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Was Frauen 60+ wissen sollten (Teil 1)

Von | 31. Januar 2015 – 00:42 7.193 AufrufeDrucken

Schlafen, Schwindel, Depression: mit zunehmendem Alter nehmen die Probleme in diesen Bereichen zu. Sie erfahren, was Sie selbst tun können.

Portrait der Frauenärztin und Künstlerin *Dr. Hilly Kessler

Portrait der Frauenärztin und Künstlerin *Dr. Hilly Kessler

Nachdem Sie in den letzten Monaten viele Artikel über die Probleme junger Frauen, Frauen mit Kinderwunsch und von Schwangeren gelesen haben, möchte ich mich heute mal an meine älteren Leserinnen wenden. Nie war das Bewusstsein für ein vitales und gesundes Älterwerden so groß wie heute. Frauen jenseits der 60 Jahre müssen sich nicht alt fühlen und schon gar nicht so aussehen. Im vergangenen Jahr bot mir die Zeitschrift BIO die Chance, Fragen von Frauen 60+ zu beantworten und ihnen zu erklären, wie Frau bis ins hohe Alter vital und fit bleiben kann.

Frauen von heute haben mit den Frauen früherer Generationen kaum noch etwas gemeinsam. Auch die gestiegene Lebenserwartung sollte ein Ansporn sein, sich bis ins hohe Alter fit zu halten.

Da der Artikel für das webmagazin zu lang war, werde ich Ihnen verschiedene Schwerpunkte in drei Teilen vorstellen.

Über das Schlafen

Je älter man wird, desto weniger Schlaf benötigt man, heißt es. Aber stimmt das wirklich? Viele Frauen jenseits der Menopause schlafen wenig und schlecht. Woran liegt das, und was lässt sich dagegen tun?

Schlafprobleme

Schlafprobleme, © Dan Race-Fotolia.com

Die Schlafmenge, mit der die einzelne Frau auskommt, ist wirklich sehr unterschiedlich. Sie hängt u.a. von der Genetik ab und von der Schlafqualität. Der durchschnittliche Erwachsene schläft ca. 7 Std., ein gesunder alter Mensch braucht oft nur 5 Stunden. Im Alter verändern sich aber die Schlafphasen, Frau schläft leichter, der Schlaf ist schon durch leisere Geräusche störbar, und die Tiefschlafphasen nehmen ab. Statistiken zeigen, dass die Sterblichkeit sowohl bei zu wenig Schlaf (weniger als vier Stunden) als auch bei zu viel Schlaf (mehr als 10 Stunden) ansteigt.

Ursachen von Schlafstörungen

Schon ab dem 20. Lebensjahr sinken die Melatoninspiegel kontinuierlich ab, die den Tag und Nacht-Rhythmus steuern. Ab Mitte der 30erJahre lässt die Progesteronproduktion in den Eierstöcken nach und zwischen dem 40. Und 50. Lebensjahr auch die Östrogenproduktion. Im Alter erhöhen sich die Cortisolkonzentrationen am Abend, und die Ausschüttung von Wachstumshormon verringert sich. Da sich der gesamte natürliche Hormoncocktail verändert, wundert es nicht, dass mit so unterschiedlichen Substanzen, wie Melatonin, Progesteron oder Östradiol, die Schlafzeit und –qualität geändert werden können. Aber alle künstlich zugeführten Hormone und deren Vorstufen können Nebenwirkungen haben und sollten nur nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen.

Was Sie selbst tun können

  • Mit Bewegung können Sie die körpereigene Hormonproduktion verbessern. Bewegen Sie sich tagsüber möglichst an der frischen Luft,
  • Vermeiden Sie abends Blaulicht aus dem Fernseher oder Computer, denn Blaulicht unterdrückt die Melatoninsekretion.
  • verbannen Sie alle Elektrogeräte, incl. Radiowecker aus dem Schlafzimmer
  • schaffen Sie sich atmungsaktive, milbenfreie Bettwäsche an
  • Verbessern Sie Ihre Schlafhygiene: halten Sie einen konsequenten Schlafrhythmus ein und gewöhnen Sie sich an Schlafrituale: Atem- und Entspannungstechniken oder beruhigende Musik. Wenden Sie die Aromatherapie mit Duftlämpchen an, die man mit Lavendel, Kamille oder Bitterorangenöl füllen kann. Nehmen Sie entspannende Pflanzenheilmittel ein als Tees, Tropfen oder in homöopathischer Form. Beispiele: Baldrian, Hopfen, Passionsblume. Nutzen Sie Schüßlersalze und die entspannende Wirkung von Magnesium. In meinem Pflanzenbuch für Frauen finden Sie eine Vielzahl von Rezepten.

Ernährung-Does and Dont´s

  • Was man immer wieder am eigenen Leib erfährt, ist die Abhängigkeit der Schlafqualität von Essen, Kaffee und Alkohol. Das Weinchen oder Bier am Abend machen zwar müde, aber nach kurzem Schlaf, wenn der Blutalkoholspiegel sinkt, ist man wieder wach und kann nicht mehr einschlafen.
  • Manche schlafen nach einem Espresso am Abend besonders gut ein, man vermutet, dass die Gehirndurchblutung bei diesen Personen verbessert wird. Für andere darf es nach 15 Uhr kein Kaffee mehr sein, sonst stehen sie noch um Mitternacht aufrecht im Bett.
  • Spät, viel und schwer Verdauliches essen kann aber keine Frau vertragen. Nach der chinesischen Organuhr ist die Verdauungskraft um die Mittagszeit herum am stärksten. Auch diese Verdauungskraft lässt im Laufe der Jahre nach. Wenn wir in der Pubertät noch abends Kartoffelsalat und Schnitzel in Mengen essen konnten, ohne es während der Nacht zu bereuen, muss frau und man ab 60+ überlegt essen.
  • Nach 18 Uhr sollte auf Obst, Salat, Rohkost, Braten mit Soße verzichtet werden. Ideal ist als Abendessen eine leichte Gemüsesuppe. Oder probieren Sie mal aus, das Abendessen ganz ausfallen zu lassen (Dinner cancelling). Durch den günstigen Einfluss auf den Insulinspiegel und das Wachstumshormon erreichen Sie damit nicht nur einen ruhigeren Schlaf sondern auch ein echtes Anti-Aging.

Schwindel

Schwindelanfälle sind mit zunehmendem Alter ebenfalls ein häufiges Problem. Worauf ist dies zurückzuführen, und was kann man dagegen tun?

Ursachen von Schwindel

Meistens hat Schwindel verschiedene Ursachen, und es ist wichtig, den Schwindel und die Situation des Auftretens genau zu beschreiben. Man schätzt, dass von den über 60-jährigen etwa 30% an Schwindel leiden, bei sehr alten Menschen sogar 70%. Unser Gehirn kann dann, meist vorübergehend, die von der Umwelt, den Ohren, den Augen eingehenden Reize nicht adäquat verarbeiten. Ursache können die starren Gefäße sein, Durchblutungsstörungen im Gehirn, Herzrhythmusstörungen, Nervenschäden, wie z. B. bei der Zuckerkrankheit, Sehstörungen, Innenohrveränderungen, Virusinfektionen des Gleichgewichtsnerven, Veränderungen der Halswirbelsäule, Medikamenteneinnahme und nicht zuletzt auch psychische Störungen.

Was Sie selbst tun können

Immer muss zunächst die Ursache des Schwindels von verschiedenen Spezialisten abgeklärt werden. Häufig sind Blutdruckschwankungen eine Ursache, die durch Medikamente, körperliches Training und Entspannungstechniken reduziert werden können.

Bei bestimmten Formen des Schwindels kann man durch Training dem Gehirn neue Informationen geben, so dass es die dem Schwindel zugrunde liegenden Fehlinformationen selber korrigiert. Diese Übungen darf man natürlich nur in Anwesenheit eines Therapeuten oder Betreuers machen.

Wenn die Seele Trauer trägt

Auch Depressionen können mit zunehmendem Alter verstärkt auftreten. Was sind die Hauptursachen, und welche Methoden bzw. Therapien empfehlen Sie?

Hier müssen wir ganz klar zwischen Depression, reaktiver Depression, larvierter Depression und depressiver Verstimmung unterscheiden.

Einteilung und Ursachen von Depressionen

Depression, Portrait der Frauenärztin und Künstlerin *Dr. Hilly Kessler

Depression, Portrait der Frauenärztin und Künstlerin *Dr. Hilly Kessler

Die Symptomatik einer „richtigen“ Depression tritt meistens zum ersten Mal zwischen dem 30. Und 40. Lebensjahr auf, kann jedoch in gewissen Abständen als depressive Episoden wiederkehren. Bei der reaktiven Depression ist ein traumatisches Ereignis der Auslöser, z.B. der Verlust eines Partners oder Kindes. Die larvierte Depression äußert sich weniger in seelischen als in körperlichen Beschwerden. Wovon wir in und nach den Wechseljahren sprechen, ist meistens eine depressive Verstimmung.

Die mehr oder weniger ausgeprägten hormonellen Veränderungen treten in einer Phase auf, in der die Kinder erwachsen werden und das Haus verlassen. Die Frau leidet unter dem sogen. „empty nest Syndrom“. Wenn Frau die Chance zur Neuorientierung nutzt, wird sich diese Verstimmung rasch auflösen.

Gelingt dies nicht, dann kann sich tatsächlich mit zunehmendem Alter eine Depression daraus entwickeln. Weitere belastende Ereignisse können nicht mehr adäquat verarbeitet werden: Probleme mit dem Partner, am Arbeitsplatz, mit eigenen Erkrankungen oder pflegebedürftigen Eltern. Treten erst in sehr stark fortgeschrittenem Alter Depressionen ein, so kann das ein Hinweis auf ein neurologisches Geschehen und einen Gehirnabbau sein.

Was Sie selbst tun können

Auf jeden Fall sollte man zunächst einen Fachmann aufsuchen, denn die Abgrenzung zwischen therapiebedürftiger Depression und depressiver Verstimmung kann schwierig sein.

  • Entlasten Sie die Seele! Weihen Sie eine Freundin in Ihre Probleme ein und schlucken Sie Ihre Sorgen nicht hinunter, denn „geteiltes Leid ist halbes Leid“!
  • Schaffen Sie sich Auszeiten! Suchen Sie sich ein Hobby, das Ihnen Spaß macht. Malen Sie, tanzen Sie, musizieren Sie, schreiben Sie, damit verleihen Sie Ihrer Seele Ausdruck.
  • Bewegen Sie sich viel an der frischen Luft und nach Möglichkeit in der Sonne, dann werden viele Glückshormone freigesetzt.
  • In der dunklen Jahreszeit kann die Stimmung besonders schlecht werden. Tageslichtleuchten, die ähnlich wie das Sonnenlicht auch einen ultravioletten Anteil mit einschließen, haben sich bewährt.  Haben Sie keine Möglichkeit, genügend Sonne zu tanken, denken Sie an die Einnahme von Vitamin D.
  • Essen Sie sich glücklich! Aber nicht etwa mit Sahnetorte und Pizza, sondern mit frischer ökologischer Pflanzenkost. Darin sind eine Vielzahl von sekundären Pflanzenstoffen, Vitaminen und Spurenelementen enthalten, die der Körper braucht, um Glückshormone daraus herzustellen. Verzichten Sie möglichst auf Alkohol.
  • Bei den Pflanzenheilmitteln ist das Johanniskraut am besten erforscht. Die Spezialextrakte können wie chemische Medikamente genau dosiert werden.
  • Es gibt einige homöopathische Mittel, die bei Ängsten, Sorgen und Depressionen eingesetzt werden können, wie Hypericum, Ignatia, Nux vomica, Aurum oder Cimicifuga. Damit sie dauerhaft helfen, sollte von einem homöopathisch arbeitenden Arzt eine eingehende Anamnese erhoben und das individuelle Konstitutionsmittel herausgefunden werden.

Schließlich gibt es zahlreiche psychotherapeutische Angebote, die Sie nutzen können. Nur mit wenigen Stunden kognitiver Verhaltenstherapie oder der Interpersonellen Psychotherapie werden Sie Ihre Probleme besser bewältigen können.

Über Bio 4/2014

Wenn Sie sich den ganzen Artikel in der BIO 4/2014 ansehen wollen, dann können Sie sich beim Verlag ein Heft bestellen. Darin gibt es weitere spannende Informationen, hier nur einige Beispiele:BIO 4.jpg

  • Die Wahrheit über Cholesterin
  • Die besten Selbsthilfetipps gegen Venenschwäche
  • Wie sie sich vor den versteckten Gefahren von Zuckern schützen können
  • Warum Gehen Medizin sein kann
  • Wie die Hypnotherapie bei Kinderwunsch helfen kann
  • Aurachirurgie: die Operation ohne Messer
  • Bibliotherapie: wenn Lesen gesund macht

Ein BIO-Gratisheft erhalten Sie beim:

BIO Ritter Verlag, Monatshauser Str. 8, 82327 Tutzing, Tel. , Fax -997430

E-Mail: bioritter@aol.com oder über das Internet

Über die Künstlerin

Poortraits 018*Frau Dr. Hilly Kessler ist Frauenärztin in Luxemburg und international bekannte Künstlerin. Ihre Frauenportraits machen betroffen und nachdenklich. Für dieses Webmagazin hat Frau Dr. Kessler mir ihre Bilder zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

www.hillykessler.com

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