Wenn Sie bis ins hohe Alter geistig fit bleiben wollen, lassen Sie regelmäßig Ihre Hörleistung überprüfen und scheuen Sie sich nicht, Ihr Hören frühzeitig durch ein Hörgerät zu optimieren.

junge Frau mit Hörhilfe ©istock.com/Pixsooz

Je nach Definition verfügt der Mensch über sechs oder sieben Sinne. Und wie alle Sinnesorgane, baut auch das Gehör mit zunehmendem Alter ab. Anfangs sind die Veränderungen kaum bemerkbar: Bestimmte hohe Töne lassen sich schon recht früh, manchmal bereits mit Mitte 20, nicht mehr wahrnehmen, allerdings betrifft dies nur die Hochfrequenztöne, die für Alltag und Kommunikation nicht wichtig sind.

Doch je mehr es in Richtung Seniorenalter geht, desto spürbarer wird der Verlust und selbst die moderne Medizin hat nur begrenzte Lösungen parat. Der Fernseher muss lauter gestellt werden, Stimmen bei Telefonaten sind schwerer zu verstehen und Umgebungstöne nicht mehr so klar voneinander zu unterschieden.

Was beim Hören passiert

Hören ist ein komplexer Prozess, der gar nicht so kompliziert zu verstehen ist, wenn man sich die einzelnen Schritte ansieht. Selbst ohne tiefes Verständnis der Physik ist der Ablauf nachvollziehbar. Als Grundlage reicht es zu wissen, dass sich jegliche Töne in Form von Schallwellen bewegen und die Wellenlänge wiederum über den Ton entscheidet.

Hörtest ©istock.com/eldemir

Beim Hören geschieht demnach Folgendes: Die Luft ist (im Normalfall) der Transporter, der die Schallwellen zum Außenohr transportiert. Dort angekommen, fungiert die Ohrmuschel als Trichter, sodass möglichst viele Informationen in den Gehörgang gelangen. Dieser führt zum Trommelfell, das Teil des Mittelohrs ist, wandelt Schallwellen in mechanische Schwingungen um, die von kleinen Knochen weitergeleitet werden, bis sie auf die Haarsinneszellen im Innenohr treffen. Diese werden von den Schwingungen erfasst, und in der Folge entsteht ein Sinnesreiz. Der Hörnerv übernimmt den Transport zum Gehirn, das die eingehenden Signale verarbeitet und in brauchbare Informationen umwandelt.

Das erklärt auch, warum es im Vakuum des Weltalls keine hörbaren Geräusche gibt: Die Abwesenheit von Luft bedeutet, dass die Schallwellen keinen Transporter finden. In anderen Medien wie Wasser gibt es zwar Geräusche, doch die Eigenschaften von Wasser sind anders als die von Luft, worauf das menschliche Gehör justiert ist. Folglich sind Töne im Wasser hörbar, aber nicht klar und verständlich.

Digitale Hörgeräte verbessern die Empfangsleistung

Die Funktionsweise eines Hörgeräts basiert auf diesen Vorgängen und liefert Unterstützung. Das Prinzip ist stets dasselbe: Ein integriertes Mikrofon nimmt die eingehenden Schallwellen auf und wandelt sie in elektrische Signale um. Ein Prozessor verarbeitet die Informationen, wandelt sie in Schwingungen um und sendet sie per Lautsprecher verstärkt in den Gehörgang. Die Verlustleistung beim Empfangen von Tönen wird dadurch minimiert, und als Resultat können Senioren und Hörgeschädigte Geräusche wahrnehmen, die ansonsten zu unklar und diffus im Ohr ankommen würden.

Häufigkeit von Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis)

Meist macht sich die Altersschwerhörigkeit ab dem 60. bis 65. Lebensjahr bemerkbar. So wie am ganzen Körper treten auch an den kleinen Haarzellen des Innenohrs Verschleißerscheinungen auf. Durch Infektionen, Diabetes, Verletzungen oder frühere schlechte Gewohnheiten (wie zu laute Disko, zu laute Musik über Kopfhörer usw.) kann der Abbauprozess auch deutlich früher beginnen. Neben der Hörstörung können auch Tinnitus, Ohrensausen oder extreme Empfindlichkeit gegenüber lauten Geräuschen auftreten.

In Deutschland tragen beinahe zwei Millionen Menschen ein Hörgerät, nicht viel kleiner ist jedoch die Zahl derer, die eigentlich eins benötigen, sich aber (noch) nicht dafür entschieden haben. Die Gründe dafür sind vielfältig: Manchen Senioren käme die Verwendung eines Hörgeräts einem Eingeständnis gleich, dass das Gehör stark abgebaut hat. Andere mögen die Optik der Geräte nicht, Eitelkeit ist nicht selten ein Gegenargument.

Warum Sie sich selber schaden, wenn Sie den Einsatz eines Hörgeräts hinauszögern, obwohl Sie es brauchen würden

Leider höre ich immer wieder von Patienten (Frauen und Männern): „Jetzt habe ich schon so viele Hörgeräte ausprobiert, aber ich höre ohne immer noch viel besser! Außerdem will ich mich nicht an so ein Gerät gewöhnen, sonst höre ich eines Tages gar nichts mehr!“ Kommt Ihnen irgendwie bekannt vor?

Dann möchte ich Ihnen noch mal genau erklären, was passiert, wenn Sie nicht richtig hören können: die Schallwellen landen unvollständig am Hörnerv, der gibt die brüchige Information an übergeordnete Zentren im Gehirn weiter, das Gehirn kann damit nichts anfangen und verliert die Fähigkeit, Wörter zu erkennen, zu unterscheiden, den Sinn zu verstehen. Daher stammt der Ausdruck: „ich höre, aber ich verstehe nicht“. Mit Hörhilfen kann man das Gehirn regelmäßig stimulieren und damit die Unterscheidungsfähigkeit erhalten. Warten Sie zu lange ab, bis Sie sich an eine Hörhilfe trauen, dann hilft Ihnen das Gerät zwar dabei, besser zu hören, aber Sie werden es nicht mehr schaffen, zu verstehen!

Dabei wird oft unterschätzt, wie stark sich diese Technologie in den vergangenen 20 Jahren weiterentwickelt hat. Moderne Hörgeräte sind keine klobigen Boxen mehr, die unförmig hinter dem Ohr sitzen und das Erscheinungsbild dominieren. Aus diesem Grund setzt sich aktuell die Bezeichnung Hörsystem anstelle von Hörgerät durch. Diese macht den Wandel deutlich, der in der Branche stattfindet und soll künftigen Trägern die Entscheidung erleichtern.

Individuelle Produktauswahl unverzichtbar

Moderne Hörhilfe : ©istock.com/Maica

Dennoch ist eine individuelle Produktauswahl unverzichtbar. Es gibt schließlich verschiedene Arten von Hörschäden. Nicht jedes Hörgerät eignet sich für jeden Benutzer gleich gut, da es stets auf den Zweck ausgerichtet sein muss. Entscheidend ist dabei der Prozessor des Hörgeräts: Er ermöglicht die genaue Anpassung an den jeweiligen Bedarf.

Dies übernimmt der Hörgeräteakustiker, der ein sogenanntes audiologisches Profil erstellt, aus dem sich die Anforderungen ableiten lassen. Anschließend geht es an den Produkttest: Persönliche Präferenzen hinsichtlich Tragekomfort und Optik spielen ebenso eine Rolle wie die kleinen, aber feinen Unterschiede, die es beim Hören geben kann. Nach einigen Wochen stellt sich heraus, welches Modell das beste Gesamtpaket bietet, und klaren Klängen steht bis ins hohe Alter nichts mehr im Wege.

Unabhängig vom Namen ist klar: Das Hörgerät muss zum Besitzer passen, der Kauf sollte demnach nicht leichtfertig erfolgen, sondern unter Berücksichtigung vieler Kriterien. Im Verlauf dieses Prozesses ist es unverzichtbar, mehrere Hörgeräte ausgiebig zu testen. Nur auf diese Weise werden Unterschiede deutlich und der Benutzer bekommt ein sensibles Gespür für die Funktionsweise der Technik.

Gezieltes Hörtraining beugt Hörverlust vor

Mit gezieltem Training bleibt das Gehör so lange fit, wie das Potenzial es zulässt. Verschiedene Methoden haben sich etabliert und folgen stets einem ähnlichen Prinzip: Indem man sich bewusst auf das Gehör konzentriert, beispielsweise mit geschlossenen Augen, wird das Instrument gefördert und bleibt auf Trab. Die Übungen lassen sich leicht in den Alltag integrieren. Das Wichtigste ist folglich, sie zu verinnerlichen und regelmäßig anzuwenden. Wird dies umgesetzt, präsentiert sich das Gehör als lernfähiger, trainierbarer Partner, der nicht alleine dem Zufall überlassen werden muss. Dennoch lässt sich der Qualitätsverlust meist nicht vollständig aufhalten. Zumindest nicht für immer – und dann kommt technische Unterstützung ins Spiel.

Umgang mit schwerhörigen Menschen

  • Wenden Sie sich dem Menschen zu und schauen Sie ihn direkt an. So können Lippenbewegungen, Gestik und Gesichtsausdruck das Verstehen unterstützen.
  • Vermeiden Sie, beim Sprechen zu kauen oder den Mund zu verdecken.
  • Sprechen Sie klar und deutlich in kurzen, einfachen Sätzen.
  • Und eine ganz einfache Maßnahme, die von einem Tag auf den anderen die Schwerhörigkeit beheben kann: begleiten Sie den schwerhörigen Menschen zum Hals-Nasen-Ohrenarzt. Manchmal verhindert ein Riesenpfropfen Ohrenschmalz, dass sich noch eine Schallwelle ausbreiten kann. Nach einer heftigen Ohrspülung ist plötzlich die Welt wieder in Ordnung!

Haben Sie Erfahrungen mit Schwerhörigkeit? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar! Falls Sie eine Buchempfehlung zum Thema haben, schreiben Sie mir die doch bitte auch, ich habe jedenfalls bai amazon nichts Passendes gefungen.

Drucken