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Kampagne zur Senkung der Kaiserschnittrate in Deutschland– Aufruf zur Unterstützung

Von | 5. August 2012 – 22:07 6 Kommentare 51.533 AufrufeDrucken

© detailblick - Fotolia.com

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In Deutschland sind im Jahr 2010 31,9 % der Kinder durch einen Kaiserschnitt zur Welt gekommen. Regionale Schwankungen liegen zwischen 15 % und 36,6 % und sind medizinisch nicht erklärbar. 1991 lag die Rate noch unter 15 %. Diese Entwicklung ist weltweit zu beobachten. An der Spitze steht aktuell China mit 46 %.

Unzweifelhaft ist der Kaiserschnitt eine lebensrettende Option aus mütterlicher oder kindlicher Indikation. Moderne Operations-, Anästhesie- und Therapieverfahren haben dazu geführt, dass Frauen auch bei Regelwidrigkeiten sicher entbunden werden können und erheblich weniger Einschränkungen hinnehmen müssen als früher. Was in Notfallsituationen wertvoll ist, darf jedoch nicht zur Routine werden, sonst verkehren sich Vorteile in Nachteile und ein rettender Eingriff wird zur riskanten Operation.

Zu viele Kaiserschnitte sind strukturell, organisatorisch oder ökonomisch statt medizinisch begründet.

Ursachen der erhöhten Sectiorate

Die Häufigkeit, mit der derzeitig Kaiserschnitte durchgeführt werden, ist aus Sicht der Weltgesundheits-Organisation (WHO) und anderer Fachleute medizinisch und ethisch nicht gerechtfertigt. Diese Bedenken teilt der Runde Tisch des Arbeitskreises Frauengesundheit (AKF) „Lebensphase Eltern werden“. Es sind strukturelle, organisatorische und ökonomische Gründe, die die Entscheidung für einen Kaiserschnitt begünstigen. Legitimiert wird diese jedoch in der Regel mit einer sogenannten relativen („weichen“) medizinischen Indikation.

Heute erlaubt die personelle Besetzung im Kreißsaal meist keine kontinuierliche Betreuung der Gebärenden durch die Hebamme, die die Schwangere stärkt und Zeit gibt für die natürlichen Abläufe. Stattdessen wird Zeitdruck aufgebaut und eine Interventionskette initiiert, die die Geburt verkürzen soll. Häufig sind Kaiserschnitte das Resultat voreiliger Geburtseinleitungen und anderer Eingriffe in den natürlichen Geburtsablauf. Vielen routinemäßigen Anwendungen fehlt zudem die Evidenz. Ein Beispiel hierfür ist die kontinuierliche Herztonüberwachung (CTG). In 50 % der Fälle ist die Interpretation des CTGs zur Diagnostik eines fetalen Gefährdungszustands falsch. Ernst zu nehmen sind auch Hinweise auf erhöhte Kaiserschnittraten nach einer Epiduralanästhesie.

© chagin - Fotolia.com

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Aus betriebswirtschaftlicher Sicht besteht kein Anreiz, Vaginalgeburten zu fördern und Kaiserschnitte zu vermeiden. Die Kliniken müssen eine teure Infrastruktur für die Geburtshilfe vorhalten. Die Vergütung für die Betreuung einer normalen Geburt reicht nicht aus, um die Kosten auszugleichen. Eine Studie hat in Lateinamerika festgestellt, dass in Privatkliniken deutlich höhere Kaiserschnittraten vorliegen und dass eine höhere Vergütung von Kaiserschnitten umgehend zu einem Anstieg der Operationszahlen geführt hat, ohne dass die Gesundheit von Mutter und Kind sich verbessert hätte. Europäische Daten liegen hierzu nicht vor.

Ein weiteres Problem ist die haftungsrechtliche Situation, die den GeburtshelferInnen häufig nicht gestattet, nach medizinisch-fachlichen Kriterien zu entscheiden, sondern sie nötigt, eine Defensivmedizin zu betreiben, in der sie mit dem Kaiserschnitt nach bisheriger Rechtsprechung „immer auf der sicheren Seite“ sind. Fatalerweise wird diese Art forensischer Absicherung auch von vielen Beteiligten, insbesondere von werdenden Eltern, als medizinisch-fachliche Sicherheit fehlgedeutet.

Folgen einer Wunschsectio

Ein Kaiserschnitt ohne medizinische Indikation ist mit höheren Risiken verbunden als eine Vaginalgeburt und keineswegs sicherer für Mutter und Kind.

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Untersuchungen die kurz- und langfristigen Folgen eines Kaiserschnitts herausgestellt. Diese beziehen sich:

1. auf den Körper der Frau

Narkose- und Thromboserisiken, Blutverlust, Schmerzen, eingeschränkte Stillfähigkeit, Infektionen, Wundheilungsstörungen und Verwachsungen,

2. auf die Psyche der Mutter

Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen,

3. auf Folgeschwangerschaften

regelwidriger Plazentasitz mit stark erhöhtem Risiko für Müttersterblichkeit,

4. auf das Kind

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Anpassungsstörungen, häufigere nachgeburtliche Einweisung in die Intensivstation, Asthma, Diabetes, Adipositas im Kindergartenalter, möglicherweise auch Autoimmunerkrankungen,

5. auf die Mutter-Kind-Beziehung

Bindungsprobleme.

Kaiserschnitte ohne medizinische Indikation mit dem Selbstbestimmungsrecht von Frauen zu begründen, ist meistens zu kurz gegriffen. Hinter einer sogenannten „Wunschsectio“ verbirgt sich oft genug eine unheilsame Koalition zwischen ärztlicher Präferenz und unzureichendem Wissensstand der Frauen. 86 % der Frauen geben nach einem Kaiserschnitt an, die Folgen des Eingriffs unterschätzt zu haben.

Forderung der WHO

Die WHO fordert, die Anzahl von Kaiserschnitten zu begrenzen und kritisiert die verharmlosende Darstellung von Kaiserschnitten ohne medizinische Indikation. Sie fordert u.a.

  • die Entwicklung von evidenzbasierten Leitlinien,
  • die Evaluierung geburtshilflicher Maßnahmen (z.B. Geburtseinleitungen),
  • die Empfehlungen zur Betreuung bei normaler Geburt umzusetzen, d.h. zum Beispiel eine 1:1-Betreuung für alle Gebärenden und
  • die generelle Veröffentlichung der Kaiserschnittraten von Kliniken.

In Deutschland existiert eine S1-Leitlinie zu Kaiserschnitt-Indikationen aus dem Jahre 2008. Sie genügt weder von der Zusammensetzung der AutorInnengruppe noch von der Aktualität und Vollständigkeit der Datenbasis den Ansprüchen einer evidenzbasierten Medizin. In Großbritannien beispielsweise hat das National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) neue Guidelines entwickelt. Der Indikationskatalog für Kaiserschnitte wurde der aktuellen Datenlage angepasst. So wurde Frauen, die bereits einen oder mehrere Kaiserschnitte hatten, empfohlen, sich für eine vaginale Geburt zu entscheiden, da das Komplikationsrisiko bei einem nachfolgenden Kaiserschnitt genauso hoch ist wie bei einer vaginalen Geburt.

Die Hebammenbetreuung nimmt in der Veränderung der Rahmenbedingungen eine Schlüsselposition ein.

© olly - Fotolia.com

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ExpertInnen sehen Hebammen durch ihre kontinuierliche Begleitung und Betreuung der schwangeren Frauen in einer Schlüsselposition zur Veränderung der Rahmenbedingungen. Hebammen könnten sowohl die physiologischen und psychologischen als auch die psychosozialen Bedürfnisse der schwangeren Frau und ihres Partners fokussieren und dadurch die beste Unterstützung in dieser Lebensphase gewährleisten.

Es sind bereits wissenschaftliche Nachweise für Maßnahmen erbracht worden, die tatsächlich die Kaiserschnittraten senken.

Geforderte Strukturelle Veränderungen

Die UnterzeichnerInnen fordern auf dieser Basis folgende strukturelle Veränderungen:

  • die Förderung der Schwangerenbetreuung durch ein Team von Hebamme und FrauenärztIn,
  • die Anwendung von bereits existierenden guten Konzepten zur Geburtsvorbereitung für werdende Eltern,
  • Anreize für eine 1:1 Betreuung unter der Geburt,
  • die flächendeckende Einrichtung von Hebammenkreißsälen,
  • die verbesserte Zusammenarbeit zwischen ÄrztInnen und Hebammen ambulant und stationär,
  • einen Schwerpunkt „natürliche Geburt“ im Studium und in der Facharztweiterbildung sowie Festlegung einer Anzahl an zu beobachtenden physiologischen Geburten,
  • die verpflichtende Etablierung von klinikinternen Fallkonferenzen unter Einbeziehung von GynäkologInnen und Hebammen,
  • die Förderung wissenschaftlicher Evaluierung von geburtshilflichen Verfahrensweisen,
  • die Erarbeitung von Konzepten, die Anreize schaffen, Kliniken zu einer Veränderung der bestehenden Praxis zu bewegen, z.B. Qualitätskontrollen mit nachfolgender Beratung der Krankenhäuser mit überhöhter Kaiserschnittrate,
  • die Information der werdenden Eltern über unabhängige Beratungsangebote bezüglich Kaiserschnitt und den Folgewirkungen.

Mit der Einführung und Förderung der beschriebenen Praktiken wird eine grundlegende, nachhaltige Veränderung der momentanen Verhältnisse in die Wege geleitet. Damit werden Voraussetzungen für einen Rückgang der Anzahl der Kaiserschnitte geschaffen.

Der Geburtsvorgang ist von elementarer Bedeutung für neugeborene Kinder, werdende Mütter, Väter, Familien und für die Gesellschaft.

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Frauen verdienen in der einzigartigen Lebensphase von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett Wertschätzung, Zuwendung, Ruhe, Unterstützung und Schutz. Es existieren inzwischen zahlreiche Methoden, die die Frauen bei einem natürlichen Geburtsvorgang unterstützen. Lesen Sie in diesem Magazin auch über Hypnobirthing und Yoga in der Schwangerschaft.

Ein Kaiserschnitt ist ein medizinischer Eingriff, der Leben retten kann, wenn er indiziert ist, und der Geburtsrisiken reduzieren kann. Ohne eindeutige medizinische Indikation ist er ein Eingriff mit hohem Schadenspotential.

Aufruf

Deswegen rufen wir auf zu einem Bündnis zur Senkung der Kaiserschnittrate in Deutschland.

Schließen Sie sich durch Ihre Unterschrift unserer Kampagne an, und leiten Sie unseren Aufruf an andere Organisationen und Einzelpersonen weiter. Darüber hinaus laden wir Sie ein, Ihr Fachwissen, Ihre Erfahrungen und Ihre Ideen einzubringen und sich an weiteren Aktivitäten zu beteiligen. Nur gemeinsam können wir erreichen, dass die Zahl der Kaiserschnitte wieder auf das medizinisch notwendige Maß sinkt.

Hier können Sie die Unterschriftenliste als pdf herunterladen.

Hier können Sie das Literaturverzeichnis als pdf herunterladen.

Und hier können Sie sogar online unterzeichnen schreiben.

Kontaktadresse

Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF)
Sigmaringer Str. 1
10713 Berlin
Tel.: 030-863 93 316
Fax: 030-863 93 473
E-Mail: buero@akf-info.de
http://www.akf-info.de/

Initiatorinnen der Kampagne

sind die Teilnehmerinnen des Runden Tisches des AKF „Lebensphase Eltern werden“:

Dr. Edith Bauer, Gynäkologin; Juliane Beck, Expertin für Patientinnenrechte, Juristin; Dr. Maria Beckermann, Gynäkologin, Autorin, 1. Vorsitzende des AKF; Karin Bergdoll, Dipl. Päd., Gesundheitspolitikerin, 2. Vorsitzende des AKF; Dr. Barbara Ehret, Gynäkologin, Autorin; Colette Mergeay, Psychologin; Petra Otto, Dipl. Päd., Redakteurin; Ute Höfer Hebamme, Ernährungsberaterin, Vorstand AKF; Dr. Gabi Götsching-Krusche, Gynäkologin; Dr. Katharina Lüdemann, Gynäkologin, ltd. Oberärztin Geburtshilfe; Ulrike Hauffe, Landesbeauftragte für Frauen des Landes Bremen, Psychologin; Barbara Reuhl, Arbeitsschutz und Gesundheitspolitik; Susanne Steppat und Katharina Jeschke, Hebammen, Deutscher Hebammenverband (DHV); Dr. Karin von Moeller, Gesundheitswissenschaftlerin, Universität Osnabrück; Anke Wiemer, Hebamme, Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe (QUAG); Sabine Striebich, Hebamme, Studentin der DMP, Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft; Dr. Christine Loytved, Hebamme, Gesundheitswissenschaftlerin, Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi).

Und Ihre Erlebnisse bei Kaiserschnitt oder natürlicher Geburt? Wollen Sie nicht einen Kommentar schreiben?

Einer weitere Stellungnahme der ersten Vorsitzenden des AKF, Frau Dr. Maria Beckermann, lesen Sie hier.

6 Kommentare »

  • Ein lesenswertes Buch von einer per primärem (non-labor) Kaiserschnitt Geborenen: http://www.eheart.com/BOOKS/doorway.html

  • igerhard sagt:

    Eine Stellungnahme der ersten Vorsitzenden des AKF zu den beiden letzten Kommentaren finden Sie in diesem Artikel: http://www.netzwerk-frauengesundheit.com/wunschkaiserschnitt-kommentar-einer-frauenaerztin/

  • Guten Abend,

    An sich finde ich den Ansatz gut, aber mir missfällt der unnötige „der böse Wunschkaiserschnitt“ Unterton im Artikel. Die Rate ist sicherlich zu hoch, aber die Gründe liegen nicht in der Selbstbestimmung der Frauen, sondern in den Missständen im heutigen Geburtshilfesystem, vieles davon wurde auch im Artikel benannt.

    „Ein Kaiserschnitt ohne medizinische Indikation ist mit höheren Risiken verbunden als eine Vaginalgeburt und keineswegs sicherer für Mutter und Kind.“

    = Nach aktuellen Studien ist ein Kaiserschnitt heutzutage genauso sicher wie eine Spontangeburt, vorausgesetzt beides läuft komplikationslos. Beides birgt Risiken, nur oft auf anderen Ebenen, das macht aber keines von beidem sicherer oder besser.

    „2. auf die Psyche der Mutter
    Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen,“

    = Das sind typische Problematiken nach Notkaiserschnitten, die daraus resultieren, dass das Bild des Kaiserschnittes sehr negativ besetzt ist und Frauen dadurch in ihrem Geburtserleben negativ gestört werden, das wiederum belastet die Bindungsfähigkeit zum Kind. Oftmals sehen die Mütter in ihrem Kind das eigene Versagen und brauchen daher länger, dieses anzunehmen. Ähnliches kann man auch nach besonders traumatisch erlebten Spontangeburten beobachten.

    „4. auf das Kind

    Anpassungsstörungen, häufigere nachgeburtliche Einweisung in die Intensivstation, Asthma, Diabetes, Adipositas im Kindergartenalter, möglicherweise auch Autoimmunerkrankungen,“

    = Auch dies resultiert aus der Tatsache, dass die meisten Kaiserschnitte aus Notsituationen heraus entstehen. Diabetes und Übergewicht sind nicht nachweisbar und resultieren wenn überhaupt daraus, dass Frauen, die selbst an Diabetes oder Schwangerschaftsdiabetes, bzw. eigenem Übergewicht leiden, dies an ihre Kinder bereits genetisch mitgeben und zudem öfter per Kaiserschnitt entbinden, als spontan. Anpassungsstörungen holen viele Kinder oft schnell wieder auf. Sauerstoffunterversorgungen hingegen, wie es oft bei Spontangeburten vorkommt, bergen irreparable Schäden, auch wenn sie minimal sind und oft nicht mit der Geburt in Verbindung gebracht werden. Es ist nachgewiesen, dass die Risiken für das Kind bei einer natürlichen Geburt weitaus höher sind, als bei einem Kaiserschnitt, bei dem die Mutter das Hauptrisiko trägt.

    „5. auf die Mutter-Kind-Beziehung
    Bindungsprobleme.“

    = Auch das ist ein hausgemachtes Problem. Wer negativ in einen Op geschickt wird, kann nicht positiv gestimmt herauskommen. Das gesellschaftliche Bild hat mehr Einfluss auf das mütterliche Befinden, als mancher es gerne glauben würde. Frauen, die sich den Kaiserschnitt wünschen, haben viel seltener Bindungsprobleme, als Frauen, die ihn nicht wollten. Würde man die Frauen vor ihrer Geburt intensiver und einfühlsamer auf einen möglichen Kaiserschnitt vorbereiten, auch was Informationen allgemein dazu betrifft, könnte man gezielt Bindungsstörungen präventiv vorbeugen. Es gibt genügend Frauen, die ohne zu wissen, wie ein Kaiserschnitt abläuft in eine Geburt gehen und außer einem „Keine Sorge, ihre Geburt wird bestimmt toll und alles geht gut!“ bekommen viele nicht mehr mit auf den Weg. Plötzlich sehen sich diese dann im Op wieder und können das Geschehen nicht einordnen, da sind Bindungsprobleme doch vorprogrammiert.

    „Kaiserschnitte ohne medizinische Indikation mit dem Selbstbestimmungsrecht von Frauen zu begründen, ist meistens zu kurz gegriffen. Hinter einer sogenannten „Wunschsectio“ verbirgt sich oft genug eine unheilsame Koalition zwischen ärztlicher Präferenz und unzureichendem Wissensstand der Frauen. 86 % der Frauen geben nach einem Kaiserschnitt an, die Folgen des Eingriffs unterschätzt zu haben.“

    = Woher haben Sie diese Zahl? Von all den Frauen, die ich bisher kennengelernt habe, waren nur etwa 1-2 % unzufrieden im Nachhinein. Wunschkaiserschnitte nach traumatischen Erstgeburten sind vermeidbar, ebenso viele andere, aber das geht nicht mit Protesten, sondern mit Entgegenkommen und Ursachenforschung. Wäre die Geburtshilfe heutzutage nicht so wie sie eben ist, gäbe es weitaus weniger Wunschsectios, aber es ist ja um ein vielfaches einfacher, den Frauen Unwissenheit und Ärztehörigkeit zu unterstellen. Mit Sicherheit müssen auch viele Hebammen umdenken und sich auf den Gedanken einlassen, aber man muss stets realistisch bleiben. Wenn eine Frau informiert ist, sich hat beraten lassen und sich auf alternative Wege eingelassen hat und dennoch den Kaiserschnitt präferiert, kann es nicht Sinn der Sache sein, ihr diesen Weg zu verwehren, nur weil irgendwem Zahlen nicht gefallen. Reine Wunschkaiserschnitte machen weniger als 5 % aller Geburten aus, da sollte das Augenmerk eher auf den indizierten Kaiserschnitten liegen.

    Meiner Meinung nach wird viel zu viel Energie in die wenigen Frauen gesteckt, die über einen Kaiserschnitt auf Wunsch nachdenken, als zu erforschen, wie man Frauen psychologisch eine Brücke zu ihrem Kind bauen kann, denen diese durch einen Notkaiserschnitt verwehrt blieb. Davon lese ich leider nirgends, obwohl es so viele Frauen betrifft. Schade. Und allein mit der Tatsache, dass auch hier wieder das Wort Wunschsectio fällt, obwohl es eindeutig um die vielen oft unnötigen indizierten Kaiserschnitte geht, zeigt mir, dass es wohl doch immer nur irgendwie darum geht, diesen Begriff zu verbannen und nicht darum, jede Mutter ihren eigenen Weg gehen zu lassen, sondern den, den die moderne Medizin anscheinend vorgibt. Alles immer getreu dem Motto: „Du darfst gebären wie du willst, solange du es nicht im Op machen willst!“ Und genau da liegt doch das eigentliche Grundproblem, denn die Frauen spüren und wissen das. So ist die Grundlage für ein verbessertes Vertrauensverhältnis in die Geburtshilfe doch schon von vornherein hoffnungslos verloren und der Weg in den Op wirkt leichter.

    Im übrigen finde ich es traurig, dass jeder Mutter angedichtet wird, eine Spontangeburt sei ein Muss für ihr Leben. Es gibt genügend Frauen, die dies nicht so empfinden und sehr glücklich und wohlauf nach einem Kaiserschnitt sind. Und wenn man mal von der biologischen Vorbestimmung absieht, wenn es nicht um Zufriedenheit geht, worum denn dann?

    Mit freundlichen Grüßen,

    Frau Bujara von wunschkaiserschnitt.net

    Meine Empfehlung: http://suite101.de/article/wunschkaiserschnitt—von-gruenden-und-abgruenden-a135625

  • J. S. sagt:

    Liebe Frau Gerhard,

    ich kann nur aus meiner persönlichen Erfahrung sprechen und kann Ihnen versichern, dass man gezwungenermaßen mehr als einem lieb ist über die Risiken aufgeklärt wird wenn man anstrebt sein Baby per WKS entbinden zu lassen.

    Zum einen wird man über die gröbsten Risiken in dem Aufklärungsbogen, den man unterschreiben muss, aufgeklärt. Dann nochmal mündlich von Arzt, Hebamme bzw. Frauenarzt.

    Dann gibt es noch die Gesellschaft die einen mit Horrorgeschichten und Unwahrheiten total verunsichert – man wird gezwungen sich noch mal selbst im WWW zu informieren. Ich tat dies und beschäfte mich nun seit ca. 4 Jahren mit dem Thema. Ich gebe daher nichts auf irgendwelche falsch dargestellten Artikel ohne genaue Quellenangaben.

    Ihr Link ist auch leider ohne Quellenangaben. Interessiere würde mich die Studie in deren 86% der WKS-Mütter angaben den KS unterschätzt zu haben! Ich denke es ist doch recht schwierig bei ca. 2-3% WKS Anteil in Deutschland eine aussagekräftige Studie zu erstellen. Ganz sicher wird es sich um Frauen handeln die Kaiserschnitte aus medizinischen Gründen machen mussten bzw. es die bessere Wahl war, aber nicht aus reinem Wunsch.

    Ich habe schon einige Frauen mit WKS im wahren Leben und im Internet kennengelernt und nicht eine bereut ihre Entscheidung! Dies passt einfach mit der Studie nicht zusammen.

    Zu den angeblichen Risiken fürs Kind:
    Ich bemängel zunächst, dass ständig KS vs. spontan Geburt ausgewertet wird. Dies ist völlig falsch. Es gibt zwei Wege die Frau gehen kann bzw. zu den sie sich entscheiden kann. Einmal der geplante KS oder es spontan versuchen, dies so beenden oder ein secundärer KS wird nötig.

    Also muss man gepl. KS gegen spontan Geburten inkl. sec. KS stellen! Ein sec. KS birgt hohe Risiken die keinesfalls in die primären KS mit einberechnet werden dürfen. Dies wird aber fast überall so gemacht und macht ein falsches Bild für den Leser.

    Das Risiko des Atemnotsyndrom ist bei reife Geborenen gleich niedrig! Ab der 38SS liegt das Risiko bei geplanten KS (nicht nur WKS) 4,7%, bei spontan Geburten inkl. sec. KS bei 3,4%. Führt man den gepl. KS erst in der 40 SSW durch senkt sich hier das Risiko auch auf 3,4%.

    Die Scheiden- Darmflora – Geschichte kann ich so nicht stehen lassen! Dies wurde lediglich an Mäusen getestet und daher nur eine reine Vermutung!

    Die Genfer Studie wurde in jedem Artikel fälschlich dar gestellt! Es handelt sich hier bei nie um Wunschkaiserschnitte, sondern um med. notwendige KS ab der 34ten SSW! Andere aktuellere Studien besagen, dass der geplante Kaiserschnitt ab 39 SSW der sicherste Weg fürs Baby ist geboren zu werden. Im Vergleich zur spontan Geburt ist er in der Sterblichkeit sehr gering vor allem wenn es sich um Sonderfälle wie BEL, großes Baby etc. handelt.

    Anpassungsstörungen, Verlegung auf die Intensivstation kann man vermeiden in dem man den WKS nahe am Termin durchführen lässt. Somit kommt dies seltener vor als bei allgemein spontan Geborenen. Da durch Sauerstoffmangel das Baby nicht gestresst und geschwächt wird.

    Asthma, Diabetes und Übergewicht sind ebenfalls Risiken die auf reine Vermutungen basieren und nicht bewiesen sind. Man bedenke die meisten Übergewichtigen, Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes bzw. Frauen mit schweren großen Kindern, Frauen mit starken Asthma per geplanten Kaiserschnitt entbinden. Das Risiko liegt quasi in den Genen und hat rein gar nichts mit der Geburtsart zu tun.

    Ich kann dazu nur sagen, dass mein Sohn ohne jegliche Anpassungsschwierigkeiten, ohne geringste Atemprobleme bei 37+3 mit APGAR 10/10/10 und NA-ph Wert 7,37 per WKS geboren wurde. Nur der frühe Termin basierte auf med. Gründen.

    Jede Frau die sich einen WKS wünscht informiert sich wirklich sehr genau und weiß ganz genau was die wirklichen Risiken sind. Risiken gibt es ebenso bei der spontan Geburt, die leider immer verschwiegen werden und man somit rein oberflächlich immer nur ein gutes Bild von der spontan Geburt bekommt und ein ganz schlimmes vom KS.

    Die Fakten sehen allerdings so aus, dass der WKS eine gleichwertige gute Geburt ist wie die spontane auch. Jede hat Vor- und Nachteile und Frau sollte darüber selbst entscheiden welche Risiken sie eher eingeht und was das beste für ihr Kind ist. Ich habe mich hauptsächlich wegen meines Kindes für einen WKS entschieden. Der Hauptgrund war, dass ich es vor Geburtsschäden schützen wollte. Dabei ging es mir nie um Schmerzen. Ich bin sogar mit dem Gedanken in den KS gegangen, dass es weit aus härtere Schmerzen werden wie eine spontane Geburt (so hörte ich es nur aus meinem Umfeld). Aber das war mir die Sicherheit für mein Kind wert! Im Nachhinein kann ich nur sagen, die Schmerzen waren sehr gering, ich war überrascht.

    Es wird Zeit, dass die Gesellschaft sich mehr für die wahren Gründe der Frauen die einen WKS wählen, interessiert! Man wird schnell merken, dass auch dies Frauen sind die nur das Beste für ihr Kind wollen und sich das ganze gut überlegt haben und nicht weil es ihnen gerade besser zwischen Kaffeekranz und Friseurtermin passt. Klischeedenken darf man gerne ablegen.

    Und natürlich geht es nur um Zufriedenheit – denn diese beinhaltet ja automatisch, dass es dem eigenen Kind gut geht und einem selbst bzw. die Geburt genau so verlief wie man es sich gewünscht hat!

  • J. S. sagt:

    Ich verstehe einfach nicht, warum in dieser Kampagne die Wunschkaiserschnitte mit einbezogen werden!

    Lasst doch die Frauen in Ruhe, die ihre Wunschgeburt auf dem OP Tisch sehen! Es ist ihr Körper, ihr Baby und keiner sollte darüber entscheiden außer die Schwangere selbst!

    Die Risiken, die hier aufgezählt werden, sind hauptsächlich Risiken ALLER Kaiserschnitte und überhaupt nicht vergleichbar mit deren des WKS. Es gibt fürs Kind keine sichere Entbindungsart als den gepl. Kaiserschnitt nach 39 SSW! Risiken wie Diabetes und Asthma sind nicht bewiesen und nur wilde Vermutungen, wobei auch hier keine WKS Geburten ausgewertet wurden, sondern wieder ALLE KS wo auch med. notwendige Hintergründe allein die Risiken steigen lassen.

    Sollte diese Kampagne nicht Sinn der Sache sein, dass in Krankenhäusern nicht zu voreilig zum Messer gegriffen wird und den Frauen das gewünschte Erlebnis der natürlichen Geburt genommen wird? Aber nein, es werden wieder dick unseriöse Risiken angepriesen, was den Frauen die einen KS aufgezwungen bekommen haben, auch nicht hilft! Mir kommt dieser Artikel viel mehr so rüber, als wolle man alle Frauen zur spontanen Geburt überreden… aber wieso??

    Lasst bitte jeder Frau die freie Entscheidung, wie und wo sie ihr Kind zur Welt bringt, ob im KH mit PDA oder ohne, im OP per Bauchschnitt oder zu Hause! Es wird nur kompliziertere Geburten und unzufriedenere Frauen geben, wenn die Möglichkeiten zu entbinden noch verschmälert werden! Seid doch froh, dass es so viele Möglichkeiten gibt!

    Der Sinn der Kampagne, was ungewollte, zu voreilig durchgeführte Kaiserschnitte betrifft, kann ich voll und ganz nachvollziehen – aber nicht die Art und Weise wie die Kampagne dargestellt und angepriesen wird, als wolle man eher gegen Wunschkaiserschnitte angehen. *kopfschüttel*

    Im Übrigen, wer sehr viel Wert darauf legt, nicht zu voreilig unters Messer zu kommen, kann auch immer noch in ein Geburtshaus gehen, eventuell nahe liegend am Krankenhaus, so dass die „Sicherheit“ auch da ist oder eben ganz zu Hause bleiben.

    Es gibt aber auch Frauen die gerne spontan entbinden wollen, aber die absolute Gewissheit wollen, dass wenn nur ein wenig nicht so läuft wie es sollte, eingegriffen wird. Nicht jede Frau will eine spontane Geburt um jeden Preis!! Ich kenne viele Frauen mit sekundärem Kaiserschnitt, die mit der Situation bestens klar kommen. Viel wird leider von der Gesellschaft eingeredet. Ein KS ist nichts schlimmes! Es ist immer noch die Geburt des Kindes und das schönste was man im Leben erleben kann.

    MFG
    von einer zufriedenen Mutter die ihren Sohn kerngesund per WKS entbinden lassen hat ;)

    • igerhard sagt:

      Liebe J.S.
      keiner hat etwas dagegen, wenn eine Frau einen Wunschkaiserschnitt machen lässt, wenn sie vorher ausreichend über die Vor- und Nachteile informiert wurde. Und wenn sie dabei nicht nur an sich, sondern auch an ihr Baby denkt. Sie darf zwar über ihren Körper entscheiden, muss sich aber ihrer Verantwortung für ihr Baby bewusst sein. Und da gibt es eben tatsächlich gute Gründe, warum eine normale Spontangeburt u. U. besser für das Baby ist. In diesem Artikel für das größte Gesundheitsportal der Schweiz habe ich die Gründe noch einmal ganz ausführlich und für Laien verständlich dargestellt: http://www.symptome.ch/blog/wunschkaiserschnitt-das-beste-fuer-mutter-und-kind/ Auch geht es mir darum, dass Frauen nicht aus Angst vor der Spontangeburt den Kaiserschnitt wählen, sondern durchaus Alternativen aufgezeigt bekommen, wie Sie sie ja auch angesprochen haben: Hebammenkreißsäle, Geburtshäuser, usw. Selbstverständlich darf auf die Sicherheit nicht verzichtet werden. Und wenn man während der Schwangerschaft Vertrauen in sich und den Geburtsvorgang aufbauen kann, wenn frau lernt, mit Entspannungs- und Hypnosetechniken umzugehen, dann wird sie dankbar für das unvergleichliche Erlebnis der Spontangeburt sein. Keine Frage, dass auch eine Kaiserschnittmutter später zufrieden sein kann, so wie Sie. Aber geht es hier wirklich nur um Zufriedenheit?

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