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Sicher verhüten ohne Pille, Spirale und Co

Von | 19. April 2016 – 22:58 10.536 AufrufeDrucken

Die symptothermale Methode ist eine sichere Verhütungsmethode, wenn Sie einige Regeln beachten. Sie lernen Ihren Körper kennen. Bei Kinderwunsch können Sie vom ersten Monat an Ihre Schwangerschaftschancen verbessern.

moderne Verhütung

Moderne Verhütung

Viele Frauen sind momentan auf der Suche nach einer Alternative zu ihrer Antibabypille. Kein Wunder, steht sie doch im Verdacht, schwerwiegende Krankheiten zu verursachen. Leider wissen die wenigsten Frauen, dass es eine uralte, natürliche Methode gibt, die in Sachen Sicherheit locker mit der Pille mithalten kann.

Dabei handelt es sich um die sogenannte Symptothermale Methode, die eine Kombination aus Temperatur- und Zervixschleimbeobachtung ist. Wer jetzt sofort aufhören will zu lesen, weil das viel zu kompliziert, unsicher und aufwändig klingt, den kann ich beruhigen: Natürliche Verhütung ist längst im 21. Jahrhundert angekommen und kann dank vieler technischer Hilfsmittel ganz einfach und zuverlässig praktiziert sowie problemlos in den Alltag integriert werden.

In einem früheren Artikel hatte Ihnen die Frauenärztin Dr. Dorothea Struck bereits geraten, sich mal nach Alternativen zu Pille und Spirale umzuschauen. Denn die „Fremdsteuerung“ durch die Pille, wie es die Frauenärztin Dr. Anja Engelsing 2013 bezeichnete, und die Pillen-Nebenwirkungen werden vielen Frauen immer bewusster. Ich möchte Ihnen deshalb heute meine eigenen Erfahrungen schildern und Ihnen Mut machen, Ihren Zyklus und Ihre Weiblichkeit kennen zu lernen.

Sicherheit dieser Verhütung

Die Symptothermale Methode wurde hochwissenschaftlich entwickelt und ist zu 99,7 Prozent sicher. Oder anders ausgedrückt: Es werden nur 3 von 1000 Frauen, die diese Methode ein Jahr lang anwenden, schwanger. Der Pearl-Index beträgt also 0,3 und liegt damit im ähnlichen Bereich wie bei der Pille (0,1 bis 0,9).

Worauf natürliche Verhütung beruht

Natürliche Verhütung beruht dabei auf folgendem Fakt: Die Eizelle ist pro Zyklus nur zirka 12 bis 18 Stunden befruchtungsfähig. Hinzu kommen maximal 5 Tage, die Spermien unter optimalen Voraussetzungen im weiblichen Körper überleben können. Daraus ergeben sich also 6 fruchtbare Tage pro Zyklus, an denen verhütet oder auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden muss. An allen anderen Tagen ist eine Befruchtung ohnehin ausgeschlossen.

Grundlage der natürlichen Verhütung

  • Der Zervixschleim ist ein Sekret, das von Drüsen im Gebärmutterhals gebildet wird. Im Laufe des Zyklus verändert er seine Konsistenz und ist ein besonders wichtiges Anzeichen für unsere Fruchtbarkeit.
  • Gleiches gilt für die Temperatur: nach dem Eisprung steigt diese nämlich um 0,2 bis 0,5 Grad an und bleibt dann bis zur nächsten Periode in dieser Hochlage, in der eine Befruchtung nicht mehr möglich ist.
  • Auch für den Zyklusanfang gibt es festgelegte Regeln, nach denen die Fruchtbarkeit bestimmt werden kann.
  • Alternativ zur Zervixschleimbeobachtung kann auch der Muttermund beobachtet werden. Die symptothermale Methode ist dabei genauso sicher mit der Kombination aus Temperatur + Muttermund wie mit der Kombination aus Temperatur + Zervixschleim. Die Beobachtung des Muttermundes ist vor allem dann sinnvoll, wenn eine Frau zu wenig Zervixschleim hat oder ihr dessen Beobachtung und Beurteilung (nach einer anfänglichen Übungsphase) sehr schwer fällt.

Unterstützung durch Zykluscomputer und Verhütungsapps

Verhütung mit Computer

Verhütung mit Computer und App

Mithilfe der Temperatur- und Zervixschleimbeobachtung können diese 6 Tage jeden Monat zuverlässig aufs Neue bestimmt werden. Dafür benötigt Frau noch nicht mal einen regelmäßigen Zyklus. Genauso wenig muss sie schwitzend über ihrer Temperaturkurve brüten, sondern kann die Auswertung einem kleinen Verhütungscomputer oder einer geeigneten App überlassen, wenn sie möchte. Diese Hilfsmittel erfassen dann den Anstieg unserer Körpertemperatur, der auf einen Eisprung hindeutet. Zudem zeichnen sie die unterschiedlichen Konsistenzen des Zervixschleims auf und bestimmen den sogenannten Schleimhöhepunkt.

Lernen, sich und seinem Körper zu vertrauen

Aus eigener Erfahrung aber weiß ich, dass es sehr viel Mut erfordert, natürlich zu verhüten, obwohl die Methode so gut erforscht und zudem hochsicher ist. Denn anstatt sich wie gewohnt auf künstliche Hormone oder einen kupferhaltigen Fremdkörper zu verlassen, müssen wir nun voll und ganz auf unseren Körper und die Zeichen, die er uns sendet, hören und vertrauen. Das ist anfangs erst mal ungewohnt und verunsichert viele Frauen.

Sprung ins kalte Wasser

Sprung ins kalte Wasser

Mir persönlich hat damals ein Verhütungscomputer sehr geholfen, ohne ihn hätte ich den Sprung ins kalte Wasser wohl nicht gewagt. Einige Frauen verwenden lieber eine App, wiederum andere werten gerne manuell aus. Natürliche Verhütung kann auf viele verschiedene Arten praktiziert werden, es gibt kein richtig und kein falsch. Von dem Computer Persona oder dem Verwenden einer reinen Zyklusapp wie Clue rate ich jedoch dringend ab.

Nach und nach habe ich übrigens gemerkt, wie wunderbar Mutter Natur die Sache mit der Fruchtbarkeit eingerichtet hat, und wie eindeutig sie uns diese demonstriert. Nach nur wenigen praktizierten Monaten habe ich mich daher gefragt, wie ich jemals anders verhütet haben konnte, wo es doch eine so einfache, hormon- und nebenwirkungsfreie Lösung gibt.

Natürliche Verhütung erfordert Aufmerksamkeit

Dabei ist die symptothermale Methode sicherlich nicht für jede Frau geeignet. Denn sie erfordert ein Mindestmaß an Disziplin, was schon beim gewissenhaften Erlernen der Regeln und Begriffe beginnt. Darüber hinaus muss Frau bereit sein, ihre Körpersymptome zunächst täglich, später dann zumindest an den potenziell fruchtbaren Tagen zu beobachten und aufzuzeichnen. Bei mir handelt es sich dabei um 10 bis 12 Tage im Monat, also einen durchaus überschaubaren Zeitraum.

Störfaktoren müssen berücksichtigt werden

Auch müssen sogenannte Störfaktoren beachtet werden: Einige äußere Einflüsse, wie beispielsweise Krankheit, zu viel Alkohol oder bestimmte Medikamente, können unsere Körpertemperatur ansteigen lassen. Damit dieser Anstieg nicht mit demjenigen nach dem Eisprung verwechselt wird, müssen „gestörte“ Temperaturwerte ausgeklammert und nicht mit in die Auswertung einbezogen werden.

Welche Verhütung an den fruchtbaren Tagen?

Verhütungsmethoden

Verhütungsmethoden

Zu guter Letzt müssen Paare entscheiden, wie sie mit den fruchtbaren Tagen im Monat verfahren wollen: auf Geschlechtsverkehr verzichten, oder eine Barrieremethode wie Kondom oder Diaphragma verwenden?

Sollte eine Barrieremethode gewählt werden, gilt natürlich der jeweilige Pearl-Index des Verhütungsmittels und nicht mehr der der symptothermalen Methode.

Auf jeden Fall lohnt es sich, sich auch mit den Barrieremethoden gründlich zu beschäftigen, ehe sie nur im Notfall zum Einsatz kommen. Außerdem sind sie immer dann wichtig, wenn Sie einen neuen Partner haben und sich einigermaßen sicher vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen wollen.

Für wen sich die symptothermale Methode eventuell weniger eignet

Die symptothermale Methode eignet sich eventuell nicht für Frauen, die im Schichtdienst arbeiten. Hier muss zunächst ausprobiert werden, ob sich die Temperatur aufgrund der unterschiedlichen Schlaf- und Aufwachzeiten auswerten lässt oder nicht.

Gleiches gilt für Frauen, die nachts häufig aufstehen, weil sie sich zum Beispiel um ihr Baby kümmern müssen. Es kann nicht pauschalisiert werden, ob die symptothermale Methode in solchen Fällen funktioniert oder nicht, da der Körper jeder Frau anders auf diese besonderen Umstände reagiert.

Sollte es sich hingegen um einen einmaligen Ausnahmefall im Zyklus handeln, also zum Beispiel eine schlaflose Nacht, wird der Temperaturwert am nächsten Morgen einfach ausgeklammert (oder die Messung entfällt komplett).

Natürliche Verhütung = wertvolles Zykluswissen

Natürliche Verhütung hat mein Leben auf eine Weise verändert, wie ich es mir nie hätte vorstellen können! Ich habe mich intensiv mit mir und meinem Zyklus beschäftigt und unheimlich viel dazu gelernt. Ich weiß nun bestens Bescheid über die Vorgänge in meinem Körper und kann eigenständig die fruchtbaren von den unfruchtbaren Tagen unterscheiden. Das hat auch meinem Selbstbewusstsein einen ordentlichen Boost gegeben!

Blitzschnelle Erfüllung meines Kinderwunsches

Empfängnis

Empfängnis

Darüber hinaus hat mein umfangreiches Zykluswissen mir nun auch zur blitzschnellen Erfüllung meines Kinderwunsches verholfen: Ich bin dank symptothermaler Methode direkt im ersten Zyklus schwanger geworden. Dafür habe ich die Methode einfach nur „umgekehrt“. Dass es so schnell und unkompliziert funktioniert, hätte ich überhaupt nicht erwartet.

Doch meine prompte Schwangerschaft hat auch allen Skeptikern bewiesen: natürliche Verhütung funktioniert einwandfrei, trägt zu einem verbesserten Körpergefühl und wertvollem Zykluswissen bei und kann bei Bedarf einem gesunden Paar zur schnellen Erfüllung seines Kinderwunsches verhelfen.

Über die Autorin

Ueber michHi, ich bin Maggie und verhüte seit über 3 Jahren auf natürliche Weise. Darüber schreibe ich in meinem Blog www.wearetheladies.de. Vorher habe ich als freie Journalistin gearbeitet, was mich aber nie zu 100 Prozent erfüllt hat. Nun begleite ich Frauen auf ihrem Weg in ein hormonfreies Leben. Ich möchte natürliche Verhütung aus ihrer altmodischen, verstaubten Schublade holen und zeigen, wie einfach, sicher und cool sie ist. Endlich eine sinnvolle, befriedigende Aufgabe!

Ein Teil der Fotos wurde von Pixabay und Unsplash kostenfrei heruntergeladen, ein Teil stammt aus Privatbesitz.

Haben Sie Erfahrungen mit der symptothermalen Methode? Dann schreiben Sie doch darüber in einem Kommentar!

 

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