Home » Ernährung, Lebensstil & Umwelt

Vegetarismus heute: vom „Hasenfutter“ zum Genuss-Menue

Von | 17. September 2010 – 20:58 8 Kommentare 24.639 AufrufeDrucken
Kaninchen © Carlo Süßmilch - Fotolia.com

Kaninchen © Carlo Süßmilch - Fotolia.com

Gerade steht ein amerikanisches Buch auf der Bestsellerliste: „Tiere essen“, in dem der Autor Jonathan Safran Foer beschreibt, was er auf seiner Reise durch die Tierställe erlebt hat. Ihn haben diese Erlebnisse zum Vegetarier gemacht. In diesem Artikel stelle ich Ihnen die Vor- und Nachteile der vegetarischen Ernährung zusammen.

Ein Vorreiter des Vegetarismus in Deutschland ist der emeritierte Professor Claus Leitzmann, der an der Universität in Gießen gelehrt und viele Regionen der Erde für Forschungs- und Lehrzwecke bereist hat. Sein Buch über die „Vegetarische Ernährung“ erschien vor 13 Jahren zum ersten Mal. In diesem Jahr brachte er die zweite Auflage heraus mit einer Fülle von neuen Erkenntnissen und wissenschaftlicher Literatur. Netzwerk-Frauengesundheit hat ihn zu seinen Erfahrungen befragt.

Wann haben Sie sich entschieden, Vegetarier zu werden und aus welchem Grund?

Vor nunmehr 31 Jahren wollte unsere jüngste Tochter kein Fleisch mehr essen, da sie in der Schule gelernt hatte, dass unser Fleischkonsum den Hunger in der Welt fördert. Im Familienrat (4 Kinder) wurde beschlossen, ein Jahr lang kein Fleisch zu essen. Nach einem Jahr wollte keiner mehr Fleisch essen, und so ist es bis heute geblieben, zumindest bei meiner Frau und mir sowie bei unseren zwei Töchtern nebst Familien. Unsere zwei Söhne sind (auch durch den Einfluss ihrer Partner) heute wieder Fleischesser.

Früher war ein Vegetarier ein Sonderling, jetzt trifft man sogar auf Menschen, die angeben, ein Vegetarier zu sein, obwohl es nicht zutrifft.

Was hat sich da geändert?

Noch vor wenigen Jahrzehnten galt der Vegetarier als ein verirrter, weltfremder Mensch, der aus zweifelhaften Gründen kein Fleisch essen will. Man glaubte, dass vegetarische Kost zu einer Mangelernährung führen muss. Dadurch waren die Vegetarier gesellschaftlich isoliert. Heute haben viele Menschen begriffen, dass eine fleischlose Kost nicht nur lecker schmeckt, sondern alle lebenswichtigen Nährstoffe in ausreichender Menge zuführt. Neben den gesundheitlichen Vorteilen werden auch die ökologischen und ethischen Anliegen der Vegetarier geteilt und anerkannt.

Wieviel % der Bevölkerung sind denn Vegetarier?

Und stimmt mein Eindruck, dass jüngere Menschen viel häufiger Vegetarier sind als ältere?

Die genaue Zahl der Vegetarier ist nicht bekannt und nur schwer zu ermitteln, weil es verschiedene Ausprägungen des Vegetarismus gibt sowie eine zunehmende Anzahl von Menschen, die nur gelegentlich Fleisch oder Fisch essen. Vegetarier sind überwiegend jüngere Menschen und besonders Frauen sowie Menschen mit einer höheren Bildung.

Häufig kommen Vegetarier aus Vegetarierfamilien, d.h. die Entscheidung, auf Fleisch zu verzichten oder es auch gar nicht zu mögen, wird bereits im Jugendalter gefällt.

Sind Erwachsene denn da noch nachhaltig umpolbar?

© Vladimir Wrangel - Fotolia.com

© Vladimir Wrangel - Fotolia.com

Zunächst eine wichtige Klarstellung: Vegetarier verzichten nicht auf Fleisch, sie meiden den Fleischverzehr. Verzicht wird of mit Askese, Entsagung und Kasteiung gleichgesetzt. Vegetarier sehen ihre Kostform aber als einen Gewinn.

Die überwiegende Zahl der Vegetarier kommt nicht aus vegetarischen Familien, denn früher gab es nur wenige Vegetarier. Allerdings haben es Kinder aus diesen Familien leichter, diese Kostform zu praktizieren, weil die Ernährungsgewohnheiten überwiegend in der Kindheit geprägt werden. Da die jeweilige vegetarische Kost geschmacklich ähnlich wie Fleischgerichte zubereitet werden kann, fällt es auch Erwachsenen nicht so schwer sich umzustellen. Die besten Beweise dafür sind die Übernahme vieler ausländischer Gerichte in den letzten 50 Jahren.

Sie sind viel in anderen Ländern herumgekommen.

Ist in anderen Ländern das Meiden von Fleisch aus finanziellen oder aus religiösen Gründen häufiger als hierzulande?

Das Meiden des Fleischverzehrs ist regional sehr verschieden. Während der Vegetarismus in Südamerika unabhängig vom Einkommen wenig verbreitet ist, finden sich in Asien große Bevölkerungsgruppen, die sich traditionell, auch aus religiösen Gründen, vegetarisch ernähren. Die finanzielle Situation kann die Qualität, Menge und Häufigkeit des Fleischverzehrs beeinflussen.

Es gibt ja viele verschiedene Formen von Vegetariern, könnten Sie diese kurz beschreiben?

  • Ratatouille © Carmen Steiner - Fotolia.com

    Ratatouille © Carmen Steiner - Fotolia.com

    Die weitaus größte Gruppe stellen die Lakto-ovo-Vegetarier dar, die sowohl Milchprodukte als auch Eier verzehren.

  • Recht selten gibt es Lakto-Vegetarier (verzehren auch Milchprodukte) und
  • Ovo-Vegetarier (essen auch Eier).
  • Die sogenannten Veganer essen überhaupt keine Produkte vom Tier, einschließlich Honig, sie machen etwas 10% aller Vegetarier aus.
  • Daneben gibt es Vegetarier die zwar kein Säugetierfleisch essen, aber gelegentlich Fisch, sowie
  • Rohköstler, die alle pflanzlichen Lebensmittel roh essen, manchmal auch Milch und Eier.

Was sind die Vorteile des Fleischkonsums für die Gesundheit?

Ich kenne viele Menschen, die behaupten: „ich brauche das, sonst werde ich krank und fühle mich schlapp“.

Fleisch ist ein wertvolles Lebensmittel, da es viele wichtige Nährstoffe enthält, aber diese finden sich auch in pflanzlichen Lebensmitteln. Nur für Veganer kann es eng werden, besonders beim Vitamin B12, das reichlich in Eiern und Milch enthalten ist.

Häufiger krank werden übrigens die Fleischesser und nicht die Vegetarier. Schlapp fühlen sich meistens die sogenannten Pudding-Vegetarier, die zwar kein Fleisch essen, aber keine vollwertige pflanzliche Kost.

Übrigens sind im Tierreich die Tiere mit Pflanzenkost am stärksten (Elefanten, Pferde) und am langlebigsten (Elefanten, Schildkröten). Die Raubkatzen sind zwar gefährlich aber weder übermäßig stark noch ausdauernd.

Was sind die Nachteile des Fleischkonsums?

  • Zu viele tierische Fette,
  • Giftstoffe, die im Tierfett abgelagert werden,
  • die Übertragung von Viren vom Tier auf den Menschen
  • Hinzu kommen noch die Überladung mit Eisen und
  • die Zufuhr von dem reichlich vorhandenen Salz.
  • Neben den gesundheitlichen Problemen wirken sich die ökologischen und ethischen Aspekte nachteilig aus.

In dem Buch „Tiere essen“ schlägt der Autor vor, den Fleischgenuss auf 1-2 mal pro Woche zu reduzieren.

Ist das nicht besser und vielseitiger für die Gesundheit, als ganz darauf zu verzichten?

Ein bis zweimal in der Woche darf es auch so aussehen © ingerhard

Ein bis zweimal in der Woche darf es auch so aussehen © ingerhard

Diese Empfehlung geben wir in unserer Vollwert-Ernährung seit drei Jahrzehnten. Unsere Studien mit Vegetariern, Vollwertköstlern und Fleischessern zeigen, dass die Vollwertköstler, die 1-2 mal pro Woche Fleisch essen, gesundheitlich noch etwas besser liegen als die Vegetarier. Die Fleischesser landen weit abgeschlagen auf Platz drei.

Da es schwierig ist, die Menschen zum Vegetarismus zu bewegen, ist es sinnvoll, den Fleischkonsum zunächst allmählich zu reduzieren. Nach diesem ersten Schritt erfolgt oft der Übergang zum Vegetarismus.

Außerdem gibt es die „Puddingvegetarier“, die zwar kein Fleisch essen, aber fehlernährt sind. Die Puddingvegetarier waren und sind für den schlechten Ruf des Vegetarismus verantwortlich. Auch der Vegetarismus kann wie jede andere Kostform falsch oder richtig praktiziert werden. Mit dem heutigen Wissen und Lebensmittelangebot ist es einfach, sich vegetarisch und gleichzeitig vollwertig zu ernähren. Es gibt eine Fülle von guten vegetarischen Kochbüchern.

Was gibt es für Gründe, die gegen Fleisch sprechen?

  • Ethische, da es sich um Tötung handelt: Ein Tier ist ein Lebewesen. Es macht keinen Unterschied, ob wir Menschen ein Schwein oder einen Hund töten.
  • Moralische, da der Fleischkonsum zur Massentierhaltung geführt hat. Die Tiere werden nicht artgerecht gehalten und ihr Leben lang gequält bis hin zum Transport und der Schlachtung.
  • Die Umwelt wird zerstört:
    © Martina Berg - Fotolia.com

    © Martina Berg - Fotolia.com

    Massentierhaltung erzeugt genauso viele Klima schädliche Gase wie der gesamte Straßenverkehr. Außerdem führt sie zur Nitratbelastung der Böden und damit des Wassers und der Pflanzen sowie zur Geruchsbelastung ganzer Regionen.

Ist denn dann der Konsum von Milch und Eiern nicht genauso verwerflich wie das Fleischessen?

Wenn diese Produkte aus Massentierhaltung stammen, ja. Im Prinzip aber nein. Denn wie bereits Pythagoras in der Antike propagierte, sind Produkte vom lebenden Tier moralisch vertretbar. Außerdem sind in der ökologischen Landwirtschaft für das geschlossene System auch Tiere für Dünger und zur Abfallverwertung erforderlich.

Was kann man Menschen versprechen, was sie für Vorteile haben, wenn sie sich für eine vegetarische Ernährung entscheiden würden?

Eine richtig praktizierte lakto-ovo-vegetarische Ernährung hat gesundheitliche Vorteile, belastet die Umwelt in deutlich geringerem Maße und ist ethisch/moralisch unproblematisch.

Warum füttern Menschen Katzen und gehen mit ihnen zum Tierarzt, zeigen den Nachbarn wegen Tierquälerei an, wenn er seinen Hund im Käfig hält, haben aber kein Problem, wenn sie Würstchen oder Steak essen?

Ist das Gefühlskälte, Phantasielosigkeit, Mitleidslosigkeit???

Neben den drei Punkten sind die jeweiligen Traditionen und Gewohnheiten wohl noch ausschlaggebender. So haben die Franzosen kein Problem beim Verzehr von Pferdefleisch, echte Salami in Italien stammt von Eseln und in einigen asiatischen Ländern ist Hundefleisch eine Delikatesse.

Was halten Sie von der These: Der Welthunger kann nicht ohne Fleisch gestillt werden?

Das Gegenteil ist der Fall. Die Fütterung und besonders die Mästung von Tieren erfordern weitaus mehr Ackerflächen, Düngemittel, Pestizide, Antibiotika und Wasser, als die Erzeugung pflanzlicher Nahrung für die Ernährung der Menschen.

Die Nutzung von Wiesen sowie anderem Gras- und Buschland zur Tierhaltung ist vernünftig und sollte gefördert werden. Das Problem ist die Massentierhaltung und Mästung mit hochwertigen pflanzlichen Lebensmitteln, die in der Ernährung des Menschen eingesetzt werden können.

Noch ein Argument der Fleischesser, das ich immer wieder zu hören bekomme: Tiere essen andere Tiere, also können Menschen Fleisch essen.

Würden Sie dem zustimmen, wenn man achtsamer mit den Tieren umgehen würde?

Öko- Bauernhof © ingerhard

Öko- Bauernhof © ingerhard

Die Naturthese hat wohl in der Evolution des Menschen eine Rolle gespielt. Heute sind wir neben Naturwesen auch Kulturwesen, erhitzen unsere Nahrung (was kein Tier macht) und können eine Vielfalt von leckeren Speisen zubereiten. Unser Großhirn versetzt uns in die Lage, die Doppelrolle als Natur- und Kulturwesen verantwortungsvoll und nachhaltig wahrzunehmen. Die ökologische Landwirtschaft bietet hier die richtige Lösung an.

Inzwischen haben wir dieselben Probleme beim Fisch: die Meere sind leer, in den Aquakulturen herrschen schlimme Zustände, die Fütterung ist nicht artgerecht, es werden reichlich Medikamente und Pestizide eingesetzt.

Können/Müssen wir Fleisch- und Fischkonsum gleichsetzen?

Nicht ganz, obwohl der brutale Fischfang und die Dezimierung der Fischbestände eine Katastrophe darstellt. Wer überhaupt noch Fisch essen möchte, sollte mit dem einzig bisher noch reichlich vorhandenen Hering Vorlieb nehmen. Aber die Menschen möchten Edelfische essen, die es in der Natur bald nicht mehr geben wird. Aquakulturen sind ein trügerischer Ersatz, es sei denn, sie werden ökologisch betrieben.

Mit diesem Experten führte ich das Interview:

ClausLeitzmann-02MA19862493-0002Prof. Dr. Claus Leitzmann: Geboren 1933 in Dahlenburg, Niedersachsen. Studium der Chemie (B.Sc. Capital University, Columbus, Ohio), Mikrobiologie (M.Sc.) und Biochemie (Ph.D. University of Minnesota, Minneapolis, Minnesota). Wissenschaftlicher Mitarbeiter von Paul Boyer (Nobelpreis 1997) am Molecular Biology Institute, University of California, Los Angeles, 1967-69. Dozent im Department of Biochemistry and Nutrition, Mahidol University, Bangkok, 1969-71. Leiter des Forschungslabors des Anemia and Malnutrition Research Centers, Chiang Mai, Thailand, 1971-74. Seit 1974 am Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Giessen, Habilitation 1976 (Ernährung des Menschen). Von 1979 bis 1998 Professor für Ernährung in Entwicklungsländern, Aufbau und Durchführung dieses Wahlpflichtfaches in Forschung und Lehre. Geschäftsführender Direktor des Instituts für Ernährungswissenschaft, 1990-1995.

31UERZLyObL._SS500_vegetarisch kochenForschungsgebiete: Ernährung in Entwicklungsländern; Ernährungsstatus verschiedener Bevölkerungsgruppen; Ballaststoffe; Vegetarismus; Vollwert-Ernährung; Sekundäre Pflanzenstoffe; Ernährungsökologie. Über 500 wissenschaftliche Veröffentlichungen. Hier stelle ich Ihnen zwei seiner Bücher vor: die Vegetarische Ernährung und das passende Kochbuch dazu.

Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften sowie wissenschaftlicher Beiräte von Fachgremien, Stiftungen und Fachzeitschriften. Zabelpreis für Krebsprävention 1988. Preis der Dr. Broermann Stiftung für präventive Ernährung, 1997.

Und wie halten Sie es mit dem Fleisch essen? Welche Tricks haben Sie ausprobiert, um der Familie statt Fleisch etwas Vegetarisches anzubieten?

Schreiben Sie einen Kommentar, damit wir alle die Natur und ihre Lebewesen mehr schonen können! Und natürlich gesünder älter werden!

8 Kommentare »

  • Jan sagt:

    Ein hervorragend geschriebener Artikel und ein interessantes Interview. Vielen Dank dafür!

    Bei mir selbst stelle ich fest, dass ich immer seltener Fleisch esse und dass mir dessen Qualität immer wichtiger wird.

    Wurst habe ich nahezu vollständig gecancelt und durch Käse ersetzt.

    Wenn ich, was ca. ein bis maximal zwei Mal pro Woche vorkommt, Fleisch esse, dann ausschließlich Rind (Rumpsteak oder Filet). Insbesondere angesichts der geringen Verzehrmenge ist der Preis nicht entscheidend für mich, und ich bezahle gerne gutes Geld für gute Qualität.

  • Alexa sagt:

    Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Gerhard,

    …unser 7jähriger Sohn hat, nachdem er in der Schule erfahren hat wie Tiere geschlachtet werden, beschlossen kein Fleisch und keine Wurst mehr zu essen.

    Ich habe mit ihm gesprochen, ihm erklärt welche Bedeutung das gemeinsame Essen in unsrer Familie hat und ihn gefragt, ob er es aushalten kann, wenn seine beiden Schwestern (die beiden essen gerne Schnitzel)beim gemeinsamen Essen Fleisch und Wurst essen.

    Er sagte, nein das macht mir nichts aus, aber ich esse keins. Er sagte zwar nichts aber seine Blicke sprachen Bände, wenn eines der Mädchen Fleisch oder Wurst aß.

    Langsam vergingen meinem Mann und mir auch der Apetitt auf Fleisch (ich sagte zu meinem Mann, also gestern die Salami, ich fand sie echt ecklig–mein Mann antwortete,ich konnte sie auch nicht essen, das ist ja echt Ochsenblut)—das mit der Salmi hatte sich ein für allemal erledigt,den Kindern kann man ja sowas dann auch nicht mehr servieren.

    Wenn wir unseren Sohn anblickten hatten wir die Beschreibungen und Vorstellungen unseres Sohnes (die er uns ausführlich und leider erschreckend realistisch geschildert hatte)vor Augen.

    Seinen Schwestern hat er nichts von seinem Wissen über Tierschlachtung gesagt. Trotzdem sagten sie irgendwann, gell du ißt kein Fleisch, weil dir die Tiere leid tun.

    Sie aßen noch ein paar Wochen lang trotzdem Fleisch und Wurst, sagten ihnen wäre es egal. Irgendwann sagten sie nichts mehr, schoben aber die Wurst beiseite und griffen immer öfter zu Käse oder zu Tomaten.

    Ich beschäftigte mich mit den vegetarischen Gerichten, weil ich ja wollte, dass mein Sohn eine vollwertige Ernährung bekommt. Außerdem koche ich sehr gerne und finde es für die Kinder wichtig, dass es ein leckeres Essen gibt, wenn sie aus der Schule kommen.

    So gab es immer 2 Gerichte zur Auswahl.

    Nach und nach blieben die Fleischgerichte stehen und alle wollten lieber die Gerichte meines Sohnes essen.

    Es hat sich so eingeschlichen,dass wir heute in der Alltagsküche, (weil es uns wirklich nicht mehr schmeckt und mein Sohn nur mit Genuß ißt, wenn kein totes Tier auf dem Tisch zu finden ist) Gemüse-, Kartoffel- und Nudelgerichte zubereiten.

    Wenn die Mädchen mal Lust auf Fleisch haben (kommt ganz selten vor), dann sagen sie was genau sie möchten und ich koche ihnen das Wunschgericht (mit Bio-Fleisch).

    Vor unseren Kinder bevorzugte mein Mann auch fleischlose Gerichte und freut sich jetzt auch darüber, dass es jetzt viele unserer früheren Lieblingsgerichte wieder gibt.

    Mein Sohn will jetzt alles über Nahrungsmittel wissen. Anfangs war es wirklich nervig, aber mittlerweile lernen wir mit ihm und die Angst und Unsicherheit, dass ihm etwas für sein Wachstum fehlt wird immer geringer.

    Vielleicht schaffen wir es ja doch noch mit der gesunden Ernährung!

    Herzliche Grüße!

    • igerhard sagt:

      Liebe Alexa,
      da ist ja ganz phantastisch, wie Sie das Problem angepackt und gelöst haben. Mir kamen Tränen in die Augen, als ich mir Ihren kleinen Sohn vorstellte und wie tapfer er seine Überzeugung durchgezogen hat. Das klingt doch bereits wie eine wunderbar gesunde Ernährung bei Ihnen! Vielen Dank für diesen ermutigenden Kommentar und drücken Sie Ihren Sohn von mir!

  • Ich esse fast täglich Fleisch und Fisch! Und auch ich werde das voraussichtlich nicht wieder verändern. Teilweise halten wir eigene Tiere (ja, und wir schlachten auch selbst!) und ansonsten holen wir sie bei BioBauern, Bekannten oder Jägern. Auch ich habe jahrelang vegetarisch, vollwertig „gesund“ gelebt und sogar einige Jahre einen Bioladen betrieben. Ich glaube, es gibt viele Möglichkeiten sich vermeintlich gesund zu ernähren, aber auch ebenso viele Meinungen und „Studien“ dazu …. Jede/r möge für sich selbst die „richtige“ Entscheidung treffen ..

    • igerhard sagt:

      Die Entscheidung muss wirklich jeder für sich treffen. Trotzdem ist es gut, wenn man immer mal wieder gezwungen wird, darüber nachzudenken, ob es wirklich so VIEL Tierisches sein muss, ob es wirklich immer das Billigste auf Kosten der Qualität sein muss und wie wir einen ökologisch und tier- und menschenfreundlichen Konsum fördern können.

  • Nic65 sagt:

    Mich vegetarisch zu ernähren, kommt nicht in Frage. Ich habe das Gefühl, dass mir dann etwas fehlt. Nicht nur Bestandteile, die im Fleisch sind, sondern auch ein Stück Lebensqualität. Ich stehe zu meinem Würstchen und ich stehe zu einem gut…en Steak. Es muss aber alles im Verhältnis bleiben. Natürlich nicht täglich. Und wichtig ist mir der Produzent. Ich habe hier alles regional um die Ecke. Ein Hof der alles herstellt. Ich kann diesen Plastiktött nicht ausstehen. Theoretisch kann ich mit dem, was ich später esse, erst noch reden! Vielleicht sogar „Danke“ sagen.
    Ich kaufe selten aus der Truhe, verbanne alles, was auch nur im Ansatz nach Glutamat aussieht und „grille“ mein Brot auch mal draußen auf einem Holzkohlegrill! Knäcke kann ich nicht…kommt vom Bäcker Wasa! Kräuter sind ein Muss.
    Ich brauche keine Erdbeeren im Winter. Bei mir gibt es saisonalles Obst und Gemüse. Das ist vielleicht dann mal ein bißchen dreckig, weil nicht „raumrein“ gesäubert. Aber das riecht nach Erde und das duftet frisch.
    Ich bin allerdings nicht in der Lage zu unterscheiden, ob mein „Einkaufsladen“ gerade Klebefleisch verkauft. oder ob das Gemüse so mit Eau de Pestizit verseucht ist, dass mir wahrscheinlich ein 3. Ohr auf der Stirn wächst.
    Ich habe keine Lust mir permanet über diese Dinge Gedanken zu machen.
    Vegetarisch kann nicht so gesund sein. Die Leute, die ich kenne, versorgen sich zusätzlich mit Vitaminen aus der Apotheke. Das ist schade und witzlos. Es ist eine Lebensart.
    Und die, die es beherzigen, ist auch mein Respekt sicher.
    Für mich ist es nichts.
    Herzlichen Gruss

    • igerhard sagt:

      Vielen Dank, Susanne, für die tollen zusätzlichen Infos.
      Und vielen Dank, Nic, für den ehrlichen Kommentar. Ich wünschte, alle Fleischesser würden sich so bewusst ernähren, nur das Beste wählen und dem Tier mal „danke“ sagen. Du gehörst also genau zu den Menschen, auf die Prof. Leitzmann schon hingewiesen hatte, deren Gesundheit noch besser ist als die der reinen Vegetarier und die mit ihrer Ernährungsweise auch noch die Umwelt schonen. Und wenn die Vegetarier, die Du kennst, alle in der Apotheke zusätzlich Vitamine kaufen, gehören die wahrscheinlich zu den, auch von Leitzmann genannten, Puddingvegetariern. Oder sie sind durch die negative Presse so verängstigt, dass sie selber nicht daran glauben, dass man mit vegetarischem Essen gesund bleiben kann.
      Weiter guten Appetit und gute Gesundheit

  • Susanne Asser sagt:

    Ich finde diesen Artikel sehr ansprechend, weil er nicht polemisierend ist, sondern informierend.

    Ich nehme gerade das Thema „Wirtschaft und ihre Auswirkungen auf Lebensräume“ in Erdkunde mit einer 9. Klasse durch. Dazu haben wir uns den Film „We feed the world“ angeschaut. Es geht darum, Zusammenhänge zwischen der Produktion unserer Lebensmittel und deren Verteilung deutlich zu machen. Ausgesprochen interessant, wenn man die globalen Auswirkungen unseres Wirtschaftssystems verstehen möchte (Der Film kam 2006 raus und ist von Erwin Wagenhofer). In Wikipedia habe ich einen Ausschnitt davon kopiert (s.u.) und wer will kann ihn sich in Teilen bei youtube anschauen (http://www.youtube.com/watch?v=CSRqr6U3qs8)
    Da geht es allerdings nicht nur um den Konsum von Tieren. Aber das Wesentliche daran sind noch viel weitreichendere Erkenntnisse als die, die in dem Artikel über den Vegetarismus geht.

    Wir leben prima mit wenig bis gar kein Fleisch. Inzwischen schaue ich aber auch sehr darauf von wo meine vegetarische Kost geliefert wird, wg. der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen, die mir erst seit Anschauen dieses Films klar geworden sind.

    „We feed the world“ – Wikipedia
    „Im folgenden Kapitel wird der Anbau von genmanipuliertem Soja in Brasilien vorgestellt. Blairo Maggi ist einer der weltgrößten Produzenten und Vertreiber von genmanipulierten Nahrungsmitteln. Gleichzeitig wird im Kontrast dazu eine mittellose Kleinbauernfamilie dargestellt, die zu dem Viertel der Bevölkerung gehört, das unter chronischem Wasser- und Nahrungsmangel leidet, während das genmanipulierte Soja nach Europa transportiert und in Österreich an Geflügel verfüttert wird.

    Im vorletzten Abschnitt wird der Ablauf der industriellen Geflügelproduktion dargestellt: Vom massenhaften Produzieren von Eiern, deren Brütphase, über das Schlüpfen der Küken, bis hin zur seriellen Schlachtung und der supermarktgerechten Verpackung.

    Hier ist der Link, falls jemand das lesen möchte (es lohnt sich) http://de.wikipedia.org/wiki/We_Feed_the_World

Kommentar schreiben

Hier können Sie Ihren Kommentar hinzufügen. Sie können diese Kommentare auch mittels RSS abonnieren

Seien Sie nett. Halten Sie es sauber. Bleiben Sie beim Thema. Kein Spam.

Um Ihren eigenen Gravatar einzurichten, registrieren Sie sich bitte bei Gravatar.