Home » Lebensstil & Umwelt

Sonnenbaden mit Verstand, Wunderelixier für unsere Gesundheit. Interview mit einem Arzt und Lichtspezialisten.

Von | 7. August 2010 – 23:10 3 Kommentare 40.840 AufrufeDrucken
Sonnenbad © ingerhard

Sonnenbad © ingerhard

Nach dem langen strengen Winter möchten wir jetzt alle so viel Sonne wie möglich tanken, wenn da nicht ständig im Hinterkopf das schlechte Gewissen lauern würde, das uns eintrichtert:  „Schütz Dich vor der Sonne, sonst bekommst Du Hautkrebs!“ Dabei merken wir ja selber, wie unsere Laune steigt, wenn die Sonne scheint. Und wir wissen auch, dass unsere Haut unter der Sonnenbestrahlung wichtiges Vitamin D (VD3) bildet, das uns unter anderem vor Osteoporose und Krebs schützt. Wegen der vielen widersprüchlichen Empfehlungen habe ich für Sie ein Interview mit dem Arzt und Lichtspezialisten Alexander Wunsch geführt. Er wird uns am ehesten sagen können, wie wir die Vorteile des Sonnenlichts für unsere Gesundheit nutzen können, ohne uns vor den Gefahren fürchten zu müssen.

Gerhard: Was passiert denn nun beim Sonnenbaden in der Haut?

Wunsch: Sonnenlicht dringt je nach Wellenlänge unterschiedlich tief in die Haut ein, je langwelliger, desto tiefer. Das Licht erzeugt chemische Wirkungen und Wärme. In der Keimschicht der Haut wird die Produktion von Horn bildenden Zellen (Keratinozyten), in den Melanozyten die Bildung von Melaninpigment angeregt. Das entstehende Vitamin D3 aktiviert die Langerhans-Zellen und stößt damit einen immunologischen Reparaturmechanismus an, der eventuellen UV-Schäden entgegenwirkt. Andere Funktionen des Immunsystems werden hingegen gebremst. Eine leichte Anregung (eine ganz leichte Lichtentzündung) in der Haut ist jedoch erwünscht, denn wie ein Muskel, der nicht benutzt wird, kann auch die Haut ohne Licht- und Temperatur-Reize verkümmern. Das kann man oft bei älteren Menschen beobachten, die seit Jahren nicht mehr in der Sonne waren, bei ihnen ist die Haut oft dünn wie Pergament. Je dünner die Haut wird, desto weniger Blutvolumen kann sie aufnehmen, was in der Folge zu einer erhöhten Volumenbelastung des Herz-Kreislauf-Systems führen kann. Solange die Haut in ihrer Durchblutungsreaktion flexibel bleibt, kann sie z.B. zur effektiven Senkung eines zu hohen Blutdrucks beitragen.

Therapeutisches Sonnenspektrum

Therapeutisches Sonnenspektrum

Es gilt in jedem Fall, dass Sonnenlicht sehr wirksam ist und wir es daher RICHTIG DOSIEREN müssen, um in den Genuss der Vorteile zu kommen.

Die positiven Effekte sind neben der Vitamin D-Photosynthese in der Haut z.B. positive Wirkungen auf den Feinbau der Haut und des Kapillarsystems, Stoffwechselabläufe, Herz-Kreislauf-System, Blutdruckregulation, Hormonsystem, Wasserhaushalt, Immunsystem bis hin zu schützenden Wirkungen bezüglich der allermeisten Zivilisationskrankheiten einschließlich Krebs. Ein weiterer Vorteil einer gezielten und richtig dosierten Sonnenlicht-Exposition ist der Aufbau eines körpereigenen Lichtschutzes in Form von Pigmentierung und Ausbildung einer Lichtschwiele. Die allmähliche Verdickung der Hornhaut bis auf das Zehnfache entspricht einem Lichtschutzfaktor (LF) von 4. Hinzu kommt der Lichtschutz durch die Einlagerung von Melaninpigment in die Hornschicht, die wir als Bräunung wahrnehmen. Zu nennen ist hier noch die Lichtschutzwirkung von Urocaninsäure im Schweiß, die mit einem Lichtschutzfaktor von 2 in die Berechnungen mit eingeht. Je nach Hauttyp und Sonnengewöhnung kann ein körpereigener Gesamt-Lichtschutzfaktor von 40 und mehr entstehen. Man kann nicht genug betonen, dass es eine Reihe von natürlichen, körpereigenen Lichtschutz-Strategien gibt, die viele Vorteile gegenüber chemischen Lichtschutz-Präparaten aufweisen.

Die negativen Wirkungen machen sich in erster Linie bei falscher bzw. Überdosierung bemerkbar. Hier wären zu nennen: Sonnenbrand, Sonnenstich, Hautalterung, Hautkrebs.

Gerhard: Es wird ja empfohlen, bereits vor dem Sonnenbaden ein Sonnenschutzmittel aufzutragen, das einen möglichst hohen Lichtschutzfaktor, je nach Hauttyp natürlich, haben soll. Werden dadurch nicht die negativen und die positiven Auswirkungen der Sonne auf die Haut verhindert?

Cremen zum Sonnenschutz © ingerhard

Cremen zum Sonnenschutz © ingerhard

Wunsch: Aus meiner Sicht reduzieren Sonnenschutzmittel mit chemischen Schutzfiltern die positiven Wirkungen der Sonne, wie Ausbildung der Lichtschwiele und Erzeugung von Vitamin D, während die Schäden durch kurzwellige Strahlung noch verstärkt werden. Man weiß heute, dass chemische Schutzfilter, die ja nicht auf der Hautoberfläche bleiben, sondern in die Haut einziehen, dort vermehrt Sauerstoffradikale bilden, wenn sie mit UV-Strahlung in Kontakt kommen. Das muss man sich einmal vorstellen: Mit Sonnencreme bilden sich unter Umständen mehr Sauerstoffradikale in der Haut als ohne! Hinzu kommt, dass man sich mit diesen Mitteln vielfach länger in der Sonne aufhalten kann als ohne, was die Menschen dazu verführt, viel länger in der Sonne zu bleiben, als es für ihre Haut gut ist. Der Sonnenbrand ist ein klares Alarmsignal für eine Überdosierung von Sonnenlicht in der Haut. Ein Sonnenbrand muss unter allen Umständen vermieden werden, denn er blockiert die normalen Anpassungsreaktionen der Haut und gilt als wichtiger Risikofaktor für Hautkrebserkrankungen.

Da das Sonnenlicht unter natürlichen Bedingungen nicht konstant ist, muss man besonders bei den ersten Sonnenlicht-Anwendungen sehr vorsichtig sein. Auch muss man wissen, dass die Hautreaktionen auf UV-Strahlung erst nach einigen Stunden erkennbar werden. Zur Gewöhnung an die Sonne empfehle ich, am ersten Tag mit nur 5 Minuten Mittagssonne zu beginnen. Wenn man am Abend keine Hautrötung feststellt, kann man die Zeit an folgenden Tagen langsam steigern, bis eine Bestrahlungsdauer von 20 Minuten gut vertragen wird. Längere Expositionszeiten bringen im Hinblick auf die Vitamin D3-Bildung keine Vorteile.

Gerhard: Was empfehlen Sie für den Umgang mit dem Sonnenlicht, zum einen im Alltag in Deutschland, zum anderen in der Urlaubszeit, am Meer oder in den Bergen?

Wunsch: Die Sonne scheint in unseren Breitengraden so unregelmäßig, dass der gesunde Mensch im Sinne der Prophylaxe, gerade auch in Hinblick auf eine optimale Vitamin D-Versorgung, jede Gelegenheit nutzen sollte, sich wohldosiert der MITTAGSSONNE auszusetzen. Die wirklich nutzbaren Sonnenstunden sind in unseren Breitengraden rar. Ein Problem in unserer Gesellschaft ist, dass viele Menschen in einer Arbeitssituation gebunden sind, die ihnen nicht ermöglicht, dann in die Sonne zu gehen, wenn dies aus physiologischer Sicht optimal wäre. Die wichtigsten Sonnenstunden liegen in der Mittagszeit, dann wenn die Sonne am höchsten steht. Zu dieser Zeit ist auch der Gehalt an kurzwelligem UVB am höchsten, allerdings nur im Sommer. Man spricht in unseren Breitengraden auch von einem UV-Winter, das ist die Zeit, in der die Sonne nicht genügend UVB-Strahlung liefert, also in den Monaten von Oktober bis März. Wir haben also nur ein halbes Jahr, um unsere Vitamin D3-Speicher auf natürliche Art und Weise zu füllen. Je größer die Hautoberfläche ist, die beschienen wird, desto größer ist der Effekt für die Vitamin D3-Versorgung. Den Kopf sollte man grundsätzlich mit einem breitkrempigen Hut schützen.

© ingerhard

© ingerhard

Schwitzt man in der Sonne, reduziert die Schweißschicht bis zu 50% der UVB-Strahlung, teils durch Reflexion, teils durch den Gehalt an Urocaninsäure. Außerdem wird der Organismus effektiv gekühlt. Das funktioniert allerdings nur dann optimal, wenn man nicht im Liegen sonnenbadet: Umherlaufen und sich bewegen ist also besser als eine Sonnenliege zu benutzen. Ich empfehle jedem, der ein Sonnenbad nimmt, die Verwendung eines Kurzzeitweckers oder Timers, denn die Zeitwahrnehmung verändert sich und es gibt auch Menschen, die beim Sonnenbad einschlafen, was unbedingt vermieden werden muss. Duschen unmittelbar vor und nach dem Sonnenbad sollte vermieden werden. Ist das nicht möglich, sollten wenigstens keine Detergentien, Waschlotionen oder Shampoos Verwendung finden, da diese die fettlöslichen Hormonvorstufen aus der Haut auswaschen können, bevor sie die Gelegenheit hatten, in die Blutbahn zu gelangen.

Während das Ziel für den Alltag die Sonnengewöhnung und die jahreszeitgemäße Optimierung der Vitamin D-Produktion ist, gelten im Urlaub andere Regeln. Wasser und Schnee reflektieren erhebliche Mengen von Sonnenlicht und machen daher einen zusätzlichen Lichtschutz erforderlich. Wenn man in ferne Länder reist, sollte man sich die Hautfarbe der Bewohner ansehen, die dort geboren wurden, dann bekommt man einen Eindruck, wie dunkel die Haut sein muss, um mit den örtlichen Sonnenverhältnissen fertig zu werden. Hat man selbst eine (deutlich) hellere Haut, ist erhöhte Vorsicht geboten. Um einen eigenen vollwertigen Lichtschutz aufzubauen, benötigt die Haut mindestens 4 Wochen. Meistens ist ein Urlaub zu kurz, um dies zu erreichen. Daher sollte man den Urlaub in sonnigen Gebieten so nutzen, dass man zunächst die Sonne zur optimalen Zeit für die Vitamin D3-Prophylaxe einsetzt und sich nach der „therapeutischen“, ungefilterten Expositionszeit effektiv vor der Sonnenstrahlung schützt, am besten durch Kleidung (Sonnenhut, langärmeliges weißes T-Shirt) und angepasstes Verhalten (Schatten suchen, Sonnenschirm).

Gerhard: Wie wählt man das passende Sonnenschutzmittel aus?

Wunsch: Sonnenschutzmittel funktionieren nach vier verschiedenen Prinzipien:

Chemische Schutzfilter,

• mineralische Schutzfilter,

• Substanzen auf Basis von Nano-Partikeln und

• geeignete Kleidung.

zumindest den Kopf schützen © ingerhard

zumindest den Kopf schützen © ingerhard

Letztere ist in jedem Fall das Beste, denn hier ist eine Wechselwirkung mit chemischen Inhaltsstoffen weitgehend auszuschließen – Kleidung dringt nicht in den Körper ein. Ganz anders verhält sich dies bei den Lotionen und Ölen, die auf die Haut aufgetragen werden: hier dringen die Substanzen in die Haut ein, je nach Beschaffenheit mehr oder weniger tief. Ätherische Öle erreichen sehr schnell die Blutbahn, andere Substanzen hingegen langsam oder überhaupt nicht, sie verbleiben z.B. in oder sogar auf der Hornschicht. Bei Nano-Partikeln ist beispielsweise noch nicht abschließend geklärt, in wieweit sie in den Körper eindringen können und sich möglicherweise sogar in hautfernen Geweben ablagern und unerwünschte Wirkungen entfalten. Mineralische Schutzfilter enthalten meistens Titandioxid, eine extrem weiße Substanz, die ihre Wirkung durch Reflexion entfaltet, die Strahlung wird also noch oberhalb der äußersten Hautschicht zurückgeworfen und damit unschädlich gemacht. Anders verhält sich dies bei den chemischen Schutzfiltern: Hier absorbieren die Substanzen die UV-Strahlung und wandeln sie in Wärme um. Je vollständiger ein Lichtschutz-Molekül die aufgenommene Energie in Wärme umwandeln kann, desto besser ist es in seiner Schutzwirkung. Leider können selbst die besten chemischen Schutzfilter, die es derzeit gibt, nur maximal 60% der eingestrahlten UV-Energie unschädlich machen, der Rest produziert Sauerstoffradikale in und auf der Haut. Die billigeren Schutzfilter können nur 10% der UV-Energie direkt umwandeln, hier werden also 90% der Ultraviolett-Strahlung in Sauerstoffradikale umgewandelt, die ohne das Sonnenschutzmittel gar nicht erst entstanden wären. Die natürlichen Lichtschutz-Substanzen in der Haut, nämlich Melanin und DNS, verwandeln hingegen 99,9% der Strahlungsenergie unmittelbar in Wärme, erzeugen also nur minimale Mengen an Sauerstoffradikalen. Hier haben wir wieder einmal ein Beispiel dafür, dass die Natur effektiver ist als unsere künstlichen Lösungen: Selbst der effektivste chemische Sonnenschutz erhöht die Konzentration von oxidativen Substanzen in und auf der Haut in erheblichem Umfang. Hinzu kommt, dass für eine Reihe von chemischen Schutzfiltern nachgewiesen wurde, dass sie, einmal auf die Haut aufgetragen, unerwünschte hormonartige Wirkungen entfalten können, die z.B. das Hautkrebsrisiko erhöhen oder in der Schwangerschaft auf das Ungeborene übergehen können.

Gerhard: Wie schützt man Kinder am besten?

Kinder bekleidet spielen lassen © ingerhard

Kinder bekleidet spielen lassen © ingerhard

Wunsch: Es gibt Einschätzungen von Wissenschaftlern, dass jeder Sonnenbrand im Kindes- und Jugendalter das spätere Hautkrebsrisiko erhöht. Die oberste Maxime ist daher die Vermeidung von Sonnenbränden. Die Verwendung von Lotionen mit Nano-Partikeln und chemischen Lichtschutzfaktoren kommen aus meiner Sicht hier nicht in Frage. Wenn unbedingt nötig, sollte man Mitteln mit mineralischem Lichtschutz den Vorrang geben. Es lohnt sich, im Internet danach zu suchen. Da viele Präparate mit mineralischem Lichtschutz vom Markt genommen wurden, weil sie nicht mehr den neuesten EU-Anforderungen entsprechen, bleibt also eigentlich nur die entsprechende Kleidung (s.o.)– und natürlich die gezielte Gewöhnung an das Sonnenlicht, damit ein eigener natürlicher Lichtschutz aufgebaut werden kann und die Kinder genügend VD3 erhalten – gerade im Wachstum ist dies besonders wichtig.

Gerhard: Wie müssen wir unsere Augen vor der Sonne schützen? Oder profitieren die auch vom Sonnenlicht?

Wunsch: Die Lichtreaktionen werden nicht nur über die Haut, sondern auch über die Augen und die obersten Hormonsteuerungszentren im Gehirn beeinflusst. Sonnenbrillen eignen sich aus meiner Sicht in erster Linie für den Schutz der Augen unter extremen Bedingungen, wie z.B. im Hochgebirge, am Wasser, in der Wüste oder in Schnee und Eis. Meine Erfahrungen sind dahin gehend, dass Menschen, die in heimischen Breitengraden oft eine Sonnenbrille verwenden, bald nicht mehr darauf verzichten können, da das Auge seine natürliche Anpassungsfähigkeit verliert. Ein wesentlicher Nachteil von Sonnenbrillen liegt in der Verflachung chronobiologisch wirksamer Lichtsignale. Wir beobachten heute, dass die Menschen am Tag eher zuwenig (natürliches) Licht bekommen, in der Nacht jedoch zuviel.

Sonnenbrille © ingerhard

Sonnenbrille © ingerhard

Sonnenbrillen können dieses Problem noch verstärken. Es gibt ja auch Alternativen, um das Auge vor direkter Sonnenstrahlung zu schützen, wie z.B. Schirmmützen, Hüte oder im Auto die Sonnenblende. Außerdem fließt die Beschaffenheit der Umgebung mit ein: Ein von der Sonne beschienener Baum im Wald reflektiert ein viel gesünderes Spektrum als beispielsweise eine Hochhausfassade. Je nach Umgebung kann es also durchaus sinnvoll sein, eine Sonnenbrille zu benutzen, bspw. auf dem Meer oder im Hochgebirge, eine pauschale Empfehlung dafür kann ich aber nicht geben.

Gerhard: und zu guter Letzt: wie groß ist denn nun die Hautkrebsgefahr durch die Sonneneinstrahlung, und wie kann man sich davor schützen?

Wunsch: In den letzten zwei Jahren wurden verschiedene gesetzliche Vorschriften auf der Basis veralteter und teilweise falscher Einschätzungen erlassen, wie z.B. die EU-Richtlinie zu Sonnenschutzmitteln, das Solarienverbot für Minderjährige oder die derzeit in Arbeit befindliche UV-Schutzverordnung, obwohl namhafte Forscher z.B. in offenen Briefen rechtzeitig Widerspruch eingelegt hatten. Diese Richtlinien und Festlegungen gehen davon aus, Sonnenlicht sei schädlich, erzeuge Krebs und könne durch VD3-haltige Nahrungsmittel oder Tabletten ersetzt werden. Um hier etwas Ordnung und Differenzierung zu stiften, zunächst ein paar Fakten:

Es gibt verschiedenste Arten von Hautkrebs, allerdings spielen drei davon die Hauptrollen. In der Keimzellschicht der Haut liegen Basalzellen und Stachelzellen, aus denen Basaliome und Spinaliome hervorgehen können. Das Basaliom wird auch als „weißer Hautkrebs“ bezeichnet, das Spinaliom als Plattenepithelkarzinom. Diese beiden Hautkrebsarten treten meist an lichtbelasteten Stellen des Kopfes oder der Hände auf, zeigen eine geringe Metastasierungstendenz, sind bei rechtzeitiger Diagnose gut behandelbar und machen etwa 90 % aller Fälle aus. Der schwarze Hautkrebs, das Maligne Melanom hingegen findet sich nur in 10 % der Fälle, ist aber für mehr als 90 % der Todesfälle verantwortlich. Melanome treten oft am Körperstamm und an Stellen auf, die selten mit der Sonne in Kontakt kamen und zeigen eine ausgeprägte Metastasierungstendenz. Ich bezeichne daher das Basaliom und das Spinaliom als die lokalen Formen von Hautkrebs und das Melanom als die systemische Form.

ruecken oben_groß

ärztlicher Hautcheck © ingerhard

Während die Ursache der lokalen Varianten mit der UV-Exposition klar in Verbindung gebracht werden kann, sind die Ursachen und Mechanismen bei der Melanomentstehung noch nicht wirklich geklärt. So gibt es z.B. eine Reihe von Studien, die ganz andere Ursachen als UV-Licht für die Melanombildung verantwortlich machen. In der Petrischale ist es sogar so, dass Vitamin D3 die Melanomzellen zum Absterben bringt. Bei immunsupprimierten Menschen kann man beobachten, dass das Immunsystem offenbar eine größere Rolle für die Hautkrebsentstehung spielt als das Sonnenlicht, hier findet sich bei gleicher Strahlungsexposition ein bis zu 200-fach höheres Risiko für eine Erkrankung.

Für gesunde Menschen bietet die Sonne bei richtiger Dosierung weit mehr Vorteile als Risiken. Unser Körper verfügt über eine Vielzahl von Schutzmechanismen, die wir durch schrittweise Sonnengewöhnung, gesunde Ernährung und viel Bewegung an frischer Luft optimal unterstützen können. So enthalten Obst und Gemüse eine Reihe von Pigmenten und Schutzstoffen, die im Körper als natürliche Lichtschutzfaktoren wirken.

Unsere Haut ist kostbar, sie hat es daher auch verdient, dass wir uns um sie kümmern. Dazu gehört auch, dass wir sie selbst beobachten und suspekte Veränderungen gleich abklären lassen. Auch hat jeder Versicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf einen ärztlichen Hautcheck.

Gerhard: Vielen Dank für diese erhellende Aufklärung zum Sonnenlicht und Sonnenbaden. Ich freue mich auf weitere Interviews mit Ihnen zu Vitamin D und zu Kunstlicht.

Alexander Wunsch hohe Auflösung-1Alexander Wunsch ist Humanmediziner und Lichttherapeut. Seine Tätigkeitsfelder und Forschungsinteressen sind die Geschichte der Lichtbiologie, Lichtwirkung auf Zellebene sowie die Photoendokrinologie und Anwendung der Photomedizin beim Menschen. Er ist Mitglied der deutschen Lichttechnischen Gesellschaft (LiTG) und Lehrbeauftragter für den Themenbereich „Light and Health“ im internationalen Studiengang „Architectural Lighting Design“ der Hochschule Wismar.

Kontakt:

Alexander Wunsch

Bergheimer Str. 116, 69115 Heidelberg

praxis@alexanderwunsch.de, www.sunblogger.eu, www.lichtbiologie.de, www.photonblog.de

http://sonne2010.wordpress.com

SonnenlichtAllen Lesern, die noch mehr zu diesem Thema wissen wollen, möchte ich das Buch über Sonnenlicht ans Herz legen. Der Wissenschaftsjournalist Thomas Klein hat auf etwa 400 Seiten die Fachliteratur zusammengetragen und gut strukturiert und allgemeinverständlich dargelegt, was für gesundheitliche Vorteile sich aus der vernünftigen Nutzung von Sonnenlicht ergeben und wie der Körper Schaden nimmt durch Sonnenmangel und falsche Beleuchtung.

3 Kommentare »

Kommentar schreiben

Hier können Sie Ihren Kommentar hinzufügen. Sie können diese Kommentare auch mittels RSS abonnieren

Seien Sie nett. Halten Sie es sauber. Bleiben Sie beim Thema. Kein Spam.

Um Ihren eigenen Gravatar einzurichten, registrieren Sie sich bitte bei Gravatar.