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Sonnen- Hormon Vitamin D: so können Sie Krebs und Knochenbrüche verhindern

Von | 13. September 2010 – 12:04 2 Kommentare 36.751 AufrufeDrucken
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© ingerhard

In einem früheren Artikel über das Sonnenbaden konnten Sie schon lesen, wie wichtig der richtige Umgang mit Sonnenlicht für den Menschen ist. Dass unser Körper ohne Sonnenlicht nicht genügend Vitamin D bilden kann, wird leicht vergessen. Deshalb finden Sie in diesem Artikel aktuelle Informationen zu Vitamin D.

Der Lichtbiologe und Arzt Alexander Wunsch beschäftigt sich seit 20 Jahren mit der Wirkung energetischer Strahlung auf Körper, Seele und Geist des Menschen. Er ist Entwickler moderner Geräte zur Licht- und Farbtherapie. Da für uns Deutsche ja nun leider die Zeit für das richtige Sonnenbaden vorbei ist, möchte ich Ihnen in einem ergänzenden Interview mit ihm vorstellen, wie Sie sich mit dem Sonnenvitamin D3 versorgen können. Eigentlich muss man Vitamin D nämlich auch als Hormon betrachten, da es der Körper selber herstellen kann und seine Wirkung auf verschiedene Gewebe ausübt.

Wirkungen von Vitamin D

  • Schutz vor Rachitis und Osteoporose
  • aktiviert das Immunsystem,
  • schützt vor Infektionen und Krebs (besonders Dickdarmkrebs, Lungenkrebs und Brustkrebs),
  • macht schöne Haut,
  • schützt vor Zuckerkrankheit,
  • senkt den Blutdruck,
  • bessert chronisch- entzündliche Darmerkrankungen

Wie bekommt man genug Vitamin D durch die Sonne?

Gerhard: Ein wichtiger Effekt des Sonnenbades ist nicht die angestrebte Bräune, sondern die Versorgung mit dem Lichtvitamin D (VD3). Es wird immer wieder behauptet, dass die tägliche Sonnenbestrahlung von Gesicht und Händen über nur 10 min ausreichend sei, um keinen Vitamin D-Mangel zu erleiden. Lässt sich das mit Zahlen belegen?

Wunsch: Einerseits warnen die Dermatologen vor dem Sonnenlicht, da sich nachweisen lässt, dass die Hautstellen, die nicht von Kleidung bedeckt sind, ein größeres Hautkrebsrisiko tragen, andererseits behaupten sie, dass genau diese Hautstellen bei 10minütiger Exposition für eine ausreichende Vitamin D-Versorgung ausreichen würden.

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© kai-creativ - Fotolia.com

Zunächst muss man fragen, was eine ausreichende Vitamin D-Versorgung ist. Noch vor 30 Jahren ging die Fachwelt davon aus, dass das Ausbleiben von Rachitis und Osteomalazie auf eine ausreichende Versorgung hinweist. Später war man dann in der Lage, die Speicherform des Vitamin D laborchemisch nachzuweisen und konnte entsprechende Grenzwerte festlegen, die aber immer noch auf das Ausbleiben von Rachitis bezogen waren.

Neuere epidemiologische Untersuchungen kommen aber zu dem Schluss, dass die bisherigen Grenzwerte für einen Vitamin D-Mangel um den Faktor 3 bis 5 zu niedrig angesetzt sind. Um optimale Konzentrationen zu erreichen, genügen Kopf und Arme bei 10-minütiger Einwirkung keinesfalls. Nur wenn man die gesamte Hautoberfläche der Sonnenstrahlung aussetzt, hat man die Gewähr, dass nennenswerte Mengen des Sonnenhormons Vitamin D in der Haut gebildet werden.

Den Kopf hingegen sollte man unbedingt vor direkter Sonnenstrahlung schützen, idealerweise durch einen Hut mit breiter Krempe. Auch muss man wissen, dass bei dunkler Haut weniger Vitamin D gebildet wird. Auch die Haut älterer Menschen ist dazu nicht mehr so gut in der Lage, deshalb riskieren gerade ältere Menschen einen chronischen Vitamin D-Mangel.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der bei dieser zweifelhaften Empfehlung beachtet werden muss, ist die Tageszeit und die Jahreszeit, zu der die Anwendung stattfindet: In Ländern wie Deutschland ist es zwischen Oktober und April praktisch kaum möglich, Vitamin D über Sonnenlicht zu bilden, da in diesen Monaten zu wenig bzw. keine UVB-Strahlung vorhanden ist. Aber auch im Sommer eignen sich nur wenige Stunden des Tages für eine vollwertige Sonnenlicht-Anwendung, etwa zwischen 11 Uhr und 14 Uhr.

Hierbei geht es immer um den Gehalt des Sonnenlichts an UVB, also dem Strahlungsanteil, der für die Erythembildung (Rötung der Haut) wie auch die Vitamin D-Bildung verantwortlich ist: Je höher der Sonnenstand oder je kürzer die Schatten, umso effektiver ist die Anwendung. Dieser Empfehlung liegt folgende Überlegung zugrunde: Es soll eine maximale Vitamin D-Ausbeute in der kürzest möglichen Zeit erreicht werden, um die Vorteile voll auszuschöpfen, aber die Nachteile so gering wie möglich zu halten.

Kann man durch Solarien den Vitamin D Spiegel erhöhen?

Gerhard: für die meisten berufstätigen und in Büros arbeitenden Menschen ist es ja nun leider nicht möglich, sich jeden Mittag seine Lichtdiät zu holen, gibt es da Alternativen, bspw. mit Solarien?

Solarium

© Udo Kroener - Fotolia.com

Wunsch: Wer seine VD3-Versorgung über die Lichtreaktionen in der eigenen Haut decken will, hat oftmals nur die Möglichkeit, auf Solarien zurückzugreifen. Hierbei muss man jedoch darauf achten, dass das verwendete Gerät auch wirklich UVB-Strahlung erzeugt. Gerade ältere Geräte erzeugen oft nur wenig oder kein UVB, da sie nur auf kosmetische Bräunung ausgelegt waren.

Es gibt jedoch mittlerweile Solarien, die für die VD3-Prophylaxe geeignet sind. Diese modernen Geräte sind bei fachgerechter Anwendung sogar kalkulierbarer als die Natursonne (deren Strahlungszusammensetzung ja ständig schwankt), da die Strahlendosis von UVA und UVB klar definiert und begrenzt ist. Da manche Solarien sogar gekühlt sind, fehlt hier im Gegensatz zur Natursonne der für Stoffwechsel und Kreislauf so wichtige Wärmeanteil.

Hier kann ein Saunagang eine gute Option sein, da er die Wirkungen des UV-Lichts durch thermische Reizung der Haut ergänzt. Dabei sollte man jedoch beachten, dass das Solarium nach dem letzten Saunagang benutzt wird, damit entstehendes VD3 nicht unnötig herausgeschwitzt wird. Auch sollte nach dem Solarium möglichst nicht mehr geduscht, zumindest aber kein Duschgel oder Shampoo verwendet werden.

Bieten Nahrungsmittel genug Vitamin D?

Gerhard: In Deutschland liegt ja die durchschnittliche Vitamin D-Aufnahme der  Allgemeinbevölkerung bei etwa 50-60% der Empfehlungen. Etwa 82% der Männer und 91% der Frauen erreichen die empfohlene Zufuhr nicht. Kann ich über Nahrungsmittel denn meine Vitamin D- Versorgung verbessern und wenn ja über welche?

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Fischteller © ingerhard

Wunsch: Ich würde davon eher abraten, denn Nahrungsmittel haben meist einen schwankenden Wirkstoff-Gehalt. Fisch kann zwar viel VD3 enthalten, aber auch viel Fett. Dort lagern sich nicht nur die fettlöslichen Vitamine ein, sondern auch Giftstoffe, Hormone und Quecksilber. Das ist besonders der Fall, wenn der Fisch aus dem Meer stammt. Kommt er hingegen aus der Zucht, gibt es für den Verbraucher keine verlässliche Möglichkeit, den VD3-Gehalt zu überprüfen.Weitere Vitamin D-Quellen sind Eier, Avocados und Champignons.  In Milchprodukten hängt der Vitamin D-Gehalt von der Jahreszeit ab, denn die Vitamin D-Eigensynthese der Kühe ist im Sommer höher als im Winter.

Ohne Ausnutzung der Sonne kann man seinen Vitamin D-Bedarf nicht durch Nahrungsmittel decken. Die künstliche Anreicherung von Lebensmitteln mit VD3 ist umstritten, da sich solche Gießkannen-Verfahren bei den Verbrauchern sehr unterschiedlich auswirken können. Wenn man VD3 oral ergänzen muss, dann halte ich pharmazeutische Präparate in Hinblick auf Reinheit und Dosierung für die sicherste Lösung.

Wie man Vitamin D im Blut messen kann

Gerhard: Wie kann man messen, ob man genügend mit Vitamin D versorgt ist?

Wunsch: Durch eine Laboruntersuchung kann man die Konzentration der Speicherform (25-OH-VD3) im Blut bestimmen. Das Ergebnis wird entweder in Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) oder in Nanomol pro Liter (nmol/l) angegeben. Die nachfolgende Tabelle zeigt verschiedene Referenzbereiche für die Vitamin D3-Konzentration.

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Die alten Referenzbereiche wurden aus der Annahme heraus festgelegt, dass ein Ausbleiben von Rachitis oder Osteomalazie ein Zeichen ausreichender Versorgung ist. Die neuen Referenzbereiche beziehen Erkenntnisse der neueren Forschung mit ein, die besagen, dass erheblich höhere Konzentrationen erforderlich sind, wenn man in den Genuss der positiven Wirkungen bezüglich Vorbeugung von Zivilisationskrankheiten kommen will. Je nach Labor werden auf dem Ergebnisbogen manchmal noch die alten Referenzwerte angegeben und Mangelzustände (nach den aktuellen Vorgaben) nicht ausgewiesen. Als Patient sollte man also nach dem genauen Wert fragen und sich nicht mit Bemerkungen wie „der Wert ist in Ordnung“ abspeisen lassen. Schließlich müssen die meisten Patienten die Untersuchung aus eigener Tasche bezahlen. Die Laborkosten für eine Bestimmung liegen bei etwa 30 €.

Bei der Bewertung des Ergebnisses muss man immer die Jahreszeiten mit einbeziehen, da die Werte im Sommer meistens höher sind als im Winter. Die Wintermonate eignen sich am besten für die Diagnose einer Unterversorgung, da die im Sommer angelegten Reserven dann meist verbraucht sind. Man kann auch leicht berechnen, wie sich der Blutspiegel verändern wird, denn die Speicherform von VD3 hat eine Halbwertszeit von etwa 60 Tagen.

Startet man also mit einem Wert an der oberen Grenze mit 100 ng/ml, hat man in zwei Monaten nur noch 50, nach vier Monaten nur noch 25, nach sechs Monaten nur noch 12,5 ng/ml im Blut, immer vorausgesetzt, dass keine weitere Zufuhr durch Nahrungsergänzungen oder Urlaube im Süden oder im Hochgebirge hinzukommt. Das Rechenbeispiel zeigt anschaulich, dass die meisten Menschen, die ja schon im Sommer unterversorgt sind, im Winterhalbjahr in gravierende Mangelzustände abgleiten können.

Blutanalyse

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Ich bin ein Befürworter folgender Vorgehensweise: Im Sommer auf natürliche Weise möglichst hohe VD3-Spiegel aufbauen – wobei man hier nicht auf obere Grenzwerte achten muss, da die natürliche VD3-Bildung einer Selbstregulation unterliegt – und im Winter dafür sorgen, dass der Wert nicht unter 30 ng/ml abfällt. Von Fall zu Fall kann es sinnvoll sein, auch das Parathormon mitzubestimmen, das bei starkem VD3-Mangel erhöht ist. Jahreszeitliche Schwankungen sind Ausdruck chronobiologisch wichtiger Vorgänge, daher sollte man aus meiner Sicht nicht versuchen, die Werte im Winterhalbjahr unphysiologisch weit nach oben zu pushen.

Ich empfehle meinen Patienten die VD3-Bestimmung am Ende der Besonnungsaktivitäten im Spätsommer und dann wieder im Januar. Der Sommer-Wert zeigt dann sozusagen die Systole, der Winter-Wert die Diastole der Konzentrationskurve an. Wird VD3 in Tablettenform zugeführt, sollte der Blutspiegel alle drei bis vier Monate bestimmt werden, bis man sich sicher ist, wie der jeweilige Organismus auf die Einnahme reagiert. Schließlich wissen wir ja, dass fettlösliche Vitamine auch überdosiert werden können, weil sie im Körper eingelagert werden. Insbesondere kann es zu Leberschädigungen kommen.

Nahrungsergänzung mit Vitamin D

Gerhard: Für alle die, die nicht regelmäßig Sonnenbaden können und die sich ausreichend mit Vitamin D versorgen wollen, bleibt also nur die Nahrungsergänzung. Was empfehlen Sie und in welchen Konzentrationen?

Brausetabletten

© zylox - Fotolia.com

Wunsch: 20 Minuten in der Mittagssonne im Sommer bei Ganzkörper-Exposition sorgen für die Bildung von so viel VD3, als hätte man 10000 bis 25000 I.E. VD3 in Tablettenform eingenommen. Cholecalciferol, das ist der Wirkstoff in VD3-Tabletten, darf außer bei Dialysepatienten niemals so hoch dosiert eingenommen werden. Allerdings sind Dosierungen, die eine Rachitis sicher verhindern (z.B. 200 bis 500 I.E. pro Tag), nach heutiger Ansicht viel zu niedrig, um die positiven Effekte, z.B. in Hinblick auf Senkung des Brustkrebsrisikos, zu erzielen, die in den neueren Studien beschrieben werden.

Um bei fehlender Sonnenexposition trotzdem zu erreichen, dass die Werte ganzjährig über 30 ng/ml liegen, muss man zwischen 1000 und 5000 I.E. Cholecalciferol täglich einnehmen, das entspricht 25 bis 125 Mikrogramm. Es gibt auch Depot-Präparate, die bspw. 10.000 I.E. in Öl enthalten, die man nur ein- bis dreimal in der Woche nehmen muss, je nach Ausgangswert. Man kann ein Defizit also schnell oder allmählich ausgleichen. Welche Vorgehensweise besser ist, sollte ein erfahrener Therapeut entscheiden. Für manche Frauen eignet sich auch die VD3-Gabe über die Scheide, wie Sie in einem früheren Artikel nachlesen können. Bei der Einnahme von mehr als 1000 I.E. pro Tag empfehle ich dringend begleitende Laborkontrollen.

Gerhard: Vielen Dank für diesen hoch spannenden und gerade für Frauen so wichtigen Beitrag, denn ihnen droht ja häufig mit zunehmendem Alter die Osteoporose. Aus Angst wird oft zu viel Kalzium eingenommen, ohne auf die ausreichende VD3-Zufuhr zu achten. Auch wenn Kombinationspräparate aus Kalzium und Vitamin D eingenommen werden, empfehle ich dringend die Kontrolle des Vitamin D-Spiegels im Blut, da, wie Sie oben schon darlegten, viele Produkte unterdosiert sind.

Risikogruppen für einen Vitamin D-Mangel sind auch schwangere und stillende Frauen und ihre Babys, Veganerinnen, alte Menschen und Ausländerinnen, die nur verschleiert herumlaufen oder sehr dunkelhäutig sind. Auch zu diesem Thema noch mal der Hinweis auf das Buch Sonnenlicht, in dem in verschiedenen Kapiteln auf VD3 eingegangen wird.

wormWer mehr über die vielfältigen Wirkungen von Vitamin D3 wissen möchte, dem sei das gut verständlich geschriebene Buch „Heilkraft D – Wie das Sonnenvitamin vor Herzinfarkt, Krebs und anderen Zivilisationskrankheiten schützt“ von Dr. Nicolai Worm, empfohlen. Hier findet man auch ein umfangreiches Literaturverzeichnis mit wissenschaftlichen Publikationen zum Thema.

Und wenn Sie jetzt Ihren Vitamin D-Spiegel messen lassen, dann schreiben Sie uns mal Ihre Ergebnisse und welche Erfahrungen Sie mit der Behandlung eines zu niedrigen Spiegels gemacht haben.

Alexander Wunsch hohe Auflösung-1Alexander Wunsch ist Humanmediziner und Lichttherapeut. Seine Tätigkeitsfelder und Forschungsinteressen sind die Geschichte der Lichtbiologie, Lichtwirkung auf Zellebene sowie die Photoendokrinologie und Anwendung der Photomedizin beim Menschen. Er ist Mitglied der deutschen Lichttechnischen Gesellschaft (LiTG) und Lehrbeauftragter für den Themenbereich “Light and Health” im internationalen Studiengang “Architectural Lighting Design” der Hochschule Wismar.

Kontakt:

Alexander Wunsch

Bergheimer Str. 116, 69115 Heidelberg

praxis@alexanderwunsch.de,

http://www.sunblogger.eu/

http://www.lichtbiologie.de

http://www.photonblog.de

http://sonne2010.wordpress.com

2 Kommentare »

  • Alexander Wunsch sagt:

    Bereits 1946 ist es Bicknell und Prescott gelungen, aus menschlichem Schweiß und Hautsekretionen nach UVB-Exposition Vitamin D zu extrahieren: Es gelangt also gebildetes Vitamin D nicht nur nach innen, sondern auch nach außen. Auch dessen Vorstufe, das 7-Dehydrocholesterol, kommt nicht nur in der Keimzellschicht der Haut vor, sondern auch in der Hornzellschicht und in den Hautsekreten.
    Während man vielleicht früher die Vorstellung hatte, dass die Vitamin D-Bildung hauptsächlich in den Kapillargefäßen der Haut oder in deren unmittelbarer Nähe stattfinden würde, hat sich das Bild der Vorgänge mittlerweile etwas erweitert: Die höchste Konzentration der UVB-Strahlung findet sich in den äußersten Hautschichten und nimmt mit zunehmender Eindringtiefe immer stärker ab. Mit anderen Worten: Der Ort der Bildung von Vitamin D und der Ort der Aufnahme sind nicht identisch. Das gebildete Vitamin D muss zuerst in die Nähe der Kapillargefäße kommen, bevor es in die Blutbahn aufgenommen werden kann.
    Um hier eine Richtung vorzugeben, bedient sich die Natur eines Tricks: Es gibt im menschlichen Blut in hoher Konzentration ein ein spezifisches Bindungsprotein für Vitamin D, das eine hohe Affinität zum Vitamin D-Molekül aufweist und es deshalb sozusagen „ansaugt“ und in die Blutbahn verfrachtet (Bikle and Pillai, 1993; Vieth, 1994). Die Wanderung aus den oberen Hautschichten in Richtung Kapillarnetz vollzieht sich daher über eine Art „unterstützter“ Diffusion.
    Diese Form der Aufnahme von Vitamin D kann sehr wohl durch Detergenzien beeinflusst werden: Einmal kann durch fettlösende Substanzen der Gehalt von Hautsekreten, die die Hormonvorstufe enthalten, reduziert werden, womit die photochemische Bildung des Prävitamins verringert wird. Zudem kann durch Veränderung der Diffusionsrichtung in den äußeren Hautschichten der Anteil der bereits gebildeten Hormonvorstufe, die schließlich in die Blutbahn gelangt, herabgesetzt werden. Es sind also nur diejenigen Vitamin D-Moleküle, die in den tiefen Schichten der Haut in der Nähe der Kapillaren entstehen, vor fettreduzierenden Maßnahmen, wie Duschen oder Saunieren, sicher, nicht aber die Moleküle, die sich oberflächennah befinden.
    In welchem Umfang die Hautreinigung vor und nach einem Sonnenbad die Vitamin D-Bildung und -Aufnahme reduziert, ist allerdings von weiteren individuellen Faktoren abhängig und lässt sich kaum voraussagen. Ich bleibe also dabei: Wer eine maximale Vitamin D-Bildung über die Haut anstrebt, sollte einige Zeit vor und nach dem Sonnenbad keine intensive, Hautfett reduzierende Hautreinigung durchführen.

  • Jede Menge guter Tipps und Infos. An einer Stelle aber irrt Dr. Wunsch. Einmal über die UVB-Bestrahlung der Haut synthetisiertes Vitamin D wird direkt über die Blutbahn in die Leber transportiert und dort zu dem Vitamin D weiterverarbeitet, das dann messbar im Blut zirkuliert. Ausschwitzen oder gar abrubbeln oder abseifen kann man das Sonnenschein-Vitamin D nicht. Also keine Sorge bei Sauna und Dusche!

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