Alle Jahre wieder, ausgerechnet im wohlverdienten Urlaub, melden sich Magen und Darm mit gereizten Schleimhäuten, Übelkeit und Blähungen. Während die einen nur einen unangenehmen Druck im Bauch spüren, leiden andere unter Verstopfung oder Durchfall. Oder sie kommen nach Hause und bringen sich Übelkeit, aufgeblähten Bauch und eventuell sogar Durchfall mit. Bei manchen Menschen reicht es schon, dass sie im Urlaub länger ausschlafen und anders als zu Hause frühstücken, um den ganzen Tag nicht in den richtigen „Darmrhythmus“ zu finden.
Umgekehrt die hektischen Typen, die schon beim Gedanken an eine anstehende Reise Durchfall bekommen. Scharf gewürzte Speisen, eiskalte Getränke, Alkohol und Kaffee regen ihre Darmbewegungen zusätzlich an. Und dann gibt es noch die Unvorsichtigen, die unbedingt in südlichen Ländern auf der Straße Eis oder aufgeschnittene Melone essen müssen und den Verunreinigungen schutzlos ausgeliefert sind.

Je nachdem zu welchem Reisetyp Sie gehören, können Sie durch Ihr Verhalten, unterstützt durch eine kleine Reiseapotheke, Darmbeschwerden vorbeugen.

Hilfe bei trägem Darm und Gasbildung

  • Halten Sie nach Möglichkeit regelmäßige Mahlzeiten ein.
  • Bewegen Sie sich genug, und atmen Sie bewusst tief in den Bauch.
  • Beginnen Sie den Morgen mit einer fünf-minütigen Bauchmassage und einem Glas lauwarmem Wasser, dem Sie etwas Zitronensaft zufügen können. Beides regt den Darm an.
  • Trinken Sie tagsüber umso mehr, je mehr Sie schwitzen und je mehr Alkohol Sie konsumieren. Am besten ist stilles Wasser, da kohlensäurehaltiges Wasser Blähungen verstärkt. Verzichten Sie auf Fruchtsäfte, auch die blähen.
  • Essen Sie reichlich Gemüse, damit die Ballaststoffe den Darm füllen und die guten Darmbakterien ernähren. Wenn erhältlich, sind Vollkornprodukte besser als das leckere französische Weißbrot. Vorsicht mit zu viel Obst. Der Fruchtzucker darin kann bei empfindlichen Menschen den Blähbauch verstärken.
  • Für den Notfall sollten Sie Quellmittel dabei haben, wie Leinsamen oder Indische Flohsamenschalen. Vergessen Sie nicht, dazu reichlich zu trinken.
  • Entblähende Heilpflanzen sind u.a. Kümmel, Fenchel, Anis. Man kann damit würzen oder die Samen zwischendurch kauen.
  • Regen Sie bei den Mahlzeiten den Gallenfluss an, indem Sie Bitterstoffe einnehmen. Ideale Bitterstofflieferanten sind Wermut, Angelika, Enzian oder Tausendgüldenkraut. Da Sie ja im Urlaub wenig Gelegenheit haben werden, Ihren eigenen Tee zu brauen, können Sie Fertigpräparate nutzen, bspw. Iberogast® (Steigerwald), das neben Bitterstoffen auch antientzündlich wirkende Kräuterauszüge enthält. Nehmen Sie davon vor jeder Mahlzeit 20 Tropfen. Alternativ Bitterkraft® (Gutsmiedl) nach Hildegard von Bingen, 10 Tropfen vor dem Essen. Auch Amara® Tropfen (Weleda) lindern Völlegefühl und Blähungen. Man nimmt sie zur Verdauungsanregung eine halbe Stunde vor dem Essen ein. Liegt Ihnen allerdings ein fetter Braten noch lange im Magen, dann erleichtern Sie ihn mit Meisterwurz (s.u.).

Vorbeugung von Durchfall

Wenn Sie ins Ausland reisen, vermeiden Sie Infektionen durch verunreinigtes Wasser oder Nahrungsmittel.

  • Im Zweifelsfall Zähne nicht mit Leitungswasser putzen

    Eiscreme

    Eiscreme

  • keinen Salat essen
  • Getränke nur aus geschlossenen Flaschen oder Dosen annehmen
  • keine Eiswürfel
  • Obst schälen
  • kein kaltes Fleisch oder aufgewärmtes Essen
  • kein Eiscreme
  • keine Speisen mit Milch und Eiern in ungekochter Form.

Kräuterkundige nehmen auf Reisen gerne ein kleines Zaubermittel mit: die Meisterwurz als CERES Imperatoria Urtinktur (ALCEA). Sie ist ein wichtiges Mittel gegen Gifteinwirkungen. Meisterwurz symbolisiert Selbstbewusstsein. Menschen, die sich immer wieder schädigenden Einflüssen öffnen, gibt sie Stärke, so dass Bedrohungen abgewiesen werden können.

Wenn Sie zu einem Reizdarm neigen, muss neben der Entblähung (s.o.) die Entzündung gelindert werden, das Wachstum krank machender Keime gebremst und der Darm entspannt werden. Bei der Entzündungshemmung wird man in erster Linie an die Kamille denken. Bestellen Sie sich im Restaurant ruhig mal Kamillentee, der wird in jedem Land angeboten. Auch Pfefferminztee ist hilfreich. Und nehmen Sie sich sicherheitshalber ein Fläschchen CERES Chamomilla Urtinktur (ALCEA) mit. Davon brauchen Sie nur 3-5 mal täglich 5 Tropfen einzunehmen.

Hilfe bei Durchfall

Blutwurz aus "Die neue Pflanzenheilkunde für Frauen"

Das Wichtigste bei Durchfall ist, dass Sie genug trinken. In jedes Glas Wasser oder Tee etwas Traubenzucker tun und etwas Salz. Ruhig mal eine Essenspause machen. Wenn möglich können Sie am 2. Tag schon wieder Hafer-, Reis- oder Leinsamenschleim essen. Für diesen Notfall gehört Blutwurz Tinktur (Potentilla tormentilla) in Ihr Reisegepäck. Sie können sich die Tinktur selber herstellen, Beispiele finden sie in meinem Pflanzenheilkundebuch, oder in der Apotheke fertig kaufen.

Neben Kamille werden bei Entzündungen der Darmschleimhaut auch Gelbwurz (s.u.) und Myrrhe eingesetzt. Ein Präparat, das sich in der Praxis bei Durchfall jeglicher Ursache sehr bewährt hat, ist MYRRHINIL-INTEST® Drg. (Repha), das neben Kamille und Myrrhe noch Kaffeekohle (entgiftet) enthält. Einen ausführlichen Artikel zu diesem Produkt bei chronischen Darmerkrankungen finden Sie hier. Bei Durchfall nehmen Sie davon 3-4 mal täglich 4 Drg. eine halbe Stunde vor dem Essen.

Loperamid (bspw. in Imodium®) setzt die vermehrte Darmbewegung herab. Dadurch kann mehr Flüssigkeit wieder von der Darmwand aufgenommen werden, und das Immunsystem kann die Krankheitserreger besser bekämpfen. Gehört für Notfälle in die Reiseapotheke.

Und schließlich gibt es sowohl zur Vorbeugung als auch zur Therapie die medizinische Hefe Saccharomyces boulardii (in Perenterol® forte, UCB Pharma). Sie bindet die Erreger und führt sie ab. Sie heftet sich an der Darmwand an, so dass die Erreger keinen Platz finden. Sie stoppt den Flüssigkeitsverlust und fördert die Entwicklung einer gesunden Darmflora. Wenn man in unsichere Länder fährt, kann man schon vor der Reise mit der Einnahme beginnen und sie während des ganzen Urlaubs zweimal täglich einnehmen.

Gut für jeden Darm

Ingwerwurzel

Viele meiner Bekannten schwören auf Ingwer. Sie können sich eine Ingwerwurzel mitnehmen oder vor Ort kaufen. Einfach an der Luft liegen lassen, nicht in Folie packen, sonst schimmelt die Wurzel. Zu jeder Mahlzeit 1-3 zerkleinerte Scheibchen essen. Ingwer wirkt gegen Übelkeit und Erbrechen, schützt vor Lebensmittelinfektionen, regt Speichel, Magensaft- und Gallebildung an, hat antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften. Also eine richtige Powerwurzel für jeden Darm. Natürlich gibt es Ingwer auch homöopathisch aufbereitet als Zingiber D 3 Globuli. Sie können davon nach jedem Essen 3 Globuli unter der Zunge zergehen lassen.

Auch Gelbwurz, Kurkuma, ist empfehlenswert und vielseitig einsetzbar. Gelbwurz gibt dem Curry seine gelbe Färbung. Gelbwurz wirkt sowohl gegen Völlegefühl und Blähungen als auch antientzündlich bei Reizdarm und Durchfall. Sie können nach dem Kochen Gelbwurzpulver über Ihr Essen streuen oder ihn als Kapsel einnehmen, bspw. als Anguraté Magen-Darm Kps. (Alsiroyal), die zusätzlich Kamille, Pfefferminz, Melisse und Kümmel enthalten.

Und schließlich Okoubaka, ein afrikanisches Wundermittel. Der Wirkstoff wird aus Rinde und Ästen des afrikanischen Okoubakabaums gewonnen. Okoubaka wird als homöopathisches Mittel eingesetzt. Es hat eine entgiftende Wirkung, unterstützt die Leber und die Galle und wirkt antientzündlich. Es soll sowohl eine Vergiftung durch verdorbene Speisen verhindern als auch Durchfall und Erbrechen durch unverträgliche Speisen und Getränke heilen. Man nimmt Okoubaka D3 Globuli und lässt vor jedem Essen 5 Globuli unter der Zunge zergehen. Bei Erkrankungen anfangs halbstündliche Gaben.

Langfristig tun Sie Ihrem Darm etwas Gutes, wenn Sie ihm kurmäßig gute Darmbakterien anbieten. Die finden sich in milchsauer vergorenen Nahrungsmitteln, probiotische Joghurt und Kanne BioBrottrunk® oder Kanne Paueressenz®. Alternativ gibt es auch Kapseln, die Sie über einige Wochen einnehmen, in denen die wichtigsten guten Darmbakterien enthalten sind, bspw. Sitobact® (Köhler), SymbioLact® (Symbiopharm), 3-Symbiose® (hypo-A)®, Dr. Jacobs Probioticum (Dr. Jacob´s Medical GmbH).

Und wie bin ich als Frauenärztin auf diesen Artikel gekommen? Wenn Sie regelmäßig mein Webmagazin studiert haben, wissen Sie, für wie wichtig ich den Darm halte. Er entscheidet darüber, ob wir langfristig gesund oder krank sind. Vor fast genau einem Jahr hatte Ihnen mein Kollege Runow in einem ausführlichen Artikel die Zusammenhänge erklärt. Aktuell kam ich wieder auf dieses Thema, weil die Leserinnen des Magazins PinkPumps Open mir diese Urlaubs-Darm-Frage gestellt hatten, die ich dort in komprimierter Form beantwortet habe. Ich hatte Ihnen die Seele dieser wunderbaren modernen Frauenzeitung kürzlich vorgestellt. Schauen Sie doch mal in das aktuelle Heft.

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