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Hormoncoctail im Kinderzimmer

Von | 24. Juli 2010 – 23:26 15.944 AufrufeDrucken
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Immer wieder lassen Untersuchungen zur Chemikalienbelastung von Spielsachen und kindernahen Produkten aufschrecken:

Teddy, Schnuller & Co. sind häufig hoch mit die Gesundheit gefährdenden Schadstoffen belastet.

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Das ist beunruhigend, denn gerade bei Kindern sollte besondere Vorsicht geboten sein. Zum einen nehmen die Kleinen durch ihre vergleichsweise größere Hautoberfläche, ihren höheren Stoffwechsel und die intensivere Atmung in Relation zu ihrem Körpergewicht mehr Stoffe als Erwachsene aus der Umwelt auf. Zudem stecken Kinder Gegenstände gerne einmal in den Mund oder knuddeln sie stundenlang, deshalb kommen sie mit Schadstoffen viel direkter in Kontakt. Zum anderen sind Kinder wesentlich sensibler: Ihre Organe, wie zum Beispiel diejenigen für die Fortpflanzung, und ihr Immun- und Nervensystem befinden sich noch in der Entwicklung. Somit können Schadstoffe in allen wesentlichen Entwicklungsprozessen des Körpers schwerwiegende Langzeitschäden verursachen. Vor allem Produkte aus Kunststoff enthalten häufig gefährliche Schadstoffe. Da Chemikalien im Plastik nicht fest gebunden sind, können sie mit der Zeit entweichen und dann in die Umwelt übergehen oder vom menschlichen Körper aufgenommen werden. Besonders weitreichende Auswirkungen haben dabei hormonell wirksame Substanzen. Dazu gehören vor allem

  • Weichmacher (Phthalate),
  • bromierte Flammschutzmittel,
  • Bisphenol A und
  • Organozinnverbindungen.

Sie greifen in das fein ausbalancierte Hormonsystem ein, das alle Stoffwechselvorgänge des Körpers steuert. Eine Vielzahl von Erkrankungen und Störungen wird mit ihnen in Verbindung gebracht:

Bei Jungen kann die Belastung mit hormonellen Chemikalien zu Missbildungen der Geschlechtsorgane und Unfruchtbarkeit führen, bei Mädchen können verfrühte Pubertät sowie, im späteren Alter, Brustkrebs die Folge sein. Auch Allergien und Asthma – Krankheiten, die in den vergangenen Jahren verstärkt aufgetreten sind – können im Zusammenhang mit der Belastung durch hormonelle Stoffe stehen. Das Besondere an diesen Substanzen ist, dass sie schon bei extrem geringen Dosen das Hormonsystem stören können. Deswegen gibt es für sie keine sicheren Grenzwerte. Zudem können sie sich gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken. Einzeln betrachtet mögen die Schadstoffe dann keine messbare Wirkung haben – zusammen addieren sie sich zu einem gefährlichen Chemikaliencocktail. Kinder kommen tagtäglich mit unzähligen verschiedenen Kunststoffen in Berührung. Es ist daher wahrscheinlich, dass sie einem solchen Zusammenspiel verschiedener Chemikalien ausgesetzt sind.

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Trotz dieser Risiken werden Kinder nicht ausreichend vor hormonellen Stoffen in Plüsch und Plastik geschützt. Dabei ist unstrittig, dass Kinder die Schadstoffe aus ihrer Umgebung tatsächlich in ihren Körper aufnehmen. Untersuchungen haben zahlreiche dieser Substanzen im Blut nachgewiesen. So hatten bspw. Kindergartenkinder viel höhere Phthalatwerte in ihrem Blut als ihre Erzieherinnen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kinder bereits während der Schwangerschaft über das Nabelschnurblut die im Blut der Mutter enthaltenen Schadstoffe aufnehmen. Nach der Geburt kommt mit dem Stillen die Schadstofffracht hinzu, die die Mutter über die Dauer ihres Lebens in ihrem Fettgewebe angereichert hat und nun mit der Muttermilch an ihr Baby weitergibt.

Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, vor allen Dingen, wie Sie ihr Baby von Anfang an schützen können, dann fordern Sie beim BUND die kostenlose Broschüre „Gefährliche Lieblinge“ an.  Bild - gefährliche LieblingeDiese Broschüre gibt konkrete Tipps. Sie können sie auch als PDF herunterladen. Es wird deutlich, dass die Politik bisher noch nicht die notwendigen Konsequenzen aus der vielfach belegten Schadstoffbelastung im Kinderzimmer gezogen hat. Die Gesetze sind unzureichend und die Umsetzung wird nicht effektiv kontrolliert. Der BUND ruft die Regierung auf, den Schutz unserer Gesundheit endlich ernst zu nehmen und hormonelle Chemikalien aus kindernahen Produkten zu verbannen. Eltern können auf bestimmte Gütesiegel achten und die Unternehmen auffordern, gesundheitsgefährdende Stoffe durch sichere Alternativen zu ersetzen. Und nicht nur das: auch für Erwachsene sind diese Vorsichtsmaßnahmen wichtig, denn je weniger wir an Gefahrstoffen aufnehmen, desto größer ist die Chance, dass wir gesund bleiben. Und alle Frauen mit Kinderwunsch können selber viel dazu tun, dass ihr Baby sich vom ersten Tag an in ihrem Bauch wohlfühlt. Lesen Sie dazu auch meinen Artikel über vorgeburtliche Prägung.

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