Störungen der Sexualität, Blasenschwäche, Osteoporose und Hörprobleme: auch dagegen kann die Frau 60+ selbst etwas tun.

Portrait der Frauenärztin und Künstlerin *Dr. Hilly Kessler

Portrait der Frauenärztin und Künstlerin *Dr. Hilly Kessler

Im Teil 2 meines Interviews mit dem BIO-Magazin 4/2014 wurden weitere häufige Probleme älter werdender Frauen angesprochen.

Sexuelle Kontakte werden von den meisten Frauen gewünscht, gestalten sich aber oft wegen einer trockenen Scheide sehr schmerzhaft. Die Blasenschwäche beginnt meist schon in viel früheren Jahren. Die Osteoporose macht sich noch nicht bemerkbar, steht aber als Gespenst im Hintergrund. Und in Gesellschaft fällt Frau oft zuerst auf, dass sie trotz angestrengten Zuhörens nicht mehr alles mitbekommt.

Bei der Beantwortung dieser Fragen konnte ich davon profitieren, dass ich jahrelang eine Spezialsprechstunde für Frauen dieses Alters geführt hatte. Außerdem gehöre ich ja nun schon eine ganze Zeit zu dieser Altersgruppe und kenne das eine oder andere Symptom aus eigener Betroffenheit. Um so mehr kann ich Ihnen versichern: es lohnt sich, etwas für sich selbst zu tun. Die meisten Beschwerden lassen sich in den Griff bekommen. Und Lebensqualität und Lebensfreude sind bei vielen Frauen 60+ größer als bei Frauen unter 60.

Über die Sexualität und Scheidentrockenheit

Die Liebe spielt in jedem Alter eine Rolle. Dennoch verändert sich die weibliche Libido nach der Menopause. Was gilt es dabei zu beachten?

Bilder 2008 036

Bild der Frauenärztin und Künstlerin *Dr. Hilly Kessler

Unabhängig von den Hormonwerten bleiben Libido und Orgasmusfähigkeit der Frau bis ins hohe Alter erhalten. Etwa ein Drittel aller 60-80-Jährigen haben Sex und noch mehr haben Interesse daran. Eine wesentliche Einschränkung für die Häufigkeit der sexuellen Kontakte ist der fehlende Partner oder die Handicaps durch Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme. Zwar nimmt mit zunehmendem Alter das körperliche Verlangen ab, aber der Wunsch nach Zärtlichkeit, Sexualität und Befriedigung bleibt. Die Erregung läuft langsamer ab, deshalb kommt dem Vorspiel größere Bedeutung zu.

Ein Problem kann von Seiten der Frau die Scheidentrockenheit sein, bedingt durch einen Östrogenmangel. Allerdings ist es in den meisten Fällen nicht erforderlich, aus diesem Grund ein Hormonpräparat einzunehmen. Gleitmittel auf Pflanzenbasis sind oft völlig ausreichend und haben noch einen pflegenden Effekt. Scheidenzäpfchen, die Vitamin D und Pflanzenextrakte oder bioidentische Hormone enthalten

Nur in Ausnahmefällen wird der Arzt zu einer lokalen Östrogenbehandlung der Scheide raten oder zu bioidentischen Hormonen, die über die Haut einen Hormonausgleich bringen können. Im Übrigen war ich in meiner Praxis oft sehr erstaunt, wenn ich Patientinnen über 70 untersuchte und eine sehr trockene Scheidenschleimhaut feststellte, dass die meisten von ihnen auf Befragung angaben, keinerlei Beschwerden bei ihren regelmäßigen Sexualkontakten zu haben und keine Hilfsmittel zu benötigen. Wenn das Liebesspiel Spaß macht, wird die Scheide auch ohne Hormone feucht!

Blasenschwäche

Harninkontinenz gehört zu den leidigen Themen, mit denen sich so manche Frau der 60+-Generation konfrontiert sieht. Warum ist das so und welche Abhilfen gibt es?

An unwillkürlichem Harnverlust leiden etwa 15% aller Frauen über 60 Jahre, Männer dieses Alters nur halb so häufig. Der weibliche Beckenboden ist im Laufe des Lebens durch Geburten und Schwertragen „ausgeleiert“, wodurch die Belastungsinkontinenz gefördert wird. Erschwerend im wahrsten Sinne des Wortes wirkt sich Übergewicht aus. Auf Grund der Anatomie der weiblichen Harnorgane bekommen Frauen häufiger Blaseninfektionen, dadurch kann die Blasenschleimhaut gereizt werden und einer Dranginkontinenz Vorschub leisten. Hinzu kommt bei Frauen der Abfall der weiblichen Hormone, wodurch die Blasenschleimhaut anfälliger wird und auch die Qualität des Bindegewebes sich verschlechtert. Deshalb liegen meistens Kombinationen dieser beiden Arten von Harnverlust vor, die Stress/Dranginkontinenz.

Was Sie selbst tun können

Frau hat relativ viele Möglichkeiten hier Abhilfe zu schaffen.

Preiselbeeren

Preiselbeeren

  • Beckenbodentraining durch Gymnastik oder an Geräten, dazu ist es nie zu spät. Damit lässt sich bei über 50% der Betroffenen eine Besserung oder Heilung erzielen.
  • Gewichtsabnahme: schon eine Reduktion des Übergewichts um 5-10% geht mit einer Abnahme der Harninkontinenz um 60% einher.
  • Pflanzenbasierte Ernährung zur Steigerung der Abwehrkräfte und Festigung des Gewebes.
  • Nahrungsergänzungen mit Kieselerde, Vitamin D, Antioxidanzien
  • Viel trinken und nicht denken, dass man bei wenig Trinken seltener zur Toilette muss und deshalb weniger Harninkontinenz hat! Man fördert damit nur Blaseninfektionen und riskiert eine Verschlechterung!
  • Zur Verbesserung der Bindegewebsschwäche kann man Heilpflanzen einsetzen, bspw. den Ackerschachtelhalm, Schüßlersalze, homöopathische Komplexmittel oder Konstitutionsmittel.
  • Zur Blasenpflege eignen sich ebenfalls Pflanzenzubereitungen und Nahrungsergänzungen, wie bspw. Preiselbeer- oder Cranberry-Extrakte, Goldrute und Berberitze. Auch homöopathische Komplex- und Einzelmittel kann man versuchen.
  • Die vaginale Moorbehandlung, die man zu Hause selber durchführen kann, ist eine weitere sinnvolle Option, da die Durchblutung des gesamten Beckens verbessert und ein vegetativer Ausgleich geschaffen wird.

Falls Frau mit alleinigen Naturheilverfahren nicht hinkommt, kann sie bioidentische Hormone einsetzen. Manchmal reicht Östriol lokal, manchmal kann auch etwas Progesteron, Testosteron oder DHEAS Linderung bringen.

Osteoporose-wenn die Knochen brüchig werden

Gegen Osteoporose sollte man möglichst schon frühzeitig durch Sport und eine ausgewogene Ernährung vorbeugen. Was, wenn dies nicht geschehen ist und eine späte Untersuchung zur Diagnose Osteoporose führt?

Es ist nie zu spät! Man kann immer noch den Knochenabbau verzögern oder stoppen. Selbstverständlich muss erstmal geklärt werden, ob als Ursache bestimmte Erkrankungen, wie eine Schilddrüsenstörung oder Diabetes, infrage kommen oder Medikamente, die den Knochenstoffwechsel stören.

Ernährung – Does and Dont´s

Als Basismaßnahme sollten Sie auf Rauchen, Alkohol, Kaffee, Cola, Fruchtsäfte und Limonaden verzichten. Mit einer basischen Ernährung können Sie den Knochenabbau stoppen, das heißt hoher Pflanzenanteil, wenig Milchprodukte, wenig oder kein Fleisch, keine einfachen Zucker und Mehle, sondern Vollkornprodukte.

Nahrungsergänzungsmittel

25-OH-Vitamin D messen lassen. Es sollte auf jeden Fall im oberen Normbereich liegen (zwischen 50 und 80 mikrog/L). Wenn das nicht der Fall ist, ergänzen Sie großzügig mit Vitamin D (die Dosierungen entnehmen Sie diesem Artikel), Vitamin K, Kalzium und besonders Magnesium. Bei den Mineralstoffen darauf achten, dass sie in organischer Form vorliegen, zum Beispiel als Citrate oder Glukonate, da sie dann besser vom Körper verwertet werden können. Viele Firmen bieten Mischungen von Nahrungsergänzungen an, die auf einen gesunden Knochenstoffwechsel zugeschnitten sind.

Bei schon nachgewiesener verminderter Knochenmasse (Osteopenie bis hin zur Osteoporose) empfehle ich gerne ein Produkt, das aus der frischen Eierschale gewonnen wird (aar os®). Es enthält neben Kalzium viele Spurenelemente und einen Protein-Spurenelementkomplex, der die Osteoblasten zum Knochenaufbau anregt.

Bewegung

MuskelaufbauMindestens dreimal in der Woche eine Stunde Sport einplanen, wobei Muskel- und Knochenaufbau an Geräten unter professioneller Anleitung erfolgen sollte. Auch Gleichgewichtstraining gehört dazu, damit das Fallrisiko reduziert wird. An den übrigen Tagen gehen Sie möglichst viel an die frische Luft, tanken Sie Sonne, und trainieren Sie den Kreislauf durch rasches Spazierengehen, Walken oder Joggen, Schwimmen, Tanzen, was immer an Bewegung Ihnen Freude macht.

Individuelle Hormontherapie

Durch den Wegfall der weiblichen Hormone erkranken Frauen häufiger an Osteoporose als Männer, allerdings nur etwa 70% von ihnen. Deshalb muss man den Nutzen und die Risiken einer Hormontherapie bei Osteoporose genau abwägen. U.u kommen selektive Östrogenrezeptormodulatoren (SERM) infrage, die spezifischer am Knochen und weniger oder gar nicht an der Brust wirken.

Wenn Hören zum Problem wird

Bei älteren Menschen lässt häufig das Hörvermögen nach. Jeder 2. über 65 leidet unter Schwerhörigkeit. Wie kann ich die Ohren frühzeitig schützen, und welche Möglichkeiten einer Therapie gibt es abgesehen von einem Hörgerät?

HörproblemAlle unsere Organe altern und so ist es nicht verwunderlich, dass auch das Hörvermögen mit zunehmendem Alter schlechter wird. Bei den über 65-Jährigen leiden ungefähr die Hälfte der Männer und ein Viertel der Frauen daran. Meistens tritt das Paradoxon auf: die höheren Töne werden nicht mehr wahrgenommen, andere Personen werden schlecht verstanden (besonders bei Hintergrundgeräuschen), aber die Lärmüberempfindlichkeit steigt!

Beschleunigt wird dieser Prozess durch Lärm, Stress, Umweltgifte und Durchblutungsstörungen. Diese können mit Rauchen, Übergewicht, Diabetes oder allgemeinen Herz-Kreislauferkrankungen zusammen hängen. Die empfindlichen kleinen Haarzellen im Innenohr sterben ab. So verdoppelt die Kombination aus Lärm und Rauchen das Risiko für einen Hörverlust. In einer großen europäischen Studie war das Ausmaß des Hörverlustes direkt proportional zur Anzahl der Zigaretten und der Höhe des Body Mass Index (BMI).

Was Sie selbst tun können

Gesunde Lebensweise

Wer seine Ohren frühzeitig schützen möchte, sollte auf Zigaretten verzichten, ein Normalgewicht anstreben und sich vollwertig ernähren. Ein Gläschen Alkohol ist durchaus erlaubt. Denn auch das fanden die Forscher: gemäßigter Alkoholgenuss ging mit einem langsameren Hörverlust im Alter einher, wahrscheinlich über eine verbesserte Durchblutung des Innenohrs.

Zum Hörtest gehen

Wichtig ist, dass Sie möglichst frühzeitig beim Hals-Nasen-Ohrenarzt überprüfen lassen, was für eine Art der Schwerhörigkeit vorliegt. Ist eine Hörhilfe erforderlich, dann benutzen Sie sie regelmäßig, damit Ihr Gehirn nicht verlernt, eingehende Informationen über die Töne zu verarbeiten.

Über BIO 4/2014

Wenn Sie sich den ganzen Artikel in der BIO 4/2014 ansehen wollen, dann können Sie sich beim Verlag ein Heft bestellen. Darin gibt es weitere spannende Informationen, hier nur einige Beispiele:BIO 4.jpg

  • Die Wahrheit über Cholesterin
  • Die besten Selbsthilfetipps gegen Venenschwäche
  • Wie sie sich vor den versteckten Gefahren von Zuckern schützen können
  • Warum Gehen Medizin sein kann
  • Wie die Hypnotherapie bei Kinderwunsch helfen kann
  • Aurachirurgie: die Operation ohne Messer
  • Bibliotherapie: wenn Lesen gesund macht

Ein BIO-Gratisheft erhalten Sie beim:

BIO Ritter Verlag, Monatshauser Str. 8, 82327 Tutzing, Tel. , Fax -997430

E-Mail: bioritter@aol.com oder über das Internet

Über die Künstlerin

Poortraits 018*Frau Dr. Hilly Kessler ist Frauenärztin in Luxemburg und international bekannte Künstlerin. Ihre Frauenportraits machen betroffen und nachdenklich. Für dieses Webmagazin hat Frau Dr. Kessler mir ihre Bilder zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

www.hillykessler.com

Haben Sie Fragen zu den besprochenen Problembereichen? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar!

 

Drucken