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Burnout bei Frauen, ist das paradox?

Von | 12. September 2017 – 22:01 1.708 AufrufeDrucken

Burnout ist schlimmer als Erschöpfung. Rückkehr in den weiblichen Rhythmus, Rituale zur Selbstschätzung und schöpferischer Selbstausdruck führen auf den Heilungsweg.

Kurz vor Burnout © bevisphoto-fotolia

Meine Antwort ist ein klares JA! Ja, es ist paradox, wenn Frauen ins Burnout driften. Damit habe ich eigentlich schon alles gesagt, denn das ist nicht etwa eine Meinung, sondern reine Erfahrung in der Praxis. Was muss geschehen, dass die weibliche Kraft durch Überarbeitung ans Todestor gelangt? Burnout, also ausgebrannt sein, ist etwas anderes als erschöpft sein. Den Unterschied habe ich als Nachkriegskind sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen, denn:

Meine Großmutter gebar 12 Kinder, überlebte 2 Kriege, erlebte eine Scheidung, den Tod von 8 Kindern, adoptierte 4 Kinder und arbeitete bis zum letzten Tag ihrer 90 Jahre ein volles Pensum in Haushalt, Hof, Garten. Sie wurde immer wieder von Zahnärzten für Medizinstudenten einbestellt, nicht etwa wegen Zahnproblemen, sondern wegen der Tatsache, dass sie bis 90 alle Zähne hatte und keinen plombierten Zahn. Sie starb gesund. Wie konnte das sein bei der Belastung?

alte Frau © xalanx-fotolia

Solche Lebensverläufe habe ich hundertfach erlebt und frage, wer das heute aushalten würde, was unsere Eltern und Großeltern physisch und psychisch geleistet haben. Müdigkeit und Erschöpfung, ja, das gab es, aber kein Ausgebranntsein. Warum?

Wie oft sagte meine Großmutter: „Müdesein ist gesund, kaputt sein ist dumm. Dann hast du kein Lebensziel, wofür sich die Arbeit lohnt.“ Da spricht jemand aus einer Generation, die mit Selbstverwirklichung ihrer Gaben, Talente, Qualitäten und Fähigkeiten in unserem Sinne gar nichts am Hut hatte.

Also fragte ich wieder und wieder: „Wozu hat sich die ganze Plackerei in deinem Leben denn gelohnt?“ Oma schaute mich dann ebenso oft erstaunt an und sagte, auf ihr Herz weisend: „Hier drinnen gibt es einen festen Glauben, dass alles einen Sinn hat, dass ich neben meiner Arbeit meine Mandoline spielen konnte, dass ich dir und den anderen Enkeln was Schönes mit auf den Weg geben kann, auf das Unscheinbare zu achten und seine Arbeit zu schätzen.“

Lange brauchte ich, die Weisheit dieser Frau zu verstehen. Und als ich viele Seniorinnen therapierte, dann die Karrierefrauen mittleren Alters wegen Burnout behandelte, gingen mir viele Lichter auf, was in der jetzigen Generation verloren gegangen ist: Die Selbstliebe im Sinne von sich selbst annehmen, seine Erfahrung und Gaben ehren.

So richte ich denn auch den Fokus nicht zuerst auf Arzneien – Pillenschlucken kann jeder, gesundwerden nicht. Ich appelliere an die Herzensintelligenz, indem kleine Rituale das Denken, Fühlen und Handeln ändern und auf diese Weise an die Stelle der krankmachenden Rituale treten.

Burnout-Vorsorge: Das sind die zentralen Übungen

  • Morgens nach dem Aufwachen den ersten klaren Gedanken noch vor Verlassen des Bettes fassen: Ich tue heute mein Bestes und stelle es in den Dienst einer höheren Instanz.
  • Abends vor dem Einschlafen leise aussprechen: Ich schaue wohlgefällig auf meine Werke und ehre meine Erfahrung.

Das bewirkt schon eine Menge. Denn wenn die Burnout-Patientin nicht beginnt, ihr Bewusstsein statt nach außen, nun nach innen zu lenken, kann es weder zu einer Erkenntnis, noch zu einer Heilung kommen.

Warum das Burnout-Syndrom in meinen Augen bei Frauen paradox ist

Dazu muss ich etwas ausholen und klarstellen, dass wir auch in ultramodernen Jet-Set-Zeiten ein Stammhirn haben. Demzufolge gibt es einfache Naturgesetze. Die können wir modern leben, aber nicht auf dem Grünstreifen links überholen oder ignorieren. Wenn wir es tun, rufen wir die zahllosen Krankheiten unserer Zeit.

Heilung bedeutet deshalb auch, als moderner Mensch Naturgesetze zu akzeptieren und in das Alltagsleben zu integrieren.

Das weibliche Prinzip in der Natur ist rhythmisch, daher auch mehr vom Mond bestimmt. Ferner ist es vermehrend, kreativ und nährend. Der Mann zeugt das Kind, die Frau trägt es aus, gebärt es, gibt dem Kind erste Wegzehrung durch die Muttermilch, ist die erste Heilerin, da sie das Kind berührt, wiegt und tröstet.

Es ist kein Zufall, dass bei allen Völkern, mit Ausnahme der Inder und Tibeter, mehr Frauen als Männer existieren. Die weibliche Kraft ist Überlebenskraft und sehr erfinderisch, wie sie aus fast nichts etwas zaubern kann, um zu überleben. Das habe ich sowohl bei Hochkulturen als auch bei Stammeskulturen erlebt.

Das Frauendefizit bei den Indern resultiert aus der Tatsache, dass durch das Kastensystem Mädchen immer noch nach der Geburt getötet werden. Indien hat die Atombombe, aber seit dem 15. Jh. seine alte wertvolle Kultur degenerieren lassen, sodass das Elend an der Tagesordnung ist. In Tibet gibt es einen völlig anderen Grund des Frauendefizits: Dort besteht die Polyandrie, das heißt, eine Frau kann mehrere Männer haben. Diese Strategie wurde sinnvollerwiese eingeführt, damit es keinen Hunger durch Überbevölkerung gibt.

Dr. Torako Yui und Dr. Rosina Sonnenschmidt

Aber ansonsten ist die Frau als Überlebenskünstlerin in der Lage, wesentlich härter als Männer physisch zu arbeiten. Sie ist psychisch stärker, um Katastrophen und ihre Folgen zu meistern. Was das bedeutet, konnte ich in Japan erleben, wie Homöopathinnen 2011 dafür sorgten, dass die Angestellten in dem defekten Atomkraftwerk in Fukushima nicht mehr auf Bleiplatten schlafen mussten und dank der regelmäßigen Globuliversorgung keine Leukämie und Krebserkrankungen bekamen. Davon haben wir im Westen nichts gehört.

Doch darf ich an dieser Stelle sagen, dass die Initiatorin, Dr. Torako Yui mit 50 Ärzten und Therapeuten aus Japan zu unserem Symposium (21. Und 22.10.2017) anreist und über die Leistung der Frauen in der Naturheilkunde, im Biolandbau und in der Homöopathie berichtet. Das sollte man sich nicht entgehen lassen! Die Broschüre zum Symposium können Sie sich hier als pdf herunterladen.

Burnout ist mehr als ein chronisches Erschöpfungssyndrom

Erschöpfung geht dem Burnout voraus und mündet in einen total desolaten Zustand, der dem Tode näher ist als dem Leben.

Wenn Frauen in diesen Endzustand gelangen, müssen sie ihre angeborenen Fähigkeiten verloren haben, wie

  • Lebensrhythmus,
  • Menstruation,
  • sich gut zu nähren,
  • kreative Lösungen bei Herausforderungen finden.
  • In der Tat verliert die Frau im Burnout ihre weiblichen Fähigkeiten, das Leben zu meistern und
  • eifert dem männlichen Prinzip nach, ja, vermännlicht mehr und mehr.

Natürlich kann eine Frau Maschinenbau studieren, auf dem Bau arbeiten, eine Firma leiten und 12 Stunden in der Fabrik stehen. Die Frage ist, WIE sie diese Arbeit verrichtet, mit welchem Bewusstsein? Weil sie besser sein will als ein Mann? Sucht sie in der Berufskarriere ihren Lebenssinn?

1. Botschaft: Rückkehr in den weiblichen Rhythmus

Nichtstun

Wenn ich Karrierefrauen therapiere, lautet die Botschaft nicht, weniger zu arbeiten oder die Arbeit zu wechseln, sondern: „Wenn Sie gerne so viel arbeiten, ist das in Ihrer Ordnung. Was Sie benötigen, ist einen tieferen Sinn darin zu spüren, einen Halt zu finden und rhythmisch zu bleiben.“ Eine Frau ohne rhythmischen Wechsel zwischen Aktivität und Pause leidet um ein Vielfaches mehr als der Mann. Auch die Frau in den Wechseljahren sowie die ältere Frau müssen rhythmisch bleiben, die „Menseshütte“ einmal pro Monat aufsuchen, um mal unerreichbar zu sein, um mal nichts zu tun.

Aus eigener Erfahrung als 70jährige kann ich sagen: Nichts zu tun ist nicht leicht, aber enorm vitalisierend. Meine Burnout-Patientinnen würden aber lieber 50 Kapseln und Pillen am Tag schlucken, als 2 Tage im Monat ohne Handy, Tablet, I-pod und I-phone, Computer usw. zu sein. Aber es führt bei mir kein Weg daran vorbei. Die Frauen, die den Heilungsweg gehen, spüren sehr schnell, dass nicht so sehr die Arzneien an erster Stelle stehen – die sind sicher auch nötig – sondern ihre Rückkehr in den weiblichen Rhythmus.

2. Botschaft: sich selber nähren

Wenn also die Menseshütte (Sinnbild aus den Stammeskulturen, wo die Frau 2 Tage in eine Hütte geht außerhalb des Dorfes zwecks Menstruation) wieder ernst genommen wird, ist der nächste Schritt dran: Sich selbst gut nähren. Frauen mit Burnout-Syndrom sind ganz auf das Du und Wir programmiert, nicht auf sich selbst. Sie geraten im wörtlichen Sinne „außer sich“ und spüren nicht mehr, wann das Maß voll ist. Sie opfern sich für andere Menschen auf – siehe Therapeutinnen, Krankenschwestern, Altenhelferinnen, Hospizbetreuerinnen usw., werden krank und stellen fest: Ich habe nie an mich gedacht.

Das ist typisch für meine Burnout-Behandlung

Zunächst lernen die Patientinnen auf ihr seelisch-geistiges Wohl zu achten, ihre Empathie zu ehren und 100 Gründe aufzuschreiben, warum sie gesundwerden wollen.

  • Damit geht einher, die besagten kleinen Rituale zur Selbst-Wertschätzung auszuführen.
  • Ernährung und homöopathische Arzneien, die die Ursache behandeln, sind ebenfalls gefragt.
  • Auch der schöpferische Selbstausdruck ist obligat. Ob Malen, Tanzen, Kalligrafieren, Musizieren, Schreiben oder Gartengestaltung, die Frau sollte etwas schöpferisch nach außen bringen, was innen ist. Ich nenne es Seelennahrung, die zutiefst sinnvoll, aber nutzlos ist, also keinen materiellen Nutzen hat.
  • Darüber hinaus habe ich etwas buchstäblich „ins Spiel“ gebracht, das sich als Revitalisierung der weiblichen Kraft über Jahre bewährt hat. Burnout-Patientinnen haben ein negatives Selbstbild, fühlen sich zu alt, zu dünn, zu dick, zu… Nichts ist gut genug, da sie von Leistungsdenken geprägt sind. Deshalb arbeite ich mit ihnen tänzerisch, indem ich sie anonymisiere. Sie tanzen im Tanzsack und Isis-Wings und tragen eine Maske.

Unfassbar, wie rhythmisch, elegant und harmonisch sie sich in diesen Utensilien bewegen, während sie außerhalb derselben über zig Beschwerden in Muskeln, Gelenken und Gemüt klagen. So komisch es klingt: Ich freue mich, wenn die Damen klagen, was sie alles nicht mehr können, haben oder sind. Kaum sind sie im Tanzsack, hören Musik, sind die Glaubenssätze wie weggefegt.

Heilen darf einfach sein, aber alles Einfache ist nicht leicht.

Jede Frau ist kreativ, darum stehen die natürlichen Stärken der Frau für mich an erster Stelle, um das Todestor des Burnout zu verlassen und den Überlebenswillen durch kreative Rituale und „Hausaufgaben“ wieder anzufachen.

Keine Frage, dass die genannten Übungen auch eine sehr gute Prophylaxe für uns Frauen sind, um gar nicht erst in Richtung Burnout zu driften!

Über die Autorin

Die Heilpraktikerin Dr. phil. Rosina Sonnenschmidt wurde am 5.9.1947 in Köln geboren. Studium in Gesang, Promotion in Musikethnologie, Indologie, Ägyptologie. Sie war 20 Jahre Sängerin des Sephira-Ensembles mit vielen CDs und Filmen. Seit 1999 ist sie Heilpraktikerin, Guestlecturer in USA, Kanada, Österreich, England und Japan. Autorin vieler Fachbücher. Zusammen mit ihrem Mann, Harald Knauss, leitet sie seit 25 Jahren die Moderne Medial- und Heilerschulung.

Rosina Sonnenschmidt hat mit Humor und schier endloser Kreativität die Therapeutenszene belebt und viele Pionierarbeiten für die Tiermedizin, Homöopathie und Humortherapie geleistet. Sie bildet Heilpraktiker und Ärzte in Miasmatik (Ursachenbehandlung), Organ-Konflikt-Heilung aus und ist nebenbei noch künstlerisch aktiv. Sie liebt Leute mit Glaubenssätzen und deren Staunen, wenn die verborgenen Potenziale zum Vorschein kommen.

Kontakt

Dr. phil. Rosina Sonnenschmidt
Elisabethstr.1,
75180 Pforzheim
Tel 07231-2985440
e-mail: rosinamaria@t-online.de
www.rosina-sonnenschmidt.de

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