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Chronische Entzündungen: warum diese Schwelbrände krankmachen

Von | 11. Februar 2017 – 01:13 2 Kommentare 2.339 AufrufeDrucken

Lebensstiländerungen, Bewegung und besondere Pflanzeninhaltsstoffe schützen vor chronischen Entzündungen und ihren Folgen.

Brand © Gerd Wolf-fotolia.com

Können Sie sich vorstellen, dass es zwischen Zahnfleischbluten und einem Herzinfarkt, einer Zahnfleischentzündung und einem Schlaganfall, einer Sportverletzung und der Alzheimer Erkrankung oder einem Infekt und Krebs einen Zusammenhang gibt? Was zunächst provokativ klingt, hat vermutlich tatsächlich einen berechtigten Hintergrund, denn die genannten Ereignisse und Erkrankungen haben eine gemeinsame Schnittstelle: die Entzündungsreaktion. Diese steht im Verdacht, an der Entstehung chronisch-degenerativer Krankheiten mitbeteiligt zu sein.

Akute Entzündung, wichtiger Teil des Heilungsprozesses

Nahezu jeder von uns hat das schon einmal erlebt: man schneidet sich in den Finger und sofort schießt das Blut aus der Wunde. Schließlich kommt die Blutung wieder zum Stillstand. Die verletzte Haut wird durch die Bildung von neuem Gewebe irgendwann wieder geschlossen.

Was eigentlich nach einem banalen Vorgang aussieht, ist in Wirklichkeit ein hochkomplizierter Vorgang, welcher der Schadensbegrenzung und der Reparatur dient. Ein wichtiger Teil dieses Reparatursystems ist dabei die körpereigene Abwehr, die durch das verletzte Gewebe mobilisiert wird und die Entzündung auslöst. Durch die rasch einsetzende Blutung werden Bakterien und andere Keime weggespült, noch bevor sie über den Blutstrom in den Körper gelangen und dort eine Infektion hervorrufen können.

Jedoch begnügt sich die Körperpolizei damit nicht. Es startet das Entzündungsprogramm mit den

5 klassischen Zeichen: Rötung, Überhitzung, Schwellung, Schmerzen, eingeschränkte Funktion.

Mit dem Blut werden weitere Immunzellen in das Wundgebiet geschickt, um die eventuell noch vorhandenen Keime unschädlich zu machen und die Zelltrümmer zu beseitigen. Durch die einsetzende verstärkte Durchblutung rötet sich die Haut und erwärmt sich im Bereich der Wunde. Schließlich erhöht sich die Durchlässigkeit der Wände der kleinen Blutgefäße, um den Durchtritt weiterer Abwehrzellen zu ermöglichen.

Es bildet sich vermehrt Flüssigkeit und das Gewebe schwillt an – ein verletzter Knöchel wird beispielsweise dadurch dick. Die Schwellung wiederum kann aber auf die empfindlichen Nervenenden in der Haut drücken, wodurch sich der Schmerz dazu gesellt. So ist die Entzündung insgesamt ein komplizierter Prozess, der in unserem Körper als Antwort auf einen Reiz eingeleitet wird. Als Reize können Keime, Verletzungen (z. B. Knochenbrüche), extreme Kälte oder Hitze oder körperfremde Eiweiße (Allergene) dienen.

Chronische Entzündungen begünstigen Herzinfarkt, Schlaganfall, Demenz und Krebs

Zahnfleischentzündung © Sandor Kacso-fotolia.com

Normalerweise kommt eine solche akute Entzündungsreaktion nach vollendeter Heilung wieder zum Erliegen. Allerdings können – völlig unbemerkt – kleine „Schwelbrände“ im Körper zurückbleiben, die langfristig erhebliche Schäden verursachen und Krankheiten begünstigen können. In diesem Fall spricht man von den sog. „niedriggradigen“ Entzündungen, die sich nicht durch die klassischen Entzündungszeichen zu erkennen geben.

Beispiel Herzinfarkt und Schlaganfall

So weiß man inzwischen beispielsweise, dass die Veränderungen in den Blutgefäßen, die zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen, viel mit diesen vor sich hin schwelenden, entzündungsbedingten „Brandherden“ zu tun haben und die „klassischen Risikofaktoren“ (z. B. erhöhter Cholesterinspiegel, Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht) nicht für alle Herz- Kreislauftode verantwortlich gemacht werden können.

Beispiel Krebs

Auch Krebserkrankungen werden mit entzündlichen Prozessen in Verbindung gebracht, denn Botenstoffe, die speziell bei Entzündungen freigesetzt werden, können das Überleben von Tumorzellen, die tagtäglich in unserem Körper entstehen, erleichtern. Sie sorgen dafür, dass die Körperpolizei die Krebszellen weniger gut aufspüren kann.

Beispiel Nerven- und Stoffwechselkrankheiten

Auch bei Nerven- und Stoffwechselkrankheiten (z. B. Diabetes mellitus) vermutet man die Beteiligung von solchen Entzündungs-Botenstoffen.

Achten Sie auf einen „entzündungshemmenden“ Lebensstil

Um sich vor den „niedriggradigen“ Entzündungen zu schützen, kann man einige Vorsichtsmaßnahmen treffen.

Vorsichtsmaßnahmen

  • Beispielsweise sollte bei Sportverletzungen und Knochenbrüchen unbedingt auf eine ausreichende Heilungszeit geachtet werden. Zu frühes Training kann die „Brandherde“ im Körper fördern.
  • Achten Sie auch auf eine regelmäßige und ausreichende Zahnhygiene (Zahnseide benutzen) und den regelmäßigen Gang zum Zahnarzt, denn auch Zahnfleischbluten ist ein Hinweis auf entzündliche Prozesse in der Mundhöhle. In diesem Webmagazin wurde Ihnen vor einiger Zeit von einem Zahnarzt bereits erklärt, warum eine chronische Kieferentzündung, die Kieferostitis, so gefährlich für den Gesamtorganismus ist, bis hin zur Krebsentwicklung.
  • Streben Sie ein normales Gewicht an, denn überschüssige Pfunde produzieren entzündungsfördernde Stoffe und erhöhen das Risiko für die „Schwelbrände“.
  • Stoppen Sie das Rauchen.
  • Vermeiden Sie übermäßigen Stress.
  • Gehen Sie sorgsam mit Medikamenten um, die sich auf das Entzündungsgeschehen auswirken können (z. B. Hormone).

Solche Lebensstilfaktoren sollten Sie möglichst vermeiden. Aber glücklicherweise gibt es auch Lebensstilfaktoren, die den Entzündungen ihren Schrecken nehmen. So können Sie Brandherde löschen:

Bewegung

Regelmäßige moderate sportliche Aktivität hilft Ihnen dabei, Entzündungen zu bekämpfen, z. B. Nordic Walking, Wandern, Rad fahren.

Ernährung mit entzündungshemmenden Powerstoffen in speziellen Früchten und Gewürzen

Beeren

In bestimmten Frucht-, Gemüse- und Gewürzsorten stecken bioaktive Pflanzeninhaltsstoffe, die Entzündungen entgegenwirken.

Beerenfrüchte

So sind beispielsweise Beerenfrüchte (vor allem die Acai- und die Gojibeere, aber auch Heidel- und Aroniabeeren) empfehlenswert, denn diese Früchte enthalten entzündungshemmende Polyphenole. Diese „Powerbeeren“ bieten zusätzlich einen effizienten Zellschutz. So enthalten diese Früchte etwa 1000 mal mehr Zellschutzstoffe als Zitrusfrüchte (z. B. Orangen).

Rote Weintrauben

rote Weintraube

Auch Resveratrol, welches z. B. in den Schalen der roten Weintrauben vorkommt, oder OPC (oligomere Proanthocyanidine) können im Kampf gegen Entzündungen hilfreich sein. Resveratrol übt weiterhin – wie man inzwischen aus medizinischen Studien weiß, eine gefäßschützende Wirkung aus und gilt als echte „Antiaging-Substanz“. Sie verlangsamt den Zellstoffwechsel und erleichtert somit den Zellen die Reparaturmöglichkeiten.

Interessant ist die Kombination aus Resveratrol und dem Inhaltsstoff der Gelbwurz – Kurkumin. Dieses „Duo“ hat beispielweise bei entzündlichen Gelenkerkrankungen einen besonders guten entzündungshemmenden Effekt gezeigt.

Kurkumin

Kurkuma

Erstaunlich ist die Beobachtung, die an der National University in Singapur gemacht wurde: Dort hat man festgestellt, dass Kurkumin der Entwicklung der Amyloid-Plaques, die zur Alzheimer Erkrankung führen, entgegenwirkt und somit möglicherweise einen Beitrag zur Erhaltung der mentalen Leistungsfähigkeit im Alter leisten kann. Allgemein zeigen Untersuchungen zum Zusammenhang polyphenolreicher Kost und dem Verlust der geistigen Kräfte eine deutliche Schutzwirkung für die Polyphenole. Wer hier auf eine regelmäßige und ausreichende Zufuhr achtet, hat, diesen wissenschaftlichen Studien zufolge, ein geringeres Risiko für die Entwicklung einer Demenz.

Enzyme aus Ananas und Papaya

Gegen den „Entzündungsstress“ können auch pflanzliche Enzyme aus Ananas (Bromelain) und Papaya (Papain) helfen. Diese wirken den „klassischen“ Begleiterscheinungen von Entzündungen (z. B. Wasseransammlungen, Schwellungen) entgegen und haben sich auch bei Sportverletzungen bewährt.

Ausgewählte Gemüse

Zwiebeln

Schließlich sind auch in Gemüsesorten interessante „entzündungshemmende“ Stoffe enthalten. Besonders empfehlenswert sind Zwiebeln, Knoblauch, Brokkoli und weitere Kohlarten.

Da all die genannten entzündungshemmenden bioaktiven Pflanzeninhaltsstoffe am besten gemeinsam im „Konzert“ arbeiten, ist die breite Vielfalt der Obst-, Gemüse- und Gewürzpflanzen in der Ernährung empfehlenswert. Wem die Beschaffung der genannten Lebensmittel zu mühsam ist, der kann auch auf einen auf Polyphenole standardisierten Aktivkomplex aus Obst, Gemüse, Gewürzpflanzen und pflanzlichen Enzymen (z. B. „plantazym“, auch in der Apotheke) ausweichen.

Aus der Anwendung von Therapeuten kamen inzwischen zahlreiche positive Rückmeldungen. So konnten durch die Anwendung von „plantazym“ die verschiedensten, entzündungsbedingten Erkrankungen (z. B. Zahnfleisch-, Gelenkentzündungen, entzündungsbedingte Leber- und Hauterkrankungen) positiv beeinflusst werden. Ich persönlich – und auch meine Familie- verwenden das Produkt seit Jahren zur Stärkung der Abwehrkraft und Vermeidung von Erkältungskrankheiten.

Entzündungen auf einen Blick: Beispiele von Einflüssen, die „Brandherde“ fördern oder hemmen

Über die Autorin

Prof. Dr. rer. nat. Michaela Döll ist als ernährungsmedizinische Expertin im In- und Ausland seit Jahren bekannt. Seit mehr als 20 Jahren ist sie auf Kongressen und Fortbildungen in der Weiterbildung von Therapeuten aktiv. Sie ist Professorin an der Universität in Braunschweig (Fachbereich Lebensmittelchemie). Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Vitalstoffmedizin, Ernährung, Zivilisations – und umweltbedingte Erkrankungen. Mit mehr als 250 Fachartikeln und inzwischen 15 Büchern hat sie sich in der Fachwelt längst einen Namen gemacht und ihr Expertenrat ist auch in TV-Sendungen und im Hörfunk gefragt.

Kontakt
Prof. Dr. rer. nat. Michaela Döll
Gartenweg 20
67157 Wachenheim
Telefon: +49 (0)6322 92280
Fax: +49 (0)6322 620125
mail@prof.drmdoell.de
http://www.prof.drmdoell.de/

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Und was können Sie als Hilfe gegen chronische Entzündungen empfehlen? Dann schreiben Sie doch für unsere Leserinnen von Ihren Erfahrungen in einem Kommentar!

2 Kommentare »

  • Monika sagt:

    Ich brauche dringend Rat wegen meiner Borreliose mit den geschwollenen Händen. Ich nehme nun schon antibiotika, aber es wird vielleicht langsam besser. Werwiess Rat?

    • Prof. Dr. Ingrid Gerhard sagt:

      Liebe Monika,
      da sind Sie auf der falschen Seite. Geschwollene Hände können alles bedeuten. Antibiotika Therapie abwarten und sonst wieder zum Arzt und eventuell zweite Arztmeinung einholen. Hilfe können Sie in diesem Fall nicht über das Internet bekommen. Gute Besserung!

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