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Chronisch krank, gereizter Darm, Darmflora schuld?

Von | 28. Oktober 2014 – 23:11 25 Kommentare 67.125 AufrufeDrucken

Chronische und wiederkehrende Erkrankungen können durch eine gestörte Darmflora mitbedingt sein. Unterstützung der Darmflora kann Hilfe bringen.

Human stomach with viruses and bacteria

© barmaleeva – Fotolia.com

Bakterien verbinden wir mit Schmutz und Erkrankungen, aber nur etwa ein Prozent davon sind wirklich schädlich. Der Großteil der Bakterien lebt friedlich mit uns zusammen. Im Darm und auf der Haut brauchen wir sogar bestimmte Bakterienarten, um gesund zu bleiben.

Ist die natürliche, bakterielle Besiedlung auf der Haut oder in den verschiedenen Schleimhautbereichen gestört, dann können daraus  Erkrankungen entstehen. Dazu zählen das Reizdarmsyndrom, Candida-Überwucherungen, Allergien, Autoimmunkrankheiten und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Sogar bei Adipositas und Krebs wurde eine veränderte Darmflora beobachtet.

Unser Darm ist die zentrale Leitstelle für die Erregerabwehr. Etwa 80 Prozent der Immunzellen befinden sich im Darm und werden von dort in die verschiedenen Bereiche des Körpers geschickt.

Aufgaben der Darmflora

Im Darm trainiert das Immunsystem mithilfe der natürlichen Bakterienflora für den Ernstfall: das Zusammentreffen mit tatsächlichen Krankheitserregern. Es lernt aber auch, bei harmlosen Stoffen ruhig zu bleiben und auf eine Immunreaktion zu verzichten.

Bei Allergien und Autoimmunerkrankungen hat das Immunsystem diese Fähigkeit verloren oder es konnte sie gar nicht erst richtig entwickeln. Auch hier spielen die natürlichen Darmbakterien eine Rolle. Denn nur wenn sich ausreichend Bakterien und genug unterschiedliche Arten im Darm befinden, können alle Facetten des Immunsystems zu voller Leistungsfähigkeit reifen. Mit Billionen Bakterien der unterschiedlichsten Arten ist unser Dickdarm besonders dicht besiedelt.

Die Aufgaben der Darmflora gehen aber noch weit über das Immuntraining hinaus. Eine gesunde Darmflora schirmt uns vor Krankheitserregern ab und schließt für uns unverdauliche Nahrungsbestandteile auf. Unsere Darmflora versorgt uns mit Vitaminen und die Darmschleimhaut mit Nährstoffen.

Außerdem baut die Darmflora die Schleimschicht in unserem Darm ab und regt ihn damit an, neuen Schleim zu produzieren. Dadurch bildet sich die Schleimschicht im Darm ständig neu und schützt uns zusätzlich vor Angriffen.

Gerät die natürliche bakterielle Gemeinschaft mit all ihren gesundheitsfördernden Eigenschaften aus dem Gleichgewicht, sind die Folgen für uns weitreichend.

Das stört die Darmflora

Die schützende und trainierende Darmflora ist oft geschädigt – zum Beispiel durch die Einnahme von Medikamenten, den Einfluss von Schadstoffen oder durch falsche Ernährung.

Medikamente

Unter den Medikamenten sind vor allem die Breitband-Antibiotika problematisch. Denn sie töten nicht nur die zu bekämpfenden Erreger ab, sondern sie schlagen auch Teile der natürlichen Mund-, Darm- und Vaginalflora kahl. Danach können sich unerwünschte Erreger ungehemmt vermehren, die bisher nur in kleiner, kontrollierter Zellzahl vorhanden waren.

Besonders gefürchtet ist das Bakterium Clostridium difficile, das den Antibiotika-assoziierten Durchfall auslöst. War der Erreger vor der Einnahme des Antibiotikums in kleinen Mengen im Darm vorhanden, kann er sich nach der Einnahme explosionsartig vermehren und zu gefährlichen Durchfällen führen.

Im Vaginalbereich kann Candida die gesunde Flora aus Milchsäurebakterien überwuchern und Beschwerden verursachen.

Aber auch ohne die Ausbreitung von Clostridium difficile oder Candida hat die wiederholte Einnahme von Antibiotika Folgen. Die Bakterienvielfalt verringert sich dauerhaft und die vorhandenen Bakterien können Resistenzen gegen gängige Antibiotika bilden. Dabei ist es gut zu wissen, dass bereits Antibiotika aus den verzehrten tierischen Produkten die Darmflora verändern.

Schadstoffe

Über unsere Nahrung und Getränke nehmen wir immer auch Schadstoffe mit auf: Schwermetalle, Pestizide, Konservierungsstoffe, Lösemittel. Deshalb ist es wichtig, Obst und Gemüse gut zu waschen und in der Küche einen Wasserfilter zu benutzen. Metalle und Kunststoffe, die Ihr Zahnarzt Ihnen in den Mund einsetzt, gelangen natürlich auch durch Verschlucken des Speichels in Ihren Darm. So kann bspw. Amalgam die Darmflora so beeinträchtigen, dass Pilze überhand nehmen.

Ernährung

PizzabrotÜber unsere Ernährung können wir unsere guten Darmbakterien füttern oder aushungern. Bestimmte Ballaststoffe brauchen einige Bakterien, um Fettsäuren zu produzieren, auf die eine gesunde Schleimhaut angewiesen ist. Ernähren wir uns überwiegend mit Fast Food, das aus Industriezucker und raffinierten Mehlen besteht und das mit Konservierungsstoffen und Zusatzstoffen haltbar und attraktiv gemacht werden muss, so verkümmern unsere guten Darmbakterien und machen Platz für Krankheitserreger.

Stress

Zusätzlich können psychische Komponenten wie zum Beispiel Stress die Darmflora beeinträchtigen. Eine veränderte Darmflora wirkt sich wiederum auf das gesamte Immunsystem aus. In der Folge kann es zu Infektanfälligkeit kommen oder auch zu Überreaktionen des Immunsystems, wie es bei einer Allergie der Fall ist.

Bakterien als Therapie

Die mikrobiologische Therapie mit bakterienhaltigen Präparaten nutzt den Einfluss natürlicher Darmbakterien auf das Immunsystem, um die körpereigenen Abwehrkräfte zu regulieren. Damit kann sie einer Reihe von Erkrankungen vorbeugen. Für Säuglinge und Kleinkinder eignen sich dabei besonders Präparate mit inaktiven Bakterien, z.B. Pro-Symbioflor®. Pro-Symbioflor® enthält die natürlichen Darmbakterien Enterococcus faecalis und Escherichia coli in inaktivierter Form.

Für größere Kinder und Erwachsene kommen auch Präparate mit lebenden Bakterien wie zum Beispiel Symbioflor® 1 in Frage. In Symbioflor® 1 befindet sich das lebende, immunregulierende Bakterium Enterococcus faecalis in hoher Konzentration und Reinkultur.

Die Sicherheit der Präparate haben 60 Jahre Anwendung gezeigt.

Beispiel 1 Säuglinge mit atopischer Dermatitis

In einer Studie mit über 600 Säuglingen, die ein erhöhtes Risiko hatten, an einer atopischen Dermatitis zu erkranken, reduzierte das tägliche Schlucken von Pro-Symbioflor® die Zahl der kranken Kinder deutlich (1).

Beispiel 2 Kinder mit rez. Nasennebenhöhlenentzündung

KInd beim Arzt © Oksana Kuzmina - Fotolia.com

KInd beim Arzt © Oksana Kuzmina – Fotolia.com

Insgesamt nahmen 204 Kinder mit immer wiederkehrender Nasennebenhöhlenentzündung an einer Anwendungsbeobachtung teil (2). Die Kontrollgruppe wurde klassisch mit Antibiotika und abschwellenden Nasentropfen behandelt, die Behandlungsgruppe erhielt anschließend über einen Zeitraum von acht Wochen Symbioflor® 1.

Das Ergebnis der Anwendungsbeobachtung: Patienten, die mit dem bakterienhaltigen Präparat behandelt wurden, hatten weniger Nasennebenhöhlenentzündungen als die Patienten in der Kontrollgruppe. Am stärksten war die Wirkung in der Gruppe der 2- bis 11-Jährigen. Sicherheit und Verträglichkeit bewerteten die behandelnden Ärzte in den meisten Fällen als “gut” oder “sehr gut”, Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.

Reizdarmsyndrom

Auch beim Reizdarmsyndrom haben sich bakterienhaltige Präparate als wirksam erwiesen. Deshalb soll diese quälende Erkrankung genauer beschreiben werden.

Symptome bei Reizdarm

Die Betroffenen leiden unter chronischen Darmbeschwerden, die sich als Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfungen und Blähungen äußern können. Besonders vor und während der Darmentleerung kann es zu quälenden Blähungen und krampfartigen Bauchschmerzen kommen. Dabei treten die Symptome tagsüber häufiger auf als nachts. Bei Routineuntersuchungen lassen sich keine krankhaften Veränderungen der Organe finden.

Das Reizdarmsyndrom ist eine große Belastung für die Betroffenen. Die Darmtätigkeit bestimmt ihren Tagesablauf und der Alltag wird zur Herausforderung. Um nicht in unangenehme Situationen zu geraten, schränken viele ihren Bewegungsraum immer weiter ein – bis sie sich zum Teil kaum noch aus dem Haus wagen. Das Reizdarmsyndrom wird damit auch zu einer starken seelischen Belastung. Depressionen oder Angststörungen sind deshalb nicht selten. Gängige psychotherapeutische Therapien helfen, mit den seelischen Belastungen des Reizdarmsyndroms umzugehen, und bekommen zum Teil sogar die Symptome in den Griff.

Ursachen von Reizdarm

Reizdarm © Coloures-pic - Fotolia.com

Reizdarm © Coloures-pic – Fotolia.com

Denn das Nervensystem ist an den Beschwerden des Reizdarmsyndroms beteiligt. Wie Untersuchungen gezeigt haben, empfinden Menschen mit Reizdarmsyndrom Schmerzen stärker und gewöhnen sich auch nicht daran. Bei einem Gesunden blendet der Körper dagegen ein anhaltendes Missempfinden aus, nachdem er es als nicht bedrohlich eingestuft hat. Außerdem nehmen die Betroffenen Schmerzen oft an einer anderen Stelle wahr als an ihrem Ausgangsort. Das gleiche Phänomen tritt bei Salmonelleninfektionen oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen auf. Nicht selten kommt es nach einem überstandenen Magen-Darm-Infekt erstmals zum Reizdarmsyndrom.

Wie Studien gezeigt haben, ist die natürliche Darmflora bei den Betroffenen verändert.

Hilfe bei Reizdarm

Schmerzmittel: Bei starken Krämpfen können krampflösende Mittel die Symptome lindern.

Ballaststoffe: Ballaststoffe oder vorübergehend auch Abführmittel lösen quälende Verstopfungen.

Bakterienhaltige Präparate

Langfristig helfen bakterienhaltige Präparate, das Reizdarmsyndrom in den Griff zu bekommen, wie eine große Übersichtsstudie gezeigt hat (3). Zwei der darin untersuchten Studien belegen die Wirksamkeit von Arzneimitteln mit dem natürlichen Darmbakterium Escherichia coli (Symbioflor® 2). Vor rund zehn Jahren wurden bakterienhaltige Arzneimittel vor allem von naturheilkundlich orientierten Ärzten eingesetzt, heute ist diese Therapieform in die Leitlinien zur Behandlung des Reizdarmsyndroms aufgenommen, und auch Schulmediziner behandeln mit natürlichen Darmbakterien.

Ernährungsumstellung bei Reizdarm

Da das Reizdarmsyndrom eine vielschichtige Erkrankung ist, sollte die Behandlung zusätzlich auf eine Ernährungsumstellung, Psychotherapie und Entspannungsübungen bauen. Bei der Ernährungsumstellung geht es darum, alle individuell unverträglichen Lebensmittel und Zubereitungsweisen wegzulassen. Das Ziel ist eine vollwertige, individuell gut bekömmliche Mischkost. Der Schwerpunkt sollte auf basischen Lebensmitteln liegen.

Gemüsesuppe

Gemüsesuppe

Generell sind Hülsenfrüchte, Gurkensalat, frittierte Speisen, Kohl und kohlensäurehaltige Getränke schlecht bekömmlich. Vorsicht geboten ist auch bei Fettgebackenem, scharf Gebratenem, fetter Wurst und unreifem Obst.

Zartes Gemüse, feingemahlene Vollkornprodukte, Nudeln, Kartoffeln, Eier, fettarme Milchprodukte, reifes und säurearmes Obst und pflanzliche Öle werden dagegen meist gut vertragen. Eine Aufwertung erfährt Ihre Ernährung durch das regelmäßige Trinken von Kanne Bio Brottrunk, worüber in diesem Magazin schon häufiger berichtet wurde.

Eine Ernährungsumstellung ist immer dann erfolgreich, wenn die Betroffenen genau beobachten und dokumentieren, welche Lebensmittel ihnen persönlich Probleme bereiten.

Psychotherapie bei Reizdarm

Die dritte Säule bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms ist die Psychotherapie. Dabei erlernen die Betroffenen unter anderem Techniken der Aufmerksamkeitslenkung. So können sie die Lernbedingungen für den Darm aktiv verändern. Weitere Möglichkeiten sind die progressive Muskelentspannung und Verhaltenstherapien. Wenn nötig, kann der behandelnde Arzt oder Therapeut mit speziellen Psychopharmaka die individuelle Schmerzschwelle des Patienten anheben.

Gezielte Diagnostik bei Reizdarm

Für die Diagnose des Reizdarmsyndroms müssen andere Ursachen der Beschwerden sorgfältig ausgeschlossen werden:

  • Der Stuhl des Betroffenen sollte zum Beispiel auf Krankheitserreger wie Bakterien oder Parasiten untersucht werden, denn manche Erreger können monatelang Bauchschmerzen und mehr oder weniger starken Durchfall verursachen.
  • Auch Unverträglichkeiten von Milch- und Fruchtzucker können die gleichen Symptome verursachen. Sie lassen sich zum Beispiel über Atemgastests feststellen.
  • Über eine Glutenunverträglichkeit klären Enzymtests aus Stuhl- oder Blutproben auf. Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit reagieren stark auf Gluten – ein Klebereiweiß, das in vielen Getreidesorten vorkommt: Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer, Gerste. Dadurch entzündet sich die Darmschleimhaut, bis hin zur kompletten Zerstörung der Schleimhautzellen.
  • Auch bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen entzündet sich die Darmschleimhaut, immer wieder oder auch dauerhaft. Die Ursachen dafür sind jedoch noch nicht abschließend geklärt. Für den Nachweis der entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eignen sich spezielle Entzündungsmarker im Stuhl.
  • Eine Kombination verschiedener Entzündungsmarker mit geeigneten Blutungs- und Tumormarkern gibt wiederum Hinweise auf das Darmkrebsrisiko des Betroffenen. Sind die Werte der Tumor- und Blutungsmarker unauffällig, kann der Betroffene auf eine Darmspiegelung verzichten. Sind die Werte jedoch deutlich erhöht, wird eine Darmspiegelung notwendig. Während der Spiegelung können Polypen und Tumore sicher diagnostiziert und gegebenenfalls direkt entfernt werden. Wichtig bei den Tumormarkern ist: ein erhöhter Tumormarker ist nicht gleichbedeutend mit Krebs!

Diagnostik der Darmflora

DiagnostikDie natürliche Darmflora kann beim Reizdarmsyndrom, bei Infektanfälligkeit, Allergien oder Candida-Überwucherungen gestört sein. Auch Fettleibigkeit und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen gehen mit einer gestörten Darmflora einher. Die Liste ließe sich noch erweitern. Auch in Zukunft dürften noch weitere Verbindungen zwischen Erkrankungen und der Darmflora aufgedeckt werden.

Derzeit arbeiten Wissenschaftler weltweit an der Analyse der Darmflora im Zusammenhang mit Gesundheit und Krankheit. Sie sprechen jetzt vom Mikrobiom: die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die eng mit dem Menschen zusammenleben (auf der Haut, in der Mundhöhle, im Darm). Um einschätzen zu können, wie sich die Darmflora bei der vorliegenden Erkrankung verändert hat und um dem entstandenen Ungleichgewicht gezielt gegensteuern zu können, ist eine Analyse der Darmflora sinnvoll.

Eine Untersuchung der Darmflora kann nur Ihr behandelnder Arzt oder Therapeut veranlassen. Sollte Ihr Arzt die Untersuchung nicht anbieten, können Sie beim Institut für Mikroökologie nach einem geeigneten Therapeuten fragen. Bakterienhaltige Arzneimittel und bakterien- oder ballaststoffhaltige Nahrungsergänzungsmittel erhalten Sie in jeder Apotheke.

Gute und böse Darmbakterien

Die KyberKompakt-Diagnostik vom Institut für Mikroökologie in Herborn erfasst verschiedene Bakterienarten oder auch Gruppen, die die Zusammensetzung der Darmflora charakterisieren und für unsere Gesundheit wichtig sind. Dabei werden Bakterien der schützenden, der immunregulierenden und der eiweißspaltenden Darmflora unterschieden.

  • Beispiele für die schützende Bakterienflora sind Laktobazillen und Bifidobakterien. Speziell für die Darmschleimhaut und die sie bedeckende Schleimschicht sind die Bakterien Akkermansia muciniphila und Faecalibacterium prausnitzii wichtig. In enger Zusammenarbeit sorgen sie für eine ständige Regeneration der schützenden Schleimschicht im Darm und versorgen die Darmschleimhaut mit dem Hauptnährstoff Buttersäure.
  • Immunregulierende Eigenschaften haben das natürliche Darmbakterium Escherichia coli und bestimmte Enterokokken.
  • Bakterien aus den Gattungen Clostridium, Proteus und Klebsiella bauen dagegen Proteine ab, die in den Dickdarm gelangen. Aus den Proteinspaltprodukten können die Bakterien Stoffe bilden, die die DNA angreifen und die Leber belasten.

Ballaststoffe: Futter für die guten Bakterien

Kartoffeln

Kartoffeln

Gegen ein Ungleichgewicht in der Darmflora helfen einerseits bakterienhaltige Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel, andererseits können wir das Wachstum erwünschter Bakterien über eine ballaststoffreiche Ernährung unterstützen. Unser Darm kann Ballaststoffe nicht verarbeiten, deshalb erreichen sie die Darmflora unverändert und können ihr als Nährstoff dienen. Während fast alle Ballaststoffe aus Kohlenhydraten bestehen, unterscheiden sie sich hinsichtlich ihrer Löslichkeit in Wasser. Resistente Stärke, Inulin und Oligofruktose lösen sich zum Beispiel gut in Wasser, Zellulose dagegen nicht. Zellulose ist der Hauptbestandteil der pflanzlichen Zellwand.

Für die Darmflora ist die resistente Stärke Typ 3 der beste Nährstoff und sie liefert die größte Ausbeute des Schleimhautnährstoffs Buttersäure. Die tägliche Zufuhr sollte für einen Erwachsenen 10 bis 15 g betragen. Die resistente Stärke Typ 3 befindet sich zum Beispiel in gekochten Kartoffeln, Erbsen und Bohnen, sobald sie abgekühlt sind. Brot kann ebenfalls resistente Stärke Typ 3 enthalten. Allerdings sind die Mengen nicht groß. In ballaststoffhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln (z.B. SymbioIntest) befindet sich resistente Stärke Typ 3 in höherer Konzentration.

Ballast gegen Kilos

Ballaststoffe eignen sich auch zur Gewichtskontrolle. Sie senken die Energiedichte der Nahrung und verringern damit den Anstieg des Glukosespiegels im Blut nach einer Mahlzeit. Das Hungergefühl dämpfen die Ballaststoffe gleich doppelt: Zum einen sorgen sie für einen gut gefüllten Magen und Darm, zum anderen bauen die Bakterien im Darm die Ballaststoffe langsam und gleichmäßig zu kurzkettigen Fettsäuren um, sodass zwischen den Mahlzeiten kein Hungergefühl aufkommt.

Literatur

  1. Lau S. et al.: Oral application of bacterial lysate in infancy decreases the risk of atopic dermatitis in children with 1 atopic parent in a randomized, placebo-controlled trial. 2012, J Allergy Clin Immunol 129(4): 1040-1047.
  2. Kitz R et al.: Probiotic E. faecalis – adjuvant therapy in children with recurrent rhinosinusitis. Cent. Eur. J. Med. 2012; 7(3): 362-365.
  3. Hungin AP et al; European Society for Primary Care Gastroenterology. Systematic review: probiotics in the management of lower gastrointestinal symptoms in clinical practice — an evidence-based international guide. Aliment Pharmacol Ther. 2013 Oct; 38(8): 864-86. doi: 10.1111/apt.12460.

Über die Autorin

PortraitDr. Lilian Schoefer ist Biologin mit den Schwerpunkten Mikrobiologie und Biochemie und Absolventin der Deutschen Fachjournalistenschule in Berlin. Sie hat am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam promoviert und ist seit 2007 am Institut für Mikroökologie in Herborn tätig.
Kontakt
Dr. Lilian Schoefer
Weidenweg 4
35745 Herborn
e-mail: Lilian.Schoefer@symbio.de
www.symbiopharm.de

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Und wie gut kennen Sie Ihren Darm? Möchten Sie berichten, was er Ihnen erzählt hat, dann schreiben Sie doch einen Kommentar!

25 Kommentare »

  • Sonja sagt:

    Hallo Frau Prof. Dr. Gerhardt,

    Befund : akkermansia muciniphila stark vermindert.
    Ich gehe seit Monaten zum Sport etc. Ich nehme eher zu statt ab. Meine Ärztin sagt ich habe keinen Stoffwechsel. Was kann ich tun?

  • Dani sagt:

    Hallo,
    Nach der Helikobacter Eradikation,habe ich Probleme mit Magen und Darm….Ich musste die Eradikation zweimal in Abstand von fünf Wochen machen,da die erste Eradikation nicht erfolgreich war…Jetzt bin ich Helikobacter frei jedoch habe ich mehr Beschwerden wie davor…(vor der Behandlung mit Antibiotika hatte ich nur Übelkeit)
    Eine Magenspiegelung wurde gemacht,verschiedene Bluttests(CRP,großes Blut Bild,Amilase,Lipase…usw…Ct Abdomen (Bauch)…. Stuhluntersuchung auf Blutspuren….. Alles unauffällig…
    Stuhlgang regelmäßig kein Durchfall..
    Anhand von einem Atemtest wurde jedoch Fructose und Laktose Unverträglichkeit festgestellt …
    Ich habe einen gesunden Appetit aber sobald ich größere Portionen gegessen habe z.b. Abend oder Mittagessen bekomme ich einen Druck unter der linken Rippe die zu Mitte ausstrahlt und das alles im Magenbereich… danach muss ich immer Maaloxan oder Renni nehmen damit es vergeht… wie gesagt das passiert nach dem Essen und erst jetzt nach den Einnahmen von Antibiotika davor hatte ich das nicht…
    Zu Darmaufbau habe ich MENSANA probiotic genommen… ich habe jedoch das Gefühl, dass das bei mir nicht so große Wirkung gezeigt hat und es ist ungewöhnlich das die Beschwerden immer nach dem Essen auftauchen obwohl laut Untersuchungen alles in Ordnung ist… ich würde mich freuen wenn mir da jemand weiterhelfen könnte… ich bin langsam ratlos da ich nicht richtig essen kann… LG Dani

    • Prof. Dr. Ingrid Gerhard sagt:

      Liebe Dani,
      es kann bspw. sein, dass die Magenentleerung nicht rasch genug geht, dass Ihnen Magensäure fehlt oder die Verdauungssäfte von Leber und Galle nicht ausreichen. Am besten lassen Sie sich von einem Arzt für Naturheilkunde beraten, der Ihnen sicher mit pflanzlichen Mitteln helfen kann. Eine kompetente Ernährungsberatung (nicht nur Gesundes essen, sondern vorübergehend nur Verträgliches) halte ich für wichtig. Auch eine komplette Stuhlanalyse könnte Hinweise auf die Ursache der Störung bringen. Alles Gute!

      • Dani sagt:

        Vielen lieben Dank für die Antwort.. Meine Hausärztin hat mir Omepeazol verschrieben jeden zweiten Tag soll ich eine nehmen(20mg)…Wenn ich jedoch zu wenig Säure haben sollte dann ist Omepeazol das falsche für mich..Oder?nehme es jetzt seit letztem Sonntag (also Bis jetzt 2 Tabletten genommen)…Ich muss auch noch betonen das ich noch nie Sodbrennen hatte….
        Ich werde auf jeden Fall Ihren Rat befolgen und nach einem Heilpraktiker suchen…

  • Manya sagt:

    Hallo,
    Ich leide schon mein ganzes Leben an einem Blähbauch. Kann man da mit der Zuführung von Bakterien irgendetwas machen? Symbioflor hat bei mir gar nicht geholfen. Ansonsten probiere ich schon viel aus mit Kräutern und Ernährungsumstellung. Aber einen Durchbruch gab es noch nicht. Vielen Dank schon Mal.

    • Prof. Dr. Ingrid Gerhard sagt:

      Liebe Manya,
      da müssten Sie erstens mal genau überprüfen lassen, ob Sie Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben, und zweitens eine genaue Stuhlanalyse machen lassen. Leider zahlen die gesetzlichen Krankenkassen viele dieser Leistungen nicht, obwohl sie sehr sinnvoll sind. Weiter rumprobieren reicht bei so einer langen Anamnese nicht. Alles Gute!

  • Nitka sagt:

    Guten Tag,

    ich habe ein wichtige Frage. Ich habe seit Monaten eine chronische Urtikaria mit Stuhlbefund: E.coli und enterobacter species erhöht. Nun habe ich aber auf vielen Seiten gelesen das Symbioflor Linderung bei Nesselsucht schaffen soll. Sind die E.colis in dem Präparat genau die gleichen wie im Stuhl? Bzw. wäre das Medikament für mich augrund zu vieler e.coli unbräuchlich?

    Danke im Voraus und Liebe Grüße
    Nitka

  • Kempes sagt:

    Guten Tag!
    Ich habe von ihrem Institut für Mikroökologie meinen Befund bekommen.
    Enteroccocus spp. ist stark vermindert
    Akkermansia mucinphila ist stark vermindert
    Candida albicans ist leicht erhöht
    i-Valerian + i-Buttersäure erhöht
    alpha-1-Antitrypsin leicht erhöht
    Zonulin erhöht
    Anteil Iso Fettsäuren erhöht
    ß-Defensin erhöht
    Histamin im Stuhl stark erhöht

    Als Therapie habe ich Pro Symbioflor, Symbioflor 1 Symbioflor 2
    Symbiointest, Symbiolact und Toxaprevent pur.

    Leider vertage ich die oben gennanten mittel nicht.
    Reicht es wenn ich nur Myrrhinil intest 3 x tgl 4 Draggee nehmen oder haben Sie ein besser vertragliches mittel für mich?

    Mein einziges problem ist die Schlaflösigkeit und Blähung.

    Mit freundlichen Grüßen
    Kempes

    • Prof. Dr. Ingrid Gerhard sagt:

      Liebe Kempes,
      Myrrhinil intest reicht sicher nicht. Alleine können Sie die vielfältigen Störungen Ihres Darmes auch nicht behandeln. Lassen Sie sich bitte vom Institut einen erfahrenen Therapeuten in Ihrer Nähe nennen. Natürlich sollen Sie nicht alle Mittel auf einmal einnehmen. Da muss man sehr vorsichtig vorgehen. Mein Vorschlag: nehmen Sie nur Pro Symbioflor und einmal täglich nüchtern Toxaprevent, für 3 Wochen 3×4 Myrrhinil intest, alles Weitere machen Sie zusammen mit einem Therapeuten vor Ort. Wichtig ist auch herauszufinden, auf welche Nahrungsmittel sie allergisch reagieren (Histamin erhöht). Alles Gute!

  • Dani sagt:

    Guten Tag
    Ich habe von ihrem Institut für Mikroökologie mweinen Befund bekommen.
    Die Immunflora ist leicht vermindert,luminale Protektivflora und die mokonutritive Flora sind stark vermindert. PH wert der Stuhlprobe im sauren Bereich.
    Ich leide alle zwei Stundenan ständiger Unterzuckerung,auch nachts, muss ständig essen.Oft wird mir auch Übel,wenn ich dringend essen muss. Meine Frage: Kann durch Therapiebeginn mit Prosybioflor und Symbiolact Comp eine Verschlimmerung der Unterzuckerungsproblematik eintreten?
    Viele Dank für Ihre wertvolle Zeit,und freue mich von Ihnen zu hören.

    Dani

  • Kristina sagt:

    Fast 1 Jahr nach einer Darmkrebs-OP (10 cm Dickdarm entfernt) plagte mich immer wieder plötzlicher Durchfall und sollte schon auf Reizdarm behandelt werden. Wie immer, holte ich mir erst eine zweite Meinung ein. Ein Arzt aus dem Freundeskreis brachte mich dann auf Mutaflor. Medikamente genießen bei mir generell kein großes Vertrauen, zuviele sind mir nicht bekommen. Aber durch den natürlichen Wirkstoff, auf dem Mutaflor basiert, hatte ich keine Nebeneffekte und konnte direkt eine Verbesserung feststellen. Mit 2 Kapseln täglich, konnte mein Darm nach ca. 5 Tagen beinahe problemlos arbeiten. Die übriggebliebenen Kapseln habe ich dann noch nach und nach benutzt.. Nebenwirkungen habe ich keine bemerkt. Ich hoffe es bleibt so und wünsche auf diesem Wege allen Leidensgefährten den selben Erfolg.

    • Prof. Dr. Ingrid Gerhard sagt:

      Liebe Kristina,
      danke für diesen sehr guten Tipp! Da in Mutaflor ein spezieller E.coli-Keim enthalten ist, wirkt er sehr gut auf den Dickdarm. Häufig müssen allerdings auch andere Darmkeime zugeführt werden, um gänzlich beschwerdefrei zu werden. Sie wissen ja, wieviele verschiedene Bakterienfamilien unser Darm beherbergt. Alles Gute weiterhin!

  • Käte sagt:

    Das Buch „Darm mit Charme“ ist absolut empfehlenswert. Ich verschenke das inzwischen in meinem Bekanntenkreis, aber auch immer mit einem Augenzwinkern dabei. Frau Enders schreibt so spitze über das sensible Organ Darm. Seit dem Buch habe ich wahrhaftig meine Sitzposition auf der Toilette optimiert und gehe inzwischen tatsächlich immer in die Hocke. Das ist zwar super unbequem, immerhin habe ich jetzt so einen Toilettenhocker, der meine Füße gut unterstützt, und nach wie vor ist das nicht die tollste Haltung, aber soll ja gesund sein. In anderen Ländern wird die Hocke ja stets auch praktiziert. Mir hilft die Hockposition absolut bei der vollständigen Entleerung und ich bin immer super schnell fertig aufm Klo. Dann kann man sich recht schnell wieder den angenehmeren Dingen des Lebens widmen.

  • Brigitte sagt:

    Hallo, ich muss meine Darmflora nach einer Antibiotika-Einnahme wieder sanieren, auch weil mein ph-Wert nicht in Ordnung ist.
    Nun meine Frage, Ist Eucell Probiot Plus oder ProBio-Cult besser ? Ich bin ein bisschen verunsichert.

    • Prof. Dr. Ingrid Gerhard sagt:

      Liebe Brigitte,
      es gibt so unglaublich viele Produkte mit guten Darmbakterien, die kann man gar nicht alle ausprobiert haben. Mit den beiden, die Sie nennen, habe ich keine Erfahrungen. Das Eucell ist zumindest von der Zusammensetzung vielseitig. Viele Grüße

  • Michaela sagt:

    Hallo Frau Prof. Gerhard,

    von Ihrem Progesteron-Artikel bin ich nun hier gelandet. Meine Heilpraktikerin hat mir zur Darmsanierung Produkte von Tisso empfohlen. Das Vertriebskonzept (Provisionen etc.) scheint mir jedoch äußerst fragwürdig.

    Mein Osteopath, der auch Heilpraktiker ist, hat mir dagegen ein Einnahmeschema mit Symbioflor kopiert, das hier im Artikel genannt wird. Ich kenne es auch von Freunden, die nach einer Antibiotika-Einnahme damit ihre Darmflora aufgebaut haben.

    Nun bin ich unsicher, welche Präparate ich kaufen soll. Bei mir wurde ein Leaky Gut (Zonulin erhöht) diagnostiziert.

    Danke und Gruß,
    Michaela

  • Birgit sagt:

    Hallo,

    ich lese immer wieder über
    Akkermansia muciniphila .
    Wie kann ich diese Bakterien im Darm ansiedeln?
    Gibt es diese auch schon in Tablettenform oder
    welche Lebensmittel kann man einnehmen?

    Liebe Grüße

    • Prof. Dr. Ingrid Gerhard sagt:

      Liebe Birgit,
      am besten unverdauliche Oligosaccharide essen, darüber freuen sich alle guten Darmbakterien, auch Akkermansia! Die präbiotischen Ballaststoffe, wie bspw. Inulin, kommen ganz besonders in folgenden Gemüsearten vor: Zwiebeln, Chicorée, Zichorienwurzel (Wurzel der Wegwarte), Topinambur, Artischocken, Löwenzahnwurzel, Schwarzwurzeln, Pastinaken. diese Präbiotika lassen sich auch als Nahrungsergäzungen kaufen.

  • Christine sagt:

    von meiner Gynäkologin wurde mir Pro EM san pur empfohlen.
    Kann ich dieses NEM unbedenklich längerfristig nehmen?

  • ChrRo sagt:

    Kennen Sie bzw. was halten Sie von diesem Produkt? (www.greensupps.de/Darmgesundheit/Probiotika/Darmflora-plus-select-Dr-Wolz.html)
    Wurde mir bereits mehrmals empfohlen, auch von Medizinern, die ihr Handwerk verstehen ;-). Bin vergleichsweise öfter krank als der Durchschnittsbürger. Kann ich es guten Gewissens verwenden oder sollte ich auf etwas achten? Habe bis auf einige Darmprobleme sonst keine Beschwerden.

    Grüße aus Augsburg

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