Die stumme, chronische Entzündung des Kiefers setzt Botenstoffe frei, die Entzündungen an anderer Stelle bis hin zu Brustkrebs fördern können.

Kieferentzündung © CLIPAREA.com - Fotolia.com

Fettig-degenerative Hohlraumbildungen im Kieferknochen (auch „Kieferostitis“ genannt) sind ein Phänomen, das von weiten Bereichen von Medizin und Zahnheilkunde bis heute nicht wahrgenommen und meist in seinen gesundheitlichen Auswirkungen nicht ernst genommen wird.

Der amerikanische Professor Dr. Bouquot hat für diese Kieferentzündung den Namen „NICO“ (Neuralgie Inducing Cavitational Osteonecrosis) eingeführt, weil sie manchmal unspezifische Gesichtsschmerzen, also eine Neuralgie, auslösen kann. Aber eine „Kieferostitis/NICO“ hat auch Auswirkungen auf das Immunsystem im Sinne einer stummen chronischen Entzündung.

In verschiedenen Artikeln dieses Webmagazins hat Frau Prof. Gerhard darauf aufmerksam gemacht, dass Umweltbelastungen und chronische Entzündungen das Immunsystem schwächen können. Im zahnmedizinischen Bereich wird dabei meist zuerst an unverträgliche oder giftige Zahnmaterialien, wie bspw. Amalgam, gedacht. Oder die chronische Zahnfleischentzündung, die Paradontitis. Oder der wurzelbehandelte Zahn. Alle diese Störungen und Erkrankungen lassen sich relativ leicht diagnostizieren. Ganz anders die NICO, die ich Ihnen deshalb genauer erklären möchte.

Aussehen von NICO

Sie ist eine Mangelversorgung im Kieferknochen, die zu einer fettigen Auflösung und Erweichung des Knochenmarks führt. Im fortgeschrittenen Stadium stellt sich „NICO“ als fettige Klumpen dar, die aus dem Inneren des Knochens leicht auszulöffeln sind.

NICO

Abb 1: „NICO“-Gewebeprobe mit fettiger Umwandlung des Kieferknochens.

Problem von NICO

Das Problem der meistens nicht spürbaren „NICO“-Prozesse des Kieferknochens ist ähnlich kleinen Wellen, die ständig sanft an die Küste schlagen: Es ist ein ausgesprochen niedriges Aktivitätsniveau, das über Jahre langsam aber stetig einwirkend den Strand wegspült. Deshalb ist wichtig zu wissen: „NICO“ ist ein vollständig stummes Geschehen, bleibt von Arzt und Patient gleichermaßen unerkannt und löst deshalb lange Leidenswege aus. „NICO“ ist kein akut-schmerzhaftes Geschehen, das in die bekannten Vorstellungen einer „Entzündung“ passt.

Krebsmilieu durch stumme Entzündung

Diese „stumme Entzündung im Kiefer“ verursacht möglichweise ein „Krebs-Milieu“: Forscher gehen davon aus, dass ein entzündliches Milieu den Prozess der Tumorentwicklung fördert. Wie stark, hängt von einem komplexen Gleichgewicht ab, das zwischen verschiedenen Botenstoffen der Entzündung im Tumor herrscht. Tatsächlich scheint es, als bestätige sich Virchows alte Hypothese, dass eine chronische Entzündung ein idealer Nährboden für Krebs sein kann.

Der Krebsforscher H. Dvorak von der Harvard Medical School schreibt: „Es geht um dieses immunologische Mikromilieu, diese Grundstimmung im Tumor. Wenn es uns gelingen würde, diese umzupolen, dann hätten wir vielleicht eine neue Therapie gegen Krebs. Ein Tumor „ist eine Wunde, die niemals heilt“ (SPIEGEL in Nr. 46 vom 8.11.2004). Eine „NICO“ ist ebenfalls eine „Wunde, die nicht von alleine heilt“.

Entzündungsfördernde Botenstoffe aus NICO

Um zu klären, ob „NICO“ entzündungsfördernde Botenstoffe aus ihren Fettzellen freisetzt, haben wir im Labor „NICO“-Gewebeproben von 23 Brustkrebs-Patientinnen auf ihren Gehalt an Entzündungs-Botenstoffen untersucht. Überraschenderweise zeigte das entzündungsfördernde Zytokin RANTES in allen untersuchten Proben extrem hohe Werte, im Vergleich mit gesundem Kieferknochen.

Abb 2: Auffällig erhöhte Werte von RANTES in „NICO“-Gewebeproben von 23 Brustkrebs-Patientinnen im Vergleich zu gesundem Kieferknochen (n=19)

Tumorfördernde Aktivität von RANTES

Zahlreiche Studien weisen auf eine bedeutende Rolle von RANTES in der Krebsentstehung hin. Forscher fanden, dass das Fortschreiten von Brustkrebs durch Botenstoffe wie RANTES beeinflusst werden kann. Die tumorfördernden Aktivitäten von RANTES können auch die Metastasenbildung fördern. Bei Brustkrebspatientinnen wurden höchste RANTES-Werte im Blut gefunden, wenn das Krebsstadium weit fortgeschritten war, und keine RANTES-Spiegel, wenn die Patientinnen eine klinische Remission hatten.

Diagnostik von NICO

Wie findet man die „NICO“-Areale? Bereits weiter oben haben wir festgestellt, dass das normale Zahn-Röntgenbild diese Veränderungen nicht zeigt; dreidimensionale Aufnahmen oder Computertomogramme lassen den Verdacht eher aufkommen. Die verlässlichste Methode ist allerdings eine unbelastende Messung der Knochendichte mit Transitions-Alveolar-Ultraschall (sogenannte TAU).

Therapie von NICO

Was ist zu tun? In einem kieferchirurgischen Eingriff unter lokaler Betäubung werden die „NICO“-Areale sorgfältig von den fettigen Anteilen befreit, die die Entzündungsbotenstoffe bilden. Wichtig ist eine naturheilkundlich strukturierte Nachbehandlung, damit der Körper die Kraft findet, an Stelle des kranken Knochens störungsfreien und gesunden Knochen zu bilden.

Fazit

Der ganzheitliche Ansatz lässt folgenden Schluss zu: Neben unverträglichen Zahnmaterialien können entgleiste Immunmuster – wie zum Beispiel RANTES in der „NICO“ – zu einer Belastung der körpereigenen Abwehr werden: Die Ausschaltung chronischer Entzündungsherde im Kiefer könnte einen neuen Weg zur Verhinderung und Vorbeugung von Krankheiten der weiblichen Brust zeigen.

Therapeuten können sich hier eine aktuelle Literaturauswahl zum Thema herunterladen.

Therapeutensuche

Über die Webseite der internationalen Gesellschaft für Ganzheitliche Zahnmedizin, GZM, deren Vorstand Dr. Lechner über viele Jahre war, können Sie Therapeuten in Ihrer Nähe finden.

http://www.gzm.org/

Über den Autor

Dr. med. dent. Johann Lechner ist seit 1980 in eigener Praxis als Zahnarzt in München niedergelassen. Er hat den Behandlungsschwerpunkt Ganzheitliche Zahnmedizin. Seit 2004 ist er als Heilpraktiker medizinischer Leiter des Zentrums für Integrative Störfelddiagnose, FocoDent.

Von 1979 bis 2013 publizierte er über 80 Artikel zur Ganzheitlichen Zahnmedizin in Fachzeitschriften. Bisher sind insgesamt 10 Bücher zum Thema Ganzheitliche Zahnmedizin und bioenergetische Systemdiagnose von Dr. J. Lechner erschienen (Bestellungen und Inhaltsangaben unter www.dr-lechner.de).

Kontakt

Dr. Johann Lechner
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