Kerzenlicht

Adventszeit: früh wird es dunkel, Kerzenschein taucht das Zimmer in ein gemütliches Licht. Adventlicher Duft von Vanille, Zimt, Kakao und Koriander steigt in die Nase. Doch bevor das Wasser im Munde zusammenlaufen kann, ruft der Verstand: „Stopp“! Kohlenhydrate machen dick und sollen sogar Krebszellen mästen, oder nicht?! Ich befragte meine ganzheitsmedizinische Kollegin, Hobbyköchin und Autorin des erfolgreichen Koch- und Gesundheitsbuches „Tomatenrot und Drachengrün“, Dr. med. Susanne Bihlmaier, die eine Knusperpraline entworfen hat.

Böse Kohlenhydrate und gute Kohlenhydrate

Eine ganzheitlich-onkologisch engagierte Ärztin, die eine Praline entwirft – wie passt das zu den aktuellen Warnungen vor Kohlenhydraten und den Empfehlungen zu mehr Eiweiß?

„Böse Kohlenhydrate, gutes Eiweiß“ – das war eine Vereinfachung u. a. aus den Forschungsergebnissen zur Transketolase. Dies ist ein Enzym, welches Industrie-Zucker, also ein „einfaches“ Kohlenhydrat, in den Krebszellen verstoffwechselt. Aus dieser Beobachtung entstand die Vermutung, dass ein Weglassen von Kohlenhydraten und ein Bevorzugen von Eiweißen (und Fetten) die Krebszellen hungern ließe.

Diese These erscheint nachvollziehbar, oder nicht?

Mit dieser Empfehlung wird „das Kind mit dem Bade ausgeschüttet“. Ja, es stimmt, besonders schnell wachsende Krebszellen freuen sich tatsächlich über das „schnelle Futter“ geschälten Weißmehls und raffinierten Zuckers. Was viele Menschen nicht wissen: Krebszellen verabscheuen vollwertige Kohlenhydrate.

Wieso macht es für Krebszellen einen Unterschied, ob Kohlenhydrate „einfach“ oder „komplex“ sind, und was genau heißt das praktisch?

Einfachen Kohlenhydraten, wie Weißmehl und Zucker, fehlen durch die industrielle „Veredelung“ die gesundheitsaktiven, ballaststoffhaltigen Randschichten. Deswegen strömen einfache Kohlenhydrate krankmachend schnell ins Blut und in die (Krebs-)Zellen und lassen den Blutzuckerspiegel emporschießen. Beispiele sind Weißmehlbrötchen, weichgekochte helle Nudeln, geschälter weißer Reis, geschälte gelbe und rote Linsen und alle industriellen Zuckerarten.

„Komplexe“ Kohlenhydrate versorgen uns mit antikrebs-aktiven Ballaststoffen aus ihren naturbelassenen Randschichten. Bis diese komplexen Kohlenhydrate verstoffwechselt werden, dauert es viel länger, weswegen Krebszellen darben. Zudem machen vollwertige Kohlenhydrate früher satt, halten länger satt und die Insulin- und Blutzuckerspiegel bleiben ausbalanciert.

Langer Rede kurzer Sinn: Vollwert hält den Menschen schlank, nährt das Immunsystem und lässt Krebszellen darben.

Beispiele sind Vollkornbrot, Pasta al dente, Vollkornnudeln, Vollwertreis, bissfest gegartes Gemüse, dunkle Linsen und Bohnen.

Oh, je, dann lieber keine Adventsbäckerei?

Bihlmaier und Schell

Doch, unbedingt – zum Advent gehören Kekse wie die Kerzen.

Ich „gesundtrickse“ meine Adventsbäckerei, indem ich 1050-er Dinkelmehl verwende, das liegt genau zwischen „weiß“ und vollkornig.

Zusätzlich nehme ich Rohrohrzucker statt Industriezucker und kann dank dessen Malzaroma gut 1/3 der Zuckermenge einsparen.

Jetzt noch1/4 – 1/3 mehr Adventsgewürz und niemand „wittert“ den Vollkornanteil.

Und dann gilt, wie fast immer im Leben: die Menge macht’s.

2 Friedenspfeifen im Jahr machen keinen Lungenkrebs, einmal (Sonntagsbraten-)Fleisch pro Woche macht keinen Dickdarmkrebs und 2 Kekse zum Adventskakao (siehe Rezept) keinen Brustkrebs.

Ketogene, eiweißbetonte Diät

Mit diesen Schlemmertricks für den Advent wird’s einem gleich warm ums Herz. Und was ist dann mit der sogenannten Ketogenen Diät, die eine Eiweiß-betonte Kost empfiehlt?

Es hat mich überrascht, dass die „Ketogene Diät“ ursprünglich aus der Epilepsie-Behandlung kommt. Später erst entdeckte man, dass auch schnell wachsende Tumorarten Weißmehl- und Einfachzucker-Kohlenhydrate verschlingen. Langsamer wachsende Krebsarten wie Brustkrebs (und Prostatakrebs) hingegen profitierten leider kaum von einer „Ketogenen Diät“.

Zudem mehren sich Forschungsergebnisse, wonach sich Krebszellen sehr wohl auch von Eiweiß ernähren. Noch erstaunter bin ich, dass sich entsprechende Ketogen-Kochbücher für Krebskranke auf eine Studie berufen, die bei objektiver Betrachtung als Fehlschlag bewertet werden müsste.

Die „Ketogene Diät“ beruht auf einer erfolglosen Studie? Wie das?

Nun, über 30% der Studienteilnehmer haben die Studie abgebrochen! Und bei 40% der Teilnehmer konnte man die Blutwerte nicht auswerten, obwohl doch gerade die Blutzucker-Langzeitwerte und die Blutfette entscheidend wären. Ebenso irritiert, dass bei den auswertbaren Blutproben die Blutfettwerte um mehr als die Hälfte anstiegen! Hohe Blutfette aber verursachen Herzinfarkt, Schlaganfall. Zudem klagten die Menschen mit der ketogenen, eiweißbetonten Diät über Verstopfung, Energiemangel, Übelkeit – diese Symptome beobachtet man typischerweise bei einer Ballaststoff-armen Eiweißkost.

Vorteile der Pflanzenkost

Wie sieht es denn global aus, gibt es objektiv überprüfte Empfehlungen von unabhängigen, anerkannten Forschern?

Tomatenrot und Drachengrün

Ja, die gibt es. „Essen Sie überwiegend Pflanzenkost“, fasst der World Cancer Research Fund zusammen.

Die international renommierte Harvard Medical SchooI zeigt in einer Analyse mehrerer Studien (Meta-Analyse), dass Frauen, die mehr von dem sekundären Pflanzenstoff Carotin im Blut hatten, seltener Brustkrebs bekamen. Meinen Patientinnen und in Vorträgen erkläre ich schmunzelnd: „Busen mögen Hasenfutter“ wie Karotten.

In Europa haben wir die riesige EPIC Studie, die 10 Jahre lang in europäischen Ländern über 500.000 Menschen untersuchte. Im Potsdamer Anteil mit 15.351 Frauen zeigten sich doppelt(!) so viele Brustkrebserkrankungen bei denjenigen Frauen, die mehr tierische Fette, wie in Wurst, Fleisch und Käse, zu sich nahmen.

Der „Blaue Ratgeber Ernährung bei Krebs“ der Deutschen Krebshilfe empfiehlt auch überwiegend Pflanzenkost und maximal 300 g Fleisch pro Woche, ähnlich die gemeinnützige Gesellschaft für biologische Krebsabwehr.

Zusätzlich wird erstaunlicherweise meist übersehen, was eigentlich längst bekannt und wissenschaftlich belegt ist: Nur tierische Eiweißlieferanten (wie Käse, Fleisch, Wurst) stressen unsere Säure-Basen-Balance durch Übersäuerung, fördern (Rheuma-)Entzündungen durch die Arachidonsäure und bescheren uns Nahrungs-Cholesterin – pflanzliche Eiweißträger dagegen nicht! Im Gegenteil, nur Pflanzenkost, wie Linsen, Bohnen, Tofu, aber auch Vollkorngetreide, versorgt antikrebs-aktiv zusätzlich mit Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen.

Drachensplitter, die gesunde Köstlichkeit

Diese weltweit zusammengetragenen Fakten regen zum Nachdenken an. Wie sieht es nun aber aus mit Süßigkeiten? Dürfen meine Leserinnen erfahren, was es mit dieser Knusperpraline auf sich hat?

Gesunde Zutaten für Drachensplitter

Ich war so glücklich über den Erfolg von „Tomatenrot und Drachengrün“, dass ich für die 2. Auflage noch deutlicher „schmecken“ lassen wollte, wie lecker Gesundes sein kann. Chocolatier Schell, mein Interviewpartner fürs Kakao-Kapitel, ließ sich sofort begeistern, und wir kreierten eine knusprige Köstlichkeit für bewussten Genuss.

Drachensplitter

Die „Drachensplitter“ bestehen fast komplett aus nachweislich gesundheitsförderlichen Zutaten wie z. B.

  • die Blutzucker-freundlichere dunkle Schokolade mit dem hohen Gehalt an antikrebsaktiven Polyphenolen,
  • Kalzium-haltigem Sesam für die Knochen und gegen Osteoporose,
  • Mandeln für die Frau,
  • Kürbiskerne für den Mann,
  • Carotinoid-reiche Gojibeeren und
  • Gewürze wie z. B. Ingwer und Chili.

Und das Tolle daran: mit diesen Knusperpralinen verwöhnt frau nicht nur den eigenen Gaumen und die Immunzellen, sondern vom Erlös wird die Kinderonkologie der Nachsorgeklinik Tannheim unterstützt. Und diese Unterstützung ist den krebskranken Kindern sicher, so viele, wie ich für meine Vorträge zum Verkosten und für mich selbst schon kaufe!

In diesem Sinne:

Besinnliche, gesunde und genussvolle Adventszeit!

Rezept aus „Tomatenrot + Drachengrün“

Echte heiße Schokolade

200 ml „Pflanzenmilch“ (Soja- oder Haferdrink) heiß machen,

da hinein 1 Rippchen klein geschnittene dunkle Schokolade, schmelzen lassen (20-30 g),

¼ TL Bourbonvanillezucker,

¼ TL Hildegard Keksgewürz,

mit Milchschäumer aufschäumen und genießen.

Über die Autorin

Dr. Susanne Bihlmaier ist examinierte Kinderkrankenschwester. Sie hat sich schon ab dem 2. Semester ihres universitären Medizinstudiums parallel (und privat) in Naturheilverfahren weitergebildet. Mit ihrer Doktorarbeit erarbeitete sie sich einen Wissenschaftspreis für ihren Brückenschlag zwischen Universität und Akupunktur. Sie ist gern gesehene Dozentin an Universitäten, Volkshochschulen und Selbsthilfegruppen. In ihrer Praxis hat sie sich spezialisiert auf Traditionelle Chinesische und Traditionelle Europäische Medizin. Wer einen ihrer lebendigen und kurzweiligen Vorträge miterleben möchte, findet eine Übersicht auf Ihrer Homepage.

Dr. med. Susanne Bihlmaier
Ärztin für Naturheilverfahren und Chinesische Medizin
Hobbyköchin und Buchautorin
Neue Straße 16,
72070 Tübingen
www.bihlmaier-tcm.de

Drucken