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Dysmenorrhö, Teil 1: Ursachen erkennen, Tipps zur Vorbeugung

Von | 6. Dezember 2010 – 15:04 2 Kommentare 47.781 AufrufeDrucken

BauchwehFür viele Frauen gehört das monatliche Leiden, die Dysmenorrhö, wie selbstverständlich zur Regel dazu: Schmerzen in Rücken und Unterbauch, Unwohlsein bis hin zum Erbrechen. Doch ganz so unvermeidbar, wie es häufig scheint, sind diese Menstruationsbeschwerden nicht. Auch mit natürlichen Mitteln lässt sich viel für die Betroffenen erreichen.

Wie viele Frauen genau unter Menstruationsbeschwerden leiden, ist unbekannt. Sicher aber ist: Fast jede Frau leidet in ihrem Leben einmal an Dysmenorrhö. Bei jugendlichen Frauen ist die Dysmenorrhö der Hauptgrund für einen Arztbesuch. 14-26 % der Heranwachsenden geht es während ihrer Regel so schlecht, dass sie nicht einmal die Schule besuchen können. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass sich die Menstruationsbeschwerden mit der ersten Schwangerschaft meist automatisch bessern.

Was ist eine „Dysmenorrhö“?

Treten Menstruationsbeschwerden regelmäßig auf, spricht man von einer Dysmenorrhö. Unterschieden wird zwischen einer primären und einer sekundären Dysmenorrhö, wobei diese die gleichen Symptome zeigen. Lassen sich keine organischen Ursachen für die Menstruationsbeschwerden finden, spricht man von einer primären Dysmenorrhö. Sie tritt typischerweise wenige Monate nach der ersten Regelblutung (Menarche) erstmals auf und bleibt mehr oder weniger lange – bei einigen Frauen sogar bis zur Menopause – erhalten.

Auch wenn in den meisten Fällen eine primäre Dysmenorrhö vorliegt, sollte jede Frau, die häufig unter Menstruationsbeschwerden leidet, von ihrem Gynäkologen abklären lassen, ob organische Gründe vorliegen. In diesem Fall spricht man von einer sekundären Dysmenorrhö. Hinter den Menstruationsbeschwerden können z.B. eine Endometriose, d.h. eine Wucherung der Gebärmutterschleimhaut, oder ein Myom, d.h. eine gutartige Vergrößerung der Muskulatur der Gebärmutter, stecken. Entzündungen, Zysten, mechanische Verhütungsmittel (Spirale) können ebenfalls zu starken Regelschmerzen führen.

Welche Beschwerden gehören zur Dysmenorrhö?

RückenschmerzenDie Dysmenorrhö ist typischerweise gekennzeichnet durch:

  • schmerzhafte, z.T. kolikartige Krämpfe im Unterleib, die bis in den Rücken oder in die Oberschenkel ziehen können
  • Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, bei einigen Frauen auch Verstopfung
  • Kopfschmerzen, Migräne

Bei vielen Frauen leidet das Allgemeinbefinden erheblich – bis hin zur vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit. Die ersten Symptome können schon vor dem Eintritt der Blutung beginnen. Besonders ausgeprägt sind sie meist am ersten Tag der Regel. Dann klingen die Menstruationsbeschwerden langsam ab und verschwinden spätestens mit dem Ende der Blutung.

Was passiert bei der Dysmenorrhö?

Während des Zyklus baut sich die Gebärmutterschleimhaut unter dem Einfluss des Hormons Progesteron langsam auf, um für die Einnistung einer befruchteten Eizelle gewappnet zu sein. Nistet sich keine befruchtete Eizelle ein, wird die Schleimhaut wieder abgestoßen. Es kommt zur monatlichen Regelblutung. Die Gebärmutter unterstützt die Abstoßung durch Kontraktionen, die durch bestimmte Gewebshormone, die Prostaglandine, gesteuert werden.

Zieht sich die Gebärmutter übermäßig stark und länger als üblich zusammen, leidet die Durchblutung der Gebärmutter darunter. Dies führt dann zur schlechten Sauerstoffversorgung des Gewebes und zum Regelschmerz. Die Prostaglandine können aber auch an anderen Organen, wie dem Magen-Darm-Trakt und der Gefäßmuskulatur, angreifen, und so die Dysmenorrhö verstärken.

Welche Frauen sind besonders gefährdet?

Nicht jede Frau hat das gleiche Risiko, an einer Dysmenorrhö zu erkranken. Besonders häufig leiden junge Frauen und Mädchen unter Menstruationsbeschwerden. 60-90 % der heranwachsenden Frauen sollen von einer Dysmenorrhö betroffen sein. Ein erhöhtes Risiko für eine Dysmenorrhö haben sehr schlanke Mädchen mit einem Body-Mass-Index (BMI) unter 20, aber auch stark übergewichtige Frauen. Wenn bereits die Mütter unter Dysmenorrhö leiden oder gelitten haben, sind auch die Töchter häufiger betroffen. Rauchen und Alkohol erhöhen ebenfalls das Risiko für eine Dysmenorrhö.

Stress und psychische Belastungen verstärken die Menstruationsbeschwerden. Eine ablehnende Haltung gegenüber dem weiblichen Körper oder der Menstruation kann ebenso wie ein unerfüllter Kinderwunsch die Schmerzwahrnehmung erhöhen.

7 Tipps zur Vorbeugung einer Dysmenorrhö

  • Zigarette4Nicht rauchen
  • Alkohol nur in Maßen trinken
  • Stress vermeiden
  • Ausdauersport betreiben
  • Die eigene Weiblichkeit annehmen lernen
  • Auf eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen, insbesondere Omega-3-Fettsäuren, Magnesium, B-Vitaminen und Vitamin E achten
  • Gesund ernähren, Zusatzstoffe vermeiden

Was macht die Schulmedizin bei Dysmenorrhö?

Sind organische Ursachen ausgeschlossen, kommen meist Schmerzmittel und krampflösende Mittel zum Einsatz. Der Erfolg ist jedoch begrenzt: Gerade schwere Formen der Dysmenorrhö lassen sich schlecht mit Schmerzmitteln behandeln. Außerdem ist diese Behandlung rein symptomatisch. Im nächsten Monat nehmen die Menstruationsbeschwerden wieder ihren Lauf.

pille kleinEine Alternative stellt für viele Frauen die Pille dar. Sie hält den Progesteronspiegel im Körper hoch und kann so Regelschmerzen günstig beeinflussen. Je nach Zusammensetzung der Präparate fällt die Wirkung unterschiedlich aus. Für Frauen, die ohnehin eine hormonelle Verhütung wünschen, kann die Pille ein guter Weg sein. Ob frau die Pille allerdings nur wegen der Dysmenorrhö nehmen sollte, ist fraglich. Immerhin greift die Pille grundlegend in den hormonellen Regelkreis der Frau ein. Ein Schritt, den man sich insbesondere bei jungen Frauen, deren Hormonsystem sich noch entwickelt und in einer Umbruchphase befindet, gut überlegen sollte, solange keine Verhütung gewünscht ist.

Immerhin gibt es naturheilkundliche Alternativen zur Behandlung von Menstruationsbeschwerden, mit denen die Selbstheilungskräfte gestärkt werden und die kaum nennenswerte Nebenwirkungen haben. Schon ein achtsamer Umgang mit der eigenen Gesundheit im Sinne der Prävention kann die Behandlung einer Dysmenorrhö unterstützen.

Umweltgifte mit hormoneller Wirkung meiden

Korb mit PlastikflaschenImmer wieder machen Weichmacher in Spielzeug, Aufbewahrungsbehältnissen von Lebensmitteln usw. von sich reden. Dabei geht es vor allem um Phthalate und Bisphenol A, die beide hormonähnliche Wirkungen zeigen. 2008 gerieten Mineralwässer in die Schlagzeilen, nachdem in ihnen Xenoöstrogene, d.h. hormonaktive Stoffe aus der Umwelt, nachgewiesen worden waren. Über Gewässer wird z.T. von einer Verweiblichung von Fischen berichtet – vermutlich zurückzuführen auf Reste von Hormonpräparaten, die über den Urin von Frauen in die Kanalisation, in Gewässer und schließlich ins Trinkwasser gelangen können. Aber auch Schwermetalle (Arsen, Blei, Quecksilber) können eine unerwünschte Hormonwirkung haben.

Wenn man bedenkt, wie komplex unser hormonelles System ist und wie sensibel es schon auf kleinste Hormonmengen reagiert, wird schnell klar, wie brisant solche Verunreinigungen sind. Dies gilt natürlich umso mehr für Frauen, deren Hormonsystem ohnehin schon angeschlagen ist und die unter hormonbedingten Beschwerden leiden. Umso wichtiger ist es, in unserem Alltag derartige Belastungen zu minimieren. Der BUND gibt auf seiner Internetseite viele weiter hilfreiche Hinweise.

Reduzieren Sie Elektrosmog. Mikrowellen verändern die Blut-Hirn-Schranke, so dass Gifte aus dem Blut leichter ins Gehirn gelangen und dort den Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen stören können. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf das Hormonsystem und die Schmerzverarbeitung. In diesem Magazin gibt es mehrere Artikel zum Elektrosmog. Sie brauchen nur über das „Suchen“-Kästchen oben rechts auf der Seite „Elektrosmog“ einzugeben, dann können Sie sich umfassend informieren.

Sie können sich und Ihre Familie schützen, indem Sie

Flaschen_bearbeitet3

  • Getränke aus Glasflaschen bevorzugen
  • auf Kunststoffutensilien für die Verarbeitung und Aufbewahrung von Lebensmitteln verzichten und diese durch Glas, Porzellan, Holz, Edelstahl etc. ersetzen
  • insbesondere bei fetthaltigen Lebensmitteln den Kontakt mit Kunststoffen minimieren, da die hormonwirksamen Substanzen fettlöslich sind
  • einen guten Trinkwasserfilter einbauen. Falls Sie keinen für das ganze Haus anschaffen können, dann wenigstens einen für die Küche

Gesunde Ernährung ohne E-Stoffe als Basis der Gesundheit

Schon Paracelsus wusste: „Du bist, was Du isst!“ Jedem Kind leuchtet ein, dass unser Körper nur aus dem entstehen kann, was wir essen. Wir haben die Wahl, ob unser Körper lieber aus aromatisiertem Jogurt und Fertigpizza oder aus frischem Obst und Gemüse aufgebaut werden soll. Wir sollten uns jedoch bewusst sein: Unsere Entscheidung hat Folgen. Jeder Zusatzstoff in unserer Nahrung muss von unserem Organismus verarbeitet und im Idealfall ausgeschieden werden. Oft genug gelingt das jedoch nicht und Aromen, Konservierungsmittel usw. hinterlassen ihre Spuren. Unverträglichkeiten, Allergien und Störungen der Magen-Darm-Flora sind Beispiele dafür. Wirklich empfehlenswert kann vor diesem Hintergrund nur eine naturnahe Öko-Frischkost unter strikter Meidung von Zusatzstoffen d.h. chemischen E-Stoffen jeglicher Art, sein. Denn jeder Zusatzstoff könnte einen negativen Einfluss auf die Regulationsfähigkeit des Körpers haben, den es zu vermeiden gilt.

ObststandFrisches Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukte haben zudem den Vorteil, dass sie in der Regel größere Mengen an Vitaminen und Spurenelementen enthalten, als dies in stark verarbeiteten Lebensmitteln der Fall ist. Doch selbst bei einer sehr guten, ausgewogenen Ernährung, ist es heute infolge ausgelaugter Böden, langer Transportwege, zu früher Ernte usw. schwierig, den gesamten Nährstoffbedarf allein aus der Nahrung zu decken. Hier können Nahrungsergänzungsmittel zur Aufwertung der Nahrung beitragen.

Meiden sollten Frauen mit Dysmenorrhö Nahrungsmittel, die reich an Omega-6-Fettsäuren und Arachidonsäure sind, da diese Vorstufen zu den schmerzfördernden Prostaglandinen sind. Meiden Sie also Schweinefleisch und -schmalz und Eigelb, aber auch Sojaöl und Margarine.

Darmpflege als Basis für die Gesundheit

Um gesund zu bleiben (oder zu werden) reicht auch die beste Nahrung nicht aus, wenn sie von den Verdauungsorganen nicht richtig aufgeschlossen und aufgenommen werden kann. Das beginnt schon mit dem gründlichen Kauen und Einspeicheln. Von besonderer Bedeutung für die Verdauung ist der Darm. Hier werden u.a. Nahrungsbestandteile aufgeschlossen und aufgenommen, Abfallstoffe abgeben, Vitamine gebildet und krankmachende Keime abgewehrt. Vorrausetzung für eine optimale Darmfunktion ist eine intakte Darmflora. Die Tatsache, dass der Darm ein Vielfaches an Mikroorganismen enthält, als der ganze Mensch Zellen hat, unterstreicht die Bedeutung der Darmflora. Unterstützt werden kann die Darmflora mit Pro- und Präbiotika. Während probiotische Lebens- und Nahrungsergänzungsmittel lebensfähige Keime enthalten, die sich im Darm ansiedeln und so die Darmflora aufbauen, enthalten Präbiotika Bestandteile, wie z.B. Inulin, welche die Darmbakterien versorgen und ihre Vermehrung fördern sollen. Darüber hinaus sollte man darauf achten, die Darmflora nicht unnötig durch Konservierungsstoffe, die in Lebensmitteln, aber auch im Darm gegen Bakterien wirken, Antibiotika und sonstige Stoffe zu belasten.

Im zweiten Teil stelle ich Ihnen konkrete Maßnahmen zur Akutbehandlung der Dysmenorrhö vor. Außerdem finden Sie Vorschläge, wie Sie dauerhaft die Dysmenorrhö loswerden können. Lesen Sie hier weiter.

Abbildung02_OSM2-2009_klein_vers02Literatur

  • Brühwiler, H.; Sieger, D.; Lüscher, K. P.: Primäre Dysmenorrhoe. Schweiz Med Forum 2006;6:919–922
  • Georke, K.; Valet, A.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Urban & Fischer 2002
  • Volkmann, P.-H.: Ökosystem Mensch. Gesundheit ist möglich. VBN-Verlag 2009

www.wikipedia.de

Dr. Inge ZieglerDie Biologin und Heilpraktikerin Dr. rer. nat. Inge Ziegler ist seit 11 Jahren als Lektorin und Redakteurin im Bereich Naturheilkunde tätig. Unter anderem arbeitet Sie für das Portal www.naturheilmagazin.de. Ihre Schwerpunkte sind die orthomolekulare Medizin, die Pflanzenspagyrik und die Dorn-Therapie. Ihr wichtigstes Anliegen ist, die Eigenverantwortung und naturheilkundliche Kompetenz der Frauen zu stärken, so dass jede die für sie passende Therapie auswählen und ihren individuellen Weg zu einem Leben mit mehr Gesundheit finden kann.

Dr. rer. nat. Inge Ziegler
Redakteurin Naturheilkunde
Böhmerwaldstr. 50
85630 Grasbrunn
Tel. 089/462796-24

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2 Kommentare »

  • igerhard sagt:

    Liebe Frau Hofmann,
    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie haben völlig Recht, dass mit der richtigen Entsäuerung der Heilungsprozess viel schneller geht. Dazu gebe ich in meinem Artikel: „Ich bin sauer, so kann ich mir helfen“ oder 5 Schritte zur Entsäuerung auch Anweisungen, die in Ihrem Buch für den Laien sicher noch ausführlicher sind (www.basischesbaden.de).

  • Hallo Inge Ziegler und hallo Ingrid Gerhard,

    vielen herzlichen Dank für den fundierten Artikel zum Thema. Ich kann Ihre Angaben nur bestätigen, als Gesundheitsberaterin und als ehemalige Betroffene im Fall Dysmenorrhoe. In meinem Fall war eine Kombination aus Behandlung der seelischen Ursachen und eine basiche(re) Ernährungsweise kombiniert mit basischem Baden erfolgreich. Grundsätzlich gesund gelebt habe ich mein Leben lang (kein Rauchen, Sport treiben, gesunde Ernährung, wenig Plastik, viel Bio). Durch die Entsäuerung des Basischen Badens werden nach meiner Ansicht noch mehr Gifte/Säuren ausgeschieden als bei einer bloßen Umstellung auf gesunde Ernährung. So wird nach meiner Erfahrung der Heilungsprozess bei Umstellung beschleunigt.

    Ich schreibe dies nicht, um Werbung für mich zu machen, sondern wegen des Artikels. Trotzdem möchte ich anmerken, dass ich mich viel mit basischem Leben beschäftige und ein Buch zu Basischem Baden geschrieben habe. Mehr Informationen dazu sind auf meiner Webseite zu finden.

    Ich finde Ihre Webseite sehr interessant und werde mir in Zukunft bestimmt weiter Artikel durchlesen.

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