Im Vergleich zum Brustkrebs-Risiko können Frauen bis ins hohe Lebensalter Ihre Angst vor Herzinfarkt getrost vergessen.

Starkes Herz

Immer mehr Frauen sterben am Herzinfarkt. Häufig wird ein Herzinfarkt bei einer Frau vom Arzt oder der Ärztin nicht erkannt. Die Deutsche Herzstiftung findet mahnende Worte und Frauen-Initiativen schlagen Alarm. So oder so ähnlich lauten in den letzten Jahren zunehmend die Schlagzeilen. Hier einige aufschlussreiche Zahlen:

  • Im Jahr 2014 sind in Deutschland 17.670 Frauen an Brustkrebs gestorben.
  • Im selben Jahr weist die Statistik 20.993 an Herzinfarkt verstorbene Frauen aus.

Irgendwie seltsam: Die meisten Frauen kennen irgendjemand in ihrer Verwandtschaft oder Bekanntschaft, der an Brustkrebs erkrankt und verstorben ist. Kaum jemand kennt in seinem Umfeld eine Frau, die an einem Herzinfarkt geendet ist.

Um diesem Rätsel auf die Spur zu kommen, zeige ich Ihnen eine Grafik aus dem Jahresbericht der Deutschen Herzstiftung von 2016, die auf der Grundlage von Daten des Statistischen Bundesamtes die Herzinfarkt-Sterblichkeit 2014 nach Altersgruppen wiedergibt.

Herzinfarkt, vom Killer Nr.1 zur Alterskrankheit

In den Fünfziger und Sechziger Jahren entwickelte sich der Herzinfarkt zum „Killer Nr.1“ in den westlichen Gesellschaften, indem vorzugsweise Männer in mittleren Jahren vom Infarkt dahingerafft wurden. Diese Zeiten sind vorbei. Die Grafik weist aus, dass der Herzinfarkt ganz überwiegend zu einer Alterskrankheit geworden ist. Zwei Drittel aller Infarktsterbefälle betrifft Menschen von der Altersgruppe 75 – 80 an aufwärts. Bei den Frauen sind über 80 % aller Infarkttodesfälle in diesen Altersgruppen zu finden. Die Hälfte aller Fälle betrifft sehr alte Frauen, älter als 85 oder gar 90.

Die Menschen werden bekanntlich immer älter. Als Konsequenz versterben immer mehr alte Menschen am Herzinfarkt. Der Herzinfarkt bringt aber nicht vorrangig die alten Menschen um, er ist allerdings in den Prozess unseres natürlichen Ablebens und Sterbens eingebunden. Irgendwann sind auch die natürlichen Schutzfaktoren des Herzens aufgebraucht. So häuft sich besonders bei älteren und sehr alten Frauen die Diagnose „Herzinfarkt“ auf den Totenscheinen. Das Klagen darüber, dass inzwischen fast so viele ältere Frauen wie Männer am Herzinfarkt sterben, liegt schlicht daran, dass Frauen immer noch deutlich (ca. 3 Jahre) älter werden als Männer.

Beim Brustkrebs ist das anders. 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr hierzulande, davon fast 30% jünger als 55 Jahre. Das ist ein hochbrisantes medizinisches Thema, dessen Präventions- und Therapiestrategien sehr viele Wünsche offenlassen. Das Thema Herzinfarkt bei Frauen sollte nicht dramatisiert werden.

Übersehener Herzinfarkt

Ein Herzinfarkt wird bei einer Frau nicht selten von den Ärzten übersehen. Das sollte nicht passieren, ist aber eigentlich kein Grund zu großer Klage. Diese Aussage mag unverständlich und arrogant klingen. Ich möchte sie aber ausführlich begründen.

Das klassische Symptom eines Herzinfarkts ist ein vernichtender Schmerz links in der Brust. Dieses Symptom wird zunehmend seltener beobachtet. Denn bei älteren Menschen – und bei denen ist der Herzinfarkt angesiedelt – verwischen die Symptome. Der Brustschmerz fehlt häufig oder ist nur schwach ausgeprägt. Bei Frauen ist es ähnlich, auch schon in jüngeren Jahren: Kein Brustschmerz, sondern eher ein unklares Druckgefühl im Brustkorb, eventuell Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Schwitzen, nichts Typisches. Das macht die Diagnose eines Herzinfarkts bei älteren Menschen und bei Frauen schwierig.

Diese Schwierigkeit wird vom Hausarzt, der seine Patienten kennt, und von der Klinik heutzutage sehr unterschiedlich gelöst.

Ein Beispiel aus der Praxis

Eine Frau mittleren Alters klagt über Schmerzen im Rücken im Bereich der Brustwirbelsäule. Der Hausarzt verschreibt ein Schmerzmittel und animiert die Patientin, sich mehr zu bewegen und vor allem den Schultergürtel zu lockern. Als das nicht hilft, geht sie zum Orthopäden und erhält dort im Wesentlichen die gleiche Behandlung. Eines nachts, als die Beschwerden wieder einmal stärker sind, bekommt sie es mit der Angst, und in ihrer Panik fährt sie ins nächste größere Spital. Dort erkennt man sofort, dass es sich um einen Herzinfarkt handelt, legt einen Herzkatheter, setzt Stents und vermittelt ihr, dass man damit ihr Leben gerettet hat.

Die Haken dieser Erfolgsgeschichte

Dazu die notwendigen Infos: Früher, bis in die Neunziger Jahre, gründete die Diagnose eines Herzinfarkts auf drei Säulen:

  • den Beschwerden des Patienten,
  • bestimmten infarkttypischen EKG-Zeichen und
  • mehreren Blutwerten.

Heute kann das EKG völlig unauffällig sein. Seit gut 20 Jahren genügt ein einziger Blutwert im Zusammenhang mit den verschiedensten Beschwerden zur Diagnose eines Herzinfarkts. In der Medizin spricht man von einem „NSTEMI“, einer Abkürzung fürs englische „Herzinfarkt ohne EKG-Zeichen“.

Was der Troponintest wirklich aussagt

© cafepampas, Pixabay

Bei dem Blutwert handelt es sich um „Troponin“, einem Bestandteil der Herzmuskelzellen. Wenn der Herzmuskel unter Stress gerät, können einige Moleküle Troponin durch die Zellwände hindurch in den Blutstrom geraten und dann im Blut nachgewiesen werden. Bei Nachweis von Troponin spricht man von einem positiven Troponintest.

Der Troponinwert ist bei jedem Herzinfarkt erhöht. Ein positiver Troponintest beweist jedoch keineswegs das Vorliegen eines Infarkts. In einem großen Krankenhaus in San Diego (Kalifornien) hat man einmal bei 1000 Patienten, die nacheinander der Notaufnahme zugeführt wurden, Troponin bestimmt. Bei gut 100 wurde Troponin nachgewiesen, bei 50 Patienten handelte es sich nachweislich NICHT um einen Herzinfarkt.
Herzjagen, das verbreitete Vorhofflimmern, aber auch Nierenschwäche oder ein Virusinfekt, der im Körper steckt, können einen positiven Troponin-Test verursachen. Eine ungewohnte körperliche Anstrengung, aber auch Panik, Angst, Aufregungen, die etwas Adrenalin mobilisieren, können Troponin aus den Herzmuskelzellen ins Blut freisetzen. Und die heutigen Messmethoden erfassen jede noch so kleine Spur dieser Substanz im Blut. Einmal im Blut kreisend, bleibt Troponin etwa eine Woche nachweisbar.

Noch ein Beispiel

Mutter und pubertierende Tochter mögen heftig aneinandergeraten sein. Ein solches Ereignis, das möglicherweise Troponin freigesetzt hat, kann also mehrere Tage zurückliegen. Falls man, aus welchem Grund auch immer, in den folgenden Tagen eine Arztpraxis oder ein Krankenhaus aufsucht, kann man wegen eines solchen zurückliegenden Ereignisses die Diagnose eines NSTEMI-Herzinfarkts bescheinigt bekommen.

Der Troponin-Herzinfarkt vielleicht gar kein Herzinfarkt?

In der Praxis unserer Krankenhäuser wird ein positiver Troponin-Nachweis fälschlicherweise als Beweis eines Herzinfarkts gewertet. Nach ärztlichen Leitlinien verlangt die Diagnose eines NSTEMI-Herzinfarkts einen Herzkatheter. Der „Troponin-Herzinfarkt“ fungiert als Türöffner für das Katheterlabor, dessen Auslastung ein enormer wirtschaftlicher Faktor für die Krankenhäuser darstellt.

Man möchte meinen, dass es doch wohl eher die Ausnahme ist, einen NSTEMI- Herzinfarkt zu diagnostizieren. Ganz im Gegenteil, diese eher virtuellen Infarkte machen heute zwei Drittel, also die Mehrheit aller so bezeichneten Herzinfarkte aus. In vielen Fällen handelt sich nicht um einen wirklichen Herzinfarkt, und sehr viele dieser Patienten sind überhaupt nicht herzkrank.

Fazit: Sollen Frauen also, wie alle heutigen Ratgeber nahelegen, auch bei diffusen unspezifischen Beschwerden nicht zögern, 112 anzurufen und ein Krankenhaus aufzusuchen? Diese Entscheidung kann ich keiner Frau abnehmen. In jedem Fall sollte man den Rat eines langjährigen Hausarztes nicht geringschätzen.

Werden die Herzkranzgefäße beim Thema Herzinfarkt total überschätzt?

Verengung eines Herzkranzgefäßes

Die Frage ist berechtigt: Ist es denn eigentlich so schlimm, einen Katheter zu bekommen? Ein solcher Eingriff beseitigt Verengungen und Verschlüsse in den Kranzgefäßen. Sollten die Ärzte im Krankenhaus übereifrig gewesen sein, so dass Katheter und Stent gar nicht notwendig waren, vielleicht ist dieser Eingriff dennoch hilfreich, einen Infarkt in Zukunft zu verhüten?

Das ist nicht der Fall. Bereits 2003, nachdem genügend Katheter und Stents gelegt worden waren, hat die weltberühmte Mayo-Klinik aus den USA folgende ernüchternde Bilanz gezogen.

  •    „Ballon und Stent sind geeignet, Herzbeschwerden zu verringern, also die Symptome zu bessern.
  •    Aber Ballon und Stent verhüten keinen Infarkt und verlängern kein Leben!
  •    Stents verhüten die Ausbildung einer erneuten Verengung an gleicher Stelle, senken jedoch nicht die Häufigkeit von Infarkten oder Todesfällen.“

Bei der Bypass-OP ist es übrigens das Gleiche. Die Bypass-OP am Herzen war angetreten, um Herzinfarkte zu verhüten, indem Kranzgefäßverschlüsse mithilfe von eingepflanzten gesunden, durchgängigen Adern umgangen werden. Alle Studien ohne Ausnahme zeigen, dass dieses Ziel verfehlt wird. Die Bypass-OP wirkt nicht infarktpräventiv. Wie beim Katheter wird auch durch die OP ein Herzinfarkt nicht verhindert.

Gegenwärtig werden hierzulande knapp eine Million Herzkatheter pro Jahr geschoben, in etwa 400.000 Fällen werden Stents gesetzt. Nach einer Studie der AOK von 2014 sind die Schäden eines Katheter-Eingriffs beträchtlich. 0,7 Prozent der Patienten verstarben innerhalb von 30 Tagen nach einem Kathetereingriff mit Ballon und Stent. Das wären pro Jahr knapp 3000 Menschen.

Die natürlichen Schutzfaktoren sollten beachtet werde

Die Herzkranzgefäße spielen beim Thema Herzinfarkt keinesfalls die überragende Rolle. Die natürlichen Schutzfaktoren des Herzens werden bei diesem Thema sträflich missachtet. Der wichtigste Schutzfaktor ist der Parasympathikus! Das ist der Gegenspieler des Sympathikus, der Puls und Blutdruck in die Höhe treibt und Herz und Kreislauf auf Leistungssteigerung ausrichtet. Der Parasympathikus beruhigt Herz und Kreislauf und schützt den Herzmuskel vor Übersäuerung. Der Parasympathikus bildet zusammen mit verschiedenen Signalstoffen, bestimmten Vitaminen und Hormonen im Zusammenspiel mit unserem Gefühls- und Beziehungsleben einen umfassenden Schutz vor einem Herzinfarkt.

Frauenherzen sind besser vor einem Infarkt geschützt als Männerherzen

Frauen in den Slums von Mathare Valley

Frauen besitzen einen guten Schutz vor einem Herzinfarkt, solange sie menstruieren. Mit dem Durchbruch jeder periodischen Blutung wird der Parasympathikus nachhaltig gekräftigt. Frauen unter 85 erleiden deutlich weniger Herzinfarkte als Männer, weil Frauen in ihren Gefühlsäußerungen im Allgemeinen wesentlich lebhafter sind als Männer. Gefühle wollen gelebt sein. Gelebte Angst als Beispiel schützt vor einem Herzinfarkt, chronischer, sich nicht lösender Angstdruck schwächt und blockiert den Parasympathikus, den wichtigsten Schutzfaktor des Herzens.

Deshalb sollte man beim Thema Vorbeugung von Herzinfarkt in erster Linie an eine gesunde Lebensführung denken, eine vitalstoffreiche, mediterrane oder vegetarische, frisch zubereitete Kost genießen, an Bewegung nicht nur denken, sondern auch praktizieren. Dann sollte man versuchen, ausreichend zu schlafen und die uns alle ereilende innere Anspannung immer wieder zu lösen. Dies gilt für Mann wie Frau. Der Riesenvorteil der Frauen liegt in ihren Stärken im emotionalen und sozialen Bereich. Diese Stärken sollten gepflegt werden. In dem Artikel auf dieser Seite “ Frauenherzen ticken anders“ werden Ihnen ausführlich viele Möglichkeiten vorgestellt, mit denen Sie Ihr Herzinfarkt-Risiko in jedem Alter verringern können.

Über den Autor

Dr. Knut Sroka war über 30 Jahre als Allgemeinarzt in Hamburg tätig. Er erlernte die Akupunktur und erwarb Zusatzkenntnisse beim Studium in China. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit hat Dr. Sroka sich auf der Welt traditionelle Heilansätze angesehen. Die ausführliche Beschäftigung mit dem Ayurveda führte ihn nach Südindien. Besuche bei traditionellen Heilern in Ghana, in der Massai-Steppe in Tansania und mehrere Aufenthalte bei Schamanen am Amazonas prägten ihn als Arzt. Für die German Doctors, einer tatkräftigen Hilfsorganisation, hat er in den Slums von Kalkutta und in Mathare Valley, einem riesigen Slumgebiet in Nairobi, gearbeitet. Zusammen mit einigen ärztlichen Kollegen gründete Dr. Sroka 1982 die westdeutsche Sektion der IPPNW (Internationale Ärzte gegen den Atomkrieg), die 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde und in der er fünf Jahre im Vorstand aktiv war. 2015 hat Dr. Sroka mit seinem Fachartikel über die Neubewertung von Strophantin Aufsehen erregt. Als der Strophanthin-Nachschub aus Afrika zu versiegen drohte, ist er in den Kamerun gereist, hat die mühevolle Ernte der Strophanthinfrüchte beobachtet, filmisch dokumentiert und versucht, den Nachschub zu organisieren. Noch heute arbeitet er als Privatarzt in Hamburg für seine Herzpatienten.

Kontakt

Dr. med. Knut Sroka
Dr.Sroka@gmx.de
http://www.herzinfarkt-alternativen.de/
http://www.matharevalley.de/

Buchvorstellung von der Redaktion

Herzinfarkt – Alternativen zu Bypass, Stent und Herzkatheter

Was tun bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Ein hochaktuelles, aufrüttelndes, ja auch provokantes Buch mit gut fundiertem wissenschaftlichem Hintergrund und geprägt von jahrzehntelanger ärztlicher Erfahrung. Der Hamburger Allgemeinmediziner Dr. Knut Sroka konzentriert sich nach 30-jähriger kassenärztlicher Praxis seit 2013 auf seine Herzsprechstunde. In seinen Behandlungsmethoden, die auch die Gabe des lange verpönten Strophantins mit einbezieht, verbindet er auf naturwissenschaftlicher Grundlage die moderne Medizin mit ganzheitlichen Heilverfahren, wie Akupunktur und Ayurveda.

Der empathische Arzt, geprägt auch von mehreren Einsätzen in Afrika (s.o. Mathare Valley), scheut sich nicht vor einer Konfrontation mit der Schulmedizin und ihren leider auch manchmal finanziellen Motiven (natürlich gibt es diese auch in der komplementären Medizin).

In seinem Buch erklärt Sroka anschaulich „das Wunderwerk Herz“, widerlegt das Konzept der Koronaren Herzkrankheit (KHK), beschreibt genau, was bei den verschiedenen Untersuchungs- und Therapiemethoden passiert und stellt ein ganzheitliches Konzept der Herzvorsorge und Herztherapie vor. Viele Patientengeschichten illustrieren die möglichen Ursachen von Herzbeschwerden, Ursachen, die der Patient oft schon ahnt und formuliert, wenn das Leben aus dem Gleichgewicht geraten ist. Versäumen Sie nicht, auch die erklärenden Videos auf seiner Webseite anzuschauen. Ein Buch, das einen zum Nachdenken und Innehalten bringt. Ein „Muss“ für die meisten Ärzte, interessierte Laien und Betroffene.

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