Die größte Kraft liegt in uns selbst – angeborenes unbewusstes Wissen symbolisieren und bewusst nutzbar machen!

Mystisches Frauengesicht, fotolia

Mystisches Frauengesicht, © jozefklopacka, fotolia

Wie wäre es, die Innere Weisheit kennenzulernen oder der eigenen Heilkraft zu begegnen? Diese und viele andere Ressourcen liegen in jedem Menschen bereit: Unser Unbewusstes speichert nicht nur alle unsere persönlichen Lebenserfahrungen, sondern verwahrt auch uraltes Wissen, das sich in diesen symbolischen Anteilen ausdrückt. Mittels Selbsthypnose können wir direkt mit unserer Innenwelt kommunizieren, Ressourcen begegnen und sie als treue Begleiter wie Werkzeuge für die Lösung körperlicher oder seelischer Probleme benutzen.

Prinzip der Selbstorganisation

Ganz gleich, ob es um ein körperliches oder seelisches Problem geht: kein Anderer weiß besser als wir selbst, was zur Lösung notwendig ist. Diese Aussage basiert auf dem Prinzip der Selbstorganisation, einem Begriff aus der Systemtheorie, der besagt, dass alle komplexen Systeme, wie es auch der Mensch ist, sich einzig aus sich selbst heraus regulieren und entwickeln können. Die besten Therapeuten können also nur Regulationsimpulse setzen – wie Körper und Psyche diese Angebote umsetzen, ist nicht mehr im Verantwortungsbereich des Behandlers.

Jedoch liegen die meisten relevanten Aspekte gar nicht im Bewusstsein. Ob Motivationen für bestimmte Entscheidungen, Denk-, Gefühls- oder Verhaltensweisen oder auch das Wissen um alle körperlichen Zusammenhänge: das Unbewusste kennt und speichert alles wirklich Relevante, das die Problemlösung zulässt oder auch verhindert.

Das Unbewusste – Lebensversicherung und bester innerer Freund

Die Hirnforschung hat herausgefunden, dass alle bewussten Prozesse im Gehirn mit einer Verarbeitungskapazität von ca. 50 bit/s verarbeitet werden, wohingegen unbewusste Prozesse im Bereich von zig Millionen bit/s liegen – David und Goliath also!

Ob wir einen Berg besteigen und damit das Herz zur besseren Sauerstoffversorgung der Muskeln schneller schlagen muss, oder ob wir in einer aktuellen psychischen Belastungssituation stehen: in einem stetigen Soll-Ist-Abgleich prüft das Unbewusste (was das Bewusstsein niemals so effizient und schnell leisten könnte), wie jegliche Herausforderung optimal bewältigt werden kann. Es greift dabei auf evolutionäre Menschheitserfahrung zu, die als Matrix, eine Art Idealbild im Gehirn, gespeichert ist.

Damit ist das Unbewusste handlungsbestimmend für alle sinnvollen, wesensgemäßen und arterhaltenden Prozesse im Organismus. Seine Aufgaben liegen darin, für bestmögliches körperliches und seelisches Überleben zu sorgen, und es ist zugleich der Motor für selbstkonforme Lebensgestaltung. Und natürlich kennt es auch die Gründe für alle ungesunden, unnatürlichen und von der Matrix abweichenden Entwicklungen. Kurzum: das Unbewusste weiß, „wie es ist“ und „wie es sein sollte“.

„Hypnose“ bedeutet, mit diesem großen und klugen Anteil in sich zu kommunizieren.

Hypnose ist immer Selbsthypnose

Selbsthypnose fotolia

Selbsthypnose ©contrastwerkstatt, fotolia

Wir sind es gewohnt, den größten Teil des Tages in fokussierter Aufmerksamkeit bestimmten Tätigkeiten nachzugehen. Lesen, Arbeiten, Auto fahren: indem wir störende Reize ausblenden, hypnotisieren wir uns selbst in das jeweilige Handlungsoptimum und befinden uns dabei in sogenannten „Alltags-Trancen“. Ob im Alltag oder in einer Hypnose-Behandlung: Hypnose ist immer Selbsthypnose!

Im therapeutischen Kontext durchgeführte Hypnose ist eine Kommunikationstechnik zur bewussten Kontaktaufnahme mit dem Unbewussten, um dessen Wissen, Weisheit und Lösungskreativität nutzbar zu machen.

Moderne selbstorganisatorische Hypnose hat dabei das Vorgehen revolutioniert, weg vom Befehlston der Suggestion, hin zu einem partnerschaftlichen Miteinander. Angestrebt wird der Zustand einer leichten bis mittleren Trance: eine fokussierte, nach innen gerichtete Aufmerksamkeit, in welcher sowohl entspannter Innenblick als auch bewusstes Reflektieren möglich ist.

Moderne selbstorganisatorische Hypnose ohne Kontrollverlust

Anders als in klassischeren Vorgehensweisen oder auch Hypnose-Shows muss hierbei kein Verlust der eigenen Kontrolle gefürchtet werden: Das Bewusstsein bleibt immer präsent, es tritt sogar gezielt selbst in Verbindung mit den eigenen Ressourcen. Dies kann zum Beispiel die Begegnung mit der Inneren Weisheit, dem Inneren Heiler oder anderen hilfreichen eigenen Anteilen sein, ebenso wie auch die Auseinandersetzung mit der symbolischen Entsprechung für ein körperliches oder seelisches Problem.

Ich bin viele: die Persönlichkeitsanteile

Ständig haben wir Gedanken in unserem Kopf, pausenlos redet es auf uns ein: wer kennt das nicht? Und es ist nicht etwa nur eine Stimme, es sind viele, aber keine Sorge, dadurch sind wir nicht verrückt! Die moderne Psychologie beschreibt das als Modell der Ichstruktur der Psyche: das „Ich“ setzt sich situativ immer wieder neu aus den jeweils passenden Ichanteilen zusammen.

So nimmt man sich in unterschiedlichen Situationen auch völlig verschieden wahr. Mal liebevoll, fürsorglich, mütterlich, mal hektisch, wütend oder angstvoll: Jeder Gedanke wird von einem Anteil in uns gedacht, jedes Gefühl, jede Handlung wird vor der Ausführung von mindestens einem unserer bewussten und unbewussten Ichanteile motiviert.

Dabei gibt es angeborene Anteile, in welchen sich zum Beispiel unsere natürlichen Gefühle, aber auch evolutionäres Wissen symbolisiert, ebenso wie es erworbene Anteile gibt: bestimmte Kompetenzen, die wir im Laufe des Lebens entwickeln („innere AutofahrerIn“) oder auch solche, die durch Erfahrungen entstanden sind (leidvolle „Innere Kinder“, „Innere Kritikerin“ usw.).

Unser reflektierendes Selbst

Darüber hinaus jedoch gibt es noch eine Struktur, die sich all dieser Anteile bewusstwerden kann: unser reflektierendes Selbst. Das, was uns ausmacht, wenn nicht gerade einer der Ichanteile die innere Bühne unseres Erlebens betritt und uns vereinnahmt. Das Selbst gleicht einem lebensklugen und gelassenen Lehrer, der vor der ganzen wuseligen „Klasse“ aller Anteile steht, sie ansehen, freundlich zu Ruhe und Ordnung bringen kann und der auch auf die Suche nach jenen Anteilen gehen kann, die aus einem wichtigen Grund noch nicht oder nicht mehr bewusst sind.

Ziel der selbstorganisatorischen Hypnose ist es, auf Abstand zu problematischen Gedanken, Gefühlen und Körpererleben zu kommen, indem die Position dieses „Selbst“ eingenommen wird. Diese Perspektive ermöglicht größte Weitsicht, beste Reflexion und Zugang zu den lösenden und heilenden Ressourcen: Raus aus der Identifikation mit einem Problem, also der „Problemtrance“, hinein in die „Lösungstrance“!

Das Gehirn denkt in Sinnesbildern

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Das Gehirn denkt in Bildern © lekkyjustdoit, fotolia

Wir wissen aus unseren Träumen: Unbewusstes Denken ist ein symbolisches, bildhaftes Denken. Selbst die Beschreibungen von Symptomen sind metaphorisch: Der Kopfschmerz ist schneidend, stechend, drückend oder bohrend. Aber real schneidet, sticht, drückt oder bohrt kein Gegenstand auf oder in unseren Kopf hinein. Dennoch versteht jeder, was damit gemeint ist. Das liegt daran, dass unser Gehirn für jegliche Eindrücke neuronale Musterbilder gespeichert hat.

Wir erschließen uns die Umwelt über alle Sinneskanäle, und somit gibt es im Gehirn neben visuellen (Seh-)Bildern auch Hör-, Geruchs-, Körpergefühls- und Geschmacksbilder. Das Unbewusste überliefert bereits evolutionsgenetische Bilder, wie z.B. den Bauplan des Organismus – wie sonst könnte der Körper „wissen“, wie ein gebrochener Knochen wieder zusammenheilen muss?

Diese angeborenen Basisbilder werden ergänzt durch jegliche späteren Erfahrungen: Wenn wir einmal gefühlt haben, wie ein Stich sich anfühlt, hat das Gehirn ein Musterbild angelegt und so kann diese Qualität in Zukunft zur Beschreibung eines Kopfschmerzes herangezogen werden.

Alles Wissen, das Überlebensvorteile gebracht hat, wird so im Unbewussten gespeichert. Innere Weisheit, Innere Heilerin, Innere Beschützerin und Co.

Für alle relevanten Lebensaspekte lässt dieses Wissen sich symbolisieren durch innere Kompetenzanteile: Der Innere Heiler (oder die Heilerin) weiß alles über Gesundheit von Körper und Psyche, eine innere Richterin weiß um die Bedeutung von Recht und Unrecht. Waisenkinder greifen auf Innere Eltern zu, innere Beraterstimmen oder -gestalten, die sie als elterliche Mentoren durch schwierige Lebensphasen begleiten. Die Innere Weisheit führt zu selbstkonformer Lebensgestaltung – das ist die Stimme, die wir auch gerne als „Bauchgefühl“, Intuition oder eben „die innere Stimme“ bezeichnen.

Problemsymbolisierung

Genauso wie alle hilfreichen inneren Anteile lassen sich auch problematische symbolisieren: Innere Zweifler, Innere Kritiker, Erfolgsverhinderer oder auch leidtragende Anteile. Alles, was für uns im Alltag bedeutsam ist, findet also eine Entsprechung in unserer symbolischen inneren Seelenlandschaft: Gestalten, Gegenstände, ja sogar die ganze innere Landschaft selbst hat eine individuelle Bedeutung. Aufbauend auf den angeborenen Basisbildern, ergänzt um die persönlichen Lebenserfahrungen, finden sich darin ausdrucksstarke Botschaften, Ressourcen und Werkzeuge für Problemlösungen.

Erst Ressourcensammlung, dann Problemlösung

Zauberblume

Zauberblume

Selbstorganisatorische Hypnose bietet eine in sich geschlossene Strategie, mit diesen Symbolen in der Inneren Seelenlandschaft jegliche körperlichen oder seelischen Probleme zu lösen. Da dem Menschen das symbolhafte Denken angeboren ist, kann dies auch in reiner Selbsthypnose geschehen (die jedoch keine Therapie ersetzen kann, sofern massive Probleme vorliegen!) In leichter Trance taucht man ein in die Innere Welt und geht allein dadurch bereits auf Abstand zum Problem.

Dort beginnt zunächst eine Ressourcensammlung: es werden so viele Ressourcen wie möglich, zumindest aber wie es notwendig ist, gesammelt. Das können sein:

  • Orte der Sicherheit und Geborgenheit,
  • ebenso wie die erwähnten Ressourcengestalten (und viele mehr!).
  • Werkzeuge, beispielsweise spezielle Ausrüstungen für die Begegnung mit Problemanteilen wie
  • eine Fackel für den Hoffnungsschimmer in der Dunkelheit,
  • ein Schlüssel zum eigenen Herzen,
  • ein Zauberstab zum Überwinden scheinbar unüberwindbarer Schwierigkeiten und vieles mehr.

Erlaubt ist, was hilft!

So ausgerüstet mit allem nötigen Werkzeug, begleitet von schützenden, mutigen Beratern, angeleitet von der Inneren Weisheit und im Kontakt mit dem eigenen „Selbst“, kann dann auch dem Problem in seiner symbolischen Gestalt begegnet werden. Diesem mit Respekt zu begegnen, die in ihm liegenden Botschaften zu verstehen und mit ihm zu verhandeln, bedarf je nach Größe des Problems unter Umständen mehrerer Anläufe. Jedoch wird dieses Bestreben durch die unbewusste Selbstheilungstendenz unterstützt, so dass dieses Vorgehen die Voraussetzungen erfüllt, im eigenen Tempo die bestmöglichen Lösungen für das eigene Problem zu entwickeln.

Wenn nichts hilft, zaubere!

Zaubere! fotolia

Zaubere! ©fotogestoeber, fotolia

Wie kann eine solche symbolische Vorgehensweise helfen, alltagsreale Probleme zu lösen? Dazu möchte ich beleuchten, was eigentlich „Realität“ ist. Die Wissenschaft beschreibt objektive Realität mit Kriterien wie Messbarkeit und Erkennbarkeit. Subjektive Realität jedoch ist weiter gefasst als „Gegenstand des individuellen Bewusstseins“: Hier, in der inneren Seelenlandschaft sind physikalische Gesetze aufgehoben.

Dass wir jedoch mit reiner Vorstellungskraft auch objektivierbare Realität schaffen können, zeigt ein einfaches Beispiel: Die sinnlich intensive Vorstellung, in eine (nicht reale) Zitrone zu beißen, vermehrt den (realen) Speichelfluss! Diese Fähigkeit macht sich das imaginative Arbeiten in Hypnose zunutze.

„Was wäre, wenn…“ befreit von den Beschränkungen bisheriger Lösungsversuche.

  • Auf körperlicher Ebene können nachweislich in Hypnose Abwehrzellen sich vermehren, Durchblutung und andere körperliche Parameter messbar beeinflusst werden.
  • Auf seelischer Ebene schafft kreatives Überwinden von Problemen in der Vorstellung positive Emotionen, die im verzweigten Netzwerk des Gehirns als subjektive Realität verarbeitet werden.

Wenn wir beim „Heilen des Inneren Kindes“ durch Raum und Zeit zu uns selbst als Kind zurückreisen, um jetzt als Fürsprecher und Helfer zu tun, was damals keiner für uns getan hat, bewirkt das tief emotionale Veränderungen, die alte, festsitzende Wunden heilen. Verändert wird dabei nicht etwa die „objektive Realität“ – vorbei ist vorbei. Aber die fortlebenden verletzten kindlichen Gefühle können so geheilt werden, denn nur diese zählen ja heute noch als subjektive Realität.

Somit möchte ich jeden ermuntern, in Selbsthypnose zu zaubern, was das Zeug hält! Es lohnt sich, die Realität zu ver-rücken, im Wissen und Vertrauen darauf, dass das unendlich kluge Unbewusste alles richtig einzuordnen weiß!

Über die Autorin

blumrichDr. med. Beate Blumrich, geboren 1966 in Frankfurt am Main, arbeitete 15 Jahre als Allgemeinärztin, bevor sie sich 2008 in ihrer überregional bekannten Praxis in Bad Nauheim auf die ganzheitliche Medizin spezialisierte. Dort praktiziert sie, seit Januar 2015 im Verbund mit ihrem Mann Martin Blumrich (Architekt, NLP-Master und Meditationslehrer) sowie Bettina Pilz (HP Psychotherapie, Reiki-Meisterin) im Integralen Zentrum für Therapie und Coaching, www.iztc.de. Beate Blumrich hat Fortbildungen u. a. in selbstorganisatorischer Hypnose und Hypnotherapie, Akupunktur und Applied Kinesiology absolviert. Ihr Anliegen ist es, ihre Patienten zu angeborenen Heilungsressourcen und damit zu ihrer Selbstheilung zu führen. www.praxis-blumrich.de

Buchempfehlung von der Redaktion

Geführte Selbsthypnose: Wenn nichts hilft, zaubere! blumrich-selbsthypnoseIn ihrem Buch „Geführte Selbsthypnose: Wenn nichts hilft, zaubere!“ stellt Dr. Beate Blumrich vor, warum und wie jede/r selbst das eigene Unbewusste als hilfreichsten Partner zur Lösung körperlicher und seelischer Probleme nutzen kann. Sie zeigt auf, dass für alle relevanten Lebens- und somit auch Gesundheitsaspekte im Unbewussten ein uraltes Wissen bereitsteht – angeborene Fähigkeiten und Kenntnisse, auf die in genial einfacher Weise über Symbolisierungen zugegriffen werden kann. Denn basierend auf dem Selbstorganisationsprinzip kann Lösung und Heilung nur von innen her geschehen.

Sehr ansprechend und leicht verständlich geschrieben, mit vielen praktischen Beispielen, Hintergrundinformationen und einfach durchführbaren Selbsthypnoseübungen: ein wunderbarer Wegbegleiter zurück zur eigenen Lösungskompetenz. Die CD, die Blumrich mit ihrer angenehmen Stimme besprochen hat, und die schöne Hintergrundmusik Geführte Selbsthypnose: Wenn nichts hilft, zaubere! erleichtern das Erlernen der Selbsthypnose und führen zu raschen Erfolgserlebnissen.

Haben Sie Erfahrungen mit der Selbsthypnose? Dann schreiben Sie uns doch von Ihren Erlebnissen in einem Kommentar!

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