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Bulimie, der Ochsenhunger, der krank macht

Von | 3. Dezember 2011 – 01:48 Ein Kommentar 27.828 AufrufeDrucken
© Piotr Marcinski - Fotolia.com

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Essstörungen sind bei Mädchen und jungen Frauen die dritthäufigste Erkrankung. Die nervöse Magersucht, Anorexia nervosa, fällt meist rasch auf, da die Mädchen abmagern. Die Bulimie (bulimia nervosa), oftmals auch Ess-Brech-Sucht genannt, dagegen wird oft erst sehr spät von der Familie wahrgenommen. Von der Bulimie sind hauptsächlich Mädchen und junge Frauen betroffen. Bulimia Nervosa bedeutet übersetzt „Ochsenhunger“, im übertragenen Sinn „verzehrender Hunger“, und wurde 1979 erstmals von dem englischen Professor Gerald Russell beschrieben. Es kann auch vorkommen, dass eine „geheilte“ Magersucht in eine Bulimie übergeht. Das Risiko ist besonders groß, wenn ein niedriges Körpergewicht für die Ausübung des Berufs wichtig erscheint, bspw. bei Tänzerinnen, Models, Turnerinnen.

Verhalten von Bulimikerinnen

An Bulimie Erkrankte leiden unter einer gestörten Selbstwahrnehmung. Obwohl sie meist normalgewichtig (BMI zwischen 20 und 25) sind, empfinden Sie sich als zu dick. Sie versuchen, ihr Gewicht durch herbeigeführtes Erbrechen, Hungern, Diäthalten, ausgiebigen Sport oder den Missbrauch von Abführmitteln zu kontrollieren. Jedoch werden sie regelmäßig von Heißhungerattacken heimgesucht.

Diese Attacken lösen Essanfälle aus, bei denen die Betroffenen jegliche Kontrolle über sich selbst – und über die Nahrungsmengen, die sie verzehren – verlieren. Anschließend müssen sie sich entweder auf Grund der Unmengen von Nahrungsmitteln in ihrem Magen übergeben oder es „packt sie das schlechte Gewissen“, und sie führen das Erbrechen gewollt herbei.

© runzelkorn - Fotolia.com

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Die Essanfälle werden von den Betroffenen als permanente Niederlage erlebt, der Zustand der Erleichterung während des Erbrechens ist nur von kurzer Dauer. Die folgende Frustration über den Kontrollverlust, Schuld- und Schamgefühle führen häufig zu einer erneuten Heißhungerattacke.

Um ihre Essanfälle geheim zu halten, geraten die Betroffenen häufig in soziale Isolation. Da sie körperlich unauffällig sind, wissen meist weder die Familie noch die Freunde von der Erkrankung. Ess-Brech-Süchtige befinden sich häufig in finanziellen Schwierigkeiten, da sie sehr viel Geld für Lebensmittel ausgeben.

Aus dieser Situation heraus entsteht oftmals eine Depression, manche Betroffene verletzen sich selbst (Ritzen), einige denken sogar an Selbstmord.

Folgen der Bulimie

Langfristig führt eine Bulimieerkrankung zu einer Reihe schwerwiegender körperlicher Schäden:

  • © Maridav - Fotolia.com

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    die Speicheldrüsen schwellen an

  • die Magensäure beim Erbrechen greift den Zahnschmelz an
  • Schleimhautentzündungen des Magens und der Speiseröhre.
  • Häufiges Erbrechen führt zu einem gestörten Elektrolythaushalt, dies kann wiederum zu
  • Herzrhythmusstörungen und/oder
  • Verstopfung führen.
  • Häufig bleibt bei den Betroffenen die Menstruation aus.

Ursachen der Bulimie

Nach bisherigen Erkenntnissen spielen die folgenden Faktoren eine Rolle bei der Entstehung von Bulimie:

Gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper:

Es fällt den Betroffenen schwer, eine positive (weibliche) Identität zu entwickeln, sich in ihrer Rolle als Frau wohl zu fühlen und ihren Körper zu akzeptieren.

Gestörte Entwicklung der Identität:

Die Betroffenen erleben ihre eigene Persönlichkeit als gespalten. Auf der einen Seite gibt es den perfektionistischen Anspruch, „wie ich sein will“, auf der anderen Seite die Angst vor dem Versagen, „wie ich bin“.

Krankhafte Familienstrukturen:

In der Herkunftsfamilie der Betroffenen steht oftmals der Leistungsgedanke im Vordergrund, während gleichzeitig die Gefühle stark kontrolliert werden. Konflikte werden häufig nicht offen ausgetragen. Meist bereitet den Betroffenen der Abnabelungsprozess große Schwierigkeiten, da sie von ihren Eltern keine gesunde Abgrenzung gelernt haben.

Kultureller Einfluss:

Die Betroffenen möchten dem in der westlichen Welt herrschenden Schlankheits- und Schönheitsideal um jeden Preis entsprechen.

Neurologische Störung:

Die „chemische Grundkonfiguration“ der Betroffenen ist durch unangenehme Erlebnisse und/oder eine längerfristig falsche Ernährung aus der Balance geraten.

Therapie bei Bulimie

Grundvoraussetzung für eine Genesung ist vor allem die Anerkennung seines zwanghaften Verhaltens als Krankheit und die Bereitschaft, Hilfe – z. B. in Form einer Therapie, einer Selbsthilfegruppe oder eines Klinikaufenthaltes – anzunehmen. Regelmäßiges Schlafen, eine ausgewogene Ernährung, „langsame“ Sportarten, ruhige Musik und Schreiben wirken unterstützend. Aber vor allem der Austausch mit anderen Betroffenen ist eine unschätzbare Hilfe auf dem Weg zurück ins Leben.

Simone Happel ist Diplom-Ökonomin und Coach und war von ihrem 15 bis zu ihrem 25. Lebensjahr selbst essgestört. Heute nennt sie sich Entrepreneuse und Life-Stylistin und hilft anderen Frauen dabei, ihren persönlichen Life-Style zu entdecken und zu leben. Seit 06.01.06 bietet sie auf www.lebenshungrig.de Hilfe zur Selbsthilfe für essgestörte Frauen, deren Angehörige und Interessierte. Dort gibt es Informationen, Tipps, ein Blog, ein Forum und einen Online-Workshop für Essgestörte.

Simone Happel
Am Leimenstück 11
35232 Dautphetal
Tel.: 0 64 68 – 91 17 77
Kontakt: info@lebenshungrig.de
http://www.lebenshungrig.de

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