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Frisch gesammelt, wild gemixt, gesund genährt!

Von | 3. August 2015 – 09:31 Ein Kommentar 3.322 AufrufeDrucken

Warum essbare Wildpflanzen für unsere Gesundheit wichtig sind und wie wir uns leicht und schmackhaft damit versorgen können wird von einem Natur- und Ernährungsexperten dargestellt.

Schneeball

Schneeball

Eine Ernährung und Versorgung mit essbaren Wildpflanzen beinhaltet ganz unterschiedliche Aspekte: Wir sind zum Entdecken und Sammeln inmitten heilkräftiger Natur und frischer Luft, wir knüpfen an altes Wissen an und verbinden dies mit heutigen Techniken (Stichwort „Grüne Smoothies“) – und wir werden als Teil der Gesellschaft insgesamt unabhängiger und selbstbewusster.

Lebendigkeit und Vitalität statt Einheitsbrei und „to-go-Food“

In Anbetracht unserer Menschheitsgeschichte und seiner Ernährungsweisen ist die heutige (Ess-)Kultur nicht unbedingt „fortschrittlich“. Die Technik und Digitalisierung unserer Welt sind sicherlich ein logisches Fortschreiten. Doch die sozialen Konsequenzen und Auswirkungen stehen hier paradoxerweise in einem krassen Gegensatz. Denaturierte Nahrung von Großkonzernen bestimmt das Bild in den Supermarktregalen. Die Entfremdung von jeglichem Natürlichem und Gesundem nimmt seinen Lauf und schürt gleichzeitig die Sehnsucht nach mehr Natur, mehr Grün, mehr Vielfalt … (der Trend zur veganen Ernährungsform sowie zur „Steinzeiternährung“ sind hier zwei Beispiele dazu). Moderne Krankheitsbilder wie Stress und Burn-out spiegeln letztlich unseren Umgang mit der „Mutter Erde“ und der Natur. Junge Gewächshauspflanzen wachsen (ebenso) mit Stress ohne gesunden Nährboden, natürliche Luft und Sonne. Tagelanges Transportieren und Lagern vermindern die Qualität.

Nicht nur bewusst und logisch, sondern auch intuitiv wissen wir, dass wir für die Lebendigkeit in unserem Alltag auch lebendiges und vitales Essen benötigen. Und dies gilt auf allen Ebenen unseres Seins:

Denn nicht nur der Körper, auch Seele und Geist wollen genährt sein.

Bereits 2012 hatte ich Ihnen in diesem Webmagazin in dem Artikel „Vitaminschub durch essbare Wildpflanzen“ den Vorschlag zur Selbstversorgung aus der Natur gemacht und Ihnen als Hilfe meine Bücher vorgestellt: „Die 12 wichtigsten essbaren Wildpflanzen„,  „Köstliches von Waldbäumen“ und „Köstliches von Hecken und Sträuchern„. Inzwischen ist auch noch „Köstliches von Sumpf- und Wasserpflanzen“ hinzugekommen. Und weiter unten stelle ich Ihnen ganz ausführlich meine neusten „wilden“ Sammlungen von 2015 vor.

Mehr denn je brauchen wir heute die „wilde“ Natur und „wilde“ Nahrung in Form von essbaren Wildpflanzen. Sie enthalten fünf bis zehn Mal so viel an Vitalstoffen wie unsere herkömmlichen Kulturpflanzen. Der Zugang ist heute glücklicherweise denkbar einfach und natürlich: Bekannte Alltagsrezepte werden mit bekannten (oder noch unbekannten) essbaren Wildpflanzen neu kombiniert. In einer modernen Küche sind essbare Wildpflanzen somit vielseitig verwendbar: frisch geerntet und roh im Salat und Smoothie oder als Pesto und Aufstrich; als Vorrat eingemacht und eingelegt in den verschiedensten Variationen und auch als klassisches Gemüsegericht im Wok gegart oder im Ofen gebacken.

Dies ist Selbstversorgung pur sowie aktive Gesundheitsvorsorge – ohne Düngung, Pestizide und Gentechnik. Dazu immer frisch, saisonal und regional.

Dazu lernen, damit integrieren, daran wachsen…

Weissdorn kl

Weissdorn

Das Erkennen und Sammeln in der Natur erfordert Wissen und Übung. Regelmäßige Streifzüge in bekannte Gefilde lassen uns an den Wachstumsprozessen einer Wildpflanze teilhaben. Wir erkennen die verschiedenen Reifestufen und ernten somit immerzu frisch und saisonal. Erstaunen und Freude machen sich breit, wenn wir einen Korb voll Wildpflanzen, Blüten und Kräuter sowie Früchte von Hecken und Sträuchern und Waldbäumen geerntet haben. Schon zwei Sammelspaziergänge pro Woche können den Bedarf an essentiellen Nährstoffen sichern.

Die Technik ermöglicht ein schnelles Verarbeiten und Zubereiten und kommt uns im Arbeitsalltag damit sehr entgegen. Mit Blender, Mixer, Entsafter und Dörrgerät können ganz einfach schmackhafte Gerichte zubereitet oder als Vorrat verarbeitet werden. Ob roh oder/und gekocht, vegan oder/und vegetarisch darf jeder individuell entscheiden.

Grüner Smoothie

Der grüne Smoothie wurde Ihnen bereits in diesem Webmagazin vorgestellt. Sie wissen auch schon, dass jeder grüne Smoothies verträgt, wenn man einige Vorsichtsmaßnahmen berücksichtigt

Gerade der grüne und wilde Smoothie bietet viele Vorteile in einer Mahlzeit:

  • Rohe (vegane) Kost
  • Hohe Vitalstoffdichte durch Verwendung der ganzen Frucht und Pflanze
  • Purer Genuss und Geschmack (alle Geschmacksnerven werden angeregt)
  • Schnelle Zubereitung
  • Gute und leichte Verdaulichkeit
  • Flüssige Nahrung, die man „schmauen“ kann.
  • Ehrliches und reines Lebensmittel, das seinen Namen verdient
  • Das Defizit an „Grün“ und somit an Chlorophyll wird reduziert

Rezept aus dem Buch „Wilder Mix

Smoothie mit Knoblauchsrauke (Seite 48)

Knoblauchsraukensmoothie © Micha Brem

Knoblauchsraukensmoothie © Micha Brem

Zutaten (4 Gläser)
  • 30g Blätter, Triebspitzen, Blüten der Knoblauchsrauke
  • 120g Kopfsalat
  • 1 Orange
  • ½ Salatgurke
  • ½ Banane
  • ½ Zitrone
  • ½ Avocado
  • 1 cm Stück Ingwer oder 1 TL Ingwerpulver
  • 1 Msp. Kurkuma
  • 1 Msp. Chilipulver
  • 600 ml reines Wasser
süßere Variante

weitere ½ Banane oder 1 reife Birne oder 3 entsteinte Datteln zugeben.

Zubereitung

Aus den Zutaten im Mixer einen Smoothie bereiten.

Reihenfolge beim Einfüllen beachten:

a) mit leichten Bestandteilen beginnen
b) weiter mit kompakten, schweren Bestandteilen
c) anschließend Kräuter, Gewürze, Superfoods
d) zuletzt reines Wasser dazugießen

Wild und bunt – bitter und scharf – abwechselnd und maßvoll

Wilde und grüne Smoothies, Desserts, Pestos oder Aufstriche…

  • reinigen und entgiften den Körper
  • stärken das Immunsystem
  • bieten hochwertiges Eiweiß
  • sind modernes „Anti-Aging“
  • führen vor allem für Mädchen und Frauen wertvolles Eisen zu (Brennnessel, Aronia…)
  • fördern die Darmgesundheit und
  • bieten für Frau und Mann zusätzlich Unterstützung.

Gerade Schafgarbe, Roter Wiesenklee, Frauenmantel und Brennnesselsamen sind für Frauen die Pflanzen der Wahl. Doch wie immer: abwechselnd und maßvoll.

Rezept aus dem Buch „Wilder Mix

Hagebutten-Dessertcreme (Seite 40)

Hagebuttendessertcreme ©Micha Brem

Hagebuttendessertcreme ©Micha Brem

Zutaten (4 Portionen)
  • 200g Hagebuttenmark oder 4 EL Hagebuttenpulver + 100ml Wasser
  • 2 Orangen
  • 2 Bananen
  • 4 entsteinte Datteln
  • 200 ml reines Wasser
Rezept-Variante: Hagebutten-Brotaufstrich

2 EL Hagebuttenpulver mit 2 EL reinem Wasser und 3 EL Birnendicksaft oder Agavendicksaft und etwas Zitronensaft vermengen, ziehen lassen.

Zubereitung:

Aus den Zutaten im Mixer einen Smoothie bereiten.

Neue Buchempfehlungen

Wilder Mix, Grüne Smoothies und Desserts mit Wildpflanzen

dr markus strauss wilder mix buchcover 3D_522x768In der neuen Publikation Wilder Mix werden zahlreiche Rezeptideen in Form von Smoothies, Pestos und Desserts mit Wildpflanzen und Wildfrüchten vorgestellt. In alphabetischer Reihenfolge werden die 31 Wildpflanzen von Ackermelde bis Wiesen-Bärenklau beschrieben, genau erklärt, wo und wann sie zu finden sind und welche Teile der Pflanze am leckersten sind. Ihre Inhaltsstoffe und sogar die Heilwirkungen werden dargestellt.

Alle Rezepte sind roh und vegan und werden vom Körper basisch verstoffwechselt. Viele Alternativen – auch diejenigen mit Wildpflanzenpulver – bieten nicht nur Abwechslung sondern erleichtern auch den Einstieg in die Welt des Wilden Mix. Rohköstlich-vegane Rezepte aus Wildpflanzen und Wildfrüchte für Grüne Smoothies, Pestos, kalte Suppen, Eis, Sorbet und Desserts sind mit dekorativen Bildern versehen. Hinweise zu passenden Superfoods und Sammeltipps zu den verwendeten Wildpflanzen sowie kreative Variationen ergänzen das Buch.

Die 12 besten Beeren aus Wildsammlung und aus dem Garten

Dr. Markus Strauß Die 12 besten Beeren-Cover webLieblings- und Trendbeeren, (noch) Unbekannte oder zu Unrecht Vergessene, sind hier zu finden. Kleine Kraftpakete, die uns die Natur quasi umsonst liefert, wenn wir wissen, wo und wann wir sie am besten pflücken können.

Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie in ihrer Wildform ein außergewöhnliches Aroma und geballte gesunde Inhaltsstoffe aufweisen – und dass sie auch in unseren Breiten gedeihen. Daher sind neben Sammeltipps auch Anbauhinweise für den Garten genannt.

Dazu tolle Ideen für eine gesunde Küche: Fruchtleder (gelatinefreie Alternative zu Gummibärchen), Aufstriche und Pikantes, das fruchtig bereichert wird. Ein anregendes Buch, das auch Mischköstlern den Einstieg in die wilde Küche schmackhaft macht.

Weiterwachsen und weiterbilden auf Hochschulniveau

Wer sich beim Gang durch die Natur unsicher fühlt, kann nicht nur die verschiedenen Bücher aus der Reihe „Natur & Genuss“ zur Hilfe nehmen. Seit 2013 gibt es zusammen mit der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen die Deutschlandweit erste Ausbildung auf Hochschulniveau im Bereich essbare Wildpflanzen! Diese bietet das Wiedererlangen von altem Wissen in Theorie und Praxis und ist auch eine gute Weiterbildungsmöglichkeit für verwandte Berufsgruppen.

„Einfach“ mal anfangen mit dem Newsletter

Mit dem Newsletter „Wildpflanzen aktuell“, der in der Hauptsaison von März bis Oktober zweiwöchentlich erscheint (und im Winter 1 Mal/Monat), kann jeder heute sofort mit (s)einer wilden Lebensweise anfangen. Sammeltipps und Rezepte sowie Veranstaltungen ermuntern und inspirieren zu wilder Lebendigkeit und dennoch nahezu einfacher Lebensweise.

Über den Autor

Portrait Markus StraußDr. Markus Strauß entdeckte bereits in seiner Kindheit seine Liebe zur Natur und studierte folgerichtig später Geographie, Geologie und Biologie in Heidelberg. Seine Arbeit in agrarökologischen Projekten führte ihn unter anderem in die Anden und den Himalaya, später aber auch wieder zurück nach Deutschland an das Südasien-Institut der Universität Heidelberg sowie an die Universität Mainz. Heute ist Markus Strauß freiberuflicher Autor, Berater und Dozent und lebt in Stuttgart.

Für namhafte Fachpublikationen schreibt Dr. Strauß regelmäßig Beiträge. Vorträge, Kurzseminare und Kongresse führen ihn durch ganz Deutschland. Auch im Fernsehen ist er als Experte gern gefragt. „Natürlich“ ist er am liebsten in der freien und unberührten Natur unterwegs – im Wald, in den Alpen oder an der Nord- und Ostsee.

Seine Vision

Die (Re-) Integration der essbaren Wildpflanzen in das Alltagsleben und die Alltagskultur sowie die Erschaffung von essbaren Landschaften.

Kontakt

info@dr-strauss.net

Webseite: www.dr-strauss.net

Haben Sie schon Erfahrungen mit dem Wildpflanzensammeln gesammelt? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar!

Ein Kommentar »

  • Inez sagt:

    Hallo Herr Strauß,

    ich kann mich nur ganz Ihrer Meinung zu den wilden Pflanzen anschließen. Seit etwa 10 JAhren bin ich ihnen völlig „verfallen“. Nach einer Ausbildung zur Kräuterpädagogin und einer Weiterbildung in Phytotherapie mache ich derzeit noch eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin um genau das zu tun: die wilde Pflanzen als Nahrung und Heilung wieder in die moderne Ernährung zu integrieren. Bei meinen Kräuterwanderungen und Vorträgen probiere ich das Wissen um die wilden Pflanzen zu verbreiten. Mit freundlichen Grüßen Inez Rattan

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