Hormonaktive Substanzen aus der Umwelt können vorzeitige Wechseljahre und besonders schwere klimakterische Beschwerden verursachen. Vor welchen Umweltgiften Sie sich als Frau schützen können, erfahren Sie hier.

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Die meisten Frauen erleben im Durchschnitt mit 50 bis 51 Jahren die Menopause, den Zeitpunkt der letzten Monatsblutung. Durch die stetig nachlassende Hormonproduktion können sich erste Beschwerden bereits fünf Jahre vor der Menopause zeigen und bis zu fünf Jahre danach anhalten. So war das jedenfalls bisher.

Doch heutzutage berichten Frauenärztinnen davon, dass sie vermehrt Patientinnen betreuen, bei denen die Menopause verfrüht eintritt oder die Wechseljahresbeschwerden, wie Hitzewallungen, kognitive Störungen oder Depression, sehr stark ausgeprägt auftreten. Eine von 100 Frauen war in der Vergangenheit davon betroffen. Doch plötzlich ändert sich die Situation. Forscher der Universität von Queensland berichteten 2017[1] von einer Beobachtungsstudie mit über 50.000 postmenopausalen Frauen aus Großbritannien, Skandinavien, Australien und Japan. In diesen Ländern kam eine von 10 Frauen vorzeitig in die Wechseljahre.

Schon mit 30 in die Menopause?

Von vorzeitigen Wechseljahren spricht man, wenn die Funktion der Eierstöcke bereits vor dem 40. Lebensjahr erlischt. Die Diagnose „vorzeitige Wechseljahre“ (Climacterium praecox) trifft jüngere Frauen mit Kinderwunsch oft wie ein Hammerschlag. Nicht nur Wallungen & Co. produzieren unerträgliche Symptome, sondern diese Frauen treten zugleich in eine unfruchtbare Phase und können sich möglicherweise keinen Kinderwunsch mehr erfüllen.

Auch ein Labortest attestiert es Schwarz auf Weiß: Die vorzeitigen Wechseljahre gehen einher mit erhöhten Werten von FSH (Follikelstimulierendes Hormon) und erniedrigten Östradiol- und Progesteronwerten.

Auch in den USA ist diese Tendenz zu beobachten. Es gibt Frauen, die bereits im Alter von 25 Jahren in die Wechseljahre kommen!

Ursachen für vorzeitige Wechseljahre

Doch welche Ursachen gibt es, dass Wechseljahre früher als je zuvor eintreten und/oder mit heftigen Beschwerden einhergehen?

Neben allgemeinen Faktoren der Lebensführung, die einen früheren Eintritt der Wechseljahre begünstigen können, zählen, Rauchen, Alkohol, Fehlernährung, Übergewicht insbesondere mit hohem Anteil an Bauchfett, Untergewicht, Kinderlosigkeit, bestehende Erkrankungen der Eierstöcke, immunologische Veränderungen, Autoimmunerkrankungen oder Strahlen- und Chemotherapie.

Doch trotz ausführlicher Untersuchungen berichten Ärzte davon, dass in rund 70% aller Fälle keine Ursachen für den verfrühten Eintritt der Wechseljahre auszumachen sind.

Umwelthormone unter Verdacht

Pestizide in der Landwirtschaft © wellphoto-fotolia

Als Ursache für diese alarmierende Entwicklung stehen die sogenannten „Endokrinen Disruptoren“ (ED) im Fokus. Ob als Pestizide in unserer Nahrung, im Duschgel, in der Plastiktrinkflasche, mit Teflon beschichteten Pfannen, im Sonnenschutzfilter oder als Flammschutz in unserer Wohnzimmercouch, dem Auto und im PC – es gibt eine unübersichtliche Menge an hormonwirksamen Umweltgiften. Diese Stoffe werden auch Xenoöstrogene genannt. Sie haben die Fähigkeit, sich an Östrogen-Rezeptoren anzubinden – wie echtes körpereigenes Östrogen. Dadurch kann es sein, dass die körpereigene Hormonproduktion gedrosselt wird. Aber auch ein Zuviel an Östrogenen-Substanzen (Brustkrebs-Risiko!) ist möglich. Dies wurde Ihnen in einem anderen Artikel am Beispiel des Aluminums erläutert.

Sind manche Rezeptoren durch ED besetzt, kann es auch sein, dass diese Rezeptoren für echte Hormone, wie z.B. Testosteron, blockiert sind. Diese Hormone können jetzt nicht mehr andocken und ihre Funktionen ausführen, Testosteron kann nun nicht mehr ins Gehirn gelangen.

Auch Enzyme, die wichtig für die Hormonproduktion sind, werden von den Umwelthormonen angegriffen. In der Leber kann der natürliche Abbau der Hormone geblockt werden. Oder im Darm können die Hormone und ihre Imitatoren, anstatt ausgeschieden zu werden, wieder von der Schleimhaut aufgenommen und quasi recycelt werden.

Doch welche Kaskade an Fehlfunktionen durch die ED tatsächlich ausgelöst wird, das vermag noch kein Wissenschaftler zu sagen. Denn keine akute Toxizität kann hier nachgewiesen werden, sondern es handelt sich um einen hochkomplexen Problembereich mit Langzeitauswirkungen auf Mensch und Tier.

Das Bundesumweltamt bestätigt die Beeinflussung des Hormonsystems (Mai 2017)

In den letzten 20 Jahren häufen sich durch tierexperimentelle und epidemiologische Studien die Hinweise, dass Substanzen mit hormonähnlicher Wirkung (Umwelthormone oder Endokrine Disruptoren (ED)), die durch eine Vielzahl von Wirkmechanismen in hormonelle Abläufe eingreifen und diese verändern, zur Zunahme hormonabhängiger Erkrankungen und Gesundheitsstörungen des Menschen beitragen können. Durch ihre Fähigkeit, hormonelle Vorgänge zu beeinflussen, werden ED als eine mögliche Ursache für das vermehrte Auftreten von hormonabhängigen Tumoren (Prostata-, Hoden- und Brustkrebs), von Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus, Adipositas) sowie von Verhaltensauffälligkeiten (Autismus, Aufmerksamkeitsdefizit-(Hyperaktivitäts-)-Syndrom (AD(H)S)) und neurologischen Erkrankungen (Alzheimer, Demenz) diskutiert. Des Weiteren scheinen sie ein früheres Einsetzen der Pubertätsentwicklung, das Auftreten von Fehlbildungen der männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane sowie eine abnehmende Fertilität durch eine sinkende Spermienqualität zu begünstigen.

Ergebnisse aus Tierstudien und Beobachtungen beim Menschen zeigen, dass diese sich abzeichnenden Trends zumindest teilweise durch die Wirkung von Umwelthormonen, also Umweltchemikalien, die das menschliche Hormonsystem stören, hervorgerufen sein könnten. Diese Chemikalien werden verdächtigt, in die Entwicklung des Menschen vor der Geburt und in der frühen Kindheit einzugreifen, diese zu stören und somit im späteren Leben zu einer Krankheitsentstehung beizutragen.

Wir beleuchten für Sie nachfolgend wichtige Endokrine Disruptoren und sagen Ihnen, wie Sie sie meiden können.

Bisphenol-A, Phthalate und andere Weichmacher

Sardinendose © ALF photo-fotolia

In anderen Ländern längst verbannt aus Verpackungen, die Lebensmittel enthalten, doch in Deutschland blockiert die Lobby aktuell sehr vehement das Verbot von Bisphenol-A. Der Weichmacher ist in Plastik zu finden, auch in der Innenauskleidung jeder Konservendose. Untersuchungen bestätigen, dass die in den Konserven enthaltenen Lebensmittel mit Bisphenol-A kontaminiert sind. Wissenschaftlich ist unumstritten, dass es sich um eine hormonwirksame Chemikalie handelt.

Doch anstatt dieses Umwelthormon von allem weit entfernt zu halten, was mit Lebensmitteln zu tun hat, wird in Deutschland nun erst mal um Grenzwerte diskutiert. Wir kennen hierzulande diese Diskussionen nur allzu gut vom Glyphosat. Obwohl die Abschaffung bereits beschlossen war, verdanken wir es dem Alleingang des Landwirtschaftsminister Schmidt, dass unsere Äcker jetzt für weitere fünf Jahre mit Monsantos Umweltgift Nr. 1 kontaminiert werden.

Was also tun? Wenn der Staat nicht für die Gesundheit seiner Bürgerinnen sorgt, müssen wir es eben selbst tun.

Wie Sie sich vor Hormongiften aus Plastik schützen

  • Plastikflaschen © Nik-fotolia

    Meiden Sie Getränke in Plastikflaschen. Auch wenn sie das Etikett „Bisphenol-A frei“ tragen, steckt möglicherweise ein anderer Weichmacher darin. In jedem Fall: Getränke in Plastikflaschen nicht in der Sonne/Wärme aufbewahren, dadurch kann sich die Umweltchemikalie noch schneller lösen. Außerdem sind immer Plastikpartikel im Getränk zu finden, die Sie unbemerkt mittrinken.

  • Kaufen Sie keine Lebensmittel in Konservendosen (außen Aluminium, innen Beschichtung aus Weichmachern). Steigen Sie um auf Gemüse, geschälte Tomaten & Co. in Gläsern oder Tiefkühlkost in Pappschachteln.

Chemische UV-Sonnenschutzfilter – nein danke!

Uns Frauen wurde schon lange eingetrichtert, dass wir zum Schutz vor freien Radikalen und der damit einhergehenden Fältchenbildung unbedingt Tagescreme benötigen, die einen hohen Sonnenschutzfilter enthält. Viele Frauen schützen sich damit nicht nur an ein paar Sonnentagen im Sommer, sondern das ganze Jahr über mit hormonaktiven Sonnenfiltern, die zudem die Vitamin D Produktion beeinträchtigen. Und das über Jahrzehnte.

Sind chemische UV-Filter wirklich so schlimm? Leider ja, denn sie gelangen über die Hautporen in den Körper und sind im Urin nachweisbar. In den meisten Sonnenschutzmitteln steckt ein ganzer Cocktail verschiedener Chemikalien, der sowohl wie das weibliche Sexualhormon Östrogen aber auch wie Progesteron wirken kann. Wissenschaftler der Universität Kopenhagen haben 29 gängige Sonnenschutzmittel aus Europa und den USA unter die Lupe genommen[2] und attestieren 13 dieser UV-Filter, dass sie bei Männern die Spermienfunktion stören und zu Unfruchtbarkeit führen können.

Aber auch unsere Weltmeere leiden. Schätzungen besagen, dass jährlich 14000 Tonnen Sonnencreme im Meer landen. Das hat Auswirkungen in Warnemünde genauso wie auf Mallorca, Hawaii oder dem Great Barrier Reef- Vermutlich stehen uns dadurch bedingt noch größere Ökokatastrophen bevor. So wird bereits heute ein großes Korallensterben beobachtet, da die UV-Filter das Immunsystem der Korallen schwächen. Aber auch das Wachstum von Phytoplankton, die wichtigste Nahrungskette im Meer, wird beeinträchtigt.

So schützen Sie sich ohne Chemie vor der Sonne

Sonnencreme Pixabay

Meiden Sie starke Sonnenbestrahlung, tragen Sie Kleidung als Sonnenschutz, und verwenden Sie wenn nötig mineralischen Sonnenschutz. Der enthält Mikropartikel, die die Sonnenstrahlen abhalten. Sieht nicht so schön aus, weil er häufig einen weißen Film auf der Haut hinterlässt, aber dafür macht er nicht krank.

Meiden Sie in jedem Fall diese chemischen Verbindungen, die in Sonnenschutzmitteln und Kosmetika zu finden sind: Octylsalicylat, Avobenzon, Octocrilen, Octinoxat, Oxybenzon (auch als Benzophenon-3 bezeichnet) und Padimat-O.

Kosmetika: Nur ohne Parabene!

Methyl-, Ethyl- und Propylparaben. Diese Stoffe dienen der Konservierung von Kosmetika und weisen dem Östrogen ähnliche Strukturen auf. Immerhin: Seit 2015 sind Parabene in Hautcremes für wunde Babypopos verboten, aber bei den Frauenkosmetika stecken sie noch in fast jedem Duschgel, Hautcreme und Deodorant.

Britische Wissenschaftler konnten nachweisen, dass Parabene im Gewebe von Brustkrebstumoren gefunden wurden[3]. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das wissenschaftliche Beratergremium der Europäischen Kommission (SCCP) haben diese Studie überprüft und sehen allerdings keinerlei Zusammenhang zwischen der Verwendung von parabenhaltigen Deos und Brustkrebs.

Aber es geht noch weiter: Parabene stecken auch in gepökeltem Fleisch, in Zigaretten, Knabberzeug u.v.m. Leider sind auch die Kleinen vor diesen Umwelthormonen nicht gefeit: Parabene finden sich sogar in Beißringen oder Babyspielzeug.

So schützen Sie sich und ihre Familie vor Hormongiften in Körperpflegeprodukten und Kosmetika

  • Der große Badeschrank-Check: Lesen Sie (möglichst mit Lupe ausgerüstet) die Inhaltsstoffe aller Ihrer Kosmetika und misten Sie alle parabenhaltigen aus.
  • Kaufen Sie keine Lebensmittel, die folgende E-Nummern enthalten: E 214/215 und E 218/219.
  • Beim Kauf von Kosmetika unbedingt auf „parabenfrei“ achten.
  • Bevorzugen Sie Naturkosmetik.
  • Inzwischen gibt es vom BUND eine App toxfox, mit der Sie im Laden erfahren, ob in Ihrem Pflegeprodukt hormonaktive Substanzen enthalten sind.
  • Auch Codecheck bietet eine Datenbank mit Millionen von Produkten an, listet die Inhaltsstoffe auf und bietet gesunde Alternativen an.

Die große Maxime für den Kauf neuer Kosmetikprodukte:

„Auf meine Haut lasse ich nur das, was ich auch essen kann“.

Literaturhinweise

  • 1 Human Reproduction Journal (doi: 10.1093/humrep/dew350)
  • 2 (The Endocrine Society, 04.04.2016 – NPO)
  • 3 P. D. Darbre, A. Aljarrah, W. R. Miller, N. G. Coldham, M. J. Sauer, G. S. Pope: Concentrations of parabens in human breast tumours. In: Journal of applied toxicology : JAT. Band 24, Nummer 1, 2004 Jan-Feb, S. 5–13, doi:10.1002/jat.958. PMID 14745841.

Über die Autorin

Petra Neumayer ist Medizinjournalistin und Autorin. Sie hat zahlreiche Bücher über Nahrungsergänzungsmittel, Alternativmedizin und Naturheilkunde veröffentlicht. In diesem Webmagazin schrieb sie für Sie schon den Artikel „Zink-das Frauenmineral„.

www.skripthaus.com

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In diesem kleinen Büchlein steht wahnsinnig viel Wichtiges drin, was Sie in dieser kompakten Form kaum anderswo finden. Sie merken schon an diesem Artikel, dass die Autorin Petra Neumayer über den üblichen Tellerrand der Wechseljahre hinausblickt. Auf Grund meiner Studien bin ich überzeugt, dass wir noch so viel mit Hormonen behandeln können, wie wir wollen, ohne eigentlich langfristigen Erfolg, wenn wir nicht die hormonaktiven Substanzen in der Umwelt berücksichtigen und uns vor ihnen schützen. Denn so klug ist unser Körper leider auch nicht, dass er genau unterscheiden kann, welche Hormone von außen und welche von innen kommen und dass er einfach einen Riegel vor die unerwünschten schieben könnte.

Eine wichtige Rolle spielt die saubere Ernährung, auch darüber erfahren Sie mehr im Buch. Denn mit guter Ernährung, ausgesuchten Nahrungs- und Pflanzenmitteln können wir in den Wechseljahren, auch den verfrühten, viel erreichen. Besonders wichtig bei den verfrühten Wechseljahren ist aber nach wie vor eine individuelle Hormonersatztherapie, die Knochen, Gefäße und Gehirn gesund erhalten.

Haben Sie Fragen oder Tipps zu vorzeitigen Wechseljahren, dann schreiben Sie doch einen Kommentar!

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