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Gefühle als wichtige Wegweiser für unsere Gesundheit

Von | 17. Juli 2017 – 12:58 2.177 AufrufeDrucken

Gefühle bestimmen unseren Alltag. Wenn wir nicht auf sie hören, verlieren wir Lebenskraft, Krankheit stellt sich ein. Erwecken Sie die Heilkraft des Herzens!

Gefühle © Hilly Kessler*

Haben Sie schon mal einen Tag lang nichts gefühlt? Ich gebe zu, das ist eine rhetorische Frage. Denn natürlich fühlen wir. Jeden Tag. Jede Stunde, Minute und Sekunde. Gefühle bestimmen unseren Alltag. Und das ist auch gut so. Denn sie sind der Wegweiser in unserem Leben. Sie zeigen uns deutlicher als alles andere, was wir brauchen, was uns gut tut und was uns eben nicht gut tut.

Wovon ich hier berichte, wird für Sie keine überraschende Neuigkeit sein. Und das ist für mich der Grund, warum ich das schreibe. Denn Gefühle gehören zwar selbstverständlich zu uns, wir geben ihnen in unserer rational gesteuerten Vernunftswelt aber leider nicht den Platz, den sie verdient hätten. Viel zu oft verleugnen wir sie, lassen sie gar nicht erst zu, und erst recht zeigen wir sie anderen Menschen nicht.

Wir tun es, um keine Schwäche zu zeigen. Wir tun es aber auch, weil wir unser Leben in klar getrennte Bereiche aufgeteilt haben: Wenn es uns privat schlecht geht, haben die Gefühle dazu nichts im Büro verloren. Und wenn uns etwas beruflich beschäftigt, versuchen wir, das spätestens beim Feierabend hinter uns zu lassen, um uns nicht noch in der Freizeit damit herumzuschlagen. Unsere Kinder sollen nicht spüren, wenn uns etwas belastet. Und weil wir schließlich erwachsen sind, muten wir auch unseren Eltern unsere Gefühle nicht zu.

Wenn wir den Streit mit dem Partner nicht ins Büro tragen, dann ist das zunächst nicht dramatisch und auch verständlich. Kritisch wird es dann, wenn wir unsere Gefühle auch dann immer wieder unterdrücken, wenn sie längst zu einem deutlichen Warnzeichen geworden sind. In meiner Arbeit als Persönlichkeitstrainerin begegnen mir viele Menschen mit Burnout oder Depressionen. Und auch wenn das jetzt sehr hart klingt: All diese Depressionen und Burnout-Erkrankungen kamen mit Ansage und lauter Vorankündigung.

Beispiel, wie unterdrückte Gefühle krankmachen

Eine meiner Klientinnen kam mit einer Depression zu mir und konnte überhaupt nicht begreifen, wie sie in diese Krankheit rutschen konnte. Mir war das von außen klar, kaum, dass sie begonnen hatte, von ihrem Leben zu erzählen:

  • Sie ist 43 Jahre alt,
  • alleinerziehend,
  • wohnt mit ihren drei Kindern in einem großen Haus mit Garten,
  • kümmert sich um ihren dementen Vater und
  • geht ganztags arbeiten.

Eine Putzfrau oder einen Gärtner kann sie sich nicht leisten, die Garten- und Hausarbeit spürt sie längst im Rücken. Ihren Job mag sie eigentlich, bringt aber schon lange nicht mehr volle Leistung und freut sich mehr auf Feierabend und Wochenende, als sie es je zuvor getan hat.

Ihren Vater besucht sie dreimal pro Woche im Altenheim, hat aber jedes Mal das Gefühl, nicht genug für ihn zu tun. Denn ihre Mutter hatte sich darauf eingelassen, den Ehemann ins Heim zu bringen, unter der Bedingung, dass die Familie – vor allem die Tochter – sich kümmert.

Und weil sie mal eine ganz genaue Vorstellung davon hatte, wie eine Mutter sein sollte, macht sie mit ihren Kindern regelmäßig Hausaufgaben und beschäftigt sich mit ihnen, statt sie vor den Fernseher zu setzen. Dass sie dabei mittlerweile unkonzentriert und vor allem reizbar ist, ärgert sie selbst und belastet die Kinder.

Drei Gründe für die Unterdrückung unserer Gefühle

Es ist doch ganz eindeutig, dass sich diese Frau übernimmt. Oder?

1. Versuch, Erwartungen gerecht zu werden

Den ganzen Tag, die ganze Woche versucht sie, Erwartungen gerecht zu werden. Die Gefühle von Stress, Reizbarkeit, mangelnder Belastbarkeit und körperlichem Schmerz haben ihr längst aufgezeigt, dass etwas schiefläuft. Aber es gibt so viele, vernünftige Gründe, nicht darauf zu hören:

  • Haus und Garten müssen natürlich ordentlich aussehen, das gehört sich so.
  • Sich mal im Job krankschreiben lassen, einfach, weil es gerade alles zu viel ist? Das macht man nicht.
  • Den Vater seltener besuchen? Keine Option; Familie steht an erster Stelle, so hat sie es gelernt.
  • Die Kinder einfach mal vor den Fernseher setzen – was sollen denn die anderen Eltern denken?

2. Angst vor Niederlage

Niederlage © Hilly Kessler*

Wer wirklich auf seine Gefühle hören will, sollte eines wissen: Es gibt keinen Grund, der rechtfertigt, nicht auf seine Gefühle zu hören. Haus und Garten müssen ordentlich aussehen. Müssen sie das? Wer gibt vor, wie viel Staub existieren darf und wie akkurat die Hecke auszusehen hat? Als ich sie mit diesen Fragen konfrontierte, reagierte sie prompt: „Nein, das kann ich nicht.“ Und kurz danach: „Am liebsten würde ich das Haus verkaufen und in eine kleinere Wohnung mit kleinerem Garten ziehen.“

Dieser Wunsch, dieses Gefühl, diese Sehnsucht waren schon lange da, sie hat ihnen nur keine Bühne zugestanden. Denn aus dem Haus ausziehen wäre doch nach der Scheidung die nächste große Niederlage. Egal, was wir hinterfragten, für alles gab es einen guten, vernünftigen Grund. Und je länger wir die Dinge hinterfragten, desto klarer wurde: Wenn sie wirklich etwas ändern will, sind diese Gründe nicht entscheidend.

3. Fehlender Mut zur Veränderung

Der dritte Grund, warum wir so oft nicht auf unsere Gefühle hören, ist also der, dass uns der Mut fehlt. Meine Klientin brauchte eine Depression, um endlich ihren Mut zusammen zu nehmen, auf ihre Gefühle zu hören.

  • Die Kinder sind mittlerweile nachmittags in einer Hausaufgabenbetreuung.
  • Das Haus steht zum Verkauf.
  • Und gerade versucht sie, mit ihrer Familie die Betreuung des Vaters besser zu verteilen. Für ihre Schwägerin ist es übrigens gar kein Problem, häufiger bei ihm vorbeizuschauen. Und wie sie beim Gespräch mit ihrer Familie nebenbei herausgefunden hat: Niemand hatte erwartet, dass sie dreimal die Woche zu Besuch kommt.
  • Sie tat längst mehr, als andere vorausgesetzt hatten.

Die Erwartungen, denen sie sich jetzt noch stellen muss, sind ihre eigenen. Sie sind von Erziehung und von Glaubenssätzen geprägt: So hat eine Mutter zu sein, so sollte sich eine Arbeitnehmerin benehmen, und so ein Leben sollte eine Frau mit 43 Jahren leben.

Wer nicht hören will, muss fühlen

Es geht nicht darum, all das über Bord zu werfen. Es geht nur darum, genau hinzuhören. Denn unsere Gefühle haben zwar eine laute Stimme, doch wenn wir sie immer mit unserer Vernunft versuchen zu übertönen, wissen sie sich nur noch mit einer Depression, einem Burnout oder einer anderen Erkrankung zu helfen. Denn: Wer nicht hören will, muss fühlen. Und diesmal so richtig.

Umgang mit den Gefühlen

In der heilenergetischen Arbeit ist der Umgang mit den Gefühlen, und vor allem zunächst einmal das Kennenlernen unserer Gefühlswelt das A und O. Für mich unterscheiden sich die Basisgefühle, die Impulsgefühle und die Emotionen.

Die Basisgefühle

Angst © Hilly Kessler*

Die Basisgefühle dienen einzig und alleine dazu, unserem Körper als Schutz und Rettung zu dienen. Hierzu gehören:

  • der Hunger,
  • der Durst,
  • die Müdigkeit,
  • das Wärme- und Kälteempfinden, aber auch
  • die Wut und
  • die Angst.

Während die ersten 4 genannten direkt unseren Körper und sein Wohlbefinden meinen, und wenn wir gelernt haben auf sie zu hören, ein dickes Polster an Vertrauen bilden, geht es bei der Wut und der Angst um unseren emotionalen Zustand und Schutz vor Menschen und Dingen, die uns nicht guttun. Sie dienen dem „Grenzensetzen“ und „Fürsicheinstehen“. Haben wir als Kinder nie lernen dürfen, diesen Gefühlen zu vertrauen, tun wir uns, wie in meinem Beispiel, auch als Erwachsene schwer, unsere eigene Lebenskraft zu schützen.

Die Impulsgefühle

Die Impulsgefühle geben uns den Kick, um den Basisgefühlen Genüge zu tun. Das heißt, sie sind wichtig, damit wir vom Bedarf zum Handeln kommen.

  • Zu dieser Kategorie gehören die Lust und der Schmerz.

Sie sind wichtige Helfer zur Veränderung. Denn nur dann, wenn ich aus der Erkenntnis, dass mir etwas nicht guttut, zur Tat schreite, kann ich mich „retten“.

Die Emotionen aus der Vergangenheit

Die dritte Kategorie sind die Emotionen, die unser gesamtes Leben aus den Erfahrungen aus der Vergangenheit unterfüttern, und in Zusammenarbeit mit den Gedanken und Bewertungen unsere Welt bestimmen.

Erwartungen, Pflichten, Traditionen, Glaubenssätze sind nur einige von ihnen.

Die Basisgefühle wichtig nehmen

Die Basisgefühle wichtig zu nehmen, und auf sie neu hören zu lernen, ist in meiner Beratung für sehr viele Lebensfragen die Grundlage. Da wir durch unsere Erziehung und durch Traditionen verlernt haben, uns an unseren eigenen Bedürfnissen zu orientieren, sollten wir es dringend nachholen, und unser Leben damit auf stabilere, glücklichere und gesündere Beine stellen.

Wenn man die Signale der Überforderung ignoriert

Hilfeschreie unterdrücken © Hilly Kessler*

Meine Klientin war hierfür ein wunderbares Beispiel. Sie hat alle Signale der Überforderung ihres Körpers über einen langen Zeitraum ignoriert. Mit dem Ergebnis, dass sie auf diese Weise ihre Lebenskraft mehr und mehr abgebaut hat, bis zur Depression. Im Gespräch fanden wir heraus, dass sie schon seit Jahren

  • unter ständiger Müdigkeit leidet,
  • oftmals Magenprobleme hat,
  • Angst- und Panikattacken mit Medikamenten in Grenzen hält und
  • ihre Haut immer wieder nervöse Ausschläge zeigt.
  • Ihr Rücken ist ebenfalls eine sensible Schwachstelle.

All das sind Hilfeschreie des Körpers, die sie einfach beiseiteschob und übersah, in dem Glauben, es allen Menschen in ihrer Umgebung Recht machen zu müssen.

Viele Menschen überhören so die wichtigen Botschaften ihres Körpers. Mich erinnert das immer wieder an die Sitte der mittelalterlichen Könige, die die Reiterboten, die mit schlechten Nachrichten zu ihnen kamen, köpfen ließen. Natürlich in der Hoffnung, dass dann auch die schlechte Nachricht vernichtet sei.

Wenn ich die Geschichte im Vortrag erzähle, lachen die Zuhörer über die Vorstellung der Könige. Aber mit ihrem eigenen Körper gehen sie tagtäglich genauso um! Der Körper hat eine Nachricht, ein Gefühl, aber anstatt darauf zu lauschen, versucht man das Gefühl zu überhören, mit Medikamenten zu köpfen sozusagen.

Meiner Klientin geht es inzwischen gut.

Sie hat Vieles verändern können, und lacht heute über ihren Lebensmarathon, wie sie es nennt.

Den Absprung zu schaffen, hin zu mehr Gesundheit und Freude, ist, wenn man die Hintergründe des Lebens einmal wieder verstanden hat, leichter als man denkt.

Ich wünsche von Herzen viel Erfolg

Ihre

Stefanie Menzel

Über die Autorin

Stefanie Menzel ist die Instanz für ganzheitlich spirituelle Persönlichkeitsentwicklung in Deutschland. Auf Basis ihres langjährigen spirituellen Wissens- und Erfahrungsschatzes lehrt sie als Mentorin, Dozentin, Seminarleiterin und Autorin eine ganzheitliche, schöpferische Sicht zur eigenen Persönlichkeit und zum individuellen Umfeld. Mit ihrer fundierten therapeutischen Ausbildung eröffnet sie ihren Klienten das Bewusstsein und den Zugang zu einem achtsamen, erfüllten und selbstbestimmten Leben. Als Begründerin der Heilenergetik erarbeitet Stefanie Menzel mit ihren Klienten zielorientierte Lösungen für einen Weg in ein erfülltes, bewusstes und selbstbestimmtes Leben. Ihre Klarheit und ihr herzlicher Pragmatismus begleiten ihre Klienten auf diesem Weg und schaffen so eine Brücke zwischen Wissenschaft, Alltag und Spiritualität.

Kontakt

Stefanie Menzel
Im Vogelsang 10
67273 Weisenheim am Berg
Tel: 06353 50 56 554
mobil: 0170 8 55 44 06
e-mail: stefanie.menzel@gmx.net
http://www.stefanie-menzel.com/

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Über die Künstlerin

Poortraits 018*Frau Dr. Hilly Kessler ist Frauenärztin in Luxemburg und international bekannte Künstlerin. Ihre Frauenportraits machen betroffen und nachdenklich. Für dieses Webmagazin hat Frau Dr. Kessler mir ihre Bilder zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

www.hillykessler.com

 

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