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Scheidenpilze, Behandlung mit Chemie oder Homöopathie?

Von | 16. Dezember 2009 – 12:28 19 Kommentare 48.155 AufrufeDrucken

pilze

Viele Frauen müssen sich immer wieder mit Scheidenpilzinfektionen herumquälen. Da ist es nur verständlich, wenn Frau irgendwann genug von der Zäpfchenschmiererei hat und mal was Anderes ausprobieren möchte, bspw. die Homöopathie. Nun gibt es zum ersten mal eine Studie, die mit statistisch einwandfreien Methoden überprüft hat, welche Therapie bei Scheidenpilzen am besten hilft. Es ist eine der seltenen Studien, die tatsächlich eine individuelle klassische Homöopathie eingesetzt hat und nicht nur irgendein homöopathisches Mittel. Eine Studie, die von Anfang an qualitativ hochwertig ausgelegt war.

Studien Design

Österreichische Gynäkologen teilten 150 Frauen mit wiederkehrenden Candida-Infektionen der Scheide in drei Gruppen.

  • Gruppe A erhielt Itraconazol plus Milchsäurebakterien,
  • Gruppe B erhielt Itraconazol ohne Zusatz und
  • Gruppe C wurde nach den Regeln der klassischen Homöpathie behandelt.

Vor Aufnahme in die Studie, nach einem halben und nach einem Jahr wurden Pilzkulturen aus dem Scheidenabstrich angelegt.

Nach Behandlung der akuten Infektion mit Itraconazol wurde dieses Medikament in der Gruppe B über ein halbes Jahr jeden Monat einmal zur Verhinderung eines Rückfalls geschluckt.

Die Frauen der Gruppe A führten zusätzlich jeden Monat nach der Periode für 6 Tage die Milchsäuerebakterien-Zäpfchen in die Scheide ein.

Die Behandlung der Gruppe C mit klassischer Homöopathie erfolgte über das ganze Jahr. Dabei wird anfangs eine mehr als einstündige Anamnese erhoben, wobei der Therapeut die Besonderheiten und Eigenarten der Patientin auf körperlicher, psychischer und geistiger Ebene herauszufinden versucht. Der Scheidenpilz interessiert dabei nur ganz am Rande. Denn der Homöopath geht davon aus, dass das Milieu, die Umgebung entscheidend dafür ist, ob sich ein Pilz halten kann oder nicht. Er behandelt deshalb den ganzen Menschen.

Studien Ergebnisse

Nach der Akutbehandlung

Nach der Akutbehandlung waren bei 90 % der Patientinnen der Gruppe A und bei 85% der Gruppe B keine Pilze mehr im Abstrich nachweisbar, aber nur bei 47% der Gruppe C. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn so schnell kann die homöopathische Therapie auch nicht wirken. Aber es ist doch immerhin interessant, dass auch ohne Chemie die Pilze bei der Hälfte dieser Frauen verschwunden waren.

Nach einem Jahr

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Da es sich bei allen Frauen aber um immer wiederkehrende Infektionen handelte, war es natürlich viel spannender, herauszufinden, was nach einem Jahr los war. Nach einem Jahr waren in der Gruppe A noch 76% und in der Gruppe B noch 78% frei von Pilzen, in der Gruppe C nur 39%. Die Frauen in der Gruppe C gaben noch deutlich mehr Beschwerden an als in den beiden anderen Gruppen, und sie waren mit dem Behandlungsergebnis auch deutlich weniger zufrieden.

Zufriedenheit

Gruppe A 72%, Gruppe B 68%, Gruppe C 59%.

Fazit der Autoren

Die alleinige Itraconazol- Behandlung über mehrere Monate ist effektiver als die homöopathische Therapie, die gleichzeitige Applikation der Milchsäurebakterien ist nicht nötig.

Vorsicht geboten

Aber Vorsicht, Itraconazol ist kein harmloses Medikament, das Sie selber auf gut Glück nehmen dürfen. Es kann viele Nebenwirkungen haben, deshalb muss Ihr Arzt Sie erst gründlich untersuchen und auch wissen, welche anderen Medikamente Sie brauchen. In der Schwangerschaft und während des Stillens dürfen Sie es nicht einnehmen.

Mein Kommentar

Als Naturheilkundeärztin und Fan der Homöopathie bin ich natürlich nicht erfreut über dieses Resultat, aber es entspricht meinen Erfahrungen in der Klinik. Die Tatsache, dass auch jede vierte Frau in der Medikamentengruppe unzufrieden war, spricht dafür, dass es in einigen Fällen eben wirklich nicht reicht, nur den Pilz immer wieder zu vernichten, sondern dass man auch Vorsorge durch sein Verhalten und seinen Lebensstil treffen muss, um den Pilzen den fruchtbaren Nährboden zu entziehen.

Weitere Tipps zu diesem Thema finden Sie in dem anderen Artikel auf dieser Seite über Pilze und in meinem Frauen-Gesundheitsbuch.

Originalquelle

A. Witt et al. Monthly itraconazole versus classic homeopathy for the treatment of recurrent vulvovaginal candidiasis: a randomised trial. BJOG. 116 (2009) 1499-1505

19 Kommentare »

  • Sandra sagt:

    Sie meint sie würde nach dem Akutmittel gegen den Pilz suchen…

  • Sandra sagt:

    Liebe Frau Dr. Gerhard,

    Ist es normal so oft das Mittel zu wechseln. Ich soll mir nun wieder drei neue Mittel in der c30 Potenz besorgen?!

    Liebsten Gruss,
    Sandra

  • Sandra sagt:

    Danke für die schnelle Antwort. Ich habe bereits vor einer Woche solch eine 5 tägige Kur gemacht. Kann ich das problemlos wiederholen? Ich will gerne der Homöopathie noch eine Chance geben.

  • Sandra sagt:

    Liebe Prof. Dr. Gerhard,

    Mich plagt nun schon seit sechs Wochen ein akuter Pilz. Bin in homoöpatischen Behandlung und wechsle wöchentlich, beinahe täglich die Globuli. Meine Frauenärztin ( hält ebenfalls viel bin Homoöpathie ) hat mir eine 4 Wochentherapie mit Diflucan 200 empfohlen. Können sie mir einen Rat geben. Ich mache mir Sorgen, dass mein Problem garnicht mehr Weg geht. Meine Ernährung Habe ich auch schon sehr umgestellt in den letzten Wochen, da ich sehr oft unter Pilzinfektionen leide.

    Lieben Gruss,
    Sandra

  • henne sagt:

    also wenn schon in den ersten Zeilen ein Fehler steckt…
    Gruppe A mit Milchsäurebakterien in der Aufzählung,
    in der Beschreibung danach bekommt plötzlich Gruppe B die Bakterien …
    ansonsten hat Recht was heilt, und da gehört das Symptome wegdrücken der üblichen „Schulmedizin“ für mich, auch aus Erfahrung, nicht dazu;

    • igerhard sagt:

      Liebe Henne,
      Schon erstaunlich, dass dieser Fehler von Ihnen als erster nach 4 Jahren entdeckt wurde! Super und 1.000 Dank. Freue mich sehr darüber und werde ihn gleich beheben. Wenn Sie weitere Fehler in anderen Artikeln finden, bitte ruhig schreiben. Auch ich bin gegen das „Symptom wegdrücken“, wie Sie sicher in verschiedenen Artikeln schon gelesen haben.
      Viele Grüße

  • igerhard sagt:

    Soweit mir bekannt ist, wird das Kokosöl als Grundlage für die Scheidenovula verwendet. Aber fragen Sie doch am besten noch mal direkt bei Frau Stadelmann an, sie ist die Spezialistin dafür: info@stadelmann-verlag.de

  • Ich würde gerne genauer wissen, wie das Kokosöl verwendet wird, auf Tampons, oder nur zur Reinigung, oder oral?
    Danke

  • Frauen mit chronischen Scheideninfektionen berate ich seit Jahren erfolgreich durch folgende Kombinationen: klassische Homöopathie, Aromatherapie und bewusste Hygiene.
    Homöopathie: entsprechendes Simile oder Konstitutionsmittel
    Aromatherapie: Rose-Teebaum-Hydrolat und/oder Ovula zur Therapie, hier mit Kokosnussöl zu kombinieren finde ich eine sehr gute Idee, mein Rat ist Nachtkerzenöl. diese beiden Pflanzenfette zu kombinieren ist sicher das Optimum. Grundsätzlich zur täglichen Hygiene Rosenhyrolat.
    Frauenhygiene: bei der Menstruation möglichst keine Tampons, sondern Binden und wenn dann ohne Chlorbleiche (Natra Care). Eine weitere ökologische und gesunde Variante sind waschbare Slipeinlagen und Damenbinden aus Naturseide (Kulmine & Stadelmann Natur). Meine persönlichen positiven Erfahrungen sammelte ich damit bereits vor 25 Jahren.
    Unterwäsche: möglichst nur reine Seidenschlüpfer (kbT) oder Baumwolle/Seide.

  • Kerstin sagt:

    Ich kann bei Scheidenpilz und Scheidenproblemen wärmstens das Gel von Multi-Gyn empfehlen. Das hat keine Risiken, ist aber super wirksam.

    Wens interessiert hab die Website gefunden unter http://www.multi-gyn.de

    Multi-Gyn Floraplus ist da zur Behandlung von Scheidenpilz
    Actigel bei bakteriellen Infektion.

    Ich nehm das Actigel immer nach dem Sex. Dann hab ich keine Schmerzen und seit dem auch auch keine Pilzprobleme mehr.

  • Corinna sagt:

    Seit ich kaltgepresstes Kokosnussoel verwende bin ich von lebenslangen Pilzbefall freigeworden. Das ist 10 Jahre her.

    • igerhard sagt:

      Liebe Corinna,
      der Tipp ist prima. Vielleicht könnten Sie für die Leserinnen, die das nachmachen möchten, etwas genauer schreiben, wie Sie das Kokosöl verwendet haben: einfach nur beim Kochen oder auf ein Tampon in die Scheide oder wie?

  • igerhard sagt:

    Vielen Dank für die Kommentare. Bei der Homöopathie gibt es ja recht unterschiedliche Methoden, wenn man die Behandlung mit Einzelmitteln, Komplexmitteln, anthroposophischen Mitteln usw. insgesamt betrachtet. Dabei gibt es durchaus auch Studien, in denen die Homöopathie besser als Placebo abgeschnitten hat. In der vorliegenden Scheidenpilzstudie war dieser Nachweis aber gar nicht das Ziel, sondern es ging nur um den Vergleich mit der üblichen medikamentösen Therapie.

  • Jaddy sagt:

    Die Studie ist schon vom Ansatz her nicht geeignet, die Wirksamkeit einer homöopathischen Behandlung nachzuweisen. Offenbar wurde nicht einmal einfach verblindet, geschweige denn doppelt. Es fehlen ausserdem die Kontrollgruppen ohne Wirkstoff und ohne Behandlung.

    Allerdings kann man auch bei diesem mangelhaften Setting schon feststellen, dass sowohl objektiv (Messung des Pilzbefalls) als auch subjektiv (Zufriedenheit), die Homöopathie deutlich schlechter abschneidet.

    Soweit mir bekannt, hat keine seriöse Studie bisher zeigen können, dass Homöopathie besser als reine Placebos wirkt.

    Bei Homöopathie und ähnlichen Praktiken besteht jedoch die Gefahr, eine gefährliche Erkrankung so lange zu verschleppen, bis auch die echte Medizin nicht mehr helfen kann.

  • Walter sagt:

    Die Studie haette eine Gruppe D haben muessen, die mit einem Placebo behandelt wurde. Nur so koennten wir sagen ob die Homeopathische Behandlung in ihrer Wirkung ueber die spontane Selbstheilung bzw. den Placeboeffekt hinaus ragt.

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