Einige Zyklusapps können als zuverlässige Verhütungsmethoden empfohlen werden, setzen aber trotzdem ein gutes Verständnis für den eigenen Zyklus voraus.

Paar mit Herz © detailblick-foto fotolia

Sie haben wohlklingende Namen wie Ovy, Clue oder Natural Cycles und werben damit, die fruchtbaren Tage im Zyklus der Frau zuverlässig zu erkennen. In den Appstores finden sich immer mehr solcher Zyklusapps, wodurch es zur Qual der Wahl – und leider auch fatalen Auswirkungen kommen kann.

Denn auch wenn die neuesten Entwicklungen auf dem Femtech-Markt generell toll sind und Frauen dadurch immer mehr Möglichkeiten haben, hormonfrei und selbstbestimmt zu verhüten, birgt der Fortschritt Gefahren: So tummeln sich jede Menge „schwarzer Schafe“ unter den Zyklusapps, also jene, die absolut nicht zur Verhütung geeignet sind, auch wenn sie den Anschein machen. Für viele Frauen ist es aber schwer zu erkennen, welche der Apps denn nun eine zuverlässige Verhütung ermöglichen und welche nicht.

Warum bei den Auswertungsmethoden differenziert werden muss

Den meisten Frauen, die auf der Suche nach einer hormonfreien, natürlichen Verhütungsmethode sind, ist gar nicht bewusst, dass es überhaupt unterschiedliche Auswertungsmethoden gibt, die den Apps zugrunde liegen. Sie entscheiden sich vielmehr nach Design und Benutzerfreundlichkeit. Zwei Kriterien, die ebenfalls wichtig sind, aber eben nicht ausschlaggebend, wenn man tatsächlich zuverlässig natürlich verhüten will.

Die meisten Zyklusapps werten nämlich nur nach der Kalendermethode aus. Diese beruht allein auf Durchschnittsdaten aus der Vergangenheit und prognostiziert anhand dieser die fruchtbaren Tage für den nächsten Zyklus – dabei wird jedoch völlig vernachlässigt, dass der Eisprung nicht immer am gleichen Zyklustag stattfindet, die individuelle Zyklusdauer variieren kann und der Zyklus generell Schwankungen unterliegt, zum Beispiel durch Stress, eine Erkältung etc.

unzählige Zyklusapps

In den Appstores gibt es unzählige Zyklusapps – doch nur die wenigsten sind zur Anwendung einer zuverlässigen Verhütungsmethode geeignet.

Oft sprechen schon die Namen der Apps für diese reine Rechenmethode: Period Tracker, Menstruations-Kalender, Mein Eisprung-Rechner usw. Bei anderen wiederum ist es nicht so einfach zu erkennen, wonach sie auswerten, vor allem wenn die Basaltemperatur und der Zervixschleim erfasst werden können und damit suggeriert wird, dass anhand der symptothermalen Methode nach Sensiplan – die unter den natürlichen Verhütungsmethoden die sicherste ist – ausgewertet wird.

Ist eine Verhütungs-App sicher, wenn Temperatur und Zervixschleim erfasst werden können?

Leider ist die reine Erfassung solcher Daten noch keine Garantie dafür, dass auch nach diesen Symptomen ausgewertet wird. Clue ist bestes Beispiel dafür: Obwohl in diese App die Basaltemperatur und die Beschaffenheit des Zervixschleims eingetragen werden können, wertet sie dennoch strikt nach der unsicheren Kalendermethode aus ohne diese Körperzeichen zu berücksichtigen.

Gleiches gilt für Femometer, eine App die zusammen mit einem günstigen Bluetooth-Thermometer verwendet werden kann und behauptet, noch sicherer als Sensiplan zu sein. Für Laien ist jedoch nur schwer erkennbar, dass das nicht der Fall ist, und somit besteht eine große Gefahr, ungewollt schwanger zu werden, wenn man sich nach der Anzeige der App richtet.

App Ovy

Weitere Negativ-Beispiele sind Ovy und Natural Cycles. Beide Apps habe ich für meinen Blog getestet und wurde beide Male bitter enttäuscht. Denn gerade Ovy wirbt damit, „auf dem Regelwerk für natürliche Familienplanung (NFP)“ zu basieren, ignoriert aber eindeutige Fruchtbarkeitsanzeichen, wie spinnbaren Zervixschleim und eine erhöhte Basaltemperatur – an jenen Tagen mit diesen Anzeichen wurden mir nur „mittlere“ Schwangerschaftschancen bescheinigt, ohnehin eine gefährliche Wortwahl, denn wie sollen Nutzerinnen einschätzen, was „gering“ und „mittel“ bedeuten?

Natural Cycles gibt hingegen eine viel zu lange unfruchtbare Phase am Zyklusanfang an. Diese App hat bereits vor einem Jahr zu Schlagzeilen geführt, weil mehrere Frauen in Schweden angaben, sie verwendet zu haben und ungewollt schwanger geworden zu sein.

Woran Sie eine „gute“ Verhütungs-App erkennen

Grundsätzlich würde ich empfehlen zunächst immer davon auszugehen, dass eine Zyklusapp NICHT zur Verhütung geeignet ist, denn nur die wenigsten sind es tatsächlich. Oft gibt die Beschreibung der App im Store oder auf der Website des Entwicklers Aufschluss: Hier muss zumindest die symptothermale Methode oder das NFP/Sensiplan Regelwerk erwähnt werden. Dennoch genügt auch das leider nicht mehr, wie wir am Beispiel von Ovy und Femometer sehen. Es hilft daher nur: ausprobieren, gegenchecken und zunächst durchgehend verhüten.

Um so vorzugehen ist es unerlässlich, die Regeln der symptothermalen Methode vorab zu erlernen und zu verstehen. Erst dann ist Frau in der Lage, die Auswertung der App zu überprüfen und einschätzen zu können, ob hier tatsächlich zuverlässig vorgegangen wird. Auch im weiteren Verlauf der Nutzung sollte nicht vergessen werden, dass eine App lediglich als praktische Unterstützung dient, aber niemals das eigene Mitdenken ersetzt. Sie ist nur so gut wie die Daten, mit denen sie gefüttert wird. So kann beispielsweise nur die Nutzerin selbst wissen, ob an einem Morgen ein Störfaktor vorlag oder nicht.

Unschlagbar auf dem deutschen App-Markt: myNFP mobile

myNFP mobile

Meinen Leserinnen empfehle ich übrigens nach wie vor und aus gutem Grund nur eine App auf dem deutschen Markt: myNFP mobile. Sie unterstützt tadellos die symptothermale Methode nach Sensiplan und bietet sowohl eine manuelle als auch automatische Auswertung. Weiterhin ist die App klar und selbstverständlich aufgebaut, nicht nur wer die dazugehörige Website kennt, wird sich in ihr problemlos zurechtfinden. myNFP mobile zeigt durch eine grüne Farbmarkierung deutlich, wann die Nutzerin Unfruchtbarkeit annehmen kann – etwas, das andere Apps nicht tun und stattdessen mit ungenauen Begriffen hantieren. Das NFP-Regelwerk, dem die App zugrunde liegt, kann jederzeit eingesehen werden, sodass die Nutzerin die Möglichkeit hat, ihr Wissen stets aufzufrischen und die Auswertung der App zu überprüfen.

Über die Autorin

Hi, ich bin Maggie und verhüte seit 2012 auf natürliche Weise. Mit der gleichen Methode habe ich auch meine beiden Schwangerschaften gezielt geplant. Darüber schreibe ich in meinem Blog www.wearetheladies.de. Vorher habe ich als freie Journalistin gearbeitet, was mich aber nie zu 100 Prozent erfüllt hat. Nun begleite ich Frauen auf ihrem Weg in ein hormonfreies Leben. Ich möchte natürliche Verhütung aus ihrer altmodischen, verstaubten Schublade holen und zeigen, wie einfach, sicher und cool sie ist!

Kontakt

hello@wearetheladies.de
www.wearetheladies.de

Kommentar der Redaktion

Für die moderne Frau war vor 50 Jahren die Hormonpille zur Verhütung der Gewinn von grenzenloser sexueller Freiheit, von Emanzipation. Vor etwa 30 Jahren wurde diese Freiheit durch die Angst vor einer Ansteckung mit HIV wieder eingeschränkt. Durch die Nebenwirkungen der hormonellen Kontrazeption entschieden sich viele Frauen für die hormonfreie intrauterine Verhütung mit Kupferspiralen. Schließlich wurden die Hormonspiralen propagiert, die angeblich nur lokal wirken sollten. Auch da wissen wir inzwischen, dass das ein Trugschluss war, dem aber nach wie vor noch viele Ärzte und Patientinnen aufsitzen.

Die moderne, aufgeklärte Frau von heute beobachtet ihren Körper, hört auf seine Signale, lernt ihren Zyklus kennen und verhütet mit der symptothermalen Methode. Maggie, die Autorin dieses Artikels, hat Ihnen schon 2016 in diesem Webmagazin diese Methode erklärt.

Inzwischen nimmt die moderne Frau auch die Technik zu Hilfe, indem sie sich mit Zyklusapps bei der sicheren Verhütung unterstützen lässt. Und nicht nur das, diese Zyklusapps können einer Frau, die mit ihrem Zyklus vertraut ist und die schwanger werden möchte, ganz leicht den Weg zum Reproduktionsmediziner ersparen. Vertrauen Sie auf sich und lernen Sie das Auf und Ab Ihrer eigenen Hormone kennen.

Und welche Erfahrungen haben Sie mit der Verhütung gemacht? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar!

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