Portrait von Hilly Kessler*

Das Burnout-Syndrom, die krebsbedingte Erschöpfung (Cancer-related fatigue, CRF) und das Chronische Erschöpfungs-Syndrom (CFS) sind drei Krankheitsbilder, unter denen immer mehr Menschen leiden. Die Intensität der Erschöpfung kann sehr unterschiedlich sein: Beim Burnout-Syndrom ist sie in der Regel nicht so ausgeprägt wie beim Chronischen Erschöpfungs-Syndrom (CFS), das sogar zur Bettlägerigkeit zwingen kann. Psychologische Hilfe ist bei allen drei Krankheitsbildern erforderlich; sie löst aber nicht das zugrunde liegende biochemische Problem der Erschöpfung, das in den Kraftwerken der Zellen, den Mitochondrien, liegt.

In einem früheren Artikel über Cancer-Fatigue hatte ich Ihnen schon vorgestellt, mit welchen Methoden Sie sich bei chronischer Erschöpfung selber helfen können. Auch über Burn-out finden Sie einen Beitrag des bekannten Naturheilkundearztes Dr. Volker Schmiedel, der sowohl Ratschläge zur Vorsorge als auch zur Behandlung hat. Hier nun weitere hochaktuelle Informationen.

Interview mit Lorenz Geßwein

Der Heilpraktiker Lorenz Geßwein hat versucht, das biochemische Problem der chronischen Erschöpfung grundlegend zu lösen. Er entwickelte spezielle Rezepturen, die nach bisherigen Erfahrungen äußerst wirksam sind. Damit viele Menschen seine Methode nachvollziehen können, hat er ein Buch darüber geschrieben: „Wieder neue Kraft“. In einem Interview zu seinem Buch beantwortet er für Sie die wichtigsten Fragen.

Ursache der chronischen Erschöpfung

Prof. G: Können Sie für unser Netzwerk zusammenfassen, wie diese Therapie funktioniert?

HP G: Aus der wissenschaftlichen Forschung wissen wir heute, dass die molekularbiologische Ursache für schwere chronische Erschöpfungszustände eine gestörte Funktion der Mitochondrien ist. Die Mitochondrien sind die „Energiekraftwerke“ in unseren Zellen. Sie produzieren unter anderem ATP (Adenosintriphosphat), ein Energie-Speichermolekül. Wenn die Funktion der Mitochondrien auf eine bestimmte Weise gestört ist, produzieren sie zu wenig ATP. Das kann zu chronischen Erschöpfungszuständen führen.

In der von mir entwickelten Therapie werden bestimmte Mikronährstoffe in hoher Dosierung eingesetzt. Ziel ist es, die Störung der Mitochondrienfunktion zu verbessern oder zu beheben, damit wieder hinreichend Energie für normale alltägliche Aktivitäten vorhanden ist. In einem Ihrer Artikel haben Sie ja schon auf die neue Mitochondrienmedizin verwiesen.

Übliche Mikronährstoff-Therapie

Prof. G: Das ist aber nichts Neues. Es gibt doch relativ viele Ärzte und Heilpraktiker, die mit hochdosierten Mikronährstoffen Erschöpfungszustände therapieren?

HP G: Das ist korrekt. Doch leider sind die Erfolge dort nicht nur meiner Erfahrung nach bisher zu gering – insbesondere bei der schwersten Form chronischer Erschöpfungszustände, dem Chronischen Erschöpfungs-Syndrom (CFS). Ich habe zu viele langjährige CFS-Patienten kennengelernt, die von sehr guten Therapeuten unter anderem mit Mikronährstoffen behandelt wurden, aber leider überhaupt keine Verbesserung ihrer Kraftlosigkeit erfuhren.

Die hoch dosierte Anwendung von Mikronährstoffen wie Coenzym Q10 und D-Ribose zum Beispiel – die unter anderem von der englischen Ärztin Sarah Myhill bei CFS empfohlen wird – führt bestenfalls zu einer leichten Verbesserung der individuellen Leistungskraft. Aber wie ich bereits sagte, leiden Menschen mit schwerwiegenden chronischen Erschöpfungszuständen aufgrund von Mitochondrien-Defekten unter einer zu geringen ATP-Produktion. Die kann man auch labormedizinisch in den Zellen messen. Das grundlegende Problem sind also die defekten Mitochondrien. Und dieses Problem kann man mit Mikronährstoffen wie Coenzym oder D-Ribose nicht beseitigen.

Die hoffnungslosen Erfahrungen dieser Patienten haben mich dazu angeregt, einen neuen Weg zu gehen. Meine Vision bestand darin, Mikronährstoff-Rezepturen zu schaffen, die die Fähigkeit besitzen, alte und leistungsschwache Mitochondrien abzubauen und gleichzeitig die Biosynthese neuer Mitochondrien mit verbesserter Vitalität zu unterstützen – also Mitochondrien, die eine möglichst optimale biochemische Funktionstüchtigkeit besitzen. Mitochondrien haben eine Lebensdauer von 10-20 Tagen. Dieser relativ schnelle physiologische Ab- und Aufbau gibt uns die gute Chance, dass die Reparatur der Gen- bzw. Enzymdefekte, die den Mitochondrien-Defekten zugrunde liegen, relativ schnell physiologisch umgesetzt wird.

Erfolge der neuen Therapie

Prof. G: Wenn Ihre Therapie das schafft, müssten ja auch Ihre Erfolge recht gut sein?

HP G: Die Erfolge sind gut bis sehr gut. Aber ich sehe die neuen Rezepturen gegen chronische Erschöpfungszustände – insbesondere derjenigen gegen CFS – nicht als persönliche Leistung, sondern eher als einen persönlichen Glücksfall oder – besser – ein „Geschenk von Oben“.

Ich habe zwar relativ viel über die Problematik der Mitochondrien-Defekte mit meinem verstorbenen Lehrer von der Universität Frankfurt, dem Arzt und Biochemiker Dr. med. Gerhard Ohlenschläger, diskutiert. Und natürlich habe ich auch selbst weiter nachgedacht und auch an Patienten Erfahrungen gesammelt.

Doch letztlich entstanden die Rezepturen dann relativ schnell, spontan und intuitiv aus meiner Entmutigung und Verzweiflung darüber, dass ich einzelnen Patienten vorher nicht so helfen konnte, wie ich es wollte.

Ich kann allgemein sagen, dass mit den neuen Rezepturen die körperliche Erschöpfung beim Burnout-Syndrom und der Cancer-Fatigue relativ schnell überwunden wird. In der Regel dauert das nur drei bis sechs Wochen.

© cleomiu - Fotolia.com

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Beim schwerwiegenden Chronischen Erschöpfungs-Syndrom (CFS) mit seiner komplexen und auch teilweise komplizierten Symptomatik ist es natürlich schwieriger, einen Erfolg zu erzielen. Aber auch hier ist die Wirksamkeit deutlich zu erkennen: Mit Einnahme der neuen Rezepturen, die ich „Kraftpakete 3.1-3.2“ nenne, ist in der Regel schon nach vier bis sechs Wochen eine durchschnittliche Steigerung der ATP-Konzentration von 20% labormedizinisch nachweisbar.

CFS-Patienten empfinden diese Steigerung meistens als starken Energieschub. Es kommt auch vor, dass Menschen mit schwerer CFS in diesen ersten Wochen soviel Kraft zurückgewinnen, dass sie täglich wieder für eine halbe oder ganze Stunde im Freien spazieren gehen können.

Eine Patientin litt 22 Jahre unter CFS und wurde von einer Verwandten zu mir in die Praxis gefahren, wo sie sich die Treppe hochquälte. Vor ein paar Wochen fuhr sie selbst zu mir und stieg problemlos die Treppe hoch. Daran erkennt man, dass auch Patienten, die seit vielen Jahren unter dem Chronischen Erschöpfungs-Syndrom leiden, noch gute Chancen auf eine Verbesserung oder sogar Heilung haben.

Prof. G: Können Sie mir sagen, wieviele Patienten mit chronischen Erschöpfungszuständen Sie schon mit Ihrer neuen Methode behandelt haben?

HP G: Ich therapiere zurzeit 66 Patienten mit chronischen Erschöpfungszuständen, davon 10 mit Burnout-Syndrom, 6 mit krebsbedingter Erschöpfung, 28 mit eindeutigem Chronischem Erschöpfungs-Syndrom (CFS) und 22 Patienten, die unter einem CFS-Subtyp leiden. Das heißt, diese Menschen haben nicht das „klassische“ CFS, sondern liegen mit der Schwere und Fülle ihrer Symptomatik zwischen dem Burnout-Syndrom und CFS.

Ablauf der neuen Therapie

Prof. G: Wie sieht der Therapieablauf normalerweise aus?

HP G: Ein typischer Therapieverlauf sieht so aus: Wenn möglich, sendet mir der Patient per E-Mail seine Symptome und Krankengeschichte in einer „Word-Datei“ zu. Arztbriefe und bisherige Laborbefunde sollten eingescannt werden. Ich kopiere mir die wichtigen Daten in meine Patienten-Datei, lese die Berichte und Befunde und habe so oft schon einen guten Informationsstand, wenn der Patient zu mir kommt. (Falls Patienten keinen E-Mail-Zugang haben, senden sie mir alles per Post.) Wenn Patienten aufgrund chronischer Bettlägerigkeit nicht zu mir kommen können, müssen wir per Telefon weiter kommunizieren.

In der Praxis erfolgen die weitere Anamnese und Untersuchung sowie die Blutentnahme für die Laboruntersuchungen (Glutathion, Vitamin D3, ATP usw.). Patienten, die aus gerade genanntem Grund nicht kommen können, bekommen von mir das Probenmaterial für die Labore per Post zugeschickt. Die Patienten finden vor Ort eigentlich immer eine Fachkraft, die ihnen das notwendige venöse Blut entnimmt – meistens sind es die persönlichen Hausärzte, die für diese Therapie gerne mit den Patienten und mir kooperieren.

Nach Erhalt der Befunde kontaktiere ich die Patienten per Telefon und E-Mail, spreche mit ihnen die Ergebnisse durch und schicke ihnen per Post einen persönlichen Einnahme-Plan für die notwendigen Wirkstoffe bzw. Arzneien zu. Die Medikamente können alle in Form von Tabletten, Kapseln, Tropfen oder Pulver oral eingenommen werden. Sie werden den Patienten von der Apotheke nach Rezept-Eingang zugestellt.

Die Patienten nehmen die Medikamente erst einmal nur 4 Wochen lang nach Plan ein. Dann erfolgt die nächste Blutuntersuchung, um festzustellen, was sich labordiagnostisch Positives getan hat und wie die weitere Medikation reduziert werden kann. Die Patienten bekommen einen aktualisierten Einnahme-Plan zugeschickt usw. So wird weiter verfahren, bis die Therapie abgeschlossen ist. Das dauert beim Burnout-Syndrom und krebsbedingter Erschöpfung in der Regel ein bis drei Monate, beim CFS und deren Subtypen neun bis zwölf Monate.

Fallbeispiel aus der Praxis von Geßwein

Prof. G: Gibt es Beispiele für einen typischen Therapieverlauf?

HP G: Ein kurzes typisches Behandlungsbeispiel ist eine Patientin, die seit einer Erkrankung am Pfeifferschen Drüsenfieber (EBV-Infektion) vor 8 Jahren an Chronischem Erschöpfungs-Syndrom leidet. Vor 4 Jahren gab es eine plötzliche, unerklärliche, starke Verschlechterung: sie konnte sich vor Schwäche nur sehr wenig bewegen und lag fast den ganzen Tag zu Bett oder auf der Couch. Viele Haushaltsarbeiten schob sie aus Erschöpfung Monat für Monat vor sich her. Trotzdem lässt sie sich von ihrem Ehemann zweimal pro Woche nachmittags in eine Praxis fahren, wo sie ca. zwei Stunden als Logopädin arbeitet. Sie bemühte sich auch, täglich ca. 20 Minuten vor dem Haus langsam einen Spaziergang zu machen.

Ihr Bericht nach nur vier Wochen Einnahme von „Kraftpaket 3.1“ lautete so:

„Bereits nach einer (!) Woche Einnahme der Medikamente spürte ich, dass es mir viel leichter fällt, mich zu bewegen! Die Spazierrunde von ca. 20 Minuten, die ich jetzt 2 Jahre lang nur mit Pause in der Mitte und Erschöpfungsgefühl (nach dem Spaziergang) geschafft hatte, machte ich nach 2 Wochen Einnahme der Medikamente plötzlich mit Leichtigkeit und ohne Erschöpfung! Nach 4 Wochen Einnahme der Medikamente konnte ich die Spazierstrecke verdreifachen! Nun gehe ich täglich 1 Stunde spazieren und komme frisch und nicht erschöpft nach Hause! Es ist wie ein kleines Wunder, dass ich wieder so Spazierengehen kann. Ich kann nun Schritt für Schritt Dinge im Haushalt anpacken (jeden Tag ca. 2 mal 2 Stunden) und langsam Dinge aufarbeiten … das ist super!“

© DenisNata - Fotolia.com

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Nach weiteren vier Wochen Therapie berichtete sie, dass sich ihr Gesundheitszustand stetig verbessere, allerdings nicht mehr so rasant wie in den ersten vier Wochen. Zitat: „Es gibt nach wie vor Rückschläge im Verlauf, diese sind aber nicht mehr so stark und lang anhaltend. Die Tendenz ist langsam aber deutlich steigend. An einem der besten Tage der letzten Zeit konnte ich sogar an einer Fortbildung von 9.00-17.00 Uhr teilnehmen. Ein Riesenfortschritt!!! Ich bin so glücklich wie seit Jahren nicht mehr!“ Nach 6 Monaten der neuen Erschöpfungs-Therapie berichtete sie: „In den letzten 3 Wochen ging es so gut wie seit 5 Jahren nicht mehr.“

In den darauf folgenden vier Monaten blieb die Patientin gesundheitlich stabil und macht weiterhin gute Fortschritte.

Ursache für Therapieversager

Prof. G: Das ist wirklich sehr beeindruckend! Aber Sie werden wohl auch Misserfolge mit Ihrer Therapie beim CFS haben. Wo sehen Sie die Gründe dafür?

HP G: Der Hauptgrund für ein Therapieversagen liegt darin, dass die Therapie nicht genau so durchgeführt wird, wie ich das in meinem Buch „Wieder neue Kraft“ beschrieben habe. Die neuen Rezepturen gegen das CFS, die ich „Kraftpakete 3.1-3.4“ nenne, sind fein ausgetüftelt. Wenn Patienten mit CFS nicht genau alle Wirkstoffe in der angegebenen Dosis nehmen, sie die Rezepturen also verändern, verlieren sie ihre große Wirksamkeit! Es sind spezielle Wirkstoffe, und sie sind anfangs sehr hoch dosiert. Vitamin B12 (Methylcobalamin) beispielsweise mit 10.000 µg pro Tag. Oder Eumetabol® (S-Acetylglutathion) mit 1.200 mg.

Wenn der Patient aber anfängt zu googeln und dann irgendwo liest, dass beispielsweise 10.000 µg Methylcobalamin pro Tag viel zu viel seien, und er deshalb nur 1.000, 2.000 oder 4.000 µg nimmt, verliert die spezielle Rezeptur ihre große Wirksamkeit. Oder wenn Patienten versuchen, etwas Geld zu sparen und statt nach Eumetabol® mit validem Analysenzertifikat (pharmazeutischer Wirkstoff), nach einer Variante ohne valides Analysenzertifikat (Feinchemikalie) greifen, tritt die erhoffte Wirkung noch weniger ein.

Und wenn sie sogar S-Acetylglutathion durch einfaches, nicht acetyliertes (geschütztes), reduziertes Glutathion ersetzen, können sie die erhoffte Wirkung noch weniger erwarten. Denn einfaches reduziertes Glutathion hat – selbst als Infusion gegeben – nur eine Halbwertszeit von 1,6 Minuten. Also viel zu kurz, um eine hinreichende biochemische Wirkung in den Körperzellen haben zu können. Wie schon Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, sagte: „Macht’s nach; aber macht’s genau nach!“

Wichtig ist auch eine gründliche Anamnese. Menschen mit dem Chronischen Erschöpfungs-Syndrom haben nicht selten auch noch eine sogenannte Kryptopyrrolurie (KPU). Das ist eine Erkrankung, bei der auch leichte Ermüdbarkeit und Erschöpfungszustände als Beschwerden vorkommen können. Dann muss die KPU parallel zum CFS behandelt werden, am besten mit den Eumetabol® KPU-Kapseln.

In schwierigen Fällen leiden Menschen mit CFS auch noch unter dem Fibromyalgie-Syndrom (FMS), Vielfacher Chemikalienunverträglichkeit (MCS), Histaminunverträglichkeit oder anderen Erkrankungen, die eine erfolgreiche Behandlung schwieriger machen. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass auch in solch schwierigen Fällen Mitochondrien-Defekte zugrunde liegen. Die neuen Rezepturen gegen CFS sind meines Erachtens eine gute Basistherapie gegen Mitochondrien-Defekte bzw. mitochondriale Dysfunktionen.

Und schließlich gibt es selbst bei der besten Therapie leider immer wieder Menschen, denen aus uns unbekannten Gründen nicht geholfen werden kann.

Dauerhafte Heilung?

Prof. G: Wie lange hält denn Ihrer Erfahrung nach der Therapieerfolg an?

HP G: Selbstverständlich muss sich jeder Patient darüber im Klaren sein, dass es wichtig ist, die Ursache für die Erschöpfung herauszufinden und diese nach Möglichkeit zu eliminieren. Wie ich in meinem Buch dargelegt habe, ist Elektrosmog solch ein Faktor. Die umweltmedizinische Forschung sieht einen engen Zusammenhang zwischen Mobilfunknutzung, deren Strahlenbelastung und Burn-Out. Da muss Abhilfe geschaffen werden. Auch die Ernährung muss verbessert werden, der Zustand des Darms, ja, der gesamte Lebensstil muss auf Regeneration umgestellt werden.

Nebenwirkungen der neuen Therapie

Prof. G: Ich möchte noch einmal auf die sehr hohen Dosierungen der Mikronährstoffe in Ihren Rezepturen zu sprechen kommen. Gibt es da auch wirklich keine unerwünschten Nebenwirkungen?

HP G: Relativ wenige Patienten (ca. 20%) haben am Anfang der Mikronährstoff-Hochdosis-Therapie breiigen Stuhl oder harmlosen Durchfall. Das Problem ist aber schnell behoben, wenn man so vorgeht, wie ich das in meinem Buch „Wieder neue Kraft“ beschrieben habe.

Begründung der neuen Hochdosistherapie

Prof. G: Warum müssen denn die Mikronährstoffe Ihrer Ansicht nach anfangs so hoch dosiert werden?

HP G: Die Mikronährstoff-Hochdosis-Therapie habe ich von meinem bereits erwähnten Lehrer Dr. med. Ohlenschläger erlernt. Um beispielsweise Infektanfälligkeit zu therapieren, reicht es nicht aus, Vitamin C anfangs in Tages-Dosierungen von 500-1.000 mg zu nehmen. Am Anfang einer fachgerechten Therapie mit Mikronährstoffen sollte immer eine labormedizinische Messung der speziellen Mikronährstoffe im Vollblut oder in den Zellen erfolgen.

Die Erfahrung zeigt, dass Menschen mit Infektanfälligkeit in der Regel sehr niedrige Vitamin C-Konzentrationen im Blut haben, d. h. im unteren Bereich des Referenzwertes von Vitamin C (6-20 µg/ml). Wenn man z. B. nur einen Wert zwischen 6 und 10 µg/ml hat und 500-1.000 mg Vitamin C am Tag nimmt, steigt die Vitamin C-Konzentration über Monate nur sehr langsam an. Die Infektanfälligkeit aber bessert sich erst bei Vitamin C-Konzentrationen von 18-20 µg/ml oder höher.

Nimmt man dagegen täglich 2.000-3.000 mg Vitamin C ein, steigt der Wert wesentlich schneller. Das gilt insbesondere, wenn man zusätzlich noch Eumetabol® (Wirkstoff S-Acetylglutathion) einnimmt.

Wenn man (besonders beim Chronischen Erschöpfungs-Syndrom und dessen Subtypen) die speziellen Mikronährstoffe anfangs sehr hoch dosiert, steigen die entsprechenden Konzentrationen im Blut sehr schnell in hohe Bereiche der Referenzwerte oder darüber hinaus. Das ist meiner Erfahrung nach auch die Ursache für die sehr schnellen und anhaltenden Steigerungen der ATP-Konzentrationen. ATP (Adenosintriphosphat) ist ja das Energie-Speichermolekül, das der Körper bei chronischer Erschöpfung zu wenig produziert.

Laut den Erfahrungen der Ärzte Sarah Myhill und Dietrich Klinghardt kann man die ATP-Konzentration mit der Gabe von D-Ribose oder D-Galaktose steigern. Das Problem ist nur, dass diese Steigerungen relativ gering sind. Außerdem muss man beide Zucker täglich so lange nehmen, wie die Erschöpfungszustände vorhanden sind – und das in relativ großen Mengen. Diese Vorgehensweise ist nur eine Notlösung, die aber immerhin manchen Menschen hilft. Mit ihr wird jedoch nicht das Problem gelöst, das der mangelnden ATP-Produktion zugrunde liegt. Das sind die Mitochondrien-Defekte, die ihre Ursache wiederum in Enzym- und eventuell in Gendefekten haben.

Zur Reparatur dieser Defekte sind aus meiner Sicht unbedingt Eumetabol® (Wirkstoff S-Acetylglutathion), Vitamin B12, Vitamin D3, Quercetin und spezielle Aminosäuren in bestimmten Mengen für einen längeren Zeitraum erforderlich. Die anderen Mikronährstoffe in meinen Rezepturen – wie z. B. Vitamin C und Vitamin A – sind unentbehrliche Helfer bei der biochemischen Reparatur und dem physiologischen Wiederaufbau eines gut funktionierenden Energie-Stoffwechsels.

Chronische Erschöpfungs-Probleme sind ATP-Probleme. Ich habe langjährige CFS-Patienten gesehen, die für biologische Therapien im Laufe der Jahre leider mehr als 10.000 oder 20.000 Euro ausgegeben haben, ohne eine nennenswerte Steigerung des ATP-Wertes erreicht zu haben.

Kontaktadressen?

Prof. G: An wen können sich die Patientinnen wenden, wenn sie Ihre Therapie versuchen wollen?

HP G: Zurzeit (Dezember 2012) bin ich leider der einzige Arzt oder Heilpraktiker, der diese Therapie genauso, wie ich sie in meinem Buch dargestellt habe, durchführt. Ich denke aber, dass sich die Wirksamkeit der Therapie durch Erfolge und Veröffentlichungen in Fachzeitschriften bald herumspricht und weitere Spezialisten für diese neue biologische Therapie gegen chronische Erschöpfungszustände hinzukommen werden.

Kosten der neuen Therapie

Prof. G: Damit komme ich zu meiner abschließenden Frage: Welche Kosten entstehen dem Patienten für die Hochdosis-Therapie?

HP G: Das ist individuell unterschiedlich. In der Regel betragen die Gesamt-Therapiekosten beim Chronischen Erschöpfungs-Syndrom ca. 2.500-3.500 Euro. Sie können aber auch niedriger liegen. Die Gesamt-Therapiekosten beim Burnout-Syndrom betragen ca. 1.200-1.500 Euro für ein bis drei Monate, bei der krebsbedingten Fatigue ca. 1.300-1.700 Euro für ein bis drei Monate.

Über den Interviewpartner und Autor von „Wieder neue Kraft“

HP Lorenz Geßwein
Am Zinnbruch 34
53129 Bonn
Telefon: (0228) 360 25 733
Telefax: (0228) 360 25 734
praxis@hp-gesswein.de
www.hp-gesswein.de

Lorenz Geßwein, geboren 14.01.1956
1976-1982 Ausbildung und Tätigkeit in der Krankenpflege
1978-1981 Ausbildung zum Heilpraktiker, seit 01.04.1982 selbständiger Heilpraktiker
1977-1982 Studium der Philosophie (insbesondere Platon, Spinoza und Sri Aurobindo)
Seit 1977 Studium des Jin Shin Jyutsu (Mary Burmeister, USA)
Seit 1977 Studium der Bach-Blütentherapie
Seit 1979 Studium der Genuinen Homöopathie (Dres. Voegeli, Eichelberger et al.)
Seit 1997 Studium der Eumetabolik (Therapie mit hoch dosierten Mikronährstoffen)
Langjährige Zusammenarbeit mit dem Arzt und Biochemiker PD Dr. med. habil. Gerhard Ohlenschläger
Seit 2008 privater Medical Escort Service (Mittlerer Osten und Nordafrika)
Lorenz Geßwein
leitete bereits mehr als 150 Kurse, hält Vorträge und veröffentlicht Fachartikel über naturheilkundliche Themen. „Wieder neue Kraft“ ist sein fünftes Buch.

Über die Künstlerin

*Frau Dr. Hilly Kessler ist Frauenärztin in Luxemburg und international bekannte Künstlerin. Ihre Frauenportraits machen betroffen und nachdenklich. Für dieses Webmagazin hat Frau Dr. Kessler mir ihre Bilder zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

www.hillykessler.com

Und welche Erfahrungen haben Sie bei der Behandlung Ihrer Erschöpfung gemacht? Schreiben Sie doch einen Kommentar!