehr wissbegieriges Kind) war es mit dem Numerus clausus kein Problem, und dank Bafög konnten wir uns das Studium auch finanziell leisten.

Wie ich zur Frauenheilkunde kam

Im Labor

Im Labor (Gernot Krautberger, www.fotolia.de)

Als mein Sohn drei Jahre alt war und sich schon ein halbes Jahr im Studentenkindergarten eingewöhnt hatte, wollte ich unbedingt wieder als Ärztin arbeiten, ohne jedoch durch ungeregelte Arbeitszeiten und Nachtdienste zu viel von meiner Familie aufzugeben.

Da bot sich mir die Chance, in der neu gegründeten Abteilung für Hormonforschung und Fortpflanzungsmedizin an der Uni-Frauenklinik Heidelberg im Labor zu arbeiten und nachmittags in der Hormonsprechstunde, eine ideale Kombination aus Forschung und Praxis.

Nach vier Jahren sah ich jedoch ein, dass ein berufliches Fortkommen nur mit einer Facharztausbildung möglich sein würde, so dass ich von nun an alle Stationen der Frauenklinik, zum Teil auch der Anästhesie und der Kinderheilkunde, durchlief. Überall fand ich gleich interessante Forschungsfelder und Kollegen, mit denen ich gut zusammenarbeiten konnte, so dass sich daraus fast zwangsläufig die wissenschaftliche Laufbahn mit Habilitation ergab.

Hausärztin

Hausärztin (bilderbox, www.fotolia.de)

Immer begleiteten mich meine Patientinnen der Hormonsprechstunde, so dass ich viele Frauenschicksale hautnah erlebte, vom unerfüllten Kinderwunsch über die Schwangerschaft zu den Wechseljahren, leider auch manchmal bösartige oder unheilbare Erkrankungen. Probleme in der Ehe, Familie und Beruf kamen immer zur Sprache, so dass enge Kooperationen mit den Psychologen und der Psychosomatischen Medizin aufgebaut wurden.

mit Wunschbaby

mit Wunschbaby

dasselbe "Baby" mehr als 20 Jahre später bei meiner Verabschiedung

dasselbe „Baby“ mehr als 20 Jahre später bei meiner Verabschiedung

 

Da es niemanden gab, der kleine Mädchen und Jugendliche ohne Narkose untersuchen wollte, richtete ich eine Kindersprechstunde ein und erlernte die Methoden, die eine schmerzlose und stressfreie gynäkologische Untersuchung auch bei Kindern ermöglichte. So fühlte ich mich zunehmend als Hausärztin der Frauen und wollte in der damals noch fast ausschließlich von Männern dominierten Frauenheilkunde ihre Rechte, Bedürfnisse und ihre Selbständigkeit fördern.

Wie ich zur Naturheilkunde kam

Da ich mich jahrelang an derselben Klinik befand und die Chance hatte, immer wieder dieselben Patientinnen zu treffen, fiel mir auf, dass die üblichen schulmedizinischen Methoden zwar oft einen Soforteffekt hatten, bspw. das Antipilzmittel bei Scheidenpilzen oder Hormone bei Gelbkörperschwäche, dass aber nach Absetzen der Medikamente der alte Zustand in kürzester Zeit wieder da war.

Als deshalb ein neuer Kollege begeistert von der Akupunktur erzählte und ich mit ihm einige meiner Patientinnen behandelte, war ich überwältigt von den Veränderungen und begann sofort eine entsprechende Ausbildung. Mein Chef ließ mir großzügig freie Hand mit der Aufforderung: „aber vergessen Sie mir die Hormonsprechstunde und die Schulmedizin nicht!“ Natürlich musste ich diese neuen Methoden auch vor den Kollegen vertreten können, so dass ich von Anfang an den Anspruch hatte, die Anwendungen bei meinen Patientinnen zu dokumentieren und im Rahmen von Studien zu verifizieren.

Ohrakupunktur in der Ambulanz

Ohrakupunktur in der Ambulanz

Die Ergebnisse wurden nicht überall gerne gesehen und selten in großen wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert, zu schockierend war bspw., dass Ohrakupunktur bei einer bestimmten Gruppe von Frauen ohne Eisprung genauso wirksam sein sollte wie Hormontabletten und besser als Placebo.

Aber immerhin wurde die Karl und Veronica Carstens Stiftung auf mich aufmerksam, so dass ich von nun an einen starken Partner und Förderer hatte, was mir ermöglichte in größerem Ausmaß auch weitere, bisher nicht in der Uniklinik überprüfte Methoden zu erlernen, einzusetzen und auszuwerten.

Warum auch noch Umweltmedizin?

Unsere Umweltforschung in der Presse

Unsere Umweltforschung in der Presse

Wie bei vielem, was ich im Laufe meines Lebens neu für mich entdeckt habe, war persönliche Betroffenheit nötig, um offen dafür zu werden. In diesem Fall war es eine schwere Holzschutzmittelvergiftung, die sich mein Sohn und ich zuzogen, ohne es über Jahre zu erkennen. Erst ein Zeitungsbericht von einer Holzschutzmittel geschädigten Frau in unserer Tageszeitung öffnete mir die Augen. Ich rief sie an, ließ mir alles erklären, veranlasste Blut- und Raumuntersuchungen und konnte endlich meinem Sohn und mir helfen.

Jetzt achtete ich natürlich auch in der Klinik bei der Erhebung der Krankengeschichte auf mögliche Umweltbelastungen. Es stellte sich heraus, dass bei vielen der Frauen mit wiederholten Fehlgeburten eine Holzschutzmittel- oder andere Giftbelastung vorlag, ebenso bei Frauen mit verfrühten Wechseljahren, Männern mit Unfruchtbarkeit u.a.

Ich absolvierte die Ausbildung zur Umweltmedizinerin und wurde auch in diesem Bereich als Dozentin tätig. Die Unterstützung der Kollegen, die sich wie ich Sorgen um unsere Patienten und die zunehmende Vernachlässigung unserer Umwelt machten, brauchte ich dringend, denn natürlich waren auch meine Ergebnisse zwischen Umweltbelastungen und Erkrankungen nicht gerne gesehen.

Besonders bei Amalgam gingen die Schulmediziner auf die Barrikaden. Und es war ja auch nicht von der Hand zu weisen, dass bei allen Giftbelastungen, sei es durch Rauchen, am Arbeitsplatz oder in der Wohnung, nie alle Personen erkrankten. Deshalb prüfte ich Methoden, die dabei helfen könnten, die „anfälligen“ Menschen zu schützen, vielleicht sogar zu „entgiften“. Das gelang in vielen Fällen durch Nahrungsergänzungen und eine Kombination verschiedener naturheilkundlicher Methoden. Somit hatte ich für mich eine ideale Kombination zwischen Schulmedizin, Umweltmedizin und Naturheilkunde entdeckt.

„Lebenslauf“ der Ambulanz für Naturheilkunde

Die Karl und Veronica Carstens Stiftung, die über Jahre einzelne Studien unterstützt hatte, entwickelte mit mir zusammen das Zukunftsmodell einer Ambulanz für  Naturheilkunde und Umweltmedizin an einer Uniklinik, die damit wegweisend auch für andere Städte sein sollte. Der Plan war, über fünf Jahre die Ausstattung mit Personal zu gewährleisten, damit sie sich anschließend selber tragen könnte. Hochmotivierte Ärzte, Krankenschwestern und Doktoranden mit Spezialisierung auf verschiedene Naturheilverfahren, Akupunktur und Homöopathie behandelten, erhoben Daten und publizierten.

Eine  wöchentliche Ringvorlesung während der Semester zog sowohl Patienten als auch Therapeuten an, denn hier wurden von Spezialisten aus ganz Deutschland ganzheitliche Heilmethoden vorgestellt und Maßnahmen zur Prävention aufgezeigt.

Dies auch ganz praktisch, denn Dank der Eden Stiftung konnten wir auch einmal im Semester mit einem tollen Buffet demonstrieren, wie lecker gesunde Kost aussehen und schmecken kann.

(Die Bilder sind teilweise recht groß und benötigen unter Umständen etwas Ladezeit)

Obwohl die Dokumentation nach 4 Jahren ergab, dass die Ambulanz viele zusätzliche Patientinnen an das Klinikum gebunden hatte und in der Bevölkerung sehr beliebt war, lehnte das Klinikum die Übernahme ab. Im letzten Moment wurde ein neuer Retter gefunden, die H.W. und J. Hector-Stiftung, die sich bereit erklärte, weitere 5 Jahre die Ambulanz zu finanzieren.

Unsere Patientinnen gründeten einen Förderverein, HEIFAN, der dem Wunsch der Frauen nach ganzheitlicher Medizin und Integration der Naturheilverfahren Nachdruck verleihen sollte. Aber auch nach zehn Jahren gab es keine Bereitschaft von Seiten des Klinikums, die Ambulanz in der bisherigen Form weiterlaufen zu lassen. Unsere Notrufe wurden sogar von der Bild-Zeitung gehört!

Immerhin besteht die Ambulanz aber noch heute, nach 20 Jahren, unter dem Dach der Abteilung für Endokrinologie und ihres verständnisvollen Direktors Prof. Dr. T. Strowitziki, allerdings mit eingeschränkter Kapazität.

Auszeichnungen

Erfreulicherweise blieb nicht aus, dass Menschen, die wie ich eine ganzheitliche Medizin fördern wollten, auf mich aufmerksam wurden, mir Hilfe anboten und mich für Preise vorschlugen. So durfte ich 1991 den Köhnlechner Preis für meine Akupunkturforschung entgegennehmen, der mit der für mich unvorstellbaren Summe von 100.000 DM verbunden war.

Davon konnte ich für ein Jahr eine Ärztin finanzieren, die die Akupunkturforschung in der Geburtshilfe vorantreiben sollte.

(Die Bilder sind teilweise recht groß und benötigen unter Umständen etwas Ladezeit)

Bereits 1993 folgte der Continentale Förderpreis für die Homöopathieforschung („Homöopathische Therapie bei weiblichen Fertilitätsstörungen“), damals 50.000 DM wert, wodurch ein Jahr lang eine halbe Arztestelle für die Homöopathie zur Verfügung stand.

1995 müssen mich wohl meinende Menschen für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen haben, das ich aus den Händen des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog entgegen nehmen durfte, ein aufregender und unvergessener Augenblick.

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