Hildegard von Bingen, gemalt von der Künstlerin Inge Brück

Hildegard von Bingen, gemalt von der Künstlerin Inge Brück

Die Pflanzenheilkunde steht bei uns hoch im Kurs. Schließlich versorgen wir uns täglich mit Tees, Getreide, Obst und Gemüse, warum dann nicht gleich so essen und trinken, dass gesundheitlicher Zusatznutzen entsteht. In alten Zeiten stand die Ernährungstherapie immer an erster Stelle, wenn Beschwerden oder Krankheiten zu lindern waren. Kräuterfrauen hatten dann ihre eigenen Methoden, um die heilenden Pflanzen durch viele Prozeduren, wie vergären, mit Alkohol bearbeiten, zermahlen und kombinieren, in Pflanzenheilmittel zu verarbeiten.

In meinem Buch: „Die neue Pflanzenheilkunde für Frauen“ hatte ich Ihnen ja viele Rezepte für den täglichen Gebrauch genannt. Eine Leitfigur dieser Traditionellen Westlichen Medizin war Hildegard von Bingen. Die Traditionelle Westliche Medizin (TWM) ist im Gegensatz zur Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) immer noch relativ unbekannt. Sie bietet jedoch eine hervorragende Alternative zu Methoden und Heilmitteln fernöstlicher Kulturen, wie der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und der Ayurveda-Medizin. Und ein Frauenarzt, der das Wissen der Hildegard von Bingen schon vor Jahren entdeckt und öffentlich gemacht hat, ist der Frauenarzt Prof. Dr. Schulte Übbing. Ich hatte Ihnen Prof. Dr. Schulte Übbing schon 2010 vorgestellt, als er innovative Ergebnisse zur Behandlung von Muttermundveränderungen und chronischen Scheideninfektionen mit Vitamin D publizierte. Später berichtete er Ihnen über den Einfluss von Umweltfaktoren auf die Endometriose. Und schließlich entwickelte er eine ganzheitliche Therapie bei Hashimoto-Thyroiditis. Mit ihm habe ich ein Interview zu seinen Erfahrungen mit der Hildegard Medizin gemacht.

Interview mit Prof. Dr. Schulte-Übbing

Prof. G: Welche Vorteile hat die Traditionelle Westliche Medizin (TWM)?

Prof. SU: Die Traditionelle Westliche Medizin (TWM) hat einige Vorteile, auch gegenüber der TCM. Aus ökologischen und toxikologischen Gründen sind westliche Nahrungs- und Heilmittel, insbesondere aus der Region, in jedem Fall zu bevorzugen. Heilmittel aus Fernost sind sehr oft pestizid- und schwermetallbelastet. TWM- Heilpflanzen dagegen wachsen bei uns überall. TWM- Rezepturen, die von unseren Apotheken ordnungsgemäß hergestellt werden, sind ökologisch und toxikologisch in Ordnung. Auch ist die Klassifizierung von Krankheiten und Heilmitteln in der Traditionellen Westlichen Medizin bestechend einfach und überzeugend.

Besonderheiten der Äbtissin Hildegard von Bingen

Prof. G: Wie sind Sie gerade auf die Hildegard- Medizin gekommen? Wer war Hildegard? Was macht ihre Medizin so besonders?

Prof. SU: Zur Hildegard- Medizin brachte mich vor dreißig Jahren mein Freund Pater Dr. med. Dr. theol. Alfons Berkmüller. Er ist Internist, Neurologe, Psychiater und Priester und hielt damals einen sehr interessanten Vortrag über die Spiritualität und Medizin der Hildegard. Der Vortrag sprach mich an, ich lernte dann viel von Berkmüller.

Rüdesheim Abtei St. Hildegard © LianeM - Fotolia.com

Hildegard von Bingen lebte Anfang des vorigen Jahrtausends (1098-1178). Sie war Äbtissin, baute ein eigenes Kloster, war sehr mystisch, aber auch sehr kämpferisch, wenn’s sein musste, sehr musikalisch, eben sehr vielseitig. Sie war die erste Frau im deutschsprachigen Raum, die sich mit der Entstehung, Behandlung und insbesondere auch Vermeidung von Krankheiten intensiv auseinandergesetzt hat. Mit ihrer visionären Betrachtungsweise war sie ihrer Zeit um Jahrhunderte voraus.

Sie integrierte seelische und psychische Dimensionen in die Beschreibung der Krankheits- Entstehung und berücksichtigte dabei auch stets ökologische Gesichtspunkte. Sie war eine so besondere Frau, dass sie im Jahr 2012 heilig gesprochen und zur Kirchenlehrerin ernannt wurde. In dem Buch „Heilende Frauen“, das Ihnen kürzlich hier vorgestellt wurde, können Sie ausführlich ihr Lebenswerk betrachten.

Hildegard ist eine wichtige Vertreterin der Traditionellen Westlichen Medizin. Für die TWM ist die Einheit von Körper, Geist und Seele innerhalb der Schöpfung essentiell. In Anbetracht der vielen psychosomatischen und umweltbedingten Erkrankungen stellt sie eine wichtige Ergänzung und Bereicherung der modernen Medizin dar. In unserer modernen Zeit, wo sich die Folgen der Umweltzerstörung mehr und mehr bemerkbar machen und in vielen Erkrankungen niederschlagen, zeigt die TWM einen ganzheitlichen Weg zur Gesundheit.

Prof. G: Was sind die gemeinsamen Prinzipien von TWM und TCM?

Prof. SU: Dazu möchte ich Ihnen einige kurze Sätze sagen:

  • Körperliche Krankheiten haben seelische Ursachen
  • Der Mensch ist ein wichtiger Teil der Schöpfung
  • Der Mensch ist durch seine Elemente ein Teil des Kosmos
  • „Re-ligio“ ist ein tragendes Element
  • Krankheiten sind die Folge von Disharmonie der Säfte und Elemente
  • Krankheiten entstehen, wenn der Einklang mit dem Schöpfer und der Schöpfung fehlt.

Prof. G: Wie lässt sich die Traditionelle Westliche Medizin in die moderne Schulmedizin integrieren?

Prof. SU: Das funktioniert in unserer Praxis seit zwanzig Jahren sehr gut. Wir wenden alle Methoden der modernen Schulmedizin an, machen Hormonanalysen, Immunanalysen und Schadstoffanalysen. Auch haben wir beispielsweise in unserem Mamma- Zentrum neben der Mammographie die strahlenfreie Infrarot- Radiographie, ein strahlenfreies Ultraschall- CT etc. Wir kombinieren diese moderne Schulmedizin aber mit der Traditionellen Westlichen Medizin (TWM). Die TWM hat uns einen großen Schatz an Heilwissen hinterlassen: Heilpflanzen, Mineralien und Nahrungsmittel.

Prinzipien der TWM

Prof. G: Was sind wichtige Prinzipien der Traditionellen Westlichen Medizin?

Prof. SU: Die TWM ist unterteilt in einen Mikro- und einen Makrokosmos. Der Mensch ist Teil des Universums. Das Gleichgewicht von Elementen und Säften spielt bei der Entstehung, Behandlung und Vermeidung von Krankheiten eine große Rolle. Körperliche Krankheiten haben seelische Ursachen und entstehen, wenn der ganzheitliche Einklang fehlt. Sie sind Folge einer Disharmonie der Säfte und Elemente.

Prof. G: Welche Prinzipien sind in der TWM für Diagnose und Therapie wichtig?

Gleichgewicht

Gleichgewicht

Prof. SU: In der TWM wird – wie auch in der TCM oder der Ayurveda- Medizin – die Qualität von Mensch, Heilpflanze oder Nahrungsmittel über spezielle Eigenschaften charakterisiert. So werden diese nach ihrem Gehalt an Hitze oder Kälte, Feuchtigkeit oder Trockenheit, Fülle oder Leere sowie nach ihrem Anteil an Phlegma, gelber oder schwarzer Galle beurteilt.

Das mag für einen modernen westlichen Mediziner sehr mittelalterlich klingen. Die Begriffe sind nur aus der damaligen Menschensicht zu verstehen, können aber ohne weiteres „übersetzt“ werden.

Bei den meisten gesunden Menschen ergibt eine Analyse des individuellen Zustands in der Regel ein Überwiegen von Kälte oder Wärme, Feuchtigkeit oder Trockenheit, Fülle oder Leere. Daneben liegt eine Mischform verschiedener Zustände vor.

Auch die meisten Krankheiten stellen Mischformen mit einem Schwerpunkt dar. So kann beispielsweise ein Feuchtigkeitsüberschuss oder -mangel mit einem Schwäche- oder Füllezustand, Kälte oder Hitze etc. kombiniert vorkommen.

Wichtige Grundlage: die ausführliche Patientenbefragung

Prof. G: Wie gehen Sie bei der Patient(inn)en- Befragung (Anamnese) vor?

Prof. SU: Die Differentialdiagnose bei der TWM ist ähnlich wie in der Traditionellen Östlichen Medizin. Um herauszufinden, ob ein(e) Patient(in) an einer Schwäche-, Leere- oder Fülle-Krankheit leidet, werden bestimmte Befindlichkeitsstörungen unter die Lupe genommen. Zum Beispiel:

  • Ist die Krankheit eher chronisch oder akut?
  • Leidet der Patient unter Müdigkeit oder Leistungsverminderung?
  • Sind seine Bewegungen eher kräftig oder schwächlich?
  • Lassen Schmerzen bei Druck nach oder werden sie stärker?

Bei Kälteerkrankungen oder -syndromen unterscheidet man zwischen dem Fülletyp (klimatische Kälteschädigung) und dem Leeretyp. Also:

  • Sind die Extremitäten des Betroffenen kalt,
  • hat er eine Abneigung gegenüber Kälte?
  • Bessern sich seine Beschwerden durch Wärme?
  • Sind die Exkrete eher wässrig und hell?

Eine Hitze-Krankheit fällt entweder in den Bereich Hitze-Trockenheit (=mangelnde Feuchtigkeit) und/oder Hitze-Leere. Hinweise darauf können sein:

  • ein gerötetes Gesicht,
  • viel Durst,
  • allgemeines Hitzegefühl,
  • hohes Fieber,
  • Nervosität,
  • innere Unruhe oder
  • übel riechende und konzentrierte Exkrete.

Eigenschaften der Heilpflanzen

Prof. G: Die TWM arbeitet auch viel mit Heilpflanzen (= Phytotherapie). Wie sind die Eigenschaften und Merkmale der verwendeten Heilpflanzen?

Prof. SU: Jede Heilpflanze hat ihre speziellen Merkmale. So werden Kräuter, Gräser, Früchte und Blätter nach der Traditionellen Westlichen Medizin eingeteilt in:

Salbei

Salbei

  • (leicht bis stark) wärmend, heiß,
  • (leicht bis stark) kühl bzw. kalt
  • zugleich kalt und warm = neutral
  • (leicht bis stark) trocknend bzw. trocken
  • (leicht bis stark) befeuchtend, feucht,
  • (leicht bis stark) Energie zuführend bzw. stärkend
  • nicht nährend = Energie entziehend, schwächend, schleimfördernd etc.

Zusammenstellung der Rezepturen

Bei der Behandlung und der Zusammenstellung von Rezepturen werden daher folgende Kriterien berücksichtigt:

  • Krankheiten, die mit Hitze verbunden sind, (z. B. das Klimakterische Syndrom, Infektionskrankheiten mit Fieber) werden eher mit kühlenden Komposita behandelt.
  • Krankheiten, die mit zu viel Kälte einhergehen, (z. B. Wind-Kälte: Erkältung, Grippe, Bronchitis im Anfangsstadium) verlangen nach wärmenden Komposita.
  • Bei Fülle-Krankheiten (z. B. Adipositas, Diabetes mellitus, Metabolisches Syndrom), benötigt man mehr ableitende, Energie entziehende Komposita.
  • Bei Leere/Schwäche (z. B. Anorexie, Kachexie) werden eher stärkende, nährende Komposita eingesetzt.
  • Krankheiten, die mit zu viel Feuchtigkeit einhergehen (z. B. Diarrhoe in Verbindung mit Feuchtigkeit und Hitze im Darm) werden mit trockenen Komposita behandelt und umgekehrt.

Bedeutung der Ernährung

Prof. G: Gibt es in der TWM auch bestimmte Ernährungs- Empfehlungen?

Prof. SU: Ja, was für Heilpflanzen gilt, kann ebenso auf die Ernährungs- Empfehlungen der Traditionellen Westlichen Medizin übertragen werden. Demnach gibt es neben kalten und warmen, trockenen und feuchten Speisen auch Energie zuführende oder Energie entziehende. Manche Gerichte und Zutaten sind allgemein gesundheitsfördernd und gut, andere sind zwar für Gesunde geeignet, nicht aber für Kranke. Und natürlich gibt es auch Speisen, die sowohl gesunden als auch kranken Menschen schaden.

Küchengifte

Nahrungsmittel, die nach der Traditionellen Westlichen Medizin gemieden werden sollten, werden als Küchengifte bezeichnet. Absolute Küchengifte sollten möglichst gar nicht gegessen werden, relative Küchengifte eher selten und in Maßen.

Beispiele für Küchengifte sind:

• Ackersenf – „… bereitet kranke Säfte …“

• Birne – „… bereitet schlechte Säfte …“

• Ei, roh – „…bereitet Schleim und Fäulnis im Magen, durch das Feuer wird Fäulnis ausgekocht …“

• Erdbeere – „… bereitet Schleim im Menschen …“

• Gartenkresse – „…. vermehrt üble Säfte …“

• Kartoffel (war damals unbekannt, kam aus Amerika, Nachtschattengewächs)

• Kohl (Blumenkohl, Weißkohl) – „… vermehrt üble Säfte …“

• Lauch – „… verkehrt, roh gegessen, die Säfte ins Gegenteil …“

• Malve – „… bereitet dicke und giftige Säfte …“

• Nachtschattengewächse (Kartoffel, Paprika, Tomaten) sollten von Kranken gemieden werden, da sie u. a. verschleimend wirken, den Flüssigkeitshaushalt durcheinanderbringen können und die Abwehr schwächen können.

• Paprika – (war damals unbekannt, Nachtschattengewächs)

• Pfeffer – „… bereitet üble Säfte …“

• Rohkost – „…bereitet dem Kranken üble Säfte, schadet dem Gesunden eher als sie ihm nützt …“ (Anmerkung: Kann zu chronischen Pilz-Infekten beitragen)

• Pfirsich – „… vermehrt üble Säfte …“

• Pflaume siehe Zwetschge

• Rosenkohl – siehe Kohl

• Stutgras – „… bereitet kranke Säfte …“

• Tomate – (war damals unbekannt, kam aus Amerika, Nachtschattengewächs)

• Zwetschge – „…bereitet dem Kranken üble Säfte, schadet dem Gesunden eher als sie ihm nützt …“

Prof. G: Sollte man nicht immer die Ernährung auch der individuellen körperlichen Verfassung anpassen?

Prof. SU: Ja, das ist ein ganz wichtiges Prinzip in der TWM. Wie bereits beschrieben, liegt sowohl bei jedem gesunden als auch bei jedem kranken Menschen eine individuell sehr verschiedene Mischform des energetischen Zustands vor. Um die Gesundheit zu erhalten oder Krankheiten zu begegnen, braucht jede(r) eine speziell auf ihn zugeschnittene, ausgewogene Ernährung. Es ist deshalb wichtig, die unterschiedlichen speziellen Eigenschaften der Nahrungsmittel zu kennen. Ob Getreide, Gemüse und Obst, Fisch oder Fleisch – mit dem Wissen über die besondere Wirkung der einzelnen Ernährungsbestandteile kann viel zur Gesunderhaltung bzw. Heilung von Krankheiten beigetragen werden.

Prof. G: Können Sie ein paar konkrete Beispiele nennen ?

Prof. SU: Ja. Beispielsweise ist Weizen warm, ideal für Menschen mit Kälte und ein relatives Küchengift für Menschen mit Hitze. Dinkel hingegen ist zwar warm, aber fett und kräftig und somit geeignet für Menschen mit Kälte, Schwäche, Leere. Der Fenchel sowie Äpfel sind warm und feucht. Beides ist ein Küchengift für Menschen mit Hitze und Feuchtigkeit, aber umso besser geeignet für alle mit Kälte und Trockenheit. Kranke Menschen sollten Birnen generell meiden; sie sind sehr kalt und deshalb nur förderlich für Gesunde mit Hitze.

Prinzipien zur Gesunderhaltung

Prof. G: Somit wären eigentlich die Prinzipien der Traditionellen Westlichen Medizin für jede(n) von uns interessant?

© V&P Photo Studio - Fotolia.com

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Prof. SU: Mit den Prinzipien der Traditionellen Westlichen Medizin kann jeder etwas zur Gesunderhaltung von Körper und Geist, aber vor allem auch zur Heilung oder Linderung von Beschwerden im Krankheitsfall beitragen. Ein bewusster Umgang mit sich selbst ist der erste wichtige Schritt zu Gesundheit und Wohlbefinden.

Körperliche Krankheiten haben seelische Ursachen und entstehen, wenn der Einklang mit der Schöpfung und dem Schöpfer fehlt. Die Hildegard Medizin gibt Anregungen, wie jeder(r) von uns mit leicht zugänglichen Mitteln und Methoden diesen Einklang ganz individuell wiederherstellen kann.

Prof. G: Das macht uns neugierig auf mehr Infos über die TWM. Da Sie auch ein Buch über HILDEGARD- FRAUENHEILKUNDE geschrieben haben, können wir ja demnächst vielleicht ein Interview über diesen Schwerpunkt machen?

Prof. SU: Das würde mich sehr freuen.

Beispiele zu den Therapieansätzen

Hier noch einige Beispiele zur Diagnostik und den Therapieansätzen

Habe ich eine Schwäche-/ Leere- Krankheit?

  • Ist meine Krankheit eher chronisch?
  • Leide ich unter Müdigkeit, Leistungsverminderung?
  • Bin ich eher blass?
  • Sind meine Bewegungen schwächlich?
  • Fühle ich mich allgemein schlapp und schwach?
  • (Prüfen Sie Ihre Atmung). Ist meine Atmung eher oberflächlich?
  • (Falls Sie Schmerzen haben): Wird mein Schmerz durch Druck besser?
  • (Falls Sie schwitzen): Schwitze ich spontan?
  • (Schauen Sie Ihre Zunge im Spiegel an): Ist mein Zungenkörper blass mit einem geringen o. fehlenden Belag?
  • (Prüfen Sie Ihren Puls): Ist mein Puls eher dünn und schwach zu tasten?

Hildegard-Medizin bei Leere/ Schwäche-Krankheit:

  • Ernähren Sie sich von Lebensmitteln, die Ihre Leere beseitigen (d.h. Energie zuführen).
  • Sie brauchen nahrhafte Lebensmittel, die mehr Energie zuführen als ableiten.
  • Sie brauchen Original-Rezepturen und -Komposita (Tees, Tinkturen, Elixiere), die Energie zuführen.
  • Meiden Sie Nahrung, die von Hildegard als „nutzlos“ bezeichnet wird (diese hat keinen Nährwert). Nutzlose Nahrung ist für Sie Küchengift
  • Meiden Sie Rezepturen, die nicht nähren.

Habe ich eine Fülle-Krankheit?

  • Ist meine Krankheit eher akut?
  • Sind meine Bewegungen eher kräftig und stark?
  • Ist meine Stimme eher laut u. klingend?
  • (Prüfen Sie Ihren Atem): Ist mein Atem rasselnd u. schwer?
  • (Falls Sie Schmerzen haben): Nehmen meine Schmerzen durch Massage u. Berührung eher zu?
  • (Schauen Sie Ihre Zunge im Spiegel an): Hat meine Zunge einen dicken Belag?
  • (Prüfen Sie Ihren Puls): Ist mein Puls eher kräftig oder gespannt oder gleitend oder voll zu tasten?

Hildegard-Medizin bei Fülle-Krankheit:

  • Ernähren Sie sich von Lebensmitteln, die Ihre Fülle beseitigen (d.h. Energie ableiten).
  • Sie brauchen neutrale, nicht zu fette, füllende Lebensmittel, die mehr Energie ableiten als zuführen.
  • Sie brauchen Original-Rezepturen und -Komposita (Tees, Tinkturen, Elixiere), die Ihre Fülle beseitigen.
  • Meiden Sie Nahrung, die von Hildegard als fett oder nahrhaft bezeichnet wird (diese nährt die Fülle). Fette und verschleimende Nahrung ist für Sie Küchengift.
  • Meiden Sie Rezepturen, die zu sehr nähren und verschleimen.

Zusammenfassung

Prof. G: Hätten Sie bitte noch mal eine kurze abschließende Zusammenfassung?

Prof. SU: Gerne. Die Hildegard-Medizin ist ein bedeutender Teil der Traditionellen Westliche Medizin (TWM). Sie hat einige Vorteile gegenüber der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und gegenüber der Ayurveda- Medizin. Aus ökologischen und toxikologischen Gründen sind westliche Nahrungs- und Heilmittel, insbesondere aus der Region, in jedem Fall zu bevorzugen. Heilmittel aus Fernost sind sehr oft pestizid- und schwermetallbelastet. TWM- Heilpflanzen dagegen wachsen bei uns überall. TWM- Rezepturen, die von unseren Apotheken ordnungsgemäß hergestellt werden, sind ökologisch und toxikologisch in Ordnung. Auch ist die Klassifizierung von Krankheiten und Heilmitteln in der Traditionellen Westlichen Medizin bestechend einfach und überzeugend.

Zusammenfassung der TWM- Ernährungs- Prinzipien

Prof. G: In der TWM scheint die richtige Ernährung auch eine große Rolle zu spielen. Bitte noch eine ganz kurze Zusammenfassung der TWM- Ernährungs- Prinzipien.

Prof. SU: Gerne.

  1. In der TWM (Quelle: Hildegard von Bingen) fängt die gesunde Ernährung damit an, dass man der Seele die richtige Nahrung gibt. Mit der richtigen seelischen Nahrung sind nach Hildegard die meisten Erkrankungen vermeidbar. Die richtige Ernährung der Seele bringt uns in Einklang mit uns selbst, mit den Mit-Geschöpfen und mit unserem Schöpfer.
  2. Es gibt kalte und warme Speisen, es gibt trockene und feuchte Speisen, es gibt Energie zuführende („fette, kräftige“) Speisen und Energie entziehende („nicht kräftigende“, „nutzlose“) Speisen, es gibt auch alle Zwischenformen, z. B. temperaturneutral (= warm und kalt), feuchtigkeitsneutral (gemäßigt feucht und trocken), energieneutral (weder fett noch mager). Es gibt Speisen, die für alle gut und nützlich sind. Es gibt Speisen, die für Gesunde gut und nützlich sind, nicht aber für Kranke. Es gibt Speisen, die nicht nützlich sind, dem Gesunden nicht schaden, aber dem Kranken. Es gibt Speisen, die Gesunden und Kranken schaden
  3. Es gibt sogenannte Küchengifte, die einem nicht gut tun. Sie sollten nach Hildegard gemieden werden.
  4. Die Ernährung soll dem Zustand angepasst werden. Bei den meisten Menschen, gesund oder krank, ergibt eine Analyse meist ein Überwiegen von Kälte oder Wärme, Feuchtigkeit oder Trockenheit, Fülle oder Leere, d.h. es liegt eine Mischform vor. Sie brauchen daher eine ausgewogene, an den jeweiligen Zustand angepasste Ernährung. Diese sollte dann überwiegend warm oder kalt, trocken oder feucht, Energie vermindernd oder Energie zuführend sein.

Literatur

Allergien

Allergien

Frauenheilkunde

1. Schulte-Übbing:  Hildegard von Bingen FRAUENHEILKUNDE, Die fünf Säulen der Hildegard- Medizin, mit einem Kapitel über Anti-Aging-Medizin, St. Benno- Verlag, Leipzig, 2011

2. Schulte-Übbing: Hildegard von Bingen ALLERGIEN NATÜRLICH BEHANDELN, St. Benno- Verlag, Leipzig, 2011

3. Saum und Mitarb.: Heilkraft der Klosterernährung, Zabert-Sandmann GmbH, 2008

4. Strickerschmidt: Fasten mit der heiligen Hildegard, St. Benno- Verlag, Leipzig, 2011

Klosterernährung

Klosterernährung

Fasten

Fasten

weitere Literatur beim Autor

Fachgesellschaften zur Hildegard-Medizin

• Internationale Gesellschaft Hildegard von Bingen, CH-6390 Engelberg

info@hildegard-gesellschaft.org

• Medizinischer Arbeitskreis „Hildegard- Medizin“: Ärztliche Leitung Dr. med. Michael Ptok, Facharzt für Allgemeinmedizin

Über den Autor

Prof. Dr. med. Claus Schulte-Uebbing ist Frauenarzt mit der Spezialisierung Umweltmedizin, Endokrinologie, Onkologie und Immunologie. Er leitet das Umweltmedizinische Therapiezentrum am Dom in München. Schulte-Uebbing ist umweltmedizinischer Gutachter, Autor medizinischer Fach- und Lehrbücher und international gefragter Referent. Er hält regelmäßig Vorlesungen und hat seit 2007 eine Professur.

Prof. Dr. med. Claus Schulte-Uebbing
Umweltmedizinisches Therapiezentrum am Dom
Weinstr. 7A
80333 München
Tel.: 089/ 299655089/ 299655
Fax: 089/299672
E-Mail: info@prof-schulte-uebbing.de
http://www.dr-schulte-uebbing.de/

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