Sensiplan® ist die sicherste Methode zur natürlichen Familienplanung. Durch Kombination mit einer Barrieremethode, wie Kondom oder Diaphragma, während der fruchtbaren Zeit im Zyklus kann frau sich verantwortungsbewusst und ohne Nebenwirkungen vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen.

Übersicht verschiedener Verhütungsmethoden, Bildnachweis (c) Gräfe und Unzer Verlag_Jochen Arndt

Die Pille und andere hormonelle Verhütung, sowie auch die Hormonspirale sind aktuell sehr stark in der Kritik. Aber es reicht nicht, Nebenwirkungen hormoneller Verhütung anzuprangern und diese oft nützlichen Medikamente und letztendlich sehr sicheren Verhütungsmittel zu verdammen, es ist auch sehr wichtig darüber zu informieren, wie alternative Verhütung sicher gelingen kann.

Für mich, nicht nur als Anwenderin sondern auch als langjährig praktizierende Frauenärztin, ist gerade die Kombination aus einer sicheren und wissenschaftlich untermauerten Form der natürlichen Familienplanung, wie Sensiplan®, und weiblichen Barrieremethoden, wie dem Diaphragma, eine ideale Möglichkeit, Verhütung in die eigene Hand zu nehmen. Jede einzelne dieser Methoden ist in sich eine gute Verhütungsmethode. Sie erfordern eine gewisse Beschäftigung mit dem eigenen Körper und Wissen über die Abläufe im Zyklus. Bei vielen jungen Frauen besteht häufig eine starke Unsicherheit in Bezug auf Körpervorgänge. Gerade wenn bereits in sehr jungen Jahren mit der Pille begonnen wurde, haben die Frauen wenig Erfahrung mit einem natürlichen Zyklus, was den Einstieg in die symptothermale Verhütung schwierig gestalten kann.

Die große Verführung der Pille liegt in ihrer einfachen Anwendung. Regelmäßig eine kleine Tablette einnehmen, und die sehr sichere Verhütung ist gewährleistet. Simpel, wenn frau nicht zu den ganz vergesslichen Schusselchen gehört!

Eine Spirale, egal ob mit Kupfer oder eine Hormonspirale, ist noch einfacher, die Nutzerin braucht für mehrere Jahre über ihre Verhütung gar nicht mehr nachzudenken.

Natürliche Verhütung erfordert etwas mehr Einsatz, wenn sie sicher sein soll,
aber auch nicht so viel, das sich Frauen davon abschrecken lassen sollten.

Wenn nach dem Absetzen hormoneller Verhütung der Zyklus noch nicht ganz regelmäßig ist und Körper-Zeichen einfach gedeutet werden können, ist es gut, eine Back-up Methode zu haben, sowohl für die Misch-Anwendung als auch als Backup. Daher empfehle ich häufig die Kombination von Barrieremethoden und Sensiplan und habe damit bei meinen Patientinnen beste Erfahrungen gemacht.

Sichere natürliche Familienplanung = symptothermale Methode

Samenzellen des Mannes sind bis fünf Tage innerhalb der Gebärmutter und der Eileiter lebensfähig, eine Eizelle nach dem Eisprung für knapp einen Tag befruchtungsfähig d.h. eine Schwangerschaft kann nur durch Geschlechtsverkehr an sechs Tagen des weiblichen Zyklus auftreten. Nur, diese sechs Tage müssen mit einem ausreichenden Sicherheitszuschlag genau identifiziert werden, denn unser Körper keine Maschine, und ein Eisprung findet nicht immer am gleichen Zyklustag statt. Wir müssen rechtzeitig gewarnt werden, dass ein Eisprung naht, und wir müssen klar erkennen können, wann der Eisprung abgelaufen ist. Die Phase im Zyklus, in der keine Schwangerschaft mehr entstehen kann, ist immer die Phase nach dem Eisprung.

Bildnachweis (c) Gräfe und Unzer Verlag_Jochen Arndt

Symptothermale Verhütungsmethoden sind, wie der Name sagt, eine Kombination aus der Beobachtung von sicheren Körperzeichen, die anzeigen, dass ein Eisprung naht (Östrogenmarker), und der Messung der morgendlichen Basaltemperatur vor dem Aufstehen (Progesteronmarker). Anzeichen, dass der Östrogen-Spiegel bei herannahendem Eisprung steigt, sind der fruchtbare Muttermundsschleim, die Position, Form und Konsistenz des Muttermundes. Sie werden als Östrogenmarker verwendet um rechtzeitig vorgewarnt zu sein, dass ab jetzt eine Schwangerschaft eintreten kann.

Rechenregeln können unterstützend hinzugezogen werden,
dürfen aber nie als einzige Möglichkeit,
den nahenden Eisprung zu identifizieren,
verwendet werden.

Rechnen ist hier reine Statistik und erlaubt keine Aussagen über den aktuellen Zyklus. Das bedeutet, ein Tool oder eine Methode, die von sich behauptet, sichere natürliche Familienplanung zu sein, aber den Eisprung nur berechnet, kann niemals eine so hohe Verhütungssicherheit erreichen, wie eine Methode, die mindestens einen der Östrogenmarker des aktuellen Zyklus verwendet. Der einzig sichere Nachweis, dass der Eisprung abgelaufen ist, ist der Anstieg der morgens vor dem Aufstehen im Körperinneren gemessenen Temperatur, d.h. im Mund, After oder in der Scheide. Der Temperaturanstieg ist das Zeichen, dass der Gelbkörper sich gebildet hat und der Progesteronspiegel angestiegen ist.

Auch wenn viele Frauen in NFP-Foren gute Erfahrungen mit der
Messung der Temperatur in der Vagina über Nacht gemacht haben,
so ist dies wissenschaftlich nie überprüft worden
und sollte nicht am Anfang der NFP-Verhütung stehen!

Wo ist der Fehler?

Mit der Kritik an der Pille wird aktuell ein Wildwuchs an sogenannten „natürlichen“ Verhütungsmethoden und technischen Helfern angeboten, die häufig zu unerwarteten Schwangerschaften führen. Ganz wild wird es, wenn die Messung der Körpertemperatur über einen Sensor am Handgelenk oder dem Oberarm erfolgt oder Atem- und Pulsfrequenz zu einer angeblich sicheren Verhütung herangezogen werden sollen.

Solche Tools sind maximal bei unerfülltem Kinderwunsch anzuwenden, denn das Schlimmste was damit passieren kann, ist dass die Frau in diesem Zyklus nicht schwanger wird, wenn der Eisprung nicht korrekt erkannt wird. Mit Temperaturfühlern, die unsichere Meßorte verwenden, oder Apps, die den Eisprung lediglich berechnen (Kalendermethode), beobachten wir Frauenärzte in den letzten Jahren vermehrt ungeplante Schwangerschaften, die die jungen Frauen vielfach sehr hart treffen.

Die sicherste Methode der natürlichen Familienplanung ist Sensiplan®, die aus jahrzehntelanger Forschung der Universitäten Heidelberg und Düsseldorf und der Arbeitsgruppe NFP hervorgegangen ist. Leider gibt es zurzeit nur wenige Zyklusberaterinnen, die nach der Methode Sensiplan® ausgebildet sind. Bei diesen können Frauen, die diese Methode erlernen möchten, Unterstützung bekommen. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn der Zyklus unregelmäßig ist, oder bei hormonellen Problemen wie dem PCO Syndrom, oder wenn generell Schwierigkeiten bestehen, die Zykluskurven auszuwerten.

Besser auf der sicheren Seite sein

Bildnachweis (c) Gräfe und Unzer Verlag_Jochen Arndt

Mittlerweile gibt es auch einige sehr gute Apps[D1] , die auf der Methode Sensiplan® basieren, bzw. nach dem entsprechenden Regelwerk beurteilt werden. Aber auch damit gibt es Zyklen, in denen Frauen Schwierigkeiten haben können, die fruchtbare Zeit eindeutig zu identifizieren. Hier kommen Barrieremethoden als Ergänzung ins Spiel. Sensiplan® akzeptiert ohnehin die Anwendung von Barrieremethoden, wie Kondom oder Diaphragma, während der fruchtbaren Zeit im Zyklus. Dazu muss aber angemerkt werden, dass klassische symptothermale Verhütung, bei der die Paare während der fruchtbaren Zeit abstinent sind, in Sachen Empfängnisverhütung sicherer sind als die Kombination.

Bei der Misch-Anwendung kommen zwei bis dreimal so viel Schwangerschaften vor wie bei zeitlicher Abstinenz, die auf einen Pearl-Index von 0,6 bei konsequenter Anwendung des Regelwerks kommt. Wer also eine sehr hohe Sicherheit vor einer ungeplanten Schwangerschaft möchte, sollte in der fruchtbaren Zeit Diaphragma und Kondom kombinieren. Mir persönlich hat das Diaphragma alleine immer ausgereicht, außer in Phasen einer neuen Beziehung, wenn der Infektionsschutz noch Thema war.

Diaphragmen heute

Diaphragma und Co

Ein Diaphragma ist eine Barriere, die den Muttermund nicht 100 % gegen Spermien abdichtet. Da sie ihn in einer spermienhemmenden Creme badet und dafür sorgt, dass das Gel am Muttermund bleibt, erreichen die kleinen Schwimmer dennoch nicht den Muttermund. Das Diaphragma wird 2 Stunden bis 1 Sekunde vor dem Verkehr mit dem spermienhemmenden Gel gefüllt, dann über dem Muttermund platziert und 8-24 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr wieder entfernt. Selbstverständlich kann ein Diaphragma auch als alleinige Verhütungsmethode verwendet werden, wenn es konsequent bei jedem Geschlechtsverkehr benutzt wird.

Diaphragmen heute sind alle aus Silikon, Latexallergien gehören damit der Vergangenheit an. Sie können nach einer vaginalen Infektion mit kochendem Wasser übergossen werden. Da mittlerweile nur noch Diaphragmagele in den deutschen Apotheken erhältlich sind, die für die Mikrobiota der Scheide (Flora) gut verträglich sind, können sie auch bei einer Neigung zu Scheideninfektionen verwendet werden.

Kombiniere, Kombiniere… Watson, haben Sie den Eisprung gesehen?

Ei und Spermien von Thomas Breher auf Pixabay

Der Reiz liegt aber gerade in der Kombination, denn wenn der Eisprung sicher abgelaufen ist, kann das Diaphragma bis zum Beginn des nächsten Zyklus weggelassen werden. Sind die Zyklus-Aufzeichnungen nicht eindeutig oder die Messungen durch zu viele Nachtschichten, Reisen mit Zeitverschiebungen oder Zyklusstörungen schwer auszuwerten, kann es selbstverständlich durchgehend über den ganzen Zyklus verwendet werden.

Das bedeutet: durch die Kombination der symptothermalen Methode nach Sensiplan mit einem Diaphragma habe ich die Freiheit, nicht immer ein Diaphragma benutzen zu müssen, wenn der Tag ein eindeutig unfruchtbarer ist. Ich habe aber auch ein Verhütungsmittel an der Hand, mit dem ich potenziell lange Phasen der Fruchtbarkeit oder der uneindeutigen Beobachtungen überbrücken kann. Gerade für die ersten Zyklen, in denen natürliche Familienplanung erlernt wird, gibt dies zusätzliche Sicherheit.

Ein passendes Diaphragma

Diaphragmen gab es früher nur in verschiedenen Größen jeweils 5 mm Unterschied im Durchmesser, die von Frauenärzten oder Beratungsstellen wie ProFamilia angepasst werden mussten. Heute gibt es mit dem Caya® auch ein Einheitsgrößen – Diaphragma, das für mindestens 85 % der Frauen passend ist. Es muss nicht notwendigerweise von einem Frauenarzt nachkontrolliert werden, wenn es gut sitzt, nicht drückt oder stark in der Scheide hin und her rutscht. Eine Überprüfung der Größe ist aber wünschenswert, da die beste Sicherheit in Sachen Verhütung mit Diaphragmen immer dann erreicht wird, wenn die Größe exakt passt. Leider gibt es nicht mehr in allen Städten Frauenärzte oder Beratungsstellen, die eine Anpassung anbieten.

Das Diaphragma als alleiniges Verhütungsmittel hatte seinen Höhepunkt in den siebziger und achtziger Jahren. Die Nachfrage ist mit dem Siegeszug der hormonellen Verhütung sehr zurückgegangen, erlebt aber heute dank der Kritik an der Pille eine echte Renaissance. Es ist zu hoffen, dass dem Wunsch junger Frauen nach hormonfreier Verhütung entsprechend, die Diaphragma-Anpassung in Zukunft wieder vermehrt angeboten wird.

Verhütung und Fruchtbarkeit sind zwei Seiten einer Medaille

Love, Andry Richardson auf Pixabay

Ein Vorteil selbstbestimmter Verhütungsmethoden wie NFP und Diaphragma liegt darin, dass Frauen, wenn sie später schwanger werden wollen, mehr über ihren Körper wissen. Sie können die ein bis zwei Tage vor dem Eisprung, an denen die Chance schwanger zu werden am größten ist, präzise identifizieren. Wenn Zyklus-Unregelmäßigkeiten auftauchen, können Sie Ihrem Frauenarzt konkret davon berichten.

Mir ist es in der Begleitung von Kinderwunschpatientinnen immer sehr lieb, wenn Frauen ihre Zykluskurven mitbringen. Viele hormonelle Probleme, die sich leicht beheben lassen, wie bspw. eine Gelbkörperschwäche, können ohne aufwändige Laboruntersuchungen aus den Zyklusblättern abgelesen werden. Frauen, die natürlich verhüten, müssen sich auch keine Gedanken machen über einen möglicherweise ausbleibenden Zyklus nach dem Absetzen der Pille, oder einen Frauenarzttermin vereinbaren, um erst ihre Spirale ziehen zu lassen. Wenn der Kinderwunsch deutlich wird, können sie ihrem Liebsten gleich sagen: „Schatz, die fruchtbaren Tage kommen, jetzt lass ich das Diaphragma mal weg, ich möchte, dass wir Eltern werden!“ Wenn der Partner dazu noch nicht bereit ist, steht es ihm frei, Kondome zu verwenden.

Zur natürlichen Verhütung gehört auch ein partnerschaftlicher Umgang miteinander, das Gespräch über Verhütung und Familienplanung und dass nicht wie selbstverständlich die Frau alleine für die Verhütung zuständig ist, wenn er sich noch nicht reif fühlt, Vater zu werden. Es braucht nicht nur zwei Menschen zum Tango tanzen, sondern auch um ein Kind zu zeugen. Für viele Paare bedeutet es eine Bereicherung der Beziehung, über Fruchtbarkeit und Sexualität ins Gespräch zu kommen.

Über die Autorin

Dr. med. Dorothee Struck, Frauenärztin und Ärztin für Naturheilverfahren, ist in ihrer eigenen Privatpraxis Kiel niedergelassen. Neben den Heilpflanzen und der Mikrobiologie hat sie zwei weitere „Hobbys“ im Bereich der Gynäkologie: Verhütung und Kinderwunsch! Scheinbar gegensätzliche Themen, aber doch nur unterschiedliche Seiten einer Münze. Die Freiheit für Frauen zu entscheiden, ob und wann in ihrem Leben Kinder einen Platz finden, ist für sie ein wichtiger Punkt für selbstbestimmtes Leben. Wenn Dorothee Struck nicht in der Praxis arbeitet, paddelt sie gerne mit ihrem Mann die kleinen Flüsse Norddeutschlands herab und betrachtet die Heilpflanzen am Ufer.

Kontakt

Dr. Dorothee Struck
Praxis für Frauengesundheit Kiel
Esmarchstr. 1a
24105 Kiel
Tel 0431-2404019
E-Mail: Moin@frauengesundheit-kiel.de
Website: www.frauengesundheit-kiel.de
Webinare und Online-Kurse: www.docdodo.de

Buchempfehlung von der Redaktion

Natürlich verhüten

Sicher, pillenfrei, gefühlsecht: damit ist eigentlich alles gesagt, und auch die größte Zweiflerin tut gut daran, sich mit diesem Ratgeber zu befassen. In ihrer unkonventionellen aber medizinisch fundierten Art hat die Frauenärztin Dr. Dorothee Struck in diesem Ratgeber das Wissen zur Fortpflanzung gebündelt. Die körperlichen Veränderungen während des weiblichen Zyklus werden sehr verständlich beschrieben. Schritt für Schritt wird demonstriert, wie die Anfängerin sich untersuchen und die Temperaturkurven auswerten kann. Kritisch bewertet sie moderne Zyklusapps und angebliche technische Erleichterungen zur Bestimmung der fruchtbaren Tage. Die verschiedenen Barrieremethoden werden vorgestellt, wobei das Caya momentan den höchsten Stellenwert besitzt, weil es zu wenige Frauenärzte gibt, die noch Diaphragmen oder Portiokappen anpassen. Deshalb ist es nur konsequent, dass Dr. Struck auch Webinare anbietet, in denen Fragen rund um die Verhütung und den Kinderwunsch, die zweite Seite der Medaille, gestellt werden können.

Wenn Sie mehr über Verhütung wissen wollen, dann lesen Sie den ersten Artikel von Frau Dr. Struck hier im Netzwerk Frauengesundheit, der auf ihrem ersten Buch „Verhüten ohne Hormone“ beruhte. Darin werden die Vor-und Nachteile und die Sicherheit sämtlicher Verhütungsmethoden aufgezeigt, so dass Ihnen die Entscheidung nicht schwerfallen dürfte. Eine der wenigen seriösen Verhütungsberaterinnen, die auch in ihrem Buch genannt werden, ist Maggie, die für Sie kürzlich einen fundierten Artikel zu Zykluscomputern geschrieben hat.

Und wie sind Ihre Erfahrungen mit der natürlichen Verhütung? Schreiben Sie unseren Leserinnen doch einen Kommentar!

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