Bei Hashimoto liegt häufig eine Östrogendominanz und ein Progesteronmangel vor. Ganzheitliche Ursachensuche erforderlich.
Die Hashimoto-Thyreoiditis könnte man fast eine typische Frauenkrankheit nennen, denn zehnmal mehr Frauen als Männer leiden daran. Diese Schilddrüsenstörung kann anfangs ganz untypische Symptome zeigen, wie Müdigkeit, Aggressivität, Schlafstörungen. Es können Zeichen der Schilddrüsenüberfunktion als auch der Schilddrüsenunterfunktion auftreten. Viele Frauen kennen sich selbst nicht wieder und glauben, nur überarbeitet zu sein oder schieben die Beschwerden auf eine Gelbkörperschwäche oder beginnende Wechseljahre.
Vor zwei Monaten hat Ihnen Christina Sachse ausführlich über diese Autoimmunerkrankung der Schilddrüse berichtet, die sie den Clown unter den Schilddrüsenkrankheiten nannte. Da bei kaum einer Erkrankung das hormonelle Gleichgewicht und gleichzeitig das Immunsystem so durcheinander sind wie bei Hashimoto, liegt es nahe, neben der Schilddrüsenhormontherapie auch ganzheitliche Behandlungen einzusetzen.
Interview mit Prof. Dr. Schulte-Übbing zur ganzheitlichen Therapie bei dieser Schilddrüsenerkrankung
Ein Kollege von mir, Prof. Dr. Schulte-Übbing, dessen Arbeit ich Ihnen schon in früheren Artikeln vorgestellt habe, weist Erfahrungen sowohl mit der Hormontherapie als auch mit verschiedenen alternativen Methoden auf. Mit Ihm führte ich ein Interview zu seinem Vorgehen bei Hashimoto-Thyroiditis.
Was Hashimoto bedeutet
Prof. G: Können Sie für unser Netzwerk kurz zusammenfassen, was M. Hashimoto bedeutet, und welche Auswirkungen die Krankheit haben kann?
Prof. SU: Sehr gern. Der M. Hashimoto, auch „autoimmune Thyreoiditis“ oder „chronisch lymphozytäre Thyreoiditis“ genannt, ist eine autoimmune Schilddrüsenentzündung, die Auswirkungen auf das gesamte Hormonsystem und den gesamten Organismus haben kann. Der Verlauf kann individuell sehr unterschiedlich sein. Zu den sogenannten Autoimmun- Thyreopathien gehört neben der Hashimoto- Thyreoiditis auch der Morbus Basedow. Zwischen beiden Krankheiten kann es auch diverse Übergänge geben.
Prof. G: Wann muss ein M. Hashimoto behandelt werden?
Prof. SU: Da gehen die Meinungen manchmal auseinander. Nach unserer Auffassung sollte ein M. Hashimoto behandelt werden, wenn entsprechende Symptome und/ oder auffällige Hormonwerte (z. B. fT3 und fT4 vermindert, TSH erhöht) vorliegen. Bei normalen fT3 und fT4 Werten kann u. U. auch ein erhöhter TSH Wert (als möglicher Hinweis auf eine bereits latente Unterfunktion) eine Indikation zur Behandlung darstellen. Genauere Angaben zur Diagnostik haben Sie ja schon in Ihrem Schilddrüsenartikel gemacht.
Progesteronmangel und Östrogendominanz bei Hashimoto
Prof. G: Was können wir gegen Hashimoto-Thyreoiditis tun? Und stimmt es wirklich, dass auch ein Progesteronmangel eine Rolle spielen kann?
Prof. SU: Wir betreuen viele Patientinnen mit M. Hashimoto. Bei sehr vielen sehen wir einen deutlichen Zusammenhang mit einem Progesteronmangel, oft gleichzeitig mit einer ausgeprägten Östrogendominanz.
Prof. G: Welche Konsequenzen haben diese Zusammenhänge?
Prof. SU: Wenn wir den Progesteronmangel ausgeglichen haben, können wir bei vielen Frauen bereits innerhalb weniger Monate beobachten, dass die Schilddrüsenantikörper sinken, z.B. die Anti- TPO um etwa dreißig bis fünfzig Prozent. Dies ist auch der Fall bei unseren sogenannten „therapieresistenten“ hypothyreoten Patientinnen. Hierbei handelt es sich um diejenigen Patientinnen, bei denen hohe Anti- TPO trotz Thyroxin- Substitution persistieren.
Prof. G: Wirkt die Therapie auch bei besonders hohen Antikörpern?
Prof. SU: Ja. Interessant ist, dass bei Patientinnen mit sehr hohen Antikörper- Ausgangswerten diese Therapie besonders wirksam zu sein scheint.
Prof. G: Viele Patientinnen mit M. Hashimoto sind schlechter belastbar, schlafen schlecht etc. Wirkt die Therapie auch in dieser Hinsicht?
Prof. SU: Ja. Die meisten Patientinnen geben an, dass sich durch die Therapie auch die körperliche und seelische Belastbarkeit, die Stimmung und der Schlaf bessern.
Prof. G: Sie erwähnen immer wieder mögliche Zusammenhänge zwischen M. Hashimoto, Progesteronmangel und Östrogendominanz. Welche Krankheiten gehen noch mit Progesteronmangel und Östrogendominanz einher?
Prof. SU: Viele unserer Patientinnen mit gynäkologischen und geburtshilflichen Erkrankungen (z. B. mit hormonabhängigen Tumoren (Brustkrebs, Eierstockkrebs, Gebärmutterkrebs), Endometriose, PMS (Prämenstruelles Syndrom), Uterus myomatosus, Blutungsstörungen, Dysmenorrhö, Habituelle Aborte) haben nicht nur eine Östrogendominanz und einen Progesteronmangel. Viele Frauen leiden gleichzeitig auch unter einer Schilddrüsen- Unterfunktion, sehr oft unter einer Hashimoto-Thyreoiditis.
Prof. G: Woher wissen Sie das? Gibt es dazu schon Studien?
Prof. SU: Nein, es gibt meines Wissens noch keine größeren Studien. Im Rahmen einer kleinen Praxis- Beobachtungsstudie achten wir besonders auf mögliche Zusammenhänge zwischen Progesteronmangel, Östrogendominanz und M. Hashimoto. Größere Zahlen liegen noch nicht vor.
Prof. G: M. Hashimoto ist ja bei Frauen viel häufiger als bei Männern. Warum? Sie behaupten, es läge vor allem am Progesteronstoffwechsel. Dann müsste sich ja in der Schwangerschaft, wo viel mehr Progesteron produziert wird, die Symptomatik eines M. Hashimoto deutlich bessern?
Prof. SU: Ja, in der Geburtshilfe sind Wechselwirkungen zwischen Ovarial- und Schilddrüsen- Hormonen schon seit Jahrzehnten bekannt. Wenn in der Schwangerschaft die Serum- Progesteronspiegel kontinuierlich zunehmen, erhöht sich üblicherweise gleichzeitig ebenfalls kontinuierlich die Sensibilität der Schilddrüsenzellen gegenüber TSH. In der Schwangerschaft geht es unseren Patientinnen mit M. Hashimoto oft deutlich besser: Stoffwechselwege, die M. Hashimoto direkt oder indirekt fördern können, werden bei Schwangeren vor allem durch das natürliche Progesteron geblockt, auch eine vormals bestehende übermäßige Östrogenproduktion.
Das in der Schwangerschaft kontinuierlich ansteigende, körpereigene Progesteron kann die Ausschüttung von SD- Antikörpern reduzieren und gleichzeitig auch die Bindungsfähigkeit der Schilddrüsenhormone erhöhen. Im Laufe der Schwangerschaft messen wir sehr oft geringere freie T3- und T4- Konzentrationen sowie steigende TSH- Werte. Bei vielen Schwangeren wächst die Schilddrüse.
Prof. G: Sie empfehlen bei M. Hashimoto und gleichzeitig nachgewiesenem Progesteronmangel eine Therapie mit sog. naturidentischem Progesteron?
Prof. SU: Ja. Das ist eine sehr einfache und oft sehr effektive Therapie. Man kann oft beobachten, dass – falls Symptome einer Hashimoto-Thyreoiditis bei gleichzeitig nachgewiesenem Progesteronmangel bestehen – auch bei normalen TSH- , T3- , T4- , Anti TPO- Werten eine Therapie mit naturidentischem Progesteron (z. B. als 3-, 5- oder 10 %-ige Creme aus der Yams- Wurzel) die Symptomatik bessern kann.
Prof. G: Mit welchen Nebenwirkungen muss gerechnet werden?
Prof. SU: Bei einer laborkontrollierten L- Thyroxin- plus Progesteron- Substitutionstherapie haben wir bisher keine nennenswerten Nebenwirkungen beobachtet. Wir kontrollieren, wenn möglich, fT3, fT4, TSH, Anti TPO, TAK im Abstand von vier Wochen. Bestehen keine Symptome mehr, bzw. liegen dann alle Werte im Zielbereich, können die Kontrollabstände verlängert werden. Eine halbjährliche oder jährliche Kontrolle kann bei guter Einstellung ausreichend sein.
Prof. G: Können Sie die Therapie mit einer naturidentischen Progesteronsalbe genauer erläutern?
Prof. SU: Bei nachgewiesenem Progesteronmangel therapieren wir, falls keine Gegenanzeigen bestehen, erfolgreich mit einer naturidentischen Progesteronsalbe (z. B. aus der Yams- Wurzel, je nach Serum- Laborwerten 3 %, 5 % oder 10 %). Diese kann z.B. abends (ein bis zwei Hübe) auf die Oberarm- Innenseite aufgetragen werden. Bei Hashimoto- Threoiditis kann sie auch direkt auf die Halsregion über der Schilddrüse aufgetragen werden.
Ein Fallbeispiel
L. S.-B., geb. 1967, 43 Jahre alt,
Patientin kommt im 3. Quartal 2010 in die Praxis.
Diagnosen: Uterus myomatosus, Dysmenorrhö, Metrorrhagien, bekannter therapieresistenter M. Hashimoto, chron. hohe Anti-TPO- Werte trotz normaler T3- , T4- Werte bei Thyroxin- Substitution, Leistungsverminderung, Müdigkeit.
Labor vor Therapie (14. und 21. Zyklustag): Östrogendominanz: Estron und Estradiol (14. ZT) massiv erhöht. Extremer Progesteronmangel (21.ZT) 1,22 ng/ml (Norm 25 – 27 ng/ ml), T3 und T4 normal, Anti- TPO 95,4 IU/ml (Norm: < 9 IU/ml), Serotonin 43,01 ng/ml (Norm altersentsprechend 200 – 450 ng/ml).
Therapie: Progesteronsalbe, 10%, abends in der 2. Zyklushälfte
Labor nach Therapie (1. Quartal 2011): Estron und Estradiol (14. ZT) im Normbereich, Progesteron (21.ZT) im Normbereich (25 ng/ml, Norm 25 – 27 ng/ ml), T3 und T4 normal, Anti- TPO erstmals halb so hoch (48,4 IU/ml, Norm: < 9 IU/ml). Serotonin besser (212,6 ng/ ml, Norm altersentsprechend 200 – 450 ng/ml).
Effekte: Myome sonographisch kleiner, dopplersonographisch weniger durchblutet, Zyklus normal. Keine Dysmenorrhö mehr. Leistung besser, voller Erfolg.
Follow up: 2. Quartal 2012: Zyklus regelmäßig, optimale Progesteronwerte (2. Zyklushälfte), T3, T4 normal, Dysmenorrhö minimal, Myome nach wie vor kleiner. Operation konnte vermieden werden. Patientin zufrieden.
Andere naturheilkundliche Ansätze
Prof. G: Gibt es auch noch andere naturheilkundliche Ansätze?
Prof. SU: Ja, eine Menge. In meinem Buch „Frauenheilkunde“ finden Sie eine Vielzahl naturheilkundlicher Rezepturen. Bewährt haben sich v. a. Heilpflanzen, die progesteronähnlich wirken können, z. B. Teemischungen, Tinkturmischungen oder Salben mit Extrakten u. a. aus Mönchspfeffer, Frauenmantel, Schwertlilie, Steinsamen, Rainfarn und Weinraute. Die genannten Heilpflanzen können die Ovarial-, Nebennieren- und Hypophysen- Funktionen günstig beeinflussen und ggf. auch beruhigend bzw. harmonisierend auf das Zentrale Nervensystem und Neurovegetativum wirken.
Das Wolfstrappkraut
Das Wolfstrappkraut (Lycopus europaeus, bspw. in thyreo-loges Tropfen) hilft bei leichten Formen der Schilddrüsenüberfunktion. Unterstützend setzte ich selbstverständlich auch gerne die Akupunktur, die Neuraltherapie und die Homöopathie ein. In diesem Webmagazin hat Ihnen eine Kollegin ein Beispiel der homöopathischen Therapie bei Hashimoto- Thyreoiditis gegeben.
Prof. G: Welche weiteren wichtigen Aspekte für die Therapie gibt es?
Prof. SU:
- Es gibt infektiologische Aspekte: Infektionen können hormonelle Störungen bewirken oder verstärken.
- Es gibt toxikologische Aspekte: Giftstoffe können M. Hashimoto, Progesteronmangel, Östrogendominanz bewirken oder verstärken.
- Wichtig sind auch diätetische Aspekte und
- immunologische Aspekte.
Infektionen bei Hashimoto
Prof. G: Welche infektiologischen Aspekte sind wichtig?
Prof. SU: Die Hashimoto- Thyreoiditis kann und muss als sogenannte „Silent inflammation“ (stille Infektion) gesehen werden. Immundefizite und/ oder andere Entzündungsherde im Organismus können die Hashimoto- Thyreoiditis fördern.
Umweltgifte bei Hashimoto
Prof. G: Welche toxikologischen Aspekte sind wichtig?
Prof. SU: Wir sehen immer wieder, dass gerade Patientinnen, die durch Giftstoffe mit Östrogenwirkung belastet sind, zu M. Hashimoto, Östrogendominanz und Progesteronmangel neigen. Möglicherweise stören Pestizide, Schwermetalle und viele vor allem fettlösliche Umweltschadstoffe, wie bspw. Weichmacher oder Polychorierte Biphenyle, das hormonelle Gleichgewicht, indem sie eine Östrogendominanz fördern und/ oder bewirken können, aber auch über direkte und indirekte toxische Effekte.
Auch Quecksilber aus Amalgamfüllungen kann an der Bildung der Schilddrüsenantikörper und dem Progesteronmangel beteiligt sein. Immer wieder sehe ich Patientinnen, deren Schilddrüsenantikörper nach einer vorsichtigen Amalgamsanierung und Amalgamausleitung, deutlich abfallen, ja, die sogar ganz verschwinden können.
Ernährung bei Hashimoto
Prof. G: Welche diätetischen Aspekte sind wichtig? Gibt es eine spezielle Anti- Hashimoto- Diät?
Prof. SU: Eine gezielte Ernährungs- Analyse und ggf. –Umstellung kann sehr sinnvoll sein. Aufgrund unserer Erfahrungen sind Genussgifte im Allgemeinen zu meiden (Alkohol, Tabak – passiv und aktiv inhaliert – und Koffein). Alkohol kann als Lösungsmittel wirken und ggf. die Effekte sog. Endokriner Disruptoren, vor allem von diversen Metall- Östrogenen, potenzieren. So wenig wie möglich tierische Fette (in diesen reichern sich Schwermetalle, Pestizide, Lösungsmittel etc. an). Am meisten Schwermetalle enthalten rote Fleischsorten: Schweine-, Kalb-, Rindfleisch und Wild. So viel wie möglich Lebensmittel verzehren, die reich an pflanzlichen Phenolsäuren sind, Getreide, Früchte (v. a. Birnen, Äpfel, Zitrusfrüchte), Gemüse, Nüsse, Kartoffeln (enthalten Gallussäure, Chlorogensäuren). Speziell Blumenkohl kann das Wachstum progesteron- und östrogenabhängiger Zellen bremsen.
Häufig findet sich bei Patientinnen mit Hashimoto auch eine Glutenunverträglichkeit. Die Abwehrstoffe gegen Gluten kann man im Stuhl und im Blut nachweisen. Ist das der Fall, müssen sämtliche glutenhaltigen Getreide weggelassen werden: Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer und Gerste. bei manchen Frauen ist es lediglich eine Weizenunverträglichkeit. Machen Sie am besten selber den Versuch und lassen Sie mal zwei Wochen alle Weizenprodukte weg. Wenn Sie sich wie neugeboren fühlen, wird auch Ihre Schilddrüse wieder normaler arbeiten.
In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen ein Buch des amerikanischen Arztes Dr. William Davis empfehlen: „Weizenwampe: warum Weizen dick und krank macht„. Darin erklärt er, dass der heutige Weizen so genetisch verändert wurde, dass das viele Gluten darin zu ernsthaften Gesundheitsschäden führt. Er gibt Hilfestellung, wie man selber herausfinden kann, ob einem der Weizen schadet, und wie man wieder gesund werden kann.
Immunsystem bei Hashimoto
Prof. G: Welche immunologischen Aspekte sind wichtig?
Prof. SU: Immundefizite können die Effekte von Entzündungen und Östrogendominanz noch mal verstärken. Eine Lymphozytendifferenzierung kann zeigen, ob immunologische Schwachstellen bestehen. Ein Mangel an Natürlichen Killerzellen, T- Helfer, T- Suppressorzellen oder B- Lymphozyten sowie eine Interleukin- Verschiebung sollten behandelt werden, z. B. mit hochdosierten Antioxidantien. Bewährt haben sich Vitamin-C-Infusionen (Hochdosis), ggf. plus Folsäure, Vitamin-B-Komplex, reduziertem Glutathion etc. Der Therapieerfolg sollte dann mittels Lymphozyten- Differenzierung kontrolliert werden.
Glutathion bei Hashimoto
Prof. G: Sie haben das Glutathion erwähnt. Ich halte es für eine sehr wichtige Substanz und habe selbst einige Artikel darüber geschrieben. Können Sie dem Netzwerk kurz erklären, was Glutathion ist und wozu wir es brauchen?
Prof. SU: Sehr gern. Glutathion ist ein sogenanntes Tripeptid, d. h. eine Substanz, die aus drei wichtigen Aminosäuren besteht. Die Schilddrüsenrezeptoren sind – wie auch die Östrogen- und Progesteronrezeptoren – u. a. vom Glutathion- Stoffwechsel (bspw. von dem der sogenannten Glutathion-S-Transferase, GST, einem wichtigen Enzym) sowie von der Glutathionkonzentration abhängig. Ein Mangel an Glutathion-S-Transferase und an Glutathion kann M. Hashimoto, Östrogendominanz und Progesteronmangel- Effekte fördern. Die Glutathion- und GST- Serumspiegel sollten gemessen werden. Ggf. sollte Glutathion (GSH) substituiert werden. Wir haben bei Hashimoto- Patientinnen sehr gute Erfahrungen mit hochdosierten Glutathion- Infusionen gemacht. Wenn das nicht möglich ist, kann man auch das S-Acetylglutathion einnehmen. Vorher sollte aber eine Messung des reduzierten Glutathions in einem Speziallabor erfolgen.
Vitamin D bei Hashimoto
Prof. G: Sie haben das Vitamin D3 erwähnt. Wozu ist dieses wichtig?
Prof. SU: Patientinnen mit Hashimoto- Thyreoiditis haben oft deutlich niedrigere Vitamin-D3-Spiegel im Serum als gesunde Frauen. Vitamin D3 zeigt gute hormonregulierende, immunstärkende und antientzündliche Effekte. Die Vitamin D3- Serumspiegel sollten regelmäßig gemessen werden, und Vitamin D sollte bei Mangel substituiert werden.
Selen bei Hashimoto
Prof. G: Sie haben das Selen erwähnt. Wozu ist dieses wichtig?
Prof. SU: Selen ist zur Gesunderhaltung der Schilddrüse von Bedeutung. Die Funktion wichtiger Enzyme, wie z. B. die Aktivität der Glutathion-Peroxidase, ist selenabhängig. Bei Selenmangel kann das Gewebe durch H2O2 (=giftiges Wasserstoffperoxid) geschädigt werden. Auch die Aktivität eines anderen wichtigen Enzyms, der sogenannten Dejodase ist selenabhängig. Fehlt Selen, wird zu wenig T3 aus dem vorhandenen T4 hergestellt. Selen scheint generell bei einer Reihe von Entzündungsreaktionen vor allem von hormonellen Organen eine Schlüsselrolle zu spielen: Selen hat antientzündliche Effekte.
Psyche bei Hashimoto
Prof. G: Welche Rolle spielt die Psyche?
Prof. SU: Eine ganz große Rolle. Wir sehen immer wieder, wie wichtig es sein kann, bei der Therapie des M. Hashimoto seelische, psychische und psychosomatische Faktoren mit einzubeziehen.
Zusammenfassung
Prof. G: Können Sie noch mal die wichtigsten Zusammenhänge zusammenfassen?
Prof. SU: Sehr gerne. Wir sehen bei unseren Patientinnen immer wieder Zusammenhänge zwischen dem Auftreten einer Hashimoto- Thyreoiditis, Progesteronmangel und Östrogendominanz. Oft besteht auch ein gleichzeitiger Selen-, Zink- und Vitamin- D- Mangel. Wenn wir neben der Substitution der Schilddrüsenhormone sowie von Selen, Zink und Vitamin- D3 den Progesteronmangel behandeln, können wir immer wieder beobachten, dass dadurch die Schilddrüsenantikörper sinken, meist innerhalb von 2- 6 Monaten, um im Schnitt etwa um dreißig bis fünfzig Prozent. Dies gilt auch für sogenannte therapieresistente hypothyreote Patientinnen, bei denen hohe Anti- TPO trotz Thyroxin- Substitution bestehen bleiben. Wirksam scheint der beschriebene Effekt vor allem bei Patientinnen mit hohen Antikörper- Ausgangswerten zu sein. Viele Patientinnen äußern auf Befragen, dass sich durch die Therapie auch Schlaf, Stimmung sowie körperliche und seelische Belastbarkeit besserten. Für dauerhafte Besserung ist es natürlich erforderlich, dass Umweltbelastungen so weit wie möglich reduziert werden und dass die Ernährung angepasst wird.
Prof. G: Vielen Dank für das sehr interessante Interview. 
Für alle, die weitere Informationen über Hormone und Hormonstörungen wünschen, weise ich auf Clio 75 hin. In dieser Broschüre des FFGZ Berlin geht es um Schilddrüsenhormone, männliche und weibliche Hormone und vieles mehr.
Zur Person: Prof. Dr. med. Claus Schulte-Übbing
Prof. Dr. med. Claus Schulte-Uebbing ist Frauenarzt mit der Spezialisierung Umweltmedizin, Endokrinologie, Onkologie und Immunologie. Er leitet das Umweltmedizinische Therapiezentrum am Dom in München. Schulte-Uebbing ist umweltmedizinischer Gutachter, Autor medizinischer Fach- und Lehrbücher und international gefragter Referent. Er hält regelmäßig Vorlesungen und hat seit 2007 eine Professur.
Prof. Dr. med. Claus Schulte-Uebbing
Umweltmedizinisches Therapiezentrum am Dom
Weinstr. 7A
80333 München
Tel.: 089/ 299655
089/ 299655
Fax: 089/299672
E-Mail: info@prof-schulte-uebbing.de
Und welche Erfahrungen haben Sie mit der ganzheitlichen Behandlung der Hashimoto- Schilddrüsenerkrankung gemacht? Berichten Sie doch Ihren Leidensgenossinnen in einem Kommentar darüber.







Netzwerk Frauengesundheit





Sehr geehrte Frau Gerhard,
Ich habe vor etwas über einem Jahr die Diagnose Hashimoto erhalten, nachdem ich meinen Hausarzt darauf hingewiesen habe das vielleicht der Ursprung meiner Beschwerden die Schilddrüse sein könnte.
Es ging mir ca. Ein dreivirteljahr mit L- Thyroxin 125 einigermassen gut. Dann vor ca. 2 Monaten hatte ich ständig Kopfschmerzen, Unruhe und Nervösität, Aggressivität, Haarausfall- TSH 0,27. Jetzt nehme ich nur noch 100, habe aber seit einigen Wochen schlimme depressive Verstimmungen. Mein Gewicht steigt konstant und es geht mir insgesamt sehr schlecht. Antikörper waren bei der letzten Untersuchung gesunken, ich nehme auch Selen. Warum weigern sich meine Ärzte die Antikörper zu bestimmen? Weiterhin habe ich meinen Frauenarzt auf spannende Brüste und dicke Knöchel auf Progesteronmangel angesprochen, was er als völlig lächerlich abgetan hat und nur einen normalen Hormonstatus am 2. tag gemacht hat. Was raten Sie mir?
Mit freundlichen Grüssen
Miriam
Liebe Miriam,
schade, dass Ihr FA Ihre Beschwerden nicht richtig einschätzen kann. Drucken Sie ihm doch einfach mal diesen Artikel aus und eventuell noch den für Ärzte aus dem Progesteronartikel: http://www.netzwerk-frauengesundheit.com/progesteron-das-hormon-der-weisheit-richtig-einsetzen/ Ihre Beschwerden klingen auch für mich wie ein Progesteronmangel.
Viele Grüße und gute Besserung!
Guten Tag Frau Dr. Gerhardt,
ich habe eine Frage bzgl. Hashimoto. Über die Jahre ist mein TSH stetig angestiegen von 2,24 bis zuletzt nov. 2013 auf 3,8. Meine freien Werte befinden sich im unteren Normbereich. Seit 2011 wurde mit 25 mg LT therapiert, jetzt Steigerung auf 75 mg. Ein kleiner Knoten ist unter der Therapie verschwunden.
Probleme waren ähnlich denen der Wechseljahre.
Das Gesamtvolumen der Schilddrüse beträgt 6 ml.
Ist es möglich das ich Hashimoto habe.
Vielen Dank.
Mit freundlichen Grüssen
Andrea Jung
Liebe Andrea,
Das kann ich nicht beantworten, Ihr Schilddrüsendoktor wird die Antikörper-Untersuchungen sicher gemacht haben. Sprechen Sie mit ihm darüber. Vielleicht leiden Sie ja nur unter einem Jod- oder Selenmangel.
Viele Grüße
Sehr Geehrte Frau Dr Gerhard
Meine Frau hat vor 3 Jahre die Diagnose Hashimoto bekommen und obwohl wir verschiedene Ärzte
ausprobiert haben , haben wir es nicht geschafft die Hormone einzustellen .
Meine Frau leidet sehr , besonders die Psychischen Symptome machen ihr zu schaffen .
Auch wenn die Werte in der Norm liegen fühlt sie sich nicht wohl ,sie hat stark zugenommen und
kämpft mit Wasser Einlagerungen . Sobald sie SD Hormone nimmt geht sie in Überfunktion oder
wird depressiv .
Viele Grüße
Ihrer Frau fehlt wahrscheinlich Progesteron, gehen Sie mal zu einem auf Hormone spezialisierten Frauenarzt.
Viele Grüße
liebe frau dr. Gerhard.
danke ihnen für ihre ratschläge.sie haben ja recht.ich werde es versuchen.obwohl das nicht ganz einfach ist.
mfg:wladi
hallo sehr geehrte frau gerhard.
habe nun den bericht der untersuchung von meiner endokriptologin.
ich schreib die auffällige werte auf.
calcium bei2,1
ft3 bei 2,64
ft4 bei 9,93
tsh basal bei 0,82
prolaktin bei 5
25-oh-vitami 16,8
es soll im Januar ein test gemacht werden mit trh und crh.
was meinen sie zu dem ganzen?
mfg:wladi
hallo sehr geehrte frau Gerhard.
habe die blutergebnise von meiner endokrinologin.
auffällig ist ft3 und ft4 sind recht niedrig und tsh ist normal.
eine komische konstelation.ich habe auch einen mangel an vitamin d
und kalcium.leider ist der nächste Termin erst mitte Januar.
viel zeit zum grübeln.was können sie hierzu sagen?
vielen dank schon mal.
liebe grüße:wladi
Lieber Wladi,
es hat keinen Sinn, jetzt einzelne Werte zu behandeln. Je mehr Sie jetzt im Labor messen lassen, desto mehr verwirrende Befunde werden Sie bekommen. Versuchen Sie wenigstens schon mal, sich gesund zu ernähren mit viel Gemüse, Obst und Vollkorngetreide, verzichten Sie auf Zigaretten und Alkohol und trinken Sie viel Wasser und eventuell Kräutertees. Und nicht so viel grübeln, sondern mal mit dem Leben beschäftigen.
Viele Grüße
Hallo und danke für Ihre Antwort liebe Frau Gerhard!
Von Herrn Rieger würd ich gerne wissen ob ich M.Hashimoto also SD-Unterfunktion richtig diagnostiziert bekommen habe also eine zweite Meinung einholen.
Oder haben Sie mir das eben bestätigt weil ich den TRAK-Wert nicht brauche.?
Denn falls sich nach der Geburt die Werte wieder „verschlechtern“ kann ich da vielleicht eine Wochenbettdepression bekommen und ev. meine SD verlieren – ist einer Bekannten passiert!
Aber in erster Linie freu ich mich auf mein Baby und danke für den Yoga Tip, habe auch schon an einem teilgenommen!
lg
dunja+
Guten Abend Frau Gerhard,
ich habe das Buch von Dr.med.Berndt Rieger „Hashimoto und Besedow“ in den letzten zwei Tagen gelesen und stelle mir jetzt die Frage was hab ich,
ich habe Ihnen meine Werte auf die Diagnose SD-Unterfunktion M.Hashimoto am 15.Oktober übermittelt, ich bin jetzt in der 27 Schwangerschaftswoche und auch neue Werte über meine SD wie fT4 11,9pmol/l; TT3 3,67pmol/l; bTSH 2,01µIU/ml; TAK 101,2 und TPO/MAK 56 U/ml. Siehe da jetzt in der Schwangerschft sinken die beiden AK auf ganz normal was bedeutet das? Steigt mein Progesteronspiegel oder heilt die Schwangerschaft meine SD.
Es hat aber nie jemand diesen dritten AK TRAK gemessen um festzustellen ob nicht ein Besedow sprich SD-Überfunktion da ist. Sollte das nicht gemacht werden?
Habe jetzt selbstständig mit Schüßler Salzen Nr. 3,6,11,12 begonnen, weil ich die letzten Winter auch schon genommen habe. Ist das OKEY?
Ich habe leider keinen Arzt meines vertrauens hier wie SD-Spezialisten oder Naturheilkunde. Kann man auch Herrn Berndt Rieger um Rat fragen?
Ganz liebe Grüße und ein schönens Wochenende aus dem sehr sonnigen Kärnten bei Villach
mfg Dunja+
Liebe Dunja,
wir sehen oft, dass sich die Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft verbessert. Aber ob die Entzündung wirklich ausheilt, weiß man jetzt noch nicht. Bei den Werten, die Sie mir geschickt haben, muss nicht noch der TRAK gemesssen werden. Die Schüßlersalze können Sie ruhig wieder einnehmen. Ob und was Sie Dr. Rieger fragen wollen, weiß ich nicht. Momentan können Sie eigentlich ganz beruhigt sein und sich auf Ihr Baby freuen. Kennen Sie diesen Artikel? http://www.netzwerk-frauengesundheit.com/yoga-in-der-schwangerschaft-entspannt-und-voller-energie/
Alles Gute!
hallo frau dr. Gerhard.
danke für ihre antwort.sie meinen es ist kein hashimoto bei mir?
Das mit der Umweltbelastung,da könnten sie recht haben.ich arbeite als laserbediener.wir schneiden holz,es stinkt da drin ganz schön nach rauch.es wird nicht alles abgesaugt.nach der schicht stinke ich wie gereuchertes speck.Kann es die Ursache für ein so breites Krankheitsbild sein?
mfg:Wladi
Lieber Wladi,
Dieser Arbeitsplatz kann tatsächlich für alle von Ihnen geschilderten Symptome verantwortlich sein. Die Schilddrüsenstörung ist ja nur ein Schauplatz, egal, wie Sie die dann nennen wollen! Haben Sie denn keinen Betriebsmediziner? Sonst suchen Sie sich unbedingt einen Umweltmediziner!
Viel Glück und gute Besserung!
Hallo.
Ich bin neu hier.bin männlich und 33 jahre alt.
würde gerne meine geschichte schildern.
Also 2011 bekam ich Nesselsucht(urticaria factitia) die mit
cetricin behandelt wurde.gleichzeitig hatte ich fast jede nacht
magenkrämpfe biszum Schluckauf davon bin ich aufgewacht.
konnte keine säfte mehr trinken kein Obst,bekam davon sofort magenkrämpfe.haarausfall und trocken haut ich war bleich und müde.
war sehr oft erkältet und hatte schmerzende gelenke.
nach 2 Magenspiegelungen und einer darmspiegelung wusste ich immer noch nicht was los war.blut zeigte erhöhte tpo bei 250.andere schilddrüsenwerte waren normal.ich nahm 12 kg ab obwoll ich versuchte viel zu essen und das gewicht wenigstens zu halten.ich neigte leicht zu blauen flecken.irgendwann sagte gefühlt der 100ste Arzt das ich hasimoto habe.die Schilddrüse vermessen und die wird woll kleiner.
diese Woche war ich beim endokrinologen im kh.die sagte nur wenn man Antikörper gegen die sd hat hat man noch lange kein hashi.das verwiert mich total.also was nun habe ich hasi oder nicht?die Symptome
sprechen dafür wobei ich gemischte Symptome spüre von unter-Überfunktion.die endo hat mir jetzt blut abgenommen und sagte sie prüft alle Hormone.
was meint ihr dazu?sollches Krankheitsbild schon erlebt?
danke schon mal!
MFG:Wladi
Lieber Wladi,
Diese ganzen Symptome haben mit einer normalen Hashimoto-Erkrankung nichts zu tun. Ich tippe auf eine Umweltbelastung. Bitte suchen Sie sich unbedingt einen Arzt für Umweltmedizin.