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Auch ein Parasit kann jucken, die Filzlaus

Von | 20. August 2009 – 16:12 25.581 AufrufeDrucken
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feuchte Nähe, © ingerhard

Besonders im Sommer kommen sich viele Menschen wenig bekleidet viel zu nah. Da kann es schon passieren, dass manch ein Parasit erfolgreich seinen Stammsitz wechselt. Zu diesen Parasiten oder Schmarotzern gehört die Filzlaus (Phthirus pubis), auch unter dem Namen Schamlaus bekannt, da sie sich im Schamhaar wohl fühlt. Die Laus ernährt sich von menschlichem Blut. Die Eier, auch Nissen genannt, klebt sie mit einer nicht wasserlöslichen Substanz in das Schamhaar. Die Filzlaus hat einen gedrungenen platten Körper von bis zu zwei Millimetern Größe und sechs Beine, was für eine Ähnlichkeit mit einer Krabbe sorgt. Ein Weibchen legt täglich vier bis fünf Eier, die in rund 18 Tagen zum geschlechtsreifen Tier heranwachsen. Die Übertragung erfolgt meist beim Geschlechtsverkehr.  Aber auch nur enger Körperkontakt kann ausreichen, um sich die Tierchen einzufangen. Weitere Möglichkeiten sind durch gemeinsame Nutzung von feuchten Handtüchern, bspw. beim Sport, oder fremde Bettwäsche unter ungünstigen hygienischen Verhältnissen. Auch wenn Sie Kleidung aus dem Second Hand Shop kaufen und nicht gründlich waschen, können Sie sich anstecken!

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so ähnlich sieht die Filzlaus aus, © ingerhard

Vor allem der heftige Juckreiz ist charakteristisch. Beim Duschen fühlt sich das Schamhaar eventuell etwas rauh an und wenn Sie die Haare mit den Fingern abfahren, lassen sich die Nissen wie kleine Schuppen abstreifen. Große Tiere können Sie unter Umständen selbst erkennen. Auf jeden Fall sieht Ihre Ärztin diese unter dem Mikroskop. Aber dann müssen Sie sie normalerweise erst mal auf Ihren Verdacht hinweisen! Ich erinnere mich noch gut an eine Patientin, die in meine Sprechstunde kam, weil sie seit 9 Monaten unter Juckreiz des Genitale litt. Drei verschiedene Frauenärzte hatten ihr immer wieder Pilzsalben und Zäpfchen verschrieben, die nicht halfen, bis der letzte Arzt sie zusammen mit ihrem Mann zur Psychotherapie schicken wollte, denn er nahm an, dass ein Partnerproblem vorläge. Dieses lag tatsächlich vor, aber anders als der Arzt dachte: die beiden litten unter Filzläusen, die man aber nur finden konnte, wenn man sich gründlich den gesamten Schambereich anschaute und von der Patientin zeigen ließ, wo es denn am meisten juckte, und das war eben nicht in der Scheide, sondern im Schamhaar.

Zur lokalen Therapie standen bisher vor allem verschiedene Mittel mit giftigen Inhaltsstoffen, wie Lindan (erst ab 2008 nicht mehr erlaubt!!), Permethrin oder Pyrethrumextrakten zur Verfügung. Sie sind jedoch alle auch für den Menschen giftig. Fragen Sie Ihre Ärztin nach modernen pflanzlichen oder physikalischen Mitteln, die schon bei Kopfläusen eingesetzt werden und die Sie auch im Schambereich ausprobieren können.

Vergessen Sie auch nicht, Ihre Wäsche, Kleider und das Bettzeug bei mindestens 60 Grad zu waschen. Die Parasiten mögen keine hohen Temperaturen! Was nicht oder nur bei niedriger Temperatur waschbar ist, wird eine Woche ausgelüftet. Kleinere Gegenstände können Sie auch in einen Plastikbeutel einschweißen und eine Woche liegen lassen, alternativ zwei Tage in die Tiefkühltruhe bei minus zehn Grad legen.

Kratzen Sie auf keinen Fall, denn das bringt Ihnen keine Besserung. Stattdessen besteht die Gefahr, dass Sie vorhandene Eier auf andere behaarte Körperpartien übertragen. Folgende homöopathische Mittel können gegen das schreckliche Jucken helfen: Calcium carbonicum D12, Caladium D12 oder Sulphur D12, jeweils vier Globuli zwei- bis dreimal täglich. Besprechen Sie aber das für Sie richtige Mittel mit Ihrer Naturheilkundeärztin

Übrigens: Kopfläuse gehören zur selben Familie wie die Filzläuse. Fragen Sie in der Apotheke, wo es inzwischen ungefährliche pflanzliche oder physikalische Alternativen für Ihre Kinder gibt, die ja besonders empfindlich sind.

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