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Brustkrebs: Hilfe im Dschungel der Therapiemethoden

Von | 25. Mai 2012 – 23:05 3 Kommentare 23.231 AufrufeDrucken

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkrankt, liegt bei etwa zehn Prozent. Hinter dieser Zahl stehen in Deutschland jährlich mehr als 55.000 Frauen, bei denen Brustkrebs diagnostiziert wird. Jede Patientin erzählt ihre eigene Geschichte und hat ihre persönlichen Wünsche und Vorstellungen, wie es nach der Diagnose für sie weitergeht, und welche therapeutischen Maßnahmen ergriffen werden.

Das medizinische Wissen ist gerade auf dem Gebiet der Brustkrebsforschung einem rasanten Wandel unterworfen: Neue Erkenntnisse, technische Innovationen und richtungsweisende Studien wollen sensibel beleuchtet und individuell gedeutet werden. Daher ist es fast unmöglich, pauschale Empfehlungen für eine Brustkrebserkrankung zu geben. Hinzu kommt, dass Patientinnen verschieden auf die Behandlungen reagieren oder neue Therapieansätze nicht in allen Fällen möglich sind.

Mit der neuen 90-seitigen Broschüre „Brustkrebs – ganzheitlich und individuell behandeln“ möchte die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V. Anregungen geben, ohne Patentrezepte zu liefern. Sie möchte eine ganzheitliche Betrachtungsweise aufzeigen, in dem das Individuum im Zentrum der Entscheidungen steht. Dabei helfen auch aktuelle Forschungsergebnisse weiter, die das „Bauchgefühl“ mit Fakten stärken können. Denn vieles, was frau innerlich spürt, was sie zur Gesundung beitragen könnte, aber auch kritische Gedanken, die uns der „gesunde Menschenverstand“ herleitet, lassen sich inzwischen durch Studien belegen.

Operation

©CandyBox Images - Fotolia.com

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Wie bei fast allen organbezogenen Krebserkrankungen ist auch bei Brustkrebs eine Operation die sicherste Heilmethode. Die Erfahrung zeigt, dass durch eine rechtzeitig eingeleitete biologisch-ganzheitliche Therapie die Heilungschancen noch einmal deutlich verbessert werden. Die wenigsten Patienten wissen leider bereits vor der Operation von den vielfältigen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen, die sich hier bieten können. Umso wichtiger ist es, sich nach der Operation genügend Zeit zu nehmen, um die Therapie in Ruhe und individuell abzuwägen.

Hier heißt es: Eine Brustkrebserkrankung ist kein Notfall!

Seien Sie sich bewusst, dass bis zu Beginn einer Strahlentherapie, Chemotherapie oder Antihormontherapie genügend Zeit ist, um eigene Wege im Umgang mit der Erkrankung zu finden. So hat eine dänische Studie gezeigt, dass ein früher Beginn der Chemotherapie innerhalb der ersten drei Wochen nach der Operation keinen Überlebensvorteil für die Patientinnen bedeutet (Cold S/Brit J Cancer, 2005). Dass es wichtig ist, Maßnahmen zu ergreifen, die das Abwehrsystem stärken helfen, bestätigen auch die Studienergebnisse von Forschern aus der Charité in Berlin, die zeigen konnten, dass eine Chemotherapie bei Brustkrebspatientinnen vor allem dann wirkt, wenn bereits vor Beginn der Behandlung Abwehrzellen im Tumorgewebe nachweisbar waren (Denkert C/Journal of Clinical Oncology 2009).

Chemotherapie

© sudok1 - Fotolia.com

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Die Fragen, die im Rahmen einer Brustkrebserkrankung gestellt werden, sind so verschieden wie das Leben selbst. Viele Patientinnen sagen Ja zur schulmedizinischen Therapie, aber möchten wissen warum. Viele Patientinnen möchten auch einfach nur wissen, was frau begleitend zur Chemotherapie tun kann. Und andere Frauen wiederum stellen für sich in Frage, ob eine Chemotherapie oder eine antihormonelle Therapie die geeigneten Behandlungsmethoden sind. Zum Teil sind dies Patientinnen, die diese Therapien wegen schwerwiegender Nebenwirkungen abbrechen oder die grundsätzlich Bedenken gegenüber dieser Form der Nachbehandlung haben.

Diese grundsätzliche Ablehnung wird meistens noch dadurch verstärkt, dass sich viele Patientinnen von ihren behandelnden Ärzten nicht persönlich wahrgenommen fühlen und dass Fragen nach ganzheitlichen Behandlungsmöglichkeiten vehement abgewiesen werden. Hier ist es am besten, die Entscheidung mit einem zweiten Arzt zu besprechen, der sowohl schulmedizinische als auch biologisch-ganzheitliche Therapieverfahren kennt und einschätzen kann.

Bei anderen Betroffenen kann die Fragestellung noch schwieriger zu beantworten sein, wenn zum Beispiel Metastasen aufgetreten sind und nach den besten, am wenigsten belastenden Behandlungsmöglichkeiten gesucht wird. Antworten geben kann letztendlich am besten ein persönliches Beratungsgespräch, in dem gemeinsam herausgefunden wird, was die eigenen Vorstellungen sind und welche konkreten Bedürfnisse vorliegen.

Abwehrsystem stärken

Sehr häufig fragen Betroffene nach Methoden, die das Abwehrsystem und den gesamten Organismus stärken helfen. Dabei gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Denn viele Patientinnen werden überschüttet mit Informationen und sind nicht selten überfordert, wenn es darum geht, eigene, stimmige Strategien zu finden. Die Verunsicherung wird häufig noch dadurch verstärkt, dass selbst ganzheitlich arbeitende Therapeuten je nach Behandlungsschwerpunkt völlig unterschiedliche Therapien empfehlen können. Selbst die Misteltherapie, die jetzt im adjuvanten Bereich nicht mehr von den Kassen erstattet wird, wird von den Ärzten unterschiedlich beurteilt.

Die wichtigsten Ratschläge

  • Wissen hilft gegen die Angst
  • Führen Sie nur das durch, was Sie auch wirklich überzeugt.
  • Nur das, was sich gut in den Alltag integrieren lässt, wird auch mit Freude und Elan angegangen.
  • Besser ist es, wenige Maßnahmen zu bevorzugen und diese dafür konsequent durchzuführen.

Nutzen der adjuvanten Chemotherapie

Eine weitere bedeutende Frage, die sich fast jede Patientin stellt, ist, was der konkrete Nutzen einer adjuvanten, das heißt vorbeugenden Chemotherapie ist. Dabei ist vor allem die genaue Kenntnis der Begriffe „absolute Risikoreduktion“ und „relative Risikoreduktion“ wichtig.

Dazu ein Beispiel:

Eine Patientin, die ein Rückfallrisiko von 60% hat. Eine adjuvante Therapie kann das Rückfallrisiko um 33% reduzieren. Dies ist ein Drittel des ursprünglichen Risikos. Da 20% ein Drittel von 60% ist, ist die absolute Risikoreduktion 20% und die relative Risikoreduktion 33%. Zum Vergleich eine Patientin, deren Rückfallrisiko bei nur 15% liegt. Deren absolute Risikoreduktion beträgt nur 5%, verspricht jedoch einen relativen Vorteil von 33% (Lattrich C / Tumordiagn u Ther 2011). Das heißt, der Gewinn durch eine Chemotherapie ist bei größerem Rückfallrisiko eher moderat, bei geringem Rückfallrisiko sogar deutlich geringer als die relativen Zahlen vermuten lassen. Wenn Sie zum Beispiel ohne Chemotherapie ein Rückfallrisiko von 30 Prozent hätten, würde Ihr persönliches Risiko mit Chemotherapie 20 Prozent betragen. Wichtig ist es daher, die behandelnden Ärzte immer auch nach den absoluten Zahlen zu fragen.

Ein weiteres Beispiel:

© cleomiu - Fotolia.com

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Es verdeutlicht, dass bei Frauen mit weniger aggressivem Brustkrebs der absolute Vorteil einer Chemotherapie eher klein sein wird. Als Beispiel sei der Fall einer 50-jährigen Patientin mit durchschnittlicher Gesundheit genannt, die einen 1,1 cm bis 2 cm großen hormonrezeptorpositiven Brusttumor mit Differenzierungsgrad G2 und 1 bis 3 befallenen Lymphknoten hat. Laut www.adjuvantonline.com, einem von der Universität Texas in Houston entwickelten und anerkannten Modell, die Risikobewertungs- und Prognosehilfe für viele Onkologen ist, hätte diese Frau eine 79,9%ige Chance, 10 Jahre später noch am Leben zu sein – auch dann, wenn sie gar keine adjuvante Chemotherapiebehandlung nach der Operation erhalten würde.

Ihre Chance in diesem 10-Jahres-Zeitraum zu sterben beträgt 16,7%. Ihre Wahrscheinlichkeit aus anderen Gründen als Krebs während dieser Zeit zu sterben beträgt 3,4%. Wenn die Patientin nur Antihormontherapie als alleinige Behandlung wählte (typischerweise Tamoxifen und ein Aromatasehemmer) könnte sie ihre 10-Jahre-Überlebenschancen um 4,9% verbessern. Wenn sie eine adjuvante Chemotherapie, wie z.B. ein heute übliches anthrazyklinhaltiges Regime (z.B. FEC oder TAC) erhielte, würde das ihre Überlebenswahrscheinlichkeit um 2,4 % verbessern. Bekäme sie jedoch beide, Antihormontherapie und Chemotherapie, so würden sich ihre Chancen um zusammen 6,6% verbessern. In anderen Worten: Chemotherapie verbessert die 10-Jahres Überlebenswahrscheinlichkeit gegenüber Operation plus Hormontherapie bei Brustkrebs um nur noch 1,7%! Man kann sich daher grundsätzlich fragen, ob nicht in vielen Fällen die Nebenwirkungen stärker als die potentielle Wirkung der Chemotherapie sind.

Individuelle Entscheidungsfindung

Natürlich sind die erwähnten Beispiele nur eine Möglichkeit aus einer großen Zahl an Möglichkeiten. Tumore unterscheiden sich in ihrer Größe, ihren Eigenschaften, in dem Grad ihrer Streuung, und es gibt Konstellationen, in denen eine aggressive adjuvante Chemotherapie bei Brustkrebs, beispielsweise bei Tumoren mit sehr starkem Lymphknotenbefall, negativen Hormonrezeptoren, starker Ausprägung des HER-2-Rezeptors, gerechtfertigt sein kann. Diese Tumorkonstellationen sind jedoch eher selten; und auch dann ist es ratsam, sich von den behandelnden Ärzten bei www.adjuvantonline.com einen ersten Eindruck über die Wirksamkeit der Therapie geben zu lassen.

Da die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung also immer sehr individuell und einerseits vom Erkrankungsstadium aber auch von der persönlichen Lebenssituation abhängig ist, ist die neue Brustkrebsbroschüre der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V. als eine Art roter Leitfaden anzusehen. Damit werden die Betroffenen darüber informiert, welche Möglichkeiten sich ergeben können und wo es sich lohnt bei den behandelnden Ärzten genauer nachzufragen. Sie müssen nicht würfeln, sondern können kompetent entscheiden. Was Sie bei der Nachbehandlung berücksichtigen müssen, ist hier in einem Interview mit Frau Professor Gerhard zusammengestellt.

Das Besondere an der Broschüre im Vergleich zu anderen ist der hohe Informationsgehalt mit Verweis auf aktuelle Studien, was Frauen bei der Entscheidungsfindung beachten können und wie eine ganzheitliche Betrachtungsweise des sensiblen Themas Brustkrebs möglich ist.

Mehr Informationen

Wenn Sie ein telefonisches oder persönliches Beratungsgespräch vereinbaren möchten, können Sie unter 06221-138020 einen telefonischen Beratungstermin mit unserem ärztlichen Beratungsdienst in der Hauptgeschäftsstelle in Heidelberg vereinbaren.

Auf der Internetseite der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V. können Sie die die Broschüre als pdf downloaden.

Das Netzwerk WECF Germany – Women in Europe for a Common Future hat eine aktualisierte Broschüre zu vermeidbaren Umweltrisiken herausgegeben „Brustkrebs heilen ist gut – vermeiden ist besser“, die Sie bestellen oder  hier herunterladen können.

Über die Autorin

Dr. med. Nicole Weis studierte Medizin in Hamburg, Kanada und der Schweiz. 6 Jahre war sie klinisch tätig u.a. an der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg und der naturheilkundlich ausgerichteteten Habichtswald-Klinik in Kassel. Ihre Schwerpunkte sind Komplementäre Onkologie, Orthomolekulare Medizin, Umweltmedizin. Seit 2002 ist Frau Dr. Weis beratende Ärztin der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V.. Außerdem ist sie verantwortliche Redakteurin der Deutschen Zeitschrift für Onkologie.

Dr. med. Nicole Weis
Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V.
Beratungsstelle Stuttgart
Blosenbergstr. 38
71229 Leonberg
Tel. 07152-9264341
e-mail: n.weis@biokrebs.de
www.biokrebs.de

Wenn Sie selber zu den Betroffenen gehören, dann beschreiben Sie doch Ihren Leidensgefährtinnen Ihre Erfahrungen unten im Kommentar.

3 Kommentare »

  • Inge sagt:

    Hallo liebes Team,

    bei meiner Mutter wurde heute ein bösartiger Tumor in der rechten Brust diagnostiziert.
    Sie ist 90 Jahre alt und sehr rüstig.
    Was kann man machen bzw. empfehlen? Der Arzt sagte es gibt eine Kur mit Hormontabletten, könnte sein der Tumor schrumpft dann. Müsste dann alle drei Monate kontrolliert werden.
    Oder eben eine Totaloperation der rechten Brust.
    Ich bin mir sehr unsicher, was besser wäre.
    Vielen Dank erstmal und beste Grüße
    Inge

    • Prof. Dr. Ingrid Gerhard sagt:

      Liebe Inge,
      das ist wirklich eine schwere Entscheidung, die ich schlecht beeinflussen kann, weil ich Ihre Mutter nicht gesehen und untersucht habe. Suchen Sie bitte einen anderen Brustspezialisten auf, um eine zweite Meinung einzuholen. Denn es kommt auf sehr viele Faktoren an, die man berücksichtigen muss:
      Ist die Diagnose mit Feingewebeuntersuchung gesichert?
      Ist es sicher ein hormonabhängiger Tumor?
      Wie groß ist der Tumor?
      Hat Ihre Mutter Begleiterkrankungen?
      Wie würde sie die Vollnarkose verkraften? usw.
      Vielleicht können Sie auch, nach telefonischer Rücksprache, die Unterlagen zur Begutachtung an einen Arzt der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr schicken.
      Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Bauchgefühl für die richtige Entscheidung!

  • Der Brustkrebs führt die Statistik der Krebserkrankungen der Frau, beim Mann der Krebs der Prostata. Wir müssen Krebs als die Herausforderung der Zukunft sehen. Bis heute gibt es kein Konzept in der konventionellen Medizin, dieses Drama aufzuhalten, lediglich Ideen der Reparatur, die wiederum sehr zerstörerisch ist. Hier verweise ich auf mein Buch, das demnächst (Herbst 2012) erscheint: „Homöopathie und die Gesunderhaltung von Frauen“, um endlich und frühzeitig Krebs vermeiden zu helfen. Früherkennung ist zwar wünschenswert aber keine Lösung: Sie sind nur noch früher Krebspatientin. Wenn dann die Diagnose da ist, wird die Chemotherapie die unheilvollste Maßnahme sein, die Alternativen erschwert bis unmöglich macht!
    Sinnvoller ist eine gänzlich andere Weichenstellung vom Lebensbeginn an, die vorsieht, auf Impfungen zu verzichten, keine Unterdrückungsbehandlungen zuzulassen, Hormone nur in frühen Jahren (bis 25 Lebensjahre) anzunehmen, die Ernährung nach kontrolliert biologischen Bedingungen zu gestalten und umsichtig mit den Umweltgefahren umzugehen, eine Minimierung anzustreben. Heute muss besondere Aufmerksamkeit auf die Substanzen mit östrogenähnlicher Wirkung und auf das Leitungswasser (Arzneimetaboliten?) gelegt werden. Das alles hält nicht nur gesund, vielmehr wird es auch für behandelte Krebspatienten sinnvoll und notwendig.

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