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Die chronische Harnwegsinfektion bei Frauen – eine diagnostische und therapeutische Herausforderung

Von | 13. Juni 2011 – 21:45 2 Kommentare 57.378 AufrufeDrucken

Frauen mit chronischen Harnwegsinfektionen, meist handelt es sich um chronische Blasenentzündungen, sind oft Dauerpatientinnen bei Gynäkologen und Urologen. Sie suchen auch häufigen Rat bei naturheilkundlich- homöopathisch arbeitenden Ärzten. Denn das Problem der wiederkehrenden Harnwegsinfekte ist sehr komplex und kann die Lebensqualität der Betroffenen über Jahre schwer beeinträchtigen.

Vor einem knappen Jahr hat Frau Prof. Dr. Ingrid Gerhard der Zeitschrift BIO zu dem Thema der chronischen Blasenentzündung ein ausführliches Interview gegeben und hier publiziert. Heute möchte ich Ihnen das Problem aus der Sicht der Allgemeinärztin nahe bringen. Auf die meist erforderliche psychotherapeutische Begleitung soll in diesem Artikel nicht eingegangen werden.

Mögliche Ursachen einer chronischen Harnwegsentzündung

  • allgemeine Abwehrschwäche bei Grunderkrankungen, wie Diabetes mellitus oder Multipler Sklerose
  • längere Antibiotika- oder Cortisoneinnahme
  • Pilleneinnahme zur Verhütung
  • Blasen- und/ oder Nierensteine
  • Anomalien der ableitenden Harnwege und der Nieren, Harnröhrenverengung
  • wiederholte Anwendung von lokal wirkenden Verhütungsmitteln, wie Diaphragma oder Spermizide
  • Hormonmangel in und nach den Wechseljahren
  • Störungen der Darmflora

Symptome einer chronischen Harnwegsentzündung

Die Beschwerden ähneln denen einer akuten Blasenentzündung (Zystitis), zumal bei einem chronischen Harnwegsinfekt ein ständiger Befall mit Bakterien vorliegt. Die Schmerzen sind ständig vorhanden, es kann auch bei vorübergehender Verschlechterung der Immunlage zu Fieberschüben kommen. Die Frauen klagen über chronische Erschöpfung und Lustlosigkeit, es kann zur Blutarmut kommen. Die Lebensqualität und das aktive Sexualleben können erheblich belastet sein.

Diagnostik der chronischen Harnwegsentzündung

Vor jeder Therapieempfehlung müssen eine eingehende urologische und gynäkologische Untersuchung erfolgen.

Aus der Sicht der Ganzheitsmedizin können eine Stuhluntersuchung auf Störungen der physiologischen Bakterienflora sowie eine Mineralstoffanalyse des Vollblutes sinnvoll sein.

Die homöopathische Konstitutionsanamnese zeigt sowohl vererbte Dispositionen zu Harnwegsinfektionen als auch erworbene Faktoren für Resistenzminderung auf.

Behandlung der chronischen Harnwegsentzündung

Therapeutisch haben sich Behandlungsverfahren bewährt, die die Wiederherstellung der Immunkompetenz der Frau allgemein und auch lokal zum Ziel haben.

  • Bei Diabetes, neurologischen Grunderkrankungen und möglichen Fehlbildungen muss primär eine interdisziplinäre Facharztbehandlung erfolgen. Aber auch in solchen Fällen schadet natürlich eine Immuntherapie nicht.
  • Immuntherapie über das Darmimmunsystem mit mikrobiologischer Therapie und Einsatz einer Autovakzine, auch in Verbindung mit der Sanierung eines Candidabefalls des Darmes oder der Vagina.
  • Ergänzung fehlender Mikronährstoffe, entweder oral oder als Infusionstherapie
  • Konsum blasenfreundlicher Lebensmittel, die entzündungshemmend wirken, z.B. Preiselbeeren, Cranberries und Kürbiskerne
  • Beratung zur Intimhygiene und zum Trinkverhalten
  • Homöopathische Konstitutionsbehandlung zur Therapie einer angeborenen oder erworbenen Abwehrschwäche im Urogenitalbereich

Im Gespräch mit der betroffenen Patientin ist es sehr wichtig zu sagen, dass diese Behandlung viel Zeit und Geduld erfordert. Das Ziel, mal ein Jahr lang intensiv zu therapieren, ist sicherlich nicht unrealistisch. Wichtig ist der vertrauensvolle Arzt- Patientenkontakt, um auch Krisen oder Rezidive, die nicht unwahrscheinlich sind, abzufangen und sich nicht entmutigen zu lassen.

Über die Autorin

Dr. med. Gabriele Tille, Jahrgang 1956, ist nach ihrem Medizinstudium und der klinischen Weiterbildung seit 26 Jahren niedergelassen als Fachärztin für Allgemeinmedizin und klassische Homöopathie. Seit 1994 Privatärztin in Oberursel mit den Schwerpunkten Homöopathie, Naturheilverfahren, Moderne Mayr – Medizin, Männergesundheit, Frauengesundheit, Ernährungsmedizin und Prävention. Regelmäßige Durchführung von Seminaren und Fortbildungen für Ärzte, Hebammen und Heilpraktiker.

Dr. Gabriele Tille
Langwiesenweg 23 A
61440 Oberursel
Tel: 06171/580901
Fax:06171/55336
E-Mail: privatpraxis@yahoo.de
www.naturheilverfahren-hessen.de
www.homoeopathie-ausbildungen.de

Die Fotos wurden von fotolia.com erworben.

2 Kommentare »

  • Prof. Dr. Sigrun Chrubasik sagt:

    Ich verweise auf meinen Beitrag

    http://www.netzwerk-frauengesundheit.com/haeufige-harnwegsinfekte-helfen-zubereitungen-aus-der-preiselbeere/

    Preiselbeerpraeparate unterscheiden sich extrem hinsichtlich ihres Wirkstoffgehalts. Nur Preiselbeerpräparate mit ausreichendem Wirkstoffgehalt sollten zum Einsatz kommen. Sollte eine Blaseninfektion mit dem Coli-Bakterium vorliegen, dann wäre es einen Versuch Wert, Biotta PUR-Saft 3×1 Tasse pro Tag oder Alpinamed Trinkgranulat 3×2 Sachets pro Tag über eine Woche zu trinken. Sollten die Beschwerden darunter nicht abnehmen, sofort den Hausarzt kontaktieren. Zur Vorbeugung von Harnwegsinfektionen sollte die regelmäßige Einnahme Biotta PUR-Saft 2×1 Tasse pro Tag oder Alpinamed Trinkgranulat 2×2 Sachets pro Tag versucht werden. Der Wirkstoffgehalt in diesen Dosisempfehlungen beruht auf Wirkstoff-Analysen an der Universität Bonn.

    Die Empfehlungen
    ◾Ergänzung fehlender Mikronährstoffe, entweder oral oder als Infusionstherapie
    ◾Homöopathische Konstitutionsbehandlung zur Therapie einer angeborenen oder erworbenen Abwehrschwäche im Urogenitalbereich

    sind nicht evidenzbasiert. Es fehlt der Wirksamkeitsnachweis.

    • igerhard sagt:

      Liebe Sigrun,
      die Praxis zeigt leider, dass es mit der ausschließlichen Gabe von chemischen oder pflanzlichen Medikamenten bei chronischen Harnwegsinfektionen nicht getan ist. Immer noch gilt: „nicht das Bakterium macht die Infektion, sondern das Milieu bereitet ihm den Boden“. Auch wenn nicht evidenz-basiert, ist es in chronischen Fällen unabdingbar, das Milieu zu sanieren: Mangelerscheinungen auszugleichen, die Psyche zu stabilisieren und mit ganzheitlichen Methoden, wie Homöopathie oder TCM, das Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele wiederherzustellen.

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