Die Knochen sind unser Gerüst, sozusagen das Haus, in dem der Körper wohnt. Wenn ihr Volumen abnimmt, was jeden Menschen ab einem gewissen Alter betrifft, wird das Gerüst instabiler. Es gibt nur wenige Frauen nach den Wechseljahren, bei denen nicht eine Osteoporose festgestellt wird, bzw. ein erhöhtes Risiko vermutet wird. Deshalb ist es wichtig, früh genug mit einer Vorbeugung der Osteoporose anzufangen und für starke und elastische Knochen zu sorgen.

Genauso wichtig ist aber auch, sich durch die Ergebnisse von Knochendichtemessungen und Laborwerten nicht verrückt machen zu lassen und immer in Angst vor einem Knochenbruch zu leben. Dann verkrampft man sich bei allen Bewegungen so, dass es zu Muskelschmerzen kommt, die auf die Osteoporose geschoben werden. Dabei könnten Sie die ganz schnell loswerden.

Da Frauen ein höheres Risiko haben, eine Osteoporose zu erleiden, führte die Zeitschrift BIO in der Ausgabe 1/ 2013, auf den Seiten 72-77 ein Interview mit mir. Die Fragen für BIO stellte Frau Martina Seifen-Mahmoud

Was ist Osteoporose?

„Knochenschwund“, klingt sehr bedrohlich. Was versteht man genau darunter?

Prof. Ingrid Gerhard: Das Wort Osteoporose leitet sich von Osteo = Knochen ab und von porös, also durchlässig. Bei der Osteoporose schwindet die Knochenstärke, so dass eine erhöhte Knochenbruchgefahr besteht.

Welche Symptome können auf eine Osteoporose hinweisen?

Prof. Ingrid Gerhard: Leider gibt es keine Frühsymptome einer Osteoporose. Wenn Knochenschmerzen auftreten und die Bewegung eingeschränkt ist oder es zu einem Knochenbruch kommt, ist meist schon sehr viel Knochenmasse verloren gegangen.

Zeichen eines Knochenabbaus sind meist:

  • Abnahme der Körpergröße,
  • Rundrücken oder sogar Buckelbildung,
  • aber auch eine charakteristische Hautfalte am Rücken, das so genannte Tannenbaumphänomen.

Die Medizin kennt den Begriff „peak bone mass“ (= Spitzenknochenmasse). Was ist damit gemeint?

Prof. Ingrid Gerhard: Zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr wird die maximale Knochendichte (peak bone mass) erreicht. Von da an nimmt das Verhältnis von Knochenaufbau und Knochenabbau stetig ab. Durchschnittlich verliert jede Frau und auch jeder Mann ein Prozent seines Knochens pro Jahr. Die Geschwindigkeit des „normalen“ Knochenverlustes ist aber offenbar genetisch bedingt.

Ursachen einer Osteoporose

Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Osteoporose. Worin besteht der Unterschied?

Prof. Ingrid Gerhard: Die primäre Osteoporose hängt mit dem ganz normalen Alterungsprozess zusammen und ist für über 90 Prozent der Osteoporosefälle verantwortlich.

Die sekundäre Osteoporose entsteht sekundär, das heißt durch Krankheiten oder Medikamente. Am häufigsten tritt die Osteoporose bei Menschen auf, die ständig Cortison nehmen müssen (Rheumatiker, Asthmatiker). Aber auch bei Nierenkrankheiten, Krebserkrankungen oder Schilddrüsenstörungen kann es zu Knochenschwund kommen.

Warum sind Frauen häufiger betroffen als Männer?

Prof. Ingrid Gerhard: Wenn bei Frauen in den Wechseljahren die Hormonproduktion nachlässt, schreitet der Knochenverlust zunächst rapide voran – bis zu vier Prozent pro Jahr! Denn die in jüngeren Jahren vorhandenen Östrogene bremsen die Osteoklasten, jene Zellen, die für den Knochenabbau zuständig sind. Das Gelbkörperhormon und das männliche Hormon, Testosteron, stimulieren die Osteoblasten, also die Zellen, die den Knochen aufbauen. Frauen verlieren vom 40. bis 70. Lebensjahr ungefähr 40 Prozent ihrer Knochenmasse! Männer in dem Alterszeitraum vergleichsweise nur 12 Prozent. Später gleicht sich das aber wieder an.

Welche Faktoren können sonst noch Knochenschwund verursachen?

Prof. Ingrid Gerhard:

  • Der wichtigste Faktor ist das Altern.
  • Hinzu kommen Rauchen,
  • Bewegungsmangel auf der einen Seite aber auch übertriebener Leistungssport auf der anderen Seite.
  • falsche Ernährung oder Diätkuren mit Vitamin- und Vitalstoffmangel,
  • Alkoholismus und
  • früh einsetzende Wechseljahre.

Diagnostik der Osteoporose

Welche Methoden gib es, um Osteoporose festzustellen?

Prof. Ingrid Gerhard: Die Knochendichtemessung mit der DXA-Methode (Dual Energy X-Ray Absorptiometry) ist heute der Goldstandard. Die Methode geht schnell, ist relativ preiswert und hat nur eine geringe Strahlenbelastung (1/10 bis 1/100 einer normalen Röntgenaufnahme). Gemessen wird in einem bestimmten Areal der Lendenwirbelsäule und am Oberschenkel, jenen Stellen, die am meisten durch Frakturen gefährdet sind. Im Unterschied dazu hat die quantitative Computertomographie eine zu hohe Strahlenbelastung, um sie für regelmäßige Kontrolluntersuchungen einzusetzen.

Die quantitative Ultraschallmessung hat sich wegen ihrer Einfachheit und fehlender Röntgenstrahlenbelastung bewährt, kann allerdings über das tatsächliche Frakturrisiko an Hüften und Wirbelsäule keine Auskunft geben.

Besteht tatsächlich Verdacht auf eine Osteoporose, so können im Blut und Urin Parameter des Knochenaufbaus und des Knochenabbaus gemessen werden. Mit der Kombination dieser verschiedenen Methoden hat der Arzt die Möglichkeit, gezielt zu behandeln.

Falsche und richtige Ernährung bei Osteoporose

Es ist immer wieder die Rede davon, dass Kinder und Jugendliche durch Cola trinken besonders gefährdet sind, an Osteoporose zu erkranken. Stimmt das?

Prof. Ingrid Gerhard: Ja, das ist richtig. Sowohl Koffein als auch Zucker sowie Phosphat sind wahre „Knochenfresser“. Zucker verhindert beispielsweise die Kalzium-Aufnahme aus dem Darm. Gleichzeitig werden zu seiner Verwertung viele wichtige Vitamine verbraucht und wertvolle Mineralstoffe vermehrt über die Nieren ausgeschieden. Phosphate, beispielsweise in Schmelzkäse, Cola, Puddingpulver und auch oft im Babybrei führen im Körper zur Ausschüttung von Parathormon, das zur Neutralisierung von Phophat die Mineralstoffe Kalzium und Magnesium aus dem Knochen löst.

Dem gegenüber wird für eine starke Knochenmasse das Milchtrinken propagiert. Was ist davon zu halten?

Prof. Ingrid Gerhard: Milch hat viele Nachteile, so dass ich meistens davon abrate. Nur wer Milch gewohnt ist, sie sehr gut verträgt und außerdem viel Gemüse isst, kann täglich sein Glas Milch trinken. Aber eigentlich ist Milch nichts für Erwachsene. Viele Erwachsene haben eine Lactose-Unverträglichkeit und bekommen Durchfälle und Blähungen durch Milch. Das Milcheiweiß Kasein ist von anderer Struktur als das Kasein der Muttermilch und kann nur sehr schlecht aufgespalten und verdaut werden. Kasein wirkt als Säure im Organismus. Dies gilt übrigens auch für Quark, dem die basische Molke entzogen wurde. Das Kalzium aus der Milch wird schlechter resorbiert als das Kalzium aus Pflanzennahrung. Denn die Milch wird pasteurisiert und homogenisiert, was ihre Struktur verändert, so dass Allergien zunehmen. Besser ist es, das Kalzium aus Pflanzennahrung wie Tofu, Grünkohl oder Spinat oder notfalls auch als Supplement, als Nahrungsergänzung, einzunehmen.

Welche Ernährung tut den Knochen gut?

Prof. Ingrid Gerhard: Die Ernährung spielt eine sehr wichtige Rolle, denn für den täglichen Knochenstoffwechsel müssen die richtigen Bausteine aufgenommen werden. Das Säure-Basen-Gleichgewicht muss gewährleistet sein, damit nicht aus dem Knochen – als Puffersubstanzen gegen eine Azidose – Kalzium und Magnesium herausgelöst werden müssen.

Am effektivsten ist eine Bio-Frischkost mit täglich viel Gemüse, Salat und Früchten. Während Industriemehle und -zucker Knochenräuber sind, können Vollkornprodukte in Maßen konsumiert werden. Eine Kost, die reich an tierischem Eiweiß ist (Fleisch, Wurst, Fisch, Eier, Käse, Quark) führt zu einem Säureüberschuss und damit zu dem oben genannten Pufferproblem.

Aber auch ein Eiweißmangel wirkt sich ungünstig auf den Knochenstatus aus. Dies ist beispielsweise häufiger bei alten Menschen der Fall, die sich schon bei einem leichten Sturz Knochenbrüche zuziehen. Dabei könnte man sie durch eine geeignete Eiweißzufuhr, wie zum Beispiel Hülsenfrüchte oder Sojaprodukte, leicht vor Frakturen schützen. Und schließlich verschlechtert auch eine fettreiche oder salzige (Kochsalz) Ernährung die Kalziumaufnahme.

Knochenschwund vorbeugen

Wie kann ich Knochenschwund vorbeugen und naturheilkundlich behandeln?

Umwelt, Sonne und Vitamin D

Prof. Ingrid Gerhard: Neben einer entsprechenden Ernährung und regelmäßiger Bewegung sollte man vor allem auch darauf achten, Umweltgifte (Rauchen, Schwermetalle, Funkstrahlung) möglichst zu vermeiden Besonders wichtig sind Sonne und Vitamin D. Am besten im Sommer regelmäßig kurz ohne Sonnenschutzmittel Sonnenbaden. Im Winter den Vitamin-D-Spiegel im Blut messen lassen und wenn er zu niedrig ist, regelmäßig Vitamin D einnehmen. Für viele berufstätige Frauen, die nur mal im Urlaub in die Sonne kommen, kann es ganz wichtig sein, das ganze Jahr über Vitamin D einzunehmen.

Nahrungsergänzungen

Als weitere Nahrungsergänzungen können eventuell Kalzium und Vitamin K (wenn man genügend Salat und Gemüse isst, braucht man es nicht zusätzlich einzunehmen) empfohlen werden. Bei erhöhtem Osteoporoserisiko oder bereits bestehender Osteoporose kann Eischalenextrakt (aar® os N 440mg von aar pharma) nachweislich die Osteoblastenaktivität anregen und die Mineralisierung der Knochengrundsubstanz steigern.

Warum spielt Magnesium in der Osteoporosetherapie mindestens eine genau so große Rolle wie Kalzium?

Prof. Ingrid Gerhard: 50 Prozent des Magnesiums sind im Knochen gespeichert. Magnesium fördert die Kalziumaufnahme und den Knochenaufbau. Durch Stress, falsche Ernährung und Umweltbelastungen leiden viele Menschen unter einem Magnesiummangel. Deshalb gehört zum Schutz vor Osteoporose auch immer die Magnesiumtherapie, zum Beispiel mit organisch gebundenem Magnesium.

Übrigens hilft auch Kaliumcitrat bei der Osteoporose-Therapie. Wahrscheinlich weil es die Übersäuerung bessert. Ich empfehle gerne eine Pulvermischung aus Kalzium, Magnesium und Kalium, um der Übersäuerung zu begegnen und dem Knochen etwas Gutes zu tun. Auch ein Teilfasten mit basischer Kost kann dabei helfen, wieder einen normalen Knochenstoffwechsel zu bekommen.

Pflanzenstoffe

Welche Therapien aus der Pflanzenheilkunde haben sich bewährt? Stichwort Yamswurzel. Was ist von Soja zu halten?

Prof. Ingrid Gerhard: Die Yamswurzel enthält zahlreiche Mineralstoffe und Spurenelemente, aber auch Diosgenin, ein Hormon, das dem Progesteron sehr ähnlich ist. Da Progesteron die Osteoblasten anregt, könnte die Yamswurzel eine Hilfe beim Knochenaufbau sein. Allerdings sind die Konzentrationen sehr variabel und Studien bei Osteoporose fehlen, so dass man höchstens aus Vorsorgegründen seine Ernährung damit ergänzen könnte. Sojamilch erhält ebenfalls Pflanzenhormone, gesundes Pflanzeneiweiß, und es wirkt basisch. Allerdings sollte Sojamilch mit Kalzium angereichert sein. Dann ist sie – natürlich gentechnikfrei – sicher ein guter Ersatz für Kuhmilch.

Bewegung

Auch Bewegung wird zur Stärkung der Knochen immer wieder empfohlen. Wie sollte ein Bewegungsprogramm aussehen?

Prof. Ingrid Gerhard: Das hängt vom Schweregrad der Osteoporose und dem momentanen Gesundheitszustand ab. Zur Vorbeugung ist eine Kombination von Muskel- und Gleichgewichtstraining und eine Stoffwechsel- und Kreislaufaktivierung empfehlenswert. Dies erreicht man, indem man beispielsweise zweimal in der Woche joggt oder Fahrrad fährt (auch auf dem Hometrainer) und zweimal pro Woche ein Krafttraining absolviert. Auch das Trampolin-Laufen ist sehr sinnvoll. Mit Geräten zum Vibrationstraining lassen sich in fortgeschritteneren Krankheitsphasen vorsichtig Muskeln und Knochen wieder aufbauen, wie zum Beispiel mit dem Osflow oder dem Galileo, die sich bei regelmäßigem Training positiv auf den Knochenstoffwechsel auswirken.

Was man bei Osteoporose vermeiden sollte

Was sollte man bei Osteoporose möglichst nicht tun?

Prof. Ingrid Gerhard: Rauchen! Aber auch zu viel Kaffee, Limonaden und regelmäßiger Alkohol schaden. Ebenso das Nachsalzen von Gerichten, Fast food und Fertigkost. Nur Liegen und sich Schonen führt zu weiterem Knochenabbau. Sportarten, die mit erhöhter Sturzgefahr verbunden sind, sollte man natürlich auch vermeiden.

Heilung von Osteoporose?

Ist Osteoporose heilbar?

Prof. Ingrid Gerhard: Man kann aus einem dünnen Knochen keinen dicken machen. Allerdings kann man den Knochenabbau bremsen und in gewissen Grenzen auch den Aufbau fördern, so dass das Risiko von Knochenbrüchen erheblich abnimmt. Beruht die Osteoporose auf einer Mangelernährung, so lassen sich mit der Zufuhr der richtigen Bausteine (Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente), der Berücksichtigung des Säure-Basen-Haushalts und gezieltem Muskeltraining die Knochen stärken. Man wird aber sicher nicht als 50-Jährige die Knochen einer 20-Jährigen bekommen können.

Noch eine Empfehlung zum Schluss

Keine Panik, wenn der Arzt auf Grund der Knochendichtemessung oder des Ultraschalls eine Osteoporose vermutet! Nehmen Sie diese Vermutung einfach zum Anlass, Ihre Ernährung und Ihren Lebensstil zu überdenken und zu verbessern. Und glauben Sie nicht, jetzt unbedingt lebenslang Medikamente einnehmen zu müssen, um vor Knochenbrüchen geschützt zu sein. Die haben nämlich meistens auch Nebenwirkungen. Ein dünner, elastischer Knochen kann länger halten als ein dicker, spröder Knochen. Arbeiten Sie selber an einem kräftigen Knochen.

Buchvorschläge

Reiner Bartl: „Der große Patientenratgeber Osteoporose“, Zuckschwerdt-Verlag, ISBN 978-3-88603-992-0, € 19,90

Thomas Klein: „Osteoporose. Die folgenschweren Irrtümer der Osteoporosemedizin„, Hygeia, ISBN 978-3-939865-03-2, € 18,80

BIO 1/ 2013

Im BIO-Heft 1/2013 finden Sie weitere spannende Artikel. ich möchte nur ein paar für Sie herausgreifen:

  • Was die Dunkelfeld-Blutdiagnostik über Sie verrät
  • Wie Hypnose heilt
  • Welche Nahrung wirklich schlau macht
  • Selbstbestimmtes Sterben, ja oder nein?
  • Die Wiederkehr der Schamanen (es gibt sie auch bei uns!)
  • und Vieles mehr

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Und wie schützen Sie sich vor einer Osteoporose? Wenn Sie unsere Leserinnen an Ihren Erfahrungen teilhaben lassen wollen, schreiben sie doch einen Kommentar!

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