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Mit pflanzlichen Antibiotika gut durch den Winter

Von | 26. November 2016 – 01:54 Ein Kommentar 5.934 AufrufeDrucken

So wie sich Pflanzen gegen Bakterien wehren, können wir uns mit diesen Pflanzen ebenfalls gegen Bakterien schützen.

blumenwiese_1024x768Bakterien zählen zu den ersten Besiedlern unseres Planeten. Alle erdenklichen Lebensräume haben sie im Laufe der Jahrtausende für sich beansprucht. Lebewesen wie Pflanzen, Menschen und Tiere mussten sich gegenüber den bakteriellen Einzellern behaupten. Menschen und Tiere schützen sich durch natürliche Barrieren, die es Bakterien schwermachen, in sie einzudringen. Dazu zählen unter anderem die Haut und die Schleimhäute. Hinter diesen Barrieren wacht jeweils ein komplexes Abwehrsystem, das mit antibakteriellen Stoffen und wehrhaften Abwehrzellen bakterielle Eindringlinge bekämpfen kann.

So schützen sich Pflanzen gegen Bakterien

Auch Pflanzen haben Barrieren. Die Wurzeln und die oberirdischen Pflanzenorgane verfügen über eine stabile Außenhaut. Doch bei Verletzungen kann diese Außenhaut Schaden nehmen und Bakterien können in das Pflanzeninnere gelangen.

Wie verteidigt sich die Pflanze nun?

Abwehrzellen wie wir hat sie keine. Sie schützt sich mit sogenannten antibakteriellen Pflanzeninhaltsstoffen. Diese werden im Pflanzeninneren gelagert und im Bedarfsfall freigesetzt. Zu diesen bakteriellen Pflanzeninhaltsstoffen zählen unter anderem

  • die ätherischen Öle,
  • die schwefelhaltigen Senföle,
  • zahlreiche Gerbsäuen,
  • Saponine und Flavonoide.

Meist sind diese Stoffe auch gegen andere Krankheitserreger wie Viren oder Pilze wirksam. Diese Stoffe sind nicht nur für Pflanzen von Nutzen. Auch wir können von ihnen profitieren.

Was sind eigentlich pflanzliche Antibiotika?

Zubereitungen aus Heilpflanzen, die einen hohen Gehalt an besagten Pflanzeninhaltsstoffen aufweisen, bezeichnet man als pflanzliche Antibiotika. Das können Tinkturen, Tees oder Tabletten sein. Sie können je nach Zusammensetzung gegen Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen hilfreich sein. Über die Wirksamkeit eines pflanzlichen Antibiotikums entscheidet, ob die jeweiligen Pflanzeninhaltsstoffe in ausreichend hoher Dosis in einer Zubereitung enthalten sind. Im Krankheitsfall können Betroffene auf standardisierte pflanzliche Präparate zurückgreifen, deren Wirkung bereits in Studien bewiesen wurden. Sie können aber auch viele pflanzliche Antibiotika selbst herstellen. Dafür eignen sich zum Beispiel viele pflanzliche Zutaten aus Ihrer Küche.

Der richtige Einsatz pflanzlicher Antibiotika kann dazu führen, dass herkömmliche Antibiotika weniger eingesetzt werden müssen. Dies gilt besonders für die Winterzeit. Während der kalten Monate können pflanzliche Antibiotika nicht nur zur Behandlung von Infektionen eingesetzt werden. Sie sind auch probate Mittel, um Ihr Abwehrsystem zu aktivieren, damit Ihnen weniger Erkältungen zu schaffen machen.

Schutz vor Erkältungen mit pflanzlichen Antibiotika

Anders als herkömmliche Antibiotika können pflanzliche Antibiotika auch vorbeugend eingesetzt werden. So auch im Winter als „Erkältungsschutz“. Sie bekämpfen nicht nur bakterielle und meist auch virale Krankheitserreger, sondern stimulieren meist auch die Abwehr. Unsere Abwehr ist im Winter oft beeinträchtigt, etwa durch Kälte, Nässe, einseitige Ernährung, Bewegungs- oder Lichtmangel. Dann haben Krankheitserreger ein leichtes Spiel.

Ingwer

Ingwer

Ingwer

Sehr hilfreich im Winter ist der Ingwer (Zingiberis officinalis). Spätestens wenn ein Kratzen im Hals verspürt wird, sollte er griffbereit sein. Schneiden Sie eine Scheibe ab und zerkauen diese langsam im Mund. Der dabei freiwerdende Saft bekämpft bakterielle und virale Krankheitserreger, die auf Ihrer Rachenschleimhaut ihr Unwesen treiben. Zusätzlich aktiviert Ingwer das Abwehrsystem. Nach einem Aufenthalt im Freien ist deshalb ein Glas Ingwertee sehr wohltuend. Im Krankheitsfall ist der Ingwertee auch wegen seiner fiebersenkenden und schmerzstillenden Wirkungen hilfreich (1). 

Unser Tipp: Frischer Ingwertee

Überbrühen Sie ein kleingeschnittenes oder kleingeriebenes daumengroßes Stück geschälter Ingwerknolle mit ¼ Liter kochendem Wasser und lassen es 15 Minuten zugedeckt ziehen.

Wenn Stress oder starke körperliche Beanspruchung das Abwehrsystem schwächen

Personen, die starkem Stress auf der Arbeit oder in der Familie ausgesetzt sind, können im Winter anfälliger für Erkältungen sein. Dies kann auch Personen wie Hochleistungssportler betreffen, die körperlich regelmäßig an ihre Grenzen gehen. In beiden Fällen können sogenannte pflanzliche Adaptogene hilfreich sein, damit das Abwehrsystem seine Schlagkraft beibehält.

Als pflanzliche Adaptogene werden Heilpflanzen bezeichnet, die die mentale und körperliche Leistungsbereitschaft des Körpers auch bei starker Beanspruchung gewährleisten. Währende aufputschende Mittel wie Guarana oder Kaffee einem – oft nur kurzzeitig – mehr Energie verschaffen, sorgen Adaptogene dafür, dass der Körper stressresistenter wird. Man könnte ihre Wirkung am besten als „erschöpfungswidrig“ bezeichnen.

Zu den bekannteren adaptogenen Heilpflanzen zählen unter anderem die Rosenwurz (Rhodiola rosea) und die Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus).

Rosenwurz

Die Rosenwurz ist im alpinen Raum und in Skandinavien heimisch. Zur Rosenwurz liegen mehrere Studien vor, die aufzeigen, dass ihre Einnahme besonders die mentalen Fähigkeiten in Stresssituationen verbessert und geistiger Erschöpfung entgegenwirkt (2). Wer unter hohem geistigen Leistungsdruck steht, der kann als Unterstützung die Einnahme eines Rosenwurz-Präparates erwägen.

Taigawurzel

Die Taigawurzel ist in Sibirien heimisch. Sie wirkt vor allem einer körperlichen Erschöpfung entgegen (3). Von ihrer Wirkung können Sie vor allem an Wintertagen profitieren, an denen Sie körperlicher Belastung wie sportlicher Betätigung oder kalter, ungemütlicher Witterung ausgesetzt waren.

Unser Tipp: Heiße Taigawurzel mit Zitrone

2 bis 3 x tgl. 1 EL geschnittene Taigawurzel mit ¼ Liter siedendem Wasser überbrühen, 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und den Saft einer halben Zitrone hinzugeben.

Erkältungen behandeln mit pflanzlichen Antibiotika

kapuzinerkresse-orangeEs gibt verschiedene Pflanzeninhaltsstoffe, die bei einer Erkältung wirksam sein können. Hierzu zählen auch die Senföle (Isothiocyanate). Dabei handelt es sich um schwefelhaltige organische Verbindungen. Sie werden von Pflanzen gebildet, um sich gegen bakterielle Eindringlinge und gegen pflanzenfressende Tiere zu schützen. Denn Senföle zeichnen sich durch einen etwas bitteren Geschmack aus, der von vielen Pflanzenfressern gemieden wird.

Senföle sind für den charakteristischen Geschmack vieler Gemüse und Gewürzpflanzen aus der botanischen Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) verantwortlich. Dazu zählen zum Beispiel die verschiedenen Kohlsorten, die Rettiche, die Radieschen, die Kresse, der Senf und der Meerrettich. Diese Nahrungsmittel sollten auch im Winter auf Ihrem Speiseplan stehen. Denn Senföle, die in unseren Körper gelangen, werden durch die Lunge und durch die Niere wieder ausgeschieden. Dort, wo sie ausgeschieden werden, entfalten sie ihre antiviralen und antibakteriellen Wirkungen, nämlich im oberen und unteren Atemtrakt und in den ableitenden Harnwegen.

Kapuzinerkresse, Meerrettich und Thymian

Moderne pflanzliche Präparate machen sich die antiviralen und antibakteriellen Eigenschaften der Senföle zunutze. So zum Beispiel das bekannte freiverkäufliche Präparat ANGOCIN® Anti-Infekt N. Es handelt sich hierbei um ein Kombinationspräparat aus den Heilpflanzen Kapuzinerkresse (Tropaolum majus) und Meerrettich (Armoracia rusticana). Studien konnten seine Wirksamkeit bei Entzündungen der Nasennebenhöhlen und der Bronchien bestätigen (4)(5).

Ist vor allem die Nase bei einer Erkältung betroffen, können Heilpflanzen mit einem hohen Gehalt an ätherischen Ölen hilfreich sein. Ätherische Öle befreien die Nasenatmung und bekämpfen Viren und Bakterien im Nasenraum. Bei Schnupfen und Nasennebenhöhlenentzündung können Kopfdampfbäder sehr hilfreich sein.

Unser Tipp: So machen Sie ein Kopfdampfbad mit Thymian

Kochen Sie je nach Größe Ihrer Schüssel ein bis zwei Liter Wasser. Geben Sie dann pro Liter 1 EL Thymiankraut hinzu und lassen die Mischung zugedeckt (wichtig, sonst entweichen die ätherischen Öle!) auf ungefähr 50 °C abkühlen. Geben Sie die Mischung dann in eine Schüssel und beugen Ihren Kopf darüber. Decken Sie Ihren Kopf mit einem großen Handtuch ab, so kann kein Dampf entweichen. Atmen Sie den Dampf mit geschlossenen Augen bis zu 15 Minuten lang ein. Kleinkinder sollten ein Kopfdampfbad nicht alleine durchführen. Leisten Sie Ihrem Kind unter dem Handtuch Gesellschaft!

Wann ist ein Arztbesuch nötig?

Gesunde erwachsene Menschen sollten mit einer Erkältung (= grippaler Infekt) erst spätestens dann zum Arzt, wenn die Beschwerden länger als drei Tage lang andauern, eitriger oder blutiger Auswurf auftritt oder das Atmen, das Husten, die Stirn oder der Augenbereich schmerzt.

Im Gegensatz zu einer Erkältung erfordert die Grippe einen sofortigen Arztbesuch. Folgende Symptome sind für eine Grippe typisch:

  • Rasanter, plötzlicher Krankheitsbeginn
  • Hohes Fieber und Schüttelfrost
  • Meist Kopfschmerzen
  • Starke Gliederschmerzen
  • Krankheitsgefühl am ganzen Körper
  • Starke Erschöpfung

Verstopfte Nase, Niesen und Halsschmerzen sind im Vergleich zu einer Erkältung eher selten.

Das Literaturverzeichnis können Sie sich hier als pdf herunterladen

Über den Autor

dsc_6050_466x600Sebastian Vigl (geb. 1982) ist Heilpraktiker in eigener Praxis in Berlin. Aufgewachsen in den Bergen Südtirols, teilte er früh die Begeisterung seiner Familie für die Natur. Diese Begeisterung machte er nach Abschluss einer dreijährigen Heilpraktiker-Ausbildung zum Beruf. Besonders die Möglichkeiten der Pflanzenheilkunde liegen ihm sehr am Herzen. Sein Wissen teilt er beim Schreiben von Artikeln für diverse Fachzeitschriften und in Heilpflanzenführungen und –vorträgen. Zusammen mit seiner Praxiskollegin, der Heilpraktikerin Anne Wanitschek, hat er 2016 das Buch „Pflanzliche Antibiotika richtig anwenden“ veröffentlicht.

Kontakt

Heilpraktiker Wanitschek & Vigl Berlin
Nansenstr. 31
12047 Berlin–Neukölln
Tel.: (030) 208 655 94
e-mail: info@sebastianvigl.de
www.sebastianvigl.de

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vigl-pflanzliche-antibiotikaMit diesem Ratgeber über pflanzliche Antibiotika von Anne Wanitschek und Sebastian Vigl haben Sie die Chance, schon im Vorfeld Infektionskrankheiten abzuwehren und Ihr Immunsystem zu stärken. Die beiden Heilpraktiker laden Sie ein zu einem Spaziergang durch die Pflanzenheilkunde und erklären, welche spezifischen Inhaltsstoffe unserer Heilpflanzen Sie für ihre Gesundheit nutzen können.

Angefangen von Erkältungskrankheiten über Magen-Darmbeschwerden bis hin zu Blasenentzündungen, Hauterkrankungen und Wundinfektionen machen die Autoren Vorschläge, wie Sie sich und Ihrer Familie zunächst selber helfen können. Sie beschreiben aber auch genau, wann ein Arztbesuch angezeigt ist.

Die schwierigen Zusammenhänge zwischen Bakterien, Viren und dem menschlichen Wirt werden sehr verständlich dargestellt. Die Begeisterung der Autoren für die Kraft der Pflanzen überträgt sich auf den Leser, dem es ein Leichtes sein wird, sich seine eigene kleine Pflanzenapotheke mit Pflanzentees oder Pflanzenölen zusammenzustellen und immer griffbereit zu haben. Angesichts der zunehmenden Antibiotikaresistenz ist dieses Buch sehr bedeutsam, es nimmt die Angst vor Infektionen und bietet Alternativen im Umgang mit Infektionskrankheiten an.

 
 

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